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Niva Pickup

Fahrzeugvorstellung: Der Lada Niva 2329 Pick-up von Michael Abe

Ein seltenes Exemplar

Mit dem Lada Niva verbinden wir meist einen kleinen, kompakten Gelände-3-Türer. Ab und zu läuft einem auch mal eine 5türige Version über den Weg. Doch nur wenige wissen, dass es sogar eine Pick-up-Version des Offroad-Urgesteins gibt: den Lada Niva Pick-up.

Ursprünglich wurde der Lada Niva in den 1970er Jahren auf Basis eines PKW als Geländefahrzeug für ländliche Regionen entwickelt. Stammt der Niva zwar ursprünglich aus der UdSSR, wurde er auch in anderen Regionen, wie beispielsweise Europa und Südamerika, schnell zu einem beliebten Geländefahrzeug. Auch in Deutschland erfreut sich insbesondere das dreitürige Basismodell großer Beliebtheit unter den Geländewagenfreunden.

Rund 2,5 Millionen Lada Niva wurden gebaut. Davon etwa zweihunderttausend 5-Türer. Die Pick-up-Version ist mit einer produzierten Stückzahl von nicht einmal 10.000 Fahrzeugen jedoch eine absolute Rarität. Erst recht in Deutschland. 20 Exemplare sollen über den Grauimport bei den Händlern gelandet sein. Hinzu kommen wahrscheinlich noch einige wenige Gebrauchte aus den frühen 2000er Jahren.

Umso mehr freue ich mich natürlich, als Micha mich zu einer Runde mit seinem Lada Niva Pick-up einlädt. Ich nehme auf dem Beifahrersitz Platz und los geht es dahin, wo sich der Niva am wohlsten fühlt: ins Gelände.

Diese Pick-up-Version des beliebten Offroaders ist im Prinzip ein Eineinhalb-Kabiner

Und so bietet das Fahrzeug nicht nur verhältnismäßig viel Platz im Fahrgastraum, sondern auch reichlich Platz auf der Ladefläche. Ganze 600 Kilogramm darf dieser Niva Pick-up offiziell zuladen.

Erweitert wird der Laderaum durch ein Hardtop, was natürlich selbstgebaut ist. Darunter findet auch, gut geschützt, das Reserverad Platz. Moment mal, sagen jetzt sicher einige Niva-Kenner, das Reserverad gehört doch unter die Motorhaube. Richtig, doch da musste es umfangreichen Umbauten weichen. Dazu später noch mehr.

Niva Pickup
Die schwarze Lackierung des Eigenbau-Hardtops bietet einen schönen Kontrast zur sandfarbenen Karosserie des Fahrzeugs.

Das Hardtop ist aus einem abgeschnittenen Dach inklusive C-Säule eines normalen 3-Türer Niva angefertigt. Dazu wurde die Heckklappe komplett neu gebaut, mit Alublech beplankt und an originalen Heckklappenscharnieren befestigt. Die Fensteröffnungen sind mit Alublech verschlossen.

Niva Pickup
Aufwendiger Eigenbau: das Hardtop für den Niva Pick-up.

Hervorragende Offroadeigenschaften zeichnen den Niva aus

Doch nicht nur als Lastenesel kann dieses seltene Fahrzeug überzeugen. Mühelos kraxelt der kleine Pick-up über Geröll, wühlt sich durch den Schlamm und meistert Wasserdurchfahrten. Und trotz der um 80 cm vergrößerten Gesamtlänge im Vergleich zum 3-Türer kommt er im Gelände erstaunlich weit. Für den Fall, dass er doch stecken bleibt, sind vorn und hinten ordentliche Bergeösen montiert. Denn die werksseitig vorhandenen Abschleppösen sind zum Bergen leider völlig ungeeignet.

Niva Pickup
Im Gelände fühlt er sich pudelwohl und hervorragende Offroadeigenschaften zeichnen den Niva aus.

Wir steuern gerade auf einen glitschigen Steilhang zu. Doch das schreckt diesen Lada Pick-up nicht ab. Mit einem Knopfdruck rückt Micha die pneumatische betätigte Hinterachssperre ein und schon sind wir oben.

Die 100%-Sperre stammt aus dem Zubehörregal und ergänzt die ohnehin stark modifizierte Antriebstechnik dieses Ladas. Nicht nur an der Vorderachse sind verstärkte Antriebswellengelenke und wartungsfreie Radlager eingebaut, sondern es ist auch gleich die ganze Hinterachse umgebaut. Der Achskörper wurde massiv verstärkt. Ebenso die Innereien. Es handelt sich um eine sogenannte Full-Floater-Achse aus der Schmiede vom bekannten Lada-Umbauer und Schrauber Andreas Korbach. Der Clou: das Mehrgewicht beträgt lediglich drei Kilogramm und ein Rückbau auf originale Steckachsen bei einem Schaden ist jederzeit möglich. So stellt die Ersatzteilversorgung unterwegs kein Problem dar.

Aufwändiger Umbau und Verstärkung der Hinterachse.

Ergänzt wird die verstärkte Achse durch ein robusteres Wattgestänge, welches nochmal drei Kilogramm auf die Waage bringt. Mehr zur Funktionsweise eines Wattgestänges findet ihr in Teil 4 unserer Reihe Achskonzepte bei Geländewagen.

Eine ordentliche Verschränkung ist mit diesem Niva Pick-up auch möglich.

Michas Niva Pick-up kommt auf für Lada-Verhältnisse großem Fuß daher. BFG Mud Terrains in der Größe 215/ 75 R15 sind hier auf Stahlfelgen vom Chevrolet Niva montiert. Damit macht die Geländefahrt noch mehr Spaß.

Kleine Blessuren gehören zum Offroadfahren dazu.

Werfen wir einen Blick unter die Motorhaube

Unter der Motorhaube sehen wir einige Umbauten. Die Lichtmaschine ist nach oben verlegt. Zum einen ist sie dort gut geschützt vor Wasser und Schlamm und zum anderen ist die Lage der Lichtmaschine in der Originalversion eine beliebte Fehlerquelle beim Niva. Häufig tropfen nämlich trotz angezogener Schlauchschellen geringe Mengen Kühlwasser vom Thermostat direkt in die darunter montierte Lichtmaschine. Die Diodenplatte stirbt dann den unter Niva Fahrern berühmt berüchtigten „Kühlwassertot“.

Das Reserverad musste Umbauten im Motorraum weichen und hat einen Platz unter dem Hardtop gefunden.

Daneben hat hier eine komplette Druckluftanlage mit Druckspeicher ihren Platz gefunden. Sie dient dem Reifenbefüllen und dem Betrieb der Differentialsperre. Und genau dafür musste das Reserverad auf die Ladefläche weichen.

Umfangreiche Umbauten auch unter der Motorhaube.

Nanu, wofür ist denn der zweite Ölpeilstab? So etwas kennt ihr sicherlich von älteren Fahrzeugen oder LKW. Nun, hierbei handelt es sich um ein Getriebeölfüllrohr. Denn beim Schaltgetriebe gibt es eine Eigenart des Niva zu beachten. Die früheren Versionen des Niva hatten ein 4-Gang Schaltgetriebe. Heute werden 5-Gang Getriebe eingebaut, Die Einfüllschraube und deren Position blieb jedoch unverändert, sodass nach wie vor nur eine Füllmenge von 1,35 Litern möglich ist. Darunter leidet vielfach der 5. Gang.  Getriebeschäden sind die ärgerliche Folge. Viele Niva Fans behelfen sich mit einer Überfüllung des Schaltgetriebes. Am einfachsten geht dieses mit dem Getriebe-Befüllrohr von Beddong Special Parts.

Mehr über den Lada Niva erfahrt ihr auch in unserem Artikel zu Sinnvollem Werkzeug auf Reisen für den Niva.

Beim Blick unter die Haube fällt auch etwas anderes ins Auge. Nämlich das Typenschild. Der Pick-up wurde nämlich nie im Lada Werk in Toljatti gebaut, sondern bei einer Firma namens „Super-Auto“.

Eine Besonderheit verrät das Typenschild – die Produktion des Niva Pick-up erfolgte bei „Super-Auto“.

Auch im Niva Pick-up kommt der bewährte 1,7 Liter Benziner mit 82PS zum Einsatz

Doch auch an dem bewährten Motor gibt es natürlich etwas zu verbessern. Micha hat die Ventilsteuerung komplett umgebaut. Während neuere Niva eine Simplexsteuerkette, Hydrostößel und einen hydraulischen Kettenspanner haben, werkelt in diesem Lada Pick-up wieder die altbewährte Ventilsteuerung mit Duplexsteuerkette, einstellbaren Ventilstößeln und automatisch mechanischem Kettenspanner. Diese Version gilt als robuster. Der Motor wird natürlich über eine erhöhte, komplett abgedichtete, Ansaugung mit der nötigen Luft versorgt.

Zur Verbesserung der Kühlleistung hat Micha zwei leistungsstarke Kühlerlüfter von Spal eingebaut. Diese hat er hinter dem Kühler anstatt wie original vor dem Kühler montiert. Dadurch wurde etwas Platz geschaffen und so sitzt jetzt vor dem Kühler noch ein 19-reihiger Ölkühler. In Verbindung mit einer geänderten Kühlerlüftersteuerung sind jetzt einige Reserven bei der Motortemperatur vorhanden.

Im Winter warten neue Projekte

Ihr kennt das, so ein Geländewagen ist irgendwie nie richtig fertig. Also auch nicht dieser tolle Lada. Vorne verrichtet derzeit noch ein 30%-Torsendifferential seinen Dienst. Hier wartet eines der Winterbastelprojekte und dann wird das Torsen durch eine 100%ige pneumatische Sperre ersetzt. Das Differentialgehäuse ist bereits verstärkt. Das anfällige Alugehäuse hat Micha gegen eine stabile Version aus Stahl getauscht. Diese hängt dann auch nicht mehr an der Motoraufnahme, was Vibrationen vermeidet. Eine solche Aufnahme gab es übrigens ab 2016 und bei den Diesel-Modellen serienmäßig.

Aufgrund der Länge des Niva Pick-up, ist die hintere Kardanwelle geteilt ausgeführt und mit einem homokinetischen Gelenk versehen. Diese Konstruktion ist gerade bei starker Beanspruchung anfällig und sorgt immer mal wieder für Ärger. Er wird dieses gegen eine andere Welle mit Kardangelenk tauschen.

Bei aller Geländefähigkeit ist dieser Niva Pick-up vor allem ein Reisefahrzeug

Besonders gerne sind Micha und seine Frau Susi in Osteuropa unterwegs, etwa dem Baltikum. Auch die ein oder andere Winterreise darf dabei nicht fehlen. Übernachtet wird entweder in Pensionen und kleinen Hotels oder die beiden hängen kurzerhand einen kleinen Anhänger mit Dachzelt an, welcher dann als Basiscamp dient. Wie praktisch. Die Reisetauglichkeit wird durch ein Doppelbatteriesystem und eine Solaranlage ergänzt. Mittlerweile hat der Pick-up rund 150.000km auf dem Kilometerzähler.

Wenn immer möglich erfolgt der Betrieb mit Autogas. Das verringert  nicht nur die Betriebskosten, sondern verdoppelt auch die Reichweite. Diese beträgt insgesamt rund 700 Kilometer Der Gastank hat seinen Platz unter der Ladefläche. Umschalten von Gas zu Benzin oder umgekehrt erfolgt mittels eines kleinen Tasters im Cockpit.

Der Gastank ist unter dem Heck montiert.

Seid ihr neugierig geworden und möchtet mehr über die Abenteuer dieses Niva Pick-up erfahren? Dann schaut euch mal auf Instagram bei @michaniva um. Wir wüschen den beiden noch viele tolle Reisen mit diesem interessanten Fahrzeug.

©Fotos: Micha Abe und Björn Eldracher