Manche Fahrzeuge entstehen aus einer fixen Idee, andere aus einem echten Bedarf. Der Ford Ranger mit Kabine von Thomas Hofmann gehört klar zur zweiten Kategorie. „The Beast“ ist kein Projekt für Social Media und kein Showtruck für Treffen. Ein Fahrzeug, das überall funktionieren muss. Auf Baustellen, im Gelände, auf der Langstrecke und weit entfernt von funktionierender Infrastruktur.
Thomas ist Handwerksmeister, Overlander und jemand, der sein Fahrzeug nicht schont, um es zu erhalten. Er nutzt es, damit es ihm Arbeit abnimmt. Genau das merkt man diesem Ranger in jedem Detail an.
Unterwegs zwischen Baustelle und Beduinen
Der Ranger ist in Deutschland regelmäßig dort unterwegs, wo normale Fahrzeuge aufgeben. Baustellenzufahrten, matschige Waldwege, improvisierte Pisten gehören für Thomas zum Alltag. Dazu kommen Reisen durch Österreich, Tschechien, Slowenien, Kroatien, Italien und Polen. Sardinien war für Thomas und seinen Ranger ein besonderes Schmankerl, mit engen Bergstraßen, Schotterpisten und abgelegenen Stellplätzen.

Richtig gefordert wurde der Ranger aber in Marokko. Mehrere Wochen führten die Strecken durch Atlas und Voratlas, durch Wüstenregionen, über lange Schotteretappen und durch abgelegene Täler. Hitze, Staub, wechselnde Untergründe und lange Fahrtage machten die Reise zu einem echten Belastungstest für Mensch und Maschine. Tatsächlich nicht nur für das Fahrzeug, sondern für das gesamte Setup. Genau hier zeigte sich, welches Equipment wirklich für Offroad-Reisen gedacht ist und welches der Shop-Beschreibung dann doch nicht gerecht wurde.
Warum Thomas den Ranger 3.2 als Basis wählte
Thomas‘ Entscheidung für den Ford Ranger 3.2 war keine emotionale. Sie war eher pragmatisch. Wichtig war für ihn: Leiterrahmen, robuster Motor und eine überschaubare Technik. Verlässlichkeit zählt für ihn mehr als moderne Spielereien. Gerade dann, wenn das Fahrzeug nicht nur für Reisen, sondern täglich im Einsatz ist: auf Baustellen und mit Anhänger. Weil er mit dem lezten bereits super zufrieden war, ist es bereits der zweite Ranger, den Thomas in genau dieser Konfiguration aufgebaut hat.

Pop-up statt hoher Aufbau
Auf einem früheren Ranger hatte Thomas eine feste Nordstar-Kabine montiert. Komfortabel, aber mit einem hohen Schwerpunkt. Für das aktuelle Projekt fiel seine Wahl bewusst auf eine Pop-up-Kabine von Four-Wheel-Camper. Die sorgt für einen niedrigeren Aufbau, stabileres Fahrverhalten und mehr Flexibilität im Alltag.
Die Kabine bleibt nicht dauerhaft auf dem Fahrzeug. Auf Baustellen dient sie aber gelgentlich als mobiles Büro und Lager. Im Alltag wird sie auf vier Stützen abgesattelt. Der Ranger bleibt damit voll nutzbar, ohne ständig mit zusätzlichem Gewicht unterwegs zu sein.

Umbauten, die aus Nutzung entstehen
Der größte Unterschied im Fahrverhalten macht für Thomas das Fahrwerk. Das Ironman-Schwerlastfahrwerk mit Auflastung auf 3,5 Tonnen und rund fünf Zentimeter Höherlegung verändert den Ranger grundlegend. Dazu kommt eine Leistungs- und Getriebeoptimierung auf rund 250 PS und etwa 560 Nm. Nicht für Topspeed, sondern für kontrolliertes Fahren mit Last.

Die Hurter-Seilwinde mit 6,2 Tonnen Zugkraft gehört genauso zum Setup wie die BFGoodrich KO2 in 285er Größe. Das Lichtkonzept ist umfangreich, weil Thomas auch häufiger zu späterer Stunde auf Baustellen oder Stellplätzen ankommt. Im Innenraum hat Thomas Rücksitzbank entfernt, um Platz für eine Hundebox zu schaffen. Schubladensysteme sind geplant. Im Innenraum sorgen RAM- und Brodit-Halterungen dafür, dass Navigation und Geräte dort sitzen, wo sie leicht zugänglich sind.
Versorgung, Bergung und draußen leben
Für längere Strecken abseits der Zivilisation hat Thomas den Ranger entsprechend vorbereitet. Ein Edelstahl-Zusatztank sorgt für mehr Reichweite und ein Plus an Unabhängigkeit, zusätzliche Reservekanister von Front Runner sichern die Versorgung auch dann, wenn die nächste Tankstelle weit weg liegt. MaxTrax-Sandboards gehören für Thomas immer zur Grundausstattung.

Zum Leben draußen gehört eine klappbare Outdoor-Küche, ergänzt durch eine Ablage für das Duschfass. Alles ist so ausgelegt, dass es schnell erreichbar ist und im Alltag nicht stört. Das komplette Recovery Gear ist in einer Horntools Kiste verstaut. So hat alles seinen festen Platz und ist sofort griffbereit.
Sicheres Fahrverhalten im Gelände und auf der Straße
Im Gelände bewegt sich Thomas‘ Ranger souverän und kontrolliert. Die Kombination aus Fahrwerk, Reifen und Gewicht passt, auch mit montierter Kabine. Verschränkungen sind kein Problem und auf der Straße bleibt das Fahrzeug dank des Fahrwerks ruhig und langstreckentauglich. Selbst auf langen Etappen wie in Marokko lagen die Reisegeschwindigkeiten entspannt bei etwa 120 bis 130 km/h.

Mehr als ein Umbau
Thomas‘ „The Beast“ ist Arbeitsgerät, Offroad-Fahrzeug, Overland-Camper und Alltagsfahrzeug zugleich. Diese Mischung ist selten, weil sie einige Kompromisse erfordert.

Aber was auf Reisen wirklich zählt, ist für Thomas ganz klar: Technik, auf die man sich verlassen kann. Werkzeug, um Probleme selbst zu lösen. Und Zeit für den Weg. Alles andere ist Nebensache.


