Abseits der bekannten Ausbausysteme gibt es immer wieder Ideen, die einen hingucken lassen. Weil sie anders sind oder Bewährtes mit Neuem kombinieren. Einen solchen Ausbau hat sich Joachim Grimmeisen in seinem Land Rover Defender 110 Tdi verwirklicht.

Reisen waren Joachim schon immer wichtig. Ein Jahr lang bereiste er mit einem Unimog Afrika. Nach dem Verkauf des Unimogs, kehrte er mit einem 2-WD VW-Bus nach Nordafrika zurück. Nach dieser Reise war klar, es musste wieder ein Allradfahrzeug ins Haus.

Joachim entschied sich für einen Defender Tdi, der mittlerweile schon 320.000 Kilometer auf dem Tacho hat. Schnell machte Joachim einen ersten Ausbau mit Bett und Staukisten. Das reichte auch, bis Hündin Nala dazu kam.

Joachim und seine Frau dachten über ein selbstgebautes Hubdach nach. Doch die vielen bereits gelaufenen Kilometer des Defenders schreckten sie ab. Während sie nach einem Tdi suchten, mit weniger gefahrenen Kilometern, baute Joachim parallel am Hubdach. Eine Testreise mit Dach auf dem alten Wagen verlief erfolgreich.

Selbstkonstruiertes Hubdach

Selbstkonstruiertes Hubdach

Kurz danach fanden die beiden einen neuen Tdi mit nur 53.000 Kilometern und der Komplett-Ausbau konnte losgehen. Die Möbel im Vorgänger gefielen Joachim nicht mehr, also suchte er nach neuen Ideen.

Auf der Abenteuer und Allrad wurde er fündig: Adam Hall Alu-Profile sowie Beschläge von 4×4 Innenausbau und Wiko-Tech. Allerdings entsprachen die Ausbau-Platten gar nicht seinen Vorstellungen. Eher zufällig stieß Joachim kurz darauf im Baumarkt auf 7 mm dickes Laminat, das exakt in die Alu-Profile passte.

Zunächst hatte er Bedenken, ob das Laminat die Anforderungen des Ausbaus in einem Allradfahrzeug auch erfüllen kann. Also testete er das Material erst einmal und ließ es mehrere Tage draußen im Regen liegen. Nach dem Test hatte sich das Laminat nur leicht verzogen, sollte also den Ansprüchen im Offroadbereich genügen.

Die Planung

Ziel des Ausbaus waren:

  • Schlafmöglichkeit für zwei Personen plus Hund
  • Sitzen sollte ohne Probleme möglich sein
  • 40-Liter-Wassertank mit Zapfmöglichkeit
  • Campingtoilette für Notfälle
  • Verdunklungsmöglichkeit

Als Erstes räumte Joachim den Defender komplett leer und vermaß ihn. Für den groben Ausbauplan nutze er das kostenlose 2D-CAD-Programm „Doublecad“ von Turbocad.

Bei der Planung waren drei Dinge gesetzt: die Kühlbox, der Hundekorb und die Campingtoilette. Den Rest konnte er frei planen. Zur Berechnung der Materialmenge nutzte Joachim die Excel-Vorlagen von 4×4 Innenausbau.

Erste Schritte

Die Alu-Profile sägte er mit einer Kapp-Säge mit Alu-Sägeblatt auf die richtige Länge. Nach dem Test, ob auch alles zusammen passt, ließ er die Profile für die Optik schwarz eloxieren.

Zur Isolierung zwischen Schränken und Karosserie legt Joachim eine 10 mm Armaflex-Matte. Die Matte verklebte er zunächst noch nicht, um nach einer Testfahrt endgültig zu entscheiden, ob sich das System bewährt.

Die Kisten

Aus der Planung entstanden sieben Einzelteile. Auf der linken Seite befindet sich im Heck ein schmaler Schrank mit ausklappbarem Waschbecken. Dann folgt ein großer Schrank mit einer Schublade für Küchenutensilien und darüber eine Kleiderschrank. Die oberste Box ist nach oben offen.

Die Rücksitzbank hat Joachim entfernt. Dort steht jetzt die Kühlbox auf einer seitlich offenen Kiste, die von der hinteren Tür aus zu erreichen ist. Daneben eine weitere Kiste mit der Toilette und auf der rechten Seite eine dritte Kiste, die von der rechten hinteren Tür aus geöffnet werden kann. Als letztes folgt auf der rechten Seite eine lange Kiste.

 

Die Sitzpolster

Die Sitzpolster machte Joachim kurzerhand aus einem Bezug aus Kunstleder von Cellofoam, der mit 4 mm dickem Schaum kaschiert ist. Dieses Kunstleder wird häufig in Baumaschinen verwendet. Ob diese Polsterung ausreichend ist, muss sich aber noch herausstellen.

Das Bett

Das Bett im Hubdach bestand anfangs aus einem Brett, auf das die beiden die selbstaufblasbare Matratze „Bornholm“ von Nordisk gelegt hatten. Das erwies sich als zu hart. Also tauschte Joachim das Brett gegen ein Lattenrost aus dem Fachhandel, den er zerlegte und auf die richtige Breite kürzte. Das hat den Vorteil, dass die beiden weicher schlafen. Nachteil ist, dass man sofort merkt, wenn sich der andere im Bett dreht.

Die Spüle

Für die Spüle kommt eine günstige Pumpe aus China zum Einsatz (unter 20 Euro). Das sollte für den Anfang genügen. Sobald die Wasseranlage weiter ausgebaut wird, muss sich noch herausstellen, ob die Pumpe ersetzt werden muss.

Küche im Defender

Küche im Defender

Standheizung

Seit 15 Jahren hat verwenden die beiden bereits eine Luftstandheizung D3L von Eberspächer. Für das Reisemobil möchten sie eine Planar ausprobieren, da diese als sehr leise gilt und sich mit dem Mobiltelefon steuern lässt.

Kosten

Die Kosten für den Ausbau schätzt Joachim auf maximal 1.800 Euro. Das Klappdach nicht mitgerechnet. Das Laminat erwies sich in der Rechnung als äußerst kostensparend.

 

Joachim ist 51 Jahre, verheiratet und von Beruf Elektroniker. Seine Reiseleidenschaft entwickelte sich schon als Teenager, als er mit Moped und Motorrad durch Europa tourte. Von Reisen mit seiner Familie im VW-Bus kam er zum Defender. Seine beiden Söhne fahren mittlerweile nicht mehr mit, leihen sich den Landy aber gelegentlich für eigene Touren aus.