Alles fing damit an, das Jürgen irgendwann sagte: „Lass uns in unseren Bus steigen und losfahren! Warum nicht bis Australien?“. Zu seinem Erstaunen sagte Helga ja. Schließlich kündigten sie  ihre Jobs, die Wohnung und fuhren mit ihrem Bulli los.

20 Monate lang fuhren Jürgen und Helga, 56.000 km weit. Sie durchquerten drei Kontinente und 19 Länder mit ihrem orangen 30 Jahre alten VW T3, den sie liebevoll Orangetrotter nannten. Dabei ging es durch den Iran, Pakistan, Nepal, Tibet, Indien, China und Südostasien bis nach Singapur. Von dort machten sie den Sprung nach Australien.

Doch es war nicht nur ihre Reiselust, die sie in die Welt trieb. Ihr Plan war es auf dem Weg zu helfen und zwar direkt vor Ort, dort wo es am Nötigsten war. Dazu motivierten sie einen Sponsor, der ihnen vertrauensvoll Geld zur Verfügung stellte. Dadurch konnten die beiden Menschen oder Organisationen unterstützen, die das Geld dringend benötigten. So finanzierten sie die Ausbildung zweier Mädchen, über deren Fortschritte sie sich bis heute regelmäßig informieren.

Was für mich das Buch so lesenswert macht, und es aus den zahlreichen Reiseberichten heraushebt, ist dass Helga Negele es schafft, den Leser wirklich mit in den Bus, zu den Menschen und auf die Pisten zu nehmen. Vielleicht liegt es daran, dass sie den Leser nicht nur durch ihre Augen nach außen schauen lässt, sondern auch nach innen?

Ihr Stil, einfach zu schildern, ohne zu werten, ist sehr angenehm. Immer wieder gibt sie dabei auch ihre eigenen Gefühle und die ihres Mannes Jürgen preis. Seine Berichte sind in dem Buch extra gekennzeichnet.

Der Leser kann sich mit ihr über die wunderbaren und prägenden Begegnungen mit Menschen unterschiedlichster Kultur freuen. Aber auch die Abneigung gegen einige Zeitgenossen spüren, die weniger angenehme Erinnerungen hinterlassen haben. Zum Glück waren letztere deutlich in der Unterzahl. Immer wieder begegnen ihnen völlig Fremde, die helfen und und das Wenige, das sie besitzen, teilen. Die Reise findet nicht nur im und um den Bus herum statt, sondern oft gehen beide los und entdecken die Natur, meistens in Nationalparks. Auch hier nehmen sie stets den Leser mit.

Häufig, wenn ich einen Reisebericht lese, fehlen mir die Bilder. Leider ist das auch bei diesem Buch der Fall. Die Bilder sind zu klein und es sind zu wenige. Gerade bei diesem Buch fehlen sie, wo doch des Öfteren von herrlichen Übernachtungsplätzen und beeindruckenden Orten die Rede ist. Das ist aber auch die einzige Kritik an diesem Buch. Orangetrotter – Augenblicke einer Weltreise ist insgesamt ein sehr schönes Buch, das positiven Seiten des Reisens hervorhebt, ohne die Schattenseiten zu verschweigen.

Helga und Jürgen bloggen übrigens auf Orangetrotter.de

Augenblicke einer Weltreise: 56.000km – 3 Kontinente – 20 Monate im Orangetrotter-Bulli
Traveldiary Verlag
ISBN 978-3-941796-95-9

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