So einfach drauflosfahren, das ist nicht jedermanns Sache. Egal ob allein oder mit mehreren Fahrzeugen, es gibt ja auch Menschen, die mit Allrad-Fahrzeugen lieber geführt und in der Gruppe fahren. Ich habe es nach meinem Trip durch Europa als Gegenkonzept ausprobiert. Mit Quadrofaktum Allraderlebnis ging es auf Spurensuche nach Verdun.

Sieben Allradler, ein Wochenende: Die Verdun-Tour 2015

Sieben Allradler, ein Wochenende: Die Verdun-Tour 2015

Ein Wochenende, sieben Allradler, zwei Ziele. Getroffen haben wir uns am Vorabend der Wochenendtour irgendwo in der Lothringer Pampa. „Irgendwo“, weil das Hotel/Restaurant zwar auf Tripadvisor verzeichnet ist, das Navi aber die Adresse nicht kennt. Als mehr oder minder erfahrener Onroader kann man damit natürlich umgehen und folgt einfach den nicht zu übersehenden Schildern am Straßenrand. Ein kleines, abgelegenes Restaurant mit erstklassiger französischer Küche und ebensolchem Wein. Ein idealer Treffpunkt für 12 begeisterte Allradler + ein bewährtes Dreierteam (Stefan, Elke, Carsten) als Reiseleiter.  Und ein perfekter Einstieg in ein nachdenkliches Wochenende.

Der Sinn und Zweck einer geführten Tour besteht darin, zumindest für mich, dass man Dinge sieht, die man alleine vielleicht nicht entdecken würde. Und dass es Programmpunkte gibt, auf die man alleine vielleicht gar nicht käme. Zum Beispiel der ausführliche Besuch des Schlachtfeldes rund um Verdun.

Haben für beste Verpflegung und beeindruckende Besichtigungen gesorgt: Elke, Carsten und Stefan

Haben für beste Verpflegung und beeindruckende Besichtigungen gesorgt: Elke, Carsten und Stefan

Als geschichtlicher Exkurs: Auf dem Hochfeld rund um die französische Kleinstadt standen sich vor 99 Jahren deutsche und französische Truppen im ersten Weltkrieg gegenüber. Und wenn sie da mal nicht nur standen, dann haben sie sich gegenseitig bekämpft, monatelang. Bekämpft und gegenseitig mit Granaten beschossen. Bis zu 200.000 Granaten pro Tag (nein, kein Tippfehler!). Dort, wo heute wieder Bäume stehen, stand vor einem Jahrhundert nach monatelangen Gefechten kein einziger Grashalm mehr. Was auf dem Foto aussieht, wie ein Golfplatz für Fortgeschrittene, das sind die Krater des Granatenhagels … nach einhundert Jahren.

Und was man heute nur aus Geschichtsbüchern kennt und mangels Überlebender nicht mal mehr aus direkten Erzählungen der Großeltern- oder Urgroßeltern-Generation, das kann man dort aus erster Hand erfahren.

Kein Golfplatz, sondern Granaten-Krater nach 100 Jahren.

Kein Golfplatz, sondern Granaten-Krater nach 100 Jahren.

Auch in Verdun ist der Weg das Ziel. Bei strahlendem Sonnenschein führten uns unsere Scouts von Schlachtfeld zu Mahnmal, vom Bajonettgraben zum Massengrab mit über 130.000 toten Soldaten (Beinhaus von Douamont). Trotz schönstem Wetter und bester Laune: Nach den ganzen Erzählungen und den vielfältigen Besichtigungen von Bunkeranlagen und Festungen machte sich schnell eine eher bedrückte Stimmung breit. Wahnsinn, was dort alles passiert ist. Wahnsinn, dass der Mensch nichts daraus gelernt hat. Ein Tag voller Eindrücke, die bleiben werden. Eindrücke von Dingen, die die meisten nur nur aus Geschichtsbüchern kennen, oder von Guido Knopp. Auf der Tour, vor Ort, das ist etwas ganz anderes, als aus der Glotze!

Der Offroad-Teil, da waren sich die meisten einig, kam am ersten Tag ein wenig zu kurz, weil de facto gar nicht vorhanden. Das wurde aber durch das ausführliche Programm mehr als wett gemacht. Viel diskutiert wurde am Abend. Nicht nur über den Tag, sondern vor allem über die unterschiedlichen Autos, Erfahrungen und Reisen, typischer Offroad-Talk.

Am Denkmal "Toter Mann" auf dem Schlachtfeld von Verdun.

Am Denkmal „Toter Mann“ auf dem Schlachtfeld von Verdun.

Und was am ersten Tag der erste Weltkrieg war, das war am zweiten Tag der Zweite – liegt ja auch der Hand. Unweit von Verdun verläuft die Maginot-Linie, benannt nach dem französischen Verteidigungsminister André Maginot, der eine Verteidigungslinie quer durch Europa bauen lies. Die Maginot-Linie ist quasi das Pendant zum, auf deutscher Seite verlaufenden, Westwall.

Verteidigungsstellungen, Festungen und Bunker. Nur wenige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg sind sie technisch ausgefeilter und aufwendiger, im Grundsatz aber die gleichen: Man bekämpfte sich, weil man aus einem anderen Land kommt oder eine andere Sprache spricht. Oder, weil die Regierung es so wollte.

Wieder von jeder Menge historischer Infos begleitet, ging es nicht nur zu den alten Verteidigungsstellungen, sondern dann auch ein bisschen offroad und unter die Erde. Zum Beispiel 60 Meter die Treppen runter – vielleicht nicht ganz erlaubt – in einen alten Kriegs-Bunker aus dem Kalten Krieg auf französischer Seite. Tief unten, ohne Licht, alles verrostet, klamm, feucht und ein bisschen an so manch dunkle Szene in „I am Legend“ erinnernd.

Ein bisschen Offroad gab es auch - auf dem Weg zum Bunker

Ein bisschen Offroad gab es auch – auf dem Weg zum Bunker

Gut zweieinhalb Tage waren wir zusammen unterwegs auf Spurensuche in Frankreich. Wir haben sie gefunden – und zwar nicht zu knapp. Geblieben sind neben jeder Menge Fahrspaß – den hat man im Defender ja automatisch – auch viele, viele Eindrücke.

Und das macht dann auch den Unterschied zum „einfach Drauflosfahren“. Alles, was wir in so kurzer Zeit sehr kompakt gesehen und erlebt haben, das hätten wir ungescoutet überhaupt nicht geschafft. Ein bisschen mehr Offroad-Anteil wäre wünschenswert gewesen. Aber wenn man die Teilnehmer einer veranstalteten Tour nicht kennt, dann muss man natürlich auch damit rechnen, dass Schönwetter-Fahrer mit dabei sind, die eine Kurve um jede Pfütze machen.

Mehr Fotos von der Tour gibt es bei Facebook:
https://www.facebook.com/media/set/?set=a.962432500465805.1073741839.879122102130179&type=1&l=2adbe63f4a

Offroad in Frankreich

Offroad in Frankreich

Bunkeranlage

Bunkeranlage

Verdun - der Weg ist das Ziel

Verdun – der Weg ist das Ziel