Dass die Bruchlast beim Bergematerial uninteressant ist und es einzig auf das Working Load Limit ankommt, hat sich immer noch nicht überall herumgesprochen. Seit letztem Jahr gibt es eine neue Kennzeichnung, Forest Tractive Force FTF, aus einer neuen DIN-Norm, die den Umgang mit Seilzugmaterial einfacher und sicherer macht. Vielleicht verschwindet jetzt endlich die Bruchlast aus den Köpfen.

Bruchlast, Working Load Limit (WLL, maximale Arbeitslast), Sicherheitsfaktor und jetzt auch noch FTF – Forest Tractive Force… Wer soll das alles noch verstehen? Im Grunde ist das ganze System nicht schwierig und mit der neuen FTF-Kennzeichnung wird es sogar noch einfacher.

Die Vereinfachung: Forest Tractive Force FTF

Seit März 2018 kommt die neue Kennzeichnung FTF – Forest Tractive Force – aus der neuen Norm „DIN 30754 – Forstmaschinen – Sicherheitsanforderungen für Anschlagmittel im forstlichen Bodenzugverfahren“ zum Tragen. Und nichts anderes als bodengestützte Lasten im Bodenzug ist eine Fahrzeugbergung. Das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik, auf die diese Norm zurück geht, hat damit zum einen erstmals eine Norm für den Bodenzug geschaffen und zum anderen die Trennung vom Hebezug vollzogen, der mit 7-facher Sicherheit arbeitet.

FTF - Forest Tractive Force ersetzt das WLL (Working Load Limit)

FTF – Forest Tractive Force ersetzt das WLL (Working Load Limit)

Dabei wurde auf eine Vereinfachung beim Zusammenstellen von Zugmitteln geachtet. Mit dem neuen FTF-Wert kann direkt Bezug auf die maximale Zugkraft der Winde genommen werden. Wer beispielsweise eine Winde mit bis zu 4,5 Tonnen Zugkraft besitzt, kann alle Bergemittel mit der Kennzeichnung FTF 4,5 mit dieser Winde einsetzen. Es muss nicht mehr umgerechnet werden. Alle Sicherheitsfaktoren sind bereits in dieser Kennzeichnung für das jeweilige Bergemittel und gemäß seinem Einsatzzweck, vom Gurt bis zur Umlenkrolle, berücksichtigt.

Ihr wählt also den passenden oder nächsthöheren FTF-Wert abhängig von der maximalen Zugkraft der Winde aus, fertig. Derzeit gibt es vier FTF-Klassen: 2,5t, 4,5t, 6t und 8t.

Forstspezialist Grube will einen Farbcode etablieren

Die Firma Grube geht einen Schritt weiter und versieht zueinander passende und mit dem gleichen FTF-Wert versehene Mittel mit der gleichen Farbe: grün für max. 2,5t, gelb für max. 4,5t, rot für max. 6t und blau für max. 8,5t. Das ist nicht Bestandteil der Norm, aber die Hoffnung, dass sich der Farbcode durchsetzt besteht.

WLL & Co.

Aber der Reihe nach. Was ist Bruchlast, WLL und der Sicherheitsfaktor und warum macht die die neue Kennzeichnung FTF den Aufbau eine Seilzugs zur Bergung sicherer? Zur Erinnerung, die Bruchlast ist der Wert, der angibt wann ein Bergemittel reißt, zerstört wird oder wirklich unbrauchbar ist. Stahlschäkel beispielsweise reißen nicht, sie verbiegen sich dann aber unbrauchbar. Seile und Gurte reißen spätestens beim Erreichen der Bruchlast. Die Bruchlast geteilt durch den Sicherheitsfaktor ergibt das WLL. Das WLL ist die Last, mit der ich ein intaktes Bergemittel ständig und immer wieder sicher belasten kann. Im Bodenzug beträgt der Sicherheitsfaktor bei ordentlichem Material 2.

Als ordentliches Material gilt, was mindestens mit den unten zu sehenden Fähnchen sauber gekennzeichnet ist und, wenn auch nicht beigelegt, der Hersteller ein Seilzeugnis vorzeigen kann. Wenn beispielsweise ein Seil für eine Zugkraft von 8 t (80 kn) freigegeben wurde, muss er im Seilzeugnis eine Bruchlast von 16 t (160 kn) bestätigen.

Vergesst die Bruchlast

Aber die Bruchlast ist vollkommen unwichtig, eher sogar schädlich, da sich der eine eine andere dazu verleiten lassen kann oder einfach aus Unkenntnis, die Last doch bis nah an die Bruchlast ansteigen zu lassen.

Dazu ein kurzes Beispiel. Nehmen wir eine Gurtschlinge auf der nur die Bruchlast von 6 Tonnen angegeben ist. Ohne weitere Kenntnis werden manche davon ausgehen, dass dieser Gurt dann bis gut 4,5 oder 5 Tonnen sicher belastet werden kann. Aber niemand weiß das mit Sicherheit, denn die WLL Angabe fehlt. Ist sie beispielsweise 7, weil der Gurt für den Hebezug geeignet ist, läge die maximale Arbeitslast gerade bei 860 kg. Unterstellen wir einmal, dass der Hersteller den für den Bodenzug üblichen Sicherheitsfaktor 2 genommen hat, dürfte der Gurt immerhin mit 3 Tonnen maximal belastet werden.

Wird dieser Gurt nun mit 4,5 Tonnen belastet, passiert etwas gefährliches. Er reißt zwar noch nicht, aber die Bruchlast wird auf einen unbekannten Wert reduziert. Und das passiert dann jedes mal, bis er irgendwann unter die angelegte Last sinkt. Spätestens dann kommt es zum Riss mit allen Konsequenzen. Anders beim WLL, denn das ist die sichere Grenze, für die das Bergemittel dauerhaft ausgelegt ist. Ist nur diese angegeben, werden die meisten den Wert als maximale Last berücksichtigen. Und genau so ist es richtig und vor allem sicher.

Das kleine Problem mit dem WLL

Spätestens beim Einsatz einer Umlenkrolle kommt es jedoch zu Unsicherheiten. Das merke ich auch jedes Mal, wenn ich einen Workshop über Bergematerial halte oder beiwohne. Vielen ist nicht bewusst, das sich die Last am Anschlagspunkt einer Umlenkrolle je nach Winkel oder Vollumlenkung verändert. Welches WLL muss die Umlenkrolle und ihr Anschlagsmittel haben? Mehr als die Windenzugkraft? Wenn ja, wieviel? Oder doch weniger? Das ist natürlich nicht schwer zu berechnen, aber es ist ein zusätzliches Sicherheitsrisiko, das besser eliminiert wird.

Und genau das macht FTF – Forest Tractive Forst. Es vereinfacht die Zusammenstellung und den Aufbau eines Seilzuges, damit eine Bergung so sicher wie möglich verläuft. Das Bild zeigt ein Beispiel für eine Winde mit 4,5 t Zugkraft. Wird FTF 4,5 Zugmaterial eingesetzt, sind alle notwendigen Zuglasten bereits eingerechnet.

FTF-Beispiel: Winde mit Vollumlenkung, halbe Last.

FTF-Beispiel: Winde mit Vollumlenkung, halbe Last.

Ein Beispiel unter voller Last

Nehmen wir als Beispiel das Szenario mit der höchsten Belastung. Der Bodenzug ist mit Umlenkrolle als Flaschenzug aufgebaut. Müsste in dem Fall die Winde maximale Zugkraft leisten, dann würde sie mit 4,5 t ziehen. Auf jedem der beiden Windenseilstränge lägen dann 4,5 t Zuglast. Diese summieren sich an der Umlenkrolle zu 9 t auf. Sind die Umlenkrolle und die Seilschlinge, mit der die Umlenkrolle gehalten wird, mit FTF 4,5 gekennzeichnet, bedeutet dass sie für diese Last ausgelegt sind. Die Rolle kann auf beiden Seiten die 4,5 t der Seilstränge aufnehmen und am Anschlagspunkt die Summe von 9 t. Die Gurtschlinge doppelt gelegt kann mit mindestens 9 t, die hier abgebildete Schlinge mit 11 t belastet werden.

FTF-Beispiel: Winde mit Vollumlenkung, volle Last.

FTF-Beispiel: Winde mit Vollumlenkung, volle Last.

FTF-Kennzeichnung am Material

Als Beispiel seht ihr hier die FTF-Kennzeichnung einer Rundschlinge. Auffällig ist, dass die Nutzung „geschnürt“ unkenntlich gemacht wurde. Der Grund dürfte sein, das in dieser Nutzung, also wenn die Schlinge um einen Baum gelegt wird und ein Ende durch die Schlaufe des anderen geführt wird, unter den FTF-Wert von 4,5 sinkt. Vergleicht dazu das Etikett mit der WLL-Kennzeichnung.

Auf dem Fähnchen im linken Bild, findet ihr oben zunächst die Norm, DIN 30754. Dann folgen die maximalen Zuglasten bei einfacher und doppelter Anwendung und als Dreieck gelegt, mit den jeweiligen Winkeln. So und nur so darf die Schlinge verwendet werden. Darunter gibt es noch den Hinweis, dass die Schlinge nur im Bodenzug verwendet werden darf und keinesfalls im Hebezug. Dort läge die maximale Last deutlich unter den angegebenen Werten.

Bergemittel-Workshop auf dem Buschtaxitreffen 2019
Wer mehr über den Aufbau von Bodenzügen für die Fahrzeugbergung wissen möchte und Teilnehmer auf dem Buschtaxitreffen 2019 in Wetzlar ist, kann gerne zu unserem Workshop am Samstag, den 07. September 2019 um 12:30 Uhr am Matsch&Piste-Stand kommen.

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