Als Tobias, das erste Mal zu Michaela sagte: „Komm lass uns einfach die Panamericana fahren“, war das mehr als Scherz gemeint. Am nächsten Montag wird es für die beiden Ernst. Sie besteigen das Schiff Richtung Südamerika. Wie aus einem Witz eine Reise um den Globus wurde, erfahrt ihr in diesem Interview.

Ihr fahrt mit einem 110er Defender ein Jahr lang auf der Panamericana. Warum habt ihr euch für dieses Fahrzeug entschieden?

Als ich mir den Wagen gekauft habe, hatte ich die Reise noch gar nicht im Sinn. Ich war 2015 bei einer Freundin in Berlin. Wir spazierten über den Kuhdamm und sie sagte zu mir: „Guck mal ein Defender. Wusstest du, dass die bald nicht mehr gebaut werden?“ Als alter Disco- und Freelander-Fahrer habe gedacht, so einen Defender könnte ich mir kaufen. Damit kann ich sicher chic zur Eisdiele fahren. ;-) Gesagt. Getan.

Bist du dann nur mit dem Wagen zur Eisdiele gefahren?

Während dieser Zeit habe ich viel das Blog von David und Eva aufindenosten.com gelesen. Die beiden sind mit zwei Defendern in den Osten aufgebrochen. Irgendwann sind sie zu zweit nur noch mit einem gefahren. Dann waren sie zu dritt. Der Rest ist Geschichte und die Kleine ist heute fast ein Jahr alt.

Die Bilder haben mich total angemacht. Michaela hat dann zu mir gesagt: „Mach nur weiter so. Irgendwann, dann packt’s dich.“ Das war dann später auch der Name unseres ersten Blogs. Wir haben uns entschlossen, einen Urlaub mit dem Wagen zu machen. Vor 19 Jahren hatte ich das letzte mal gecampt und meine Erinnerung daran war nicht die beste. Unser Plan war, von Piran in Slowenien nach Stargard an der Ostsee zu fahren. Der Ort, an dem mein Vater geboren wurde.

#piranstardard - 6.000 Kilometer durch Europa

#piranstargard – 6.000 Kilometer durch Europa

Wie war dein erster Camping-Urlaub?

Mir war klar, wenn wir so eine Reise mit dem Auto machen, wird das unglaublich scheiße und ich werde das nie wieder machen. Oder ich will nichts anderes mehr machen. Mehr über unsere Reise 6.000 Kilometer durch Europa könnt ihr übrigens hier lesen.

Wir haben uns von Gerd ein Bett ins Auto bauen lassen, haben eine Markise und einen Dachträger drangeschraubt und fertig war unser Reisemobil. Die erste Übernachtung war nach 10 Stunden Fahrt über die Alpen auf einem Campingplatz direkt am Meer. Das war einfach nur sensationell. Damals waren wir noch brav und hatten noch nie irgendwo wild gestanden.

Für mich war das eine echte Erfahrung diese Reise zu machen. Früher bin ich sogar zum Bäcker nur im Anzug gegangen. Also hatte ich mir schon im Vorfeld überlegt, wie ich auf dem Campingplatz schnell in den Anzug springen könnte,  um aufs Klo zu gehen. Überhaupt mit anderen Leuten ein Klo auf dem Campingplatz zu teilen, war für mich eigentlich unvorstellbar. In den vier Wochen hat sich das alles total geändert.

Von der ersten Camping-Reise zu einem Jahr Auszeit ist es ein weiter Schritt. Wie seid ihr auf die Idee mit der Panamericana-Reise gekommen?

Mitte letzten Jahres saß ich bei Matzker in Köln in der Werkstatt und wartete auf meinen Defender. Dort traf ich Glander. Glander war gerade mit dem Auto unterwegs von Barcelona nach Wladiwostok. Er lebt auf Mallorca und war drei Jahre lang quer durch zwei Kontinente gefahren.

Die Geschichten von seinen Reisen haben mich schwer beeindruckt. Einmal bin ich mal schlecht gelaunt aus dem Büro nach Hause gekommen und habe zu Michaela gesagt: „Irgendwann fahren wir die Panamericana.“ Und Michaela sagte nur: „Jaja.“

Je tiefer das Feuer runterbrannte, desto weiter wurden die Reiseziele

Je tiefer das Feuer runterbrannte, desto weiter wurden die Reiseziele

An einem lauen Sommerabend saß ich mit einer Karte und einer Flasche Wein im Garten. Vor mir ein Lagerfeuer und die Landkarte. Ich habe überlegt, wo wir denn noch hinfahren könnten. Je weiter das Feuer runterbrannte, je leerer die Flasche Wein wurde, desto weiter weg entfernten sich die Reiseziele.

Erst lag mein Finger auf dem Nordkap, dann irgendwo in Osteuropa. Ich dachte an das Buch Africa Overland und mein Finger wanderte nach Namibia. Und dann irgendwann war da wieder die Panamericana.

Dann kam eines zum anderen und ich sagte in den folgenden Wochen noch zweimal zu Michaela: „Irgendwann fahren wir die Panamericana“ und plötzlich sagte sie: „Warum eigentlich nicht“.

Eine solche Idee haben sicher viele Menschen, wie kam es, dass daraus dann ein Plan wurde?

Im Sommer letzten Jahres haben wir gesagt, wir schauen uns das mit der Panamericana mal an. Vielleicht könnten wir für ein paar Wochen, maximal drei Monate auf der Panamerciana reisen. Die Panamericana ist keine Straße wie die A8 von München nach Stuttgart, sondern ein Straßenverbund mit 25.000 Kilometern, die durch 14 bis 19 Staaten und durch sämtliche Klimazonen geht. Wenn wir in vier Wochen 6.000 Kilometer geschafft haben, sollte das doch auch in drei Monaten möglich sein.

Zu diesem Zeitpunkt war das alles noch sehr vage, einfach eine grobe Idee. Als erstes haben wir uns damit beschäftigt, wie bekommen wir den Defender nach Südamerika. Da gibt es verschiedene Möglichkeiten und wir sind dann auf ein Treffen von Seabridge gefahren. Seabridge bietet zwar komplette Reisen, aber auch nur die Verschiffung an. Dafür interessierten wir uns.

Auf der Veranstaltung waren 200 bis 300 Leute, die alle mit riesigen Reisemobilen gekommen waren. Der Altersdurchschnitt lag bei ungefähr 70 Jahren. Die Leute haben vermutlich alle gedacht, wir wären die Bedienung dort.

Nach den Vorträgen sprachen wir mit einer Dame von Seabridge, die uns erklärte, dass wir jetzt buchen müssten, wenn wir im nächsten Jahr fahren wollten. Ursprünglich hatten wir 2017 im Auge und sie sprach jetzt plötzlich von 2016? Wir uns beide angeschaut, zugenickt und die Buchung unterschrieben. Dann war die Überfahrt gebucht und damit fing der Schlamassel tatsächlich an. Das war am 10.09.2015.

Jetzt hattet ihr einen konkreten Termin. Was kam dann?

Von dem Moment an, war uns klar, dass wir das jetzt auch richtig machen müssen. Die Verschiffung kostet einen Haufen Geld und dann war es nicht damit getan, einfach vier Wochen oder zwei Monate Auszeit zu nehmen. Wir wollten einen sauberen Schnitt. Also haben wir das Haus wieder verkauft, das wir erst fünf Monate zuvor gekauft hatten, gaben unsere Jobs auf und haben alles verkauft, was nicht ins Auto passt. Das war die Chance einen kompletten Neustart zu machen.

Dafür ist eine Reise, mit viel Zeit und Muße genau das Richtige. Wir möchten uns mindestens ein Jahr Zeit nehmen, damit wir auch wirklich sehen können, was wir ansehen möchten. Um dort bleiben zu können, wo wir bleiben wollen. Ohne, dass wir die ganze Zeit auf den Kalender oder auf die Uhr gucken müssen. Deshalb haben wir auch nur die Verschiffung hin und keine Verschiffung zurück gebucht.

Während der Reise soll der Defender euer Lebensmittelpunkt werden. Wie habt ihr den Wagen auf die Reise vorbereitet?

Nur das Bett hinten und die Markise, war für eine solche Reise einfach zu wenig. Deshalb musste der Defender radikal umgebaut werden. Angefangen vom Dach bis zum Unterfahrschutz, Zusatztank, Seilwinde und so weiter. Die Seilwinde ist für mich nur eine Art Versicherung. Wenn ich die dran habe, werde ich sie nicht brauchen. Hätte ich keine dabei, würde ich mich vermutlich nach 50 Kilometern in einem Loch festfahren und nie wieder rauskommen.

Innenausbau mit Kühlbox und Porta Potti

Innenausbau Defender mit Kühlbox und Porta Potti

Das Gleiche gilt für die Sandbleche, die ich jetzt am Auto habe. Die sehen nicht nur gut aus. Wir können darauf kochen und abends ein Glas Gin drauf abstellen. Zur Not können wir sie auch abschrauben und drüber fahren. Aber dann wären sie verbogen, das will ich auch nicht.

Wir haben nach einiger Geländeerfahrung mit Freelander und Disco noch einen Offroad-Fahrkurs gemacht, mit Bergeworkshop und Erste-Hilfe-Kurs. Jörg, der Bergeprofi hat sich alles, was ich rund um die Seilwinde gekauft habe, angesehen und mich natürlich komplett auseinander genommen. Das ganze Zeug, bis auf die Seilwinde und das Seil selbst, war Mist. Mit einer Einkaufsliste hat er mich dann wieder heim geschickt.

Unseren kompletten Innenausbau und das Hubdach hat Dietmar gemacht. Mit dem haben wir stundenlang zusammengesessen, geplant und alles vorbereitet. Dietmar ist mein Defender-Mentor. Ich sage ihm, was ich gerne hätte, er sagt mir, dass das nicht geht und dann erarbeiten wir gemeinsam eine Lösung, die funktioniert.

El Gordo in voller Schönheit

El Gordo in voller Schönheit inklusive Hubdach

Er hat sich auch um die autarke Stromversorgung mit zwei Solarpanels, die  Standheizung und den Schrank für das Porta Potti gekümmert. Wie mein Vater schon sagte: „Eigener Herd ist Goldes Wert, eigenes Klo ebenso.“ Weil ich die Idee am Ende doch unsympathisch finde, den eigenen Scheiß im Auto herumzuschippern, haben wir uns noch ein Klappklo und ein Klozelt besorgt.

Das Extra-Bett falls mal jemand schnarcht

Das Extra-Bett falls mal jemand schnarcht

Ein Extra-Bett haben wir auch noch, falls wir uns mal streiten und ich ins Wohnzimmer abgeschoben werde.

Neben dem Ausbau des Autos gab es noch eine Menge für euch zu tun. Könnt ihr erzählen, um was ihr euch noch kümmern musstet?

Mit den eigentlichen Reisevorbereitungen haben wir im Januar diesen Jahres angefangen. Die beiden größten Punkte auf der Liste waren der Verkauf des Hauses und mein Ausstieg aus der Firma.

Wir hatten das Haus erst vor fünf Monaten gekauft und da fragt sich jeder, der sich für das Haus interessiert, warum ziehen die so schnell wieder aus. Vermutlich haben die meisten gedacht, dass dort jemand abgemurkst wurde. Das war ein Dauerjob, den Michaela übernommen hat.

Dann mussten wir uns um die Impfungen kümmern. Meine letzte Impfung war aus meiner Bundeswehr-Zivildienst-Zeit. Michaela, die öfter gereist ist, musste nicht so viel nachholen. Also musste ich mich gegen Cholera, Diphtherie, Gelbfieber, Hepatitis A und B, Meningitis, Polio, Tetanus und Typhus impfen lassen. Da konnte ich jede Woche zum Arzt laufen und die Schwester hat mich jedes Mal gefragt: „Welches Spritzerl hätten’s denn gern?“.

Das Einzige, was wir nicht gemacht haben, ist die Malaria-Prophylaxe. Der Tropenmediziner riet uns, wir sollten die Tabletten erst nehmen, wenn wir Anzeichen wir Kopfschmerzen verspürten. Allerdings hat er auch darauf hingewiesen, dass wir erstmal überlegen sollten, ob wir am Vorabend nicht einfach nur zu viel Gin hatten.

Versicherungen sind sicher auch ein großes Thema auf einer solchen Reise. Wie sind da eure Erfahrungen?

Das Versichern des Autos war nicht so einfach. Eine Vollkaskoversicherung wie bei uns, kennen die Südamerikaner nicht. Wenn du da dein Auto selbst kaputt fährst, hast du halt Pech. Eine Versicherung in Nordamerika ist schon einfacher zu bekommen, hat allerdings einen Haken. Wir gelten dort als Fahranfänger, da das unsere erste Versicherung dort ist. Das führt dazu, dass die Minimal-Versicherung für ein halbes Jahr um die 1.000 Dollar kostet.

Eine private Haftpflichtversicherung, wie wir sie aus Deutschland kennen, ist in Südamerika auch weitgehend unbekannt. Wenn jemand einem ins Auto fährt, regeln die Leute das dort mit einer Dollar-Note.

Die beiden beim Offroad-Fahrtraining

Die beiden beim Offroad-Fahrtraining

Wir haben auch versucht, die Drohne zu versichern. Da gibt es letztendlich überhaupt keine Informationen zu. Wir haben mit der Handelskammer gesprochen, mit dem Außenministerium und mit dem Ausfuhramt. Niemand konnte uns irgendwo konkrete Angaben zu Versicherung und Zoll geben.

Was sicher ist, dass die Drohne in Nicaragua nach unserem heutigen Stand absolut verboten ist. Dort wird sie unter sowas wie dem Kriegswaffenkontrollgesetz einsortiert. Mit einer Drohne im Gepäck wird man dort zwar nicht sofort eingesperrt, aber die Drohne wird konfisziert. Sowas wäre ärgerlich, deshalb sind wir noch unschlüssig, ob wir sie überhaupt mitnehmen. Zur Not schicken wir sie von unterwegs vor Nicaragua per UPS nach Deutschland zurück.

Wie sieht das mit den Einreisebestimmungen und dem Carnet de Passages in Südamerika aus?

Mit unseren deutschen Pässen haben wir Glück, dass wir nahezu visumsfrei reisen können. Wobei das nicht ganz richtig ist, ein Visum bekommen wir schon für jedes Land, das gibt es aber direkt an der Grenze.

Aufteilen der Reisevorbereitung

Aufteilen der Reisevorbereitung

Das gilt auch für die USA und Kanada. Für diese beiden Länder möchten wir uns allerdings mehr Zeit nehmen, deshalb haben wir ein B2-Visum für die USA beantragt. Damit können wir 180 Tage in den USA und Kanada unterwegs sein.

Das Carnet de Passages ist ein Zolldokument für das Auto. Dafür müssen Reisende je nach dem in welches Land sie fahren, Geld entsprechend des Wertes des Autos bei einer deutschen Bank hinterlegen. Zusätzlich kostet das Dokument noch eine ordentliche Gebühr. Es ist eine Versicherung für die jeweiligen Länder, dass der Einreisende sein Auto auch wieder aus dem Land ausführt. Wenn nicht, müsste er Einfuhrsteuern bezahlen.

Der ADAC hat im Internet eine schöne Karte, auf der wir gesehen haben, dass wir für Südamerika ein Carnet de Passages brauchen. Das könnten wir auch zu einem Spottpreis von 250 Euro direkt vom ADAC beziehen. Wir haben im Internet recherchiert und mit Leuten gesprochen, die bereits in Südamerika waren. Dabei ist herausgekommen, dass wir das Dokument in Südamerika gar nicht benötigen.

Gab es neben der Sache mit dem Carnet de Passages noch andere hilfreiche Tipps von Reisenden?

Das Schlimmste, was man bei einer Reisevorbereitung machen kann, ist sich auf das Internet zu verlassen. Du liest dich in ein Thema ein, alles klingt plausibel und dann sprichst du mit jemanden, der wirklich dort war und der sagt: „Alles Quatsch.“

Gut für uns war, dass wir Christian Weinberger übers Internet kennengelernt haben. Es ist ein österreichischer Koch, der vor zwei Jahren alles hingeschmissen hat und seit dem durch Südamerika reist. Der hat uns viele konkrete Infos zu Einreisebestimmungen und Dieselpartikelfilter gegeben.

Gut war auch der Tipp, dass wir uns auf der Zulassungsstelle zwei internationale Führerscheine ausstellen lassen sollten. Die Führerscheinstelle hält das nämlich nicht nach. Wenn dann ein Polizist in Honduras meint, er müsse meinen Führerschein einbehalten, weil er mich ärgern will, dann kann ich sagen: „Mach doch.“

Ein guter Hinweis war auch, sich einen zweiten Satz Nummernschilder ohne Zulassungsstempel und TÜV-Siegel machen zu lassen. Außerhalb Deutschlands interessieren diese Vermerke ohnehin keinen. Aber manchmal kann es sein, dass nachts dein Auto kurz ruckelt und schon hat jemand deine Nummernschilder als Souvenir abgeschraubt.

Wie sieht es denn mit eurer Sicherheit auf der Reise aus, habt ihr euch da auch vorbereitet?

Über unsere Sicherheit haben wir uns schon Gedanken gemacht. Gar nicht mal darüber, dass wir Angst haben überfallen zu werden. Aber stell dir vor, ich sitze vorm Auto in einer Salzwüste und blogge. Gut, andere würden sicher unter dem Auto sitzen und es reparieren. Also ich blogge, die Handbremse ist nicht richtig angezogen und ich werde überrollt. Da wäre es schön, wenn Michaela jemanden rufen könnte, der mich schnell da rausholt.

Deshalb haben wir den Spot Gen3 dabei. Mit dem Spot-Messenger können wir ein Notruf-Signal an die internationale Save- and Rescue-Zentrale schicken. Das funktioniert auch, wenn gerade kein Handyempfang ist. Die schicken dann eine Batterie Hubschrauber raus, um uns zu retten.

Außerdem habe ich meiner Mutter eine Generalvollmacht erteilt. Die Vollmacht ist notariell beglaubigt und meine Mutter kann sämtliche Geschäfte in meinem Namen tätigen. Bis auf die Steuererklärung, die muss nämlich persönlich unterschrieben werden. Das bedeutet, dass wir während unserer Reise zurück nach Deutschland fliegen müssen, damit ich meine Steuererklärung unterschreiben kann …

Eure Reisevorbereitungen klingen nach sehr viel Arbeit. Freut ihr euch denn überhaupt noch auf die Reise?

Es war unglaublich viel zu organisieren. Als ich zum ersten Mal auf einer Veranstaltung über unsere Reise erzählt habe, war das noch so weit weg. Zwischendurch wurde das Schiff mehrfach verschoben, so dass wir erst Ende Oktober starten sollten.

Wir hatten uns zwar auf Oktober eingeschossen, aber Ende Oktober erschien uns doch zu spät. Also haben wir die Reederei gebeten, uns auf ein anderes Schiff zu buchen. Das funktionierte auch, allerdings sollte das Schiff schon Anfang September starten. Also zwei Wochen früher und nicht wie bisher angenommen vier Wochen später. Dann sind wir in leichte Hektik ausgebrochen, weil so viele Dinge noch nicht erledigt waren.

Ich packe meine Kisten ...

Ich packe meine Kisten …

Gestern hatte meine Mutter den Arm um meine Schultern gelegt und mich ein bisschen besorgt angesehen. Dann hat sie mich auch gefragt, ob ich mich denn noch auf die Reise freue.  Ich fand die Frage sehr erschreckend. Weil ich wohl einen gestressten Eindruck mache, wenn ich am Schreibtisch sitze und vor mich hin organisiere.

Aber die Vorbereitung ist es doch auch, was die Reise ausmacht. Mit jedem Ding, was ich von meiner To-do-Liste abhake, steigt die Vorfreude. Mir strotzt die Vorfreude schon aus allen Poren und langsam werde ich hibbelig.

Hast du nicht auch Angst vor deiner eigenen Courage?

Es gab eine Zeit, in der ich alle zwei Wochen nachts aufgewacht bin und überlegt habe, was wohl passiert, wenn wir nachts im Auto liegen und vor dem Auto steht ein kleiner Chilene mit einer Machete, der uns etwas Böses will. Das hat mich eine zeitlang beschäftigt. Zum Glück ist das aber wieder vorbei.

Michaela: Wenn man anfängt sich Sorgen zu machen, was alles passieren könnte, würde man in Deutschland noch nicht mal in den Supermarkt gehen.

Es gibt viele Menschen, die den Traum von einer großen Reise haben, ihn aber nie wahr machen. Was unterscheidet euch von diesen Menschen.

Ich habe diesen Traum nie gehabt. Ich war sehr glücklich mit meinem Job, hinter meinem Schreibtisch. Mein Job war mein Leben. Hier und da mal verreisen, fand ich nett. Aber ich hatte nie das Gefühl, ich müsste die Welt sehen. Aber auf der Reise durch Europa hat es Klick gemacht und ich habe gemerkt, dass es viel mehr gibt als meinen Schreibtisch.

Mich unterscheidet von anderen, dass ich sehr radikal und konsequent bin. Ich kann nur schwarz oder weiß. Grau gibt es bei mir nicht. Wenn ich eine Entscheidung getroffen habe, dann mache ich das auch richtig. Und die Panamericana finde ich ziemlich richtig!

Michaela: Ich wollte ich immer schon reisen. Das ist genau mein Ding. Hätte mir jemand, das Angebot gemacht auf Weltreise zu gehen, hätte ich zu jeder Zeit in meinem Leben, drei Minuten später mit gepackten Koffern an der Tür gestanden.

Die meisten Leute, die vom Reisen träumen, trauen sich nicht. Aber ich denke immer, was soll passieren?

Was werdet ihr am meisten vermissen?

Ich werde die deutsche Sprache vermissen. Ich werde es vermissen, mich in meiner Muttersprache zu unterhalten. Auch mal über Belanglosigkeiten zu schwätzen, aber nicht immer mit dem gleichen Menschen. Deshalb habe ich mir einen Weltempfänger mitgenommen, so dass ich zumindest in der Pampa mal die Verkehrsnachrichten auf Deutsch hören kann. Vielleicht ist es aber auch die deutsche Pünktlichkeit, die mir fehlen wird.

Michaela: Meine Freunde werde ich vermissen. Dass wir uns nicht mal eben auf einen Kaffee verabreden können. Ich habe Angst davor, viele tolle Dinge zu erleben, die ich mit niemanden außer Tobias teilen kann.

Wie finanziert ihr eure Reise?

Wir planen mit einem monatlichen Budget von 1.500 Euro. Damit müssten wir nach den Erfahrungen von anderen Reisenden inklusive Versicherung und Diesel hinkommen. Da sollten auch einige Extras drin sein, wie zweimal im Monat in ein Hotel zu gehen, um ordentlich zu duschen oder mal in einem richtigen Bett zu schlafen.

Da wir nicht auf diese Reise hingespart haben, wird uns irgendwann mal das Geld ausgehen. Wir haben zwar nicht geplant, von unterwegs zu arbeiten, aber ich habe ein Faible fürs Schreiben. Also kann ich mir gut vorstellen, dass ich an einem Buch, Bildband oder E-Book über die Reise arbeiten werde.

Außerdem können uns die Menschen, die uns virtuell auf unserer Reise begleiten unterstützen. Wer uns per PayPal einen Kaffee oder ein kühles Bier ausgibt, dem schicken wir aus dem Land seiner Wahl eine Postkarte.

Worauf freut ihr euch besonders?

Ich freue mich darauf, endlich die Dinge zu sehen, die man sonst nur von YouTube oder aus TerraX-Dokumentationen kennt. Ich möchte den Kondor über mir seine Kreise ziehen sehen. Hören, wie der Grizzly an unsere Fahrertür klopft, weil er auch etwas von unserem Frühstück möchte.

Menschen und andere Kulturen kennenzulernen, das ist es etwas auf das ich mich sehr freue. Aber auch darauf, dass mein Terminkalender mir nicht mehr meinen Rhythmus vorgibt.

Das Schiff ist bereits in Sicht

Das Schiff ist bereits in Sicht

Michaela: Ich freue mich tierisch darauf, entschleunigt nach 30 Tagen auf See in Südamerika anzukommen. Zeit mit Tobias zu verbringen und auf den Anblick der Milchstraße, auf die Weite und das Gefühl endlich mal alleine zu sein und kein zivilisiertes Geräusch zu hören.

Habt ihr schon einen Plan, wie es nach eurer Reise auf der Panamericana weiter geht?

Das können wir noch nicht sagen. Da wir nicht wissen, wie lange wir unterwegs sein werden, wo die Reise endet und worauf wir dann Lust haben. Vielleicht haben wir das Reisen so satt, dass wir wieder nach Hause fahren.

Aber ich denke, wenn wir schon mal in Alaska sind, wäre es doch viel einfacher den Wagen nach Russland zu verschiffen und über Asien zurückzufahren. Wir sind lose mit Claus und Renate von SafariCar für 2018 in der Mongolei verabredet. Manchmal macht man so blöde Witze. Aber mit genau so einem blöden Witz hat diese Reise angefangen.

Über die beiden: Michaela (35) und Tobias (39) haben vor kurzem ihre Jobs gekündigt, das Haus verkauft, Möbel verschenkt und ihre Sachen gepackt, um ab Ende September 2016 von Feuerland bis Alaska zu fahren. Auf panamericana.de teilen sie ihre Erlebnisse.