Für mein Android-Tablet benötigte ich noch einen Bluetooth GPS-Empfänger. Schnell stieß ich auf das Navilock GNS 2000 MFi. Aber ist der Preis von rund 70 Euro gerechtfertigt? In Wales testeten wir das Gerät.

Auswahlkriterien

Bei der Entscheidung für einen neuen GPS-Empfänger beziehungsweise GNSS-Empfänger, war für mich vor allem wichtig, dass er nicht per USB an das Gerät angeschlossen wird. Denn mein Tablet besitzt nur eine USB-Buchse, die ich während der Fahrt zum Aufladen verwende. Aus diesem Grund kam für mich ausschließlich ein Bluetooth-Gerät in Frage. Es sollte auch einen aktuellen Chipsatz verwenden, der einen schnellen Positions-Fix und eine ausreichende Kanalanzahl bietet. Der Positions-Fix ist der Moment, an dem die Position erstmalig nach dem Einschalten feststeht.

Ein Empfänger kann nur so viele Satelliten gleichzeitig empfangen, wie Kanäle vorhanden sind. Je weniger Kanäle, desto länger dauert es bis zum GPS-Fix und desto eher kann die Position verloren gehen, wenn zum Beispiel ein Satellit aus dem Empfangsfeld verschwindet.

Wichtig sind auch die vom Chipsatz unterstützten SBAS-Systeme (Satellite Based Augmentation System), die die Genauigkeit der über die GNSS-Satelliten bezogene Position erhöhen.

Trotz des Preises entschied ich mich wegen der technischen Merkmale und der guten Erfahrung mit dem Navilock-Support für das Navilock GNS 2000 MFi. Preislich vergleichbare und sogar deutlich teurere Geräte besaßen zudem weniger leistungsfähige GPS-Chipsätze, wie den SiRFstar IV oder den SkyTraq Venus, die nur das amerikanische GPS System unterstützen. Beispielsweise das GT-750FL des taiwanesischen Herstellers Canmore mit Wechselakku oder das XGPS150A von Dual.

Ausstattung des Gerätes

Ausgestattet ist das Navilock GNS 2000 MFi mit einem MT3333-Chipsatz von MediaTek. Dies ist ein All-in-One GNSS-Chip, der grundsätzlich GPS, GLONASS, Galileo und Beidou auf 99 Kanälen unterstützt. Die interne Programmierung des Chips erlaubt allerdings nur die Nutzung von zwei Satelliten-Systeme gleichzeitig. Navilock wählte GPS und GLONASS aus.

An SBAS-Systemen bietet das Gerät: WAAS (Nordamerika), EGNOS (Europa), GZSS (Japan), MSAS (Japan) und GAGAN (Indien). Zusätzlich ist eine Datenlogger-Funktion integriert, die ein 15 Stunden Zeitfenster aufzeichnen kann.

Mobile Bluetooth-Empfänger mit dem SiRFstarV 5e oder 5ea Chipsatz, der ebenfalls vier GNSS-Systeme beherrscht (GPS, GLONASS, BDS, Galileo), waren gar nicht zu finden.

Die Maße des Navilock sind sehr klein und handlich. Mit 79,1 x 45,3 x 11,3 Millimeter ist es kaum größer als ein Etui für Visitenkarten. Das Gewicht liegt bei gerade einmal 47 Gramm.

Als Zubehör werden ein Saugnapf für die Befestigung an der Autoscheibe, ein USB-zu-miniUSB-Ladekabel und ein KFZ-USB-Ladestecker mit maximal 300 mA mitgeliefert. Die Saugnapfbefestigung wirkte zunächst eher untauglich, bewies aber im ruppigen Offroad-Einsatz als äußerst robust. Das Gerät eignet sich auch für den Festeinbau. Es kann dann über die Zündung eingeschaltet werden, wenn das Ladekabel angeschlossen ist und es bei eingeschalteter Zündung Strom erhält. 15 Minuten, nachdem die Zündung ausgeschaltet wurde und keine Bluetooth-Verbindung besteht, schaltet sich der Empfänger ab.

In der Praxis

Inbetriebnahme
Vor dem ersten Einsatz sollte der integrierte Li-Ion-Akku des Geräts vollständig geladen werden. Nach nicht ganz drei Stunden leuchtete die rote Ladekontroll-LED stetig auf, womit sie den vollgeladenen Zustand anzeigt. Der fest eingelötete Akku ist der Kompaktheit geschuldet. Er sollte die Garantiezeit von 2 Jahren in jedem Fall überleben. Sollte er danach verbraucht oder defekt sein, können die Techniker von Navilock diesen tauschen.

App-Kompatabilität
Noch vor der Abreise testete ich zuerst, ob der Empfänger sich mit meinem Android-Tablet, dem Apple iPad und meinen bevorzugten Navigationsanwendungen verträgt. Mit einem kleinen Schalter an der Seite wird der Empfänger eingeschaltet. Jetzt kann er über das Bluetooth-Menü des Tablets gefunden werden um ein Pairing durchzuführen. Das funktionierte problemlos.

Für die Offroad-Navigation benutze ich „Locus Pro“ für Android, welches eine eigene Unterstützung für Bluetooth-Empfänger bereit stellt. Im GPS-Menü von „Locus Pro“ musste ich auf Bluetooth-GPS umschalten, danach fand das Programm sofort den GPS-Empfänger. Da der Positions-Fix bereits vorhanden war, was das Navilock GNS 2000 MFi mit der Satelliten-LED anzeigt, konnte ich in „Locus Pro“ sofort die Positions-Informationen sehen und den Empfänger nutzen.

Für die Straßennavigation verwende ich unter Android „CoPilot“. Diese App kann ohne eine Zusatz-App Bluetooth-Empfänger nicht nutzen. Um die Verbindung zu erstellen, installierte ich die kostenlose App „Bluetooth GPS-Provider“ von mobile-j.de. Diese erkannte den Empfänger ebenfalls sofort und versorgte „CoPilot“ anschließend mit den Daten.

Die Installation und Anbindung an das Tablet und an das iPad funktionierte vollkommen problemlos.

Diese Apps habe ich getestet:

Android Apps

App Unterstützt
Locus Pro direkt
OziExplorer direkt
Oruxmaps indirekt über Bluetooth GPS Provider App
Pathaway indirekt über Bluetooth GPS Provider App
Ordnance Survey Maps indirekt über Bluetooth GPS Provider App
View Ranger indirekt über Bluetooth GPS Provider App
Google Maps nein

iOS Apps

App Unterstützt
MotionX direkt
PocketEarth direkt
QuoVadis Mobile direkt
ViewRanger direkt
Google Maps direkt

Unterwegs
Auf unserer Reise durch Wales zeigte sich das Navilock GNS 2000 MFi als schnelles und zuverlässiges Gerät. Der GPS-Fix war auch nach einem Kaltstart innerhalb von 15 bis 20 Sekunden zu jeder Zeit vorhanden. Dabei war es egal, ob ich auf der Straße, auf einem Berg oder auf einem engen, von Bäumen umringten Weg stand. Die Genauigkeit schwankte je nach Ort zwischen drei und fünf Metern. Die Laufzeit des Akkus betrug am Stück die versprochenen 10 Stunden. Wenn es Zeit wird nachzuladen, zeigt der Empfänger dies durch ein schnelles Blinken der Ladeleuchte an.

Genauigkeit GNS 2000 MFi

Genauigkeit Navilock GNS 2000 MFi

Die Aktualisierung der Position auf der Karte des Tablets war ruckelfrei und flüssig, auch bei höheren Geschwindigkeiten, beispielsweise auf der Autobahn. Wenn jedoch beide Navigations-Apps und die Bluetooth GPS-Provider App liefen, hing zeitweise die Aktualisierung, so dass Abzweigungen schon passiert wurden, eh die Positionsangabe auf der Karte nachzog. Scheinbar ist das Quadcore-Tablet mit der Anzahl an Aufgaben überfordert gewesen.

GPS-Logger
Die Logger-Funktion zeichnet die Bewegung über ein Zeitfenster der letzten 15 Stunden auf. Die Daten können über das USB-Kabel von einem Windows PC mit dem GNS2000Track-Tool gelesen werden. Im Apple-Store gibt es die myTracks-App. Die Daten stehen im NMEA oder im Google-KML-Format zur Verfügung.

Fazit

Der Empfänger stellt mich voll zufrieden. Der Preis war zunächst eine Hürde für mich, habe ich doch meinen vorherigen SiRFstar III USB-Kabel-Empfänger vom gleichen Hersteller für rund 35 Euro erstanden. Es bleibt für mich auch ein kleiner Wermutstropfen bestehen, denn den Logger habe ich mitbezahlt, nutze ihn im Grunde jedoch nicht. Die Leistung und der Preischeck für ähnliche Empfänger ohne Logger trösteten mich aber darüber hinweg. Das Gerät ist schnell aktiviert: Empfänger einschalten, Gerät per Bluetooth verbinden und los geht es. Letztendlich überzeugte mich, die Schnelligkeit des Navilock GNS 2000 MFi und die Beständigkeit des GPS-Signals während des Gebrauchs.

Technische Daten

Merkmal Wert
Gewicht ca. 47 g
Maße 79,1 mm x 45,3 mm x 11,3 mm
Temperaturen Aufbewahrung: -10°…+50° Celsius / Betrieb: 0°…+50° Celsius
Spannung / Strom Laden&Betrieb: 5 V DC und 500 mA (+-5%)
Autoadapter: 12-24 V DC und 10 bis 300 mA
Ladezeit 0 – 90 % ca. 3,5 h
Laufzeit > 10 h
GPS Chipsatz MediaTek MT3333 99-Kanal, GPS/GLONASS, SBAS: QZS, WAAS, EGNOS, MSAS, GAGAN
Übliche Startzeiten Kaltstart: 35 s, Warmstart: 33 s, im Betrieb: < 1 s
Schnittstelle Class2 Bluetooth V2.1 + EDR, 10 m Reichweite
Anschlüsse Mini-USB Buchse

Den GPS-Empfänger gibt es unter anderem bei Amazon.de*)

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