Eine Reise auf der Panamericana von Feuerland bis Alaska beginnt leider nicht ums Eck. Einfach so drauf losfahren, wie in Richtung Seidenstraße oder in Richtung Afrika ist nicht, weil dazwischen nicht nur ein kleines Mittelmeer, sondern immerhin der Atlantik liegt. Unsere Reise auf der Panamericana beginnt also nicht irgendwo in Südamerika, sondern erstmal im Hamburger Hafen.

Nach den Abschieden in Augsburg und Aachen fühlt sich die Fahrt in die Hansestadt irgendwie schon so ein bisschen an, wie das große Abenteuer, die große Freiheit. Dabei liegt hier noch rund ein Monat Schiffsreise vor uns. 30 Tage auf einem Frachtschiff, nicht jedermanns Sache, für uns der perfekte Start ins Abenteuer. Einen Monat lang kein Internet, kein Fernsehen, kein Radio. Nur Meer, mehr Meer und noch mehr Meer.

Trotz Landgängen in Tilbury, Antwerpen, Dakar, Vitoria, Rio de Janeiro und Zarate, die ein bisschen Abwechslung bringen, können die Tage an Bord zäh und lang werden. Kein Animateur, der zum Waterpolo im Pool aufruft, kein Chanson-Abend mit Guildo Horn, kein Sascha Hehn der sich um das Wohl der Gäste bemüht. Auch als Passagier ist man auf einem Frachtschiff Fracht, genauso wie das eigene Reisemobil. Wir sind froh über unsere Handvoll spaßiger Mitreisender, Mike, der mit seinem Sprinter alleine Südamerika rocken will und wird. Mick, 68, der schon zum achten mal mit seinem Motorrad nach El Chaltén fährt und Ursi und Robert, die beiden Exil-Schweizer, die die nächsten fünf Jahre durch den Kontinent tuckern wollen.

Rückwärts geht es mit dem Defender in den Bauch der Grande Angola

Rückwärts geht es mit dem Defender in den Bauch der Grande Angola

34 Tage auf dem Frachtschiff

Geplante 30 Tage auf dem Frachtschiff sind Entschleunigung pur, wir drehen zwischen den für Afrika bestimmten Autos unsere Runden auf dem Deck. „Autos“, denen der TÜV die Untauglichkeit bescheinigt hat, die im Senegal oder Sierra Leone aber noch den ein oder anderen Hunderttausender auf die Piste legen. Man dreht sich im Kreis. Und irgendwie ist doch alles enorm ent- und spannend, nicht nur die Delfine, Wale und fliegenden Fische, auch das Nichtstun, das Reiseplanen, das Frachtschiffen.

Nach 34 Tagen ist es dann endlich soweit, wir verlassen mit unserem Defender hoppla-hopp die Grande Angola und stehen in Uruguay. Ein bisschen unvorbereitet, wie wir finden, so plötzlich konnte dann doch niemand damit rechnen. Und obwohl wir uns auf der Höhe von Südafrika befinden, in einem ultra-fremden Land, hat unsere Reise eigentlich noch gar nicht begonnen. Hier, im Osten Südamerikas gibt es eigentlich keine Panamericana. Wir müssen erst noch ein paar tausend Kilometer gen Süden bis nach Ushuaia, Fin del Mundo, ans Ende der Welt.

Meer, mehr und noch mehr Meer.

Meer, mehr und noch mehr Meer.

Patagonien wird windig

Vor uns liegt Patagonien. Wind und Wüste. Auf der Suche nach Zwischenzielen in Richtung Feuerland taucht immer die Frage auf, ob da wirklich nichts ist. Egal wie wir es drehen und wenden: da ist wirklich nichts. Also fast nichts. Das, was die Reiseführer hergeben, entpuppt sich oft als Reinfall, allein das Naturreservat Peninsula Valdés hält ein bisschen, was die Literatur verspricht. Aber die nächsten Wochen zeigen schnell, dass die „sensationelle“ Halbinsel nur ein Bruchteil dessen zeigt, was Argentinien und Chile sonst noch zu bieten haben.

Patagonien hat vor allem eins zu bieten: Wind. Und wer patagonischen Wind nicht (im wahrsten Wortsinn) erfahren hat, der weiß eigentlich nicht, was Wind ist. Immer. Ständig. Von allen Seiten. Und mit so enormer Wucht, dass nicht nur die Ohren schlackern, sondern auch die Sandbleche. Viel Wind für ein paar Stunden oder Tage, ja das geht. Aber in Patagonien windet es immer; so gewaltig, dass der Spritverbrauch auf 18 Liter hochknallt, Vollgas im vierten oder fünften Gang heißt 75 km/h. Und das noch nicht mal bei frontalem Gegenwind. Kein Wunder, dass es hier mehr Tankstellen als Wohnhäuser gibt.

Zwischen den Orten gibt es hunderte Kilometer Geradeaus und hie und da eine YPF-Tankstelle. Für uns sind die Tankstellen eine willkommene Alternative zu den „Camping Municipal“. Die Toiletten sind sauber, die Duschen sind heiß und Wifi gibt es auch. Camping ist in Argentinien zwar weit verbreitet, aber abgehackte Katzenfüße im Grill und (wirklich) unbenutzbare Klos entsprechen nicht so ganz dem, was wir als europäischen Standard bezeichnen würden. Ein guter Vorgeschmack auf unsere Panamericana-Reise, vielleicht.

Straßen in Patagonien - windig, staubig, gerade

Straßen in Patagonien – windig, staubig, gerade.

Ushuaia und das Ende der Welt

Weniger Rinder als wir gedacht haben säumen die Ruta 3 in Richtung Ushuaia. Es gibt viel mehr Schafe, Guanacos, Flamingos und Gürteltiere, die unseren Weg kreuzen. Jede Menge Guanacos eigentlich. Soweit das Auge reicht stehen sie links und rechts der Straße, oft auch mitten drauf. Dazu ein paar Kurven, einige Hügel und kniehohe Sträucher. Ach ja, und Wind, den gibt es natürlich auch.

Feuerland hatten wir uns anders vorgestellt, eher so ein bisschen wie Mordor vielleicht. Aber auch nach der Überquerung der Magellanstraße ist es nicht felsiger, kahler und zerrütteter. Stattdessen begrüßt uns Tierra del Fuego mit stahlblauem Meer und Wind und ein paar knöchelhohen Sträuchern. Die Kilometer ziehen sich hin und als die ersten schneebedeckten Berge und endlich wieder der erste Baum am Horizont erscheinen, liegt der eigentliche Start unserer Reise endlich in Reichweite. Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt, lebt allein vom Mythos, von vielen Backpackern und Overlandern, die hierher kommen, um zu drehen und zu starten. Weiter kommt man mit dem Auto eh nicht, die Ruta 3 hört im Nationalpark einfach auf.

Panamericana – wir kommen!

Für uns geht es hier jedoch erst richtig los. Ushuaia begrüßt und verabschiedet uns mit 0 Grad und Schnee. In Richtung Norden warten sommerliche Temperaturen und viele tausend Kilometer Panamericana. Unsere ersten Etappen führen uns durch Argentinien und das so vielfältige und atemberaubende Chile. Da sitzen wir jetzt gerade, am Fuß des Gletschers Ventisquero Colgante. Was uns seit Ushuaia passiert ist und wie es weitergeht, das erzählen wir beim nächsten Mal.

Ushuaia - Ende der Welt. Für uns der Beginn unserer Reise bis nach Alaska

Ushuaia – Ende der Welt. Für uns der Beginn unserer Reise bis nach Alaska

Das Buch über Frachtschiffreisen nach Südamerika

Wollt ihr wissen, wie Tobias mit dem Frachtschiff nach Südamerika gekommen ist? Das und was man auf einer Reise mit dem Frachtschiff beachten muss, könnt ihr in seinem Buch „MIT DEM FRACHTSCHIFF NACH SÜDAMERIKA (PDF + EPUB)“ nachlesen.

Mehr Stories und Bilder von unserer Reise auf der Panamericana gibt es in unserem Blog!