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Eingang zur Wüste Gran Erg Occidental
Eingang zur Wüste Gran Erg Occidental

Planlos durch Nordafrika: von Marokko nach Tunesien über den Landweg

Allein im Land Rover, ohne festen Plan: Melanie fährt über den Landweg von Marokko bis Tunesien. Durch Mauretaniens Wüste am längsten Zug der Welt entlang, mit Polizeieskorte quer durch Algerien und zu Fuß an drei Kontrollen vorbei zum Grab der Tin Hinan. Sandstürme, ein Reisebegleiter, der sie in der Wüste stehen lässt, kaputte Schrauben und immer wieder Menschen, die zu Freunden fürs Leben werden. Eine Reise, die völlig anders kommt als geplant. Und trotzdem genau richtig.

Ich bin Melanie, lebe seit 3 Jahren fest in meinem Auto und ich bin von Januar 2026 bis April 2026 mit meinem Land Rover Discovery 2 ganz allein und praktisch ohne festen Plan von Marokko nach Tunesien gefahren, über den Landweg. Ich arbeite immer von unterwegs und bin daher frei in meiner Zeiteinteilung.

Wie kommt man auf so eine Idee?

Wie kommt man (oder Frau) auf so eine Idee? Das frage ich mich an manchen Tagen auch. Es gibt da verschiedene Antworten.

1. So ein Land Rover ist nun mal ein Geländewagen. Bisher kam er kaum zum Einsatz. Afrika und die Wüste hatte ich immer im Hinterkopf aber ohne wirklich zu wissen was das bedeutet oder was da so los ist. Ich war vor 30 Jahren mal in Marokko, hatte Reisebericht gesehen und mit anderen Reisenden auf Globetrotter Treffen getroffen. So doll kann das alles nicht sein war oft mein Gedanke. Ein bisschen Übermut und Großkotzigkeit auch dabei.

2. Ich liebe echte Herausforderungen. Wenn schon Afrika dann nicht da wo offenbar gerade alle Overlander hinfahren oder lang fahren: Richtung Südafrika. Ich wollte etwas anderes, etwas das kaum jemand macht. Also die Landkarte geschnappt und mich für Nordafrika entschieden. Von Marokko bis Ägypten sollte es werden. Das ist dann aber doch zu viel fürs erste Mal und es wurde Marokko bis Tunesien. Die Entscheidung fiel erst Anfang Dezember 2025, in Spanien an einem Strand bei Barcelona. Ich war auf dem Weg nach Deutschland, um Freunde zu besuchen und die Feiertage zu verbringen. Also wurde gleich noch eine kleine Reisevorbereitung daraus. Was ich wirklich brauche, war mir nicht klar.

Die Vorbereitung

Ich bin gut im Listen schreiben, organisieren und Pläne schmieden. Teil eins war mal bei Google schauen wo es da überhaupt lang geht. Marokko, Algerien, Fehlanzeige, Grenze ist zu. Also bleibt Mauretanien. Wo ist da ein Grenzübergang? Ist der offen, was brauche ich? Eine Google Suche und ein paar Facebook Stories später war die Strecke festgelegt. Ich will im Januar Offroad durch Marokko den Trans Maroccan Trail fahren, dann an der Bahnstrecke durch Mauretanien am Auge der Sahara vorbei und dann durch Algerien zum Tassili Gebirge. Tunesien war dann kaum noch von Bedeutung, nur ein Endpunkt um zur Fähre nach Italien zu kommen. Eine wichtige Inspiration für diese Tour ist die Dänin Henriette, bekannt als „Fortheloveofwheels“ bei Facebook und Instagram.

Es kam am Ende vieles anders aber eben so wie es kommen sollte. Ich bin die Strecke gefahren, nicht ganz wie geplant, aber ich habe es geschafft und sitze jetzt auf der Fähre nach Civitavecchia (Italien) und schreibe diesen Reisebericht.

Die Entscheidung für die Tour fiel in Barcelona am Strand, kurz vor meinem Flug nach Deutschland, um dort Freunde und Familie zu besuchen. Dann in Deutschland angekommen habe ich geschaut was ich eventuell an Ersatzteilen gebrauchen könnte, was sonst nützlich sein könnte und war fleißig shoppen bei Kleinanzeigen und Offroad Shops. Am Ende waren die mitgenommenen Service Teile wie Luft und Dieselfilter am wichtigsten. Der Vorrat an Dieselzusatz ist alle geworden und ein Ersatzteil habe ich in Algerien verschenkt. Den Kompressor habe ich definitiv gut gebraucht und die Dieselkanister auch. Ich hätte mehr zum Thema Navigation vorbereiten müssen aber außer einer Menge Apps und einem Tablett habe ich sehr blauäugig wenig Augenmerk drauf gelegt. Das wird sich ändern.

Administrativ habe ich mir mit Hilfe von KI (Chat GPT) einen zweiten Reisepass besorgt. Das war gar nicht so schwer. Ich habe den in Süddeutschland bei einem Bürgeramt beantragt und die Express Variante in 4 Tagen bekommen. Begründung beim Amt: ich reise viel. Das Begleitschreiben hat die KI aufgesetzt. Den Pass habe ich dann zu einer Visa Agentur geschickt und ein Algerien Visa beantragt, mit Trick 17. Ob ich das Visa bekomme, wusste ich lange nicht. Los gefahren bin ich trotzdem. Und bei Facebook habe ich noch Kontakt zu einem Campingplatz in Marokko aufgenommen der auf der Strecke lag, um mir den zweiten Pass mit dem Visum dann dort hinschicken zu lassen, für den Fall. Die Jane vom Walhalla Camp in Marokko bei Azilal hat sofort geholfen. Das Camp absolut empfehlenswert.

Das Visum für Algerien
Das Visum für Algerien
Zwei Pässe, das Visum ist angekommen
Zwei Pässe, das Visum ist angekommen

Nach Weihnachten dann zurück mit dem Flieger nach Barcelona. Das Auto stand dort und wartete auf mich. Die gekauften Teile kamen per Post nach Spanien hinterher. In Spanien war ich dann noch ein paar Tage auf der Finca meiner lieben Freundin Nicole und hab etwas vorgearbeitet. Ich lebe ja in meinem Disco und arbeite online von unterwegs. Ich war immer noch sehr entspannt und hab noch ein paar Leute angeschrieben, um die Strecke nicht die ganze Zeit alleine zu fahren. Das wollte ich in keinem Moment aber es passt eben auch nicht immer. Auf Facebook in Overlander und Reisegruppen bin ich fündig geworden und auch auf der Webseite der Pistenkuh. Danke für dieses tolle Angebot auf eurer Webseite ihr lila Reise Profis :-).

Endlich los, mit Hindernissen

Dann kam der Tag an dem es losgehen sollte Abschied, alle Tanks mit Wasser gefüllt, reichlich Lebensmittel ins Auto geladen und nach 100km macht der Disco plötzlich komische Geräusche. Ich dachte, ich spinne. Also Hilfe gesucht, Werkstätten kontaktiert, niemand hat Zeit oder vor allem: Ahnung von dem Auto. Am Ende half mir ein echter Disco 2 Profi in der Nähe von Algeciras. Ein Deutscher der dort lebt und einen mobilen Werkstatt Service anbietet und den Wagen wirklich kennt. Problem in 10 Minuten behoben. Ich hatte wirklich Angst, dass die Reise nicht stattfinden kann. Es war nur eine gebrochene Schraube. Immer so Kinkerlitzchen aber was mehr Entspannung angeht wenn es um das Auto geht, musste ich noch lernen.

Im Auto, das tägliche Chaos
Im Auto, das tägliche Chaos

Dann also bei super schlechtem Wetter zur Fähre nach Algeciras, Südspanien und von dort nach Tanger Med. Ticket bei Carlos gekauft. Online wäre genauso gut gewesen aber bei der Wetterlage wusste das Ticketbüro zumindest gleich welche Fähre geht und welche nicht. Es war Sturmzeit in der Straße von Gibraltar. Am 26.01.2026 angekommen in Marokko ohne große Probleme am Hafen war das Wetter auch nicht besser. Ich hatte übrigens meine grüne Versicherungskarte auf der Marokko inklusive ist dabei (Bavaria direkt Versicherung) und wurde auch sonst nicht groß kontrolliert. In Marokko wollte ich ja den TMT fahren aber bei dem Wetter… erst mal Richtung Osten zur algerischen Grenze. Die Strecke an der Atlantik-Küste wollte ich nicht fahren und ich war mit Gerti und Peter verabredet, um ein bisschen zusammen Offroad zu fahren. Ich hatte die beiden bei der Pistenkuh entdeckt. Und ich hatte durch das Problem mit dem Auto viel weniger Zeit als geplant.

Marokko: Küste bei Nador
Marokko: Küste bei Nador

Marokko: Sandsturm, Offroad und ein wichtiger Anruf

Marokko mit den beiden lieben Reisebegleitern war wirklich schön. Ein ordentlicher Sandsturm gleich zur Begrüßung, bisschen Offroad mit kleiner Rettungsaktion, Peter war abgerutscht mit seinem Ford und ich durfte ihm helfen. In Oasen und Souks, zusammen kochen und essen. Abseits von zu viel Touristentrubel ein schönes Land. Die Sahara in Marokko habe ich ausgelassen. Ich glaube, ich hatte ein bisschen Angst. Ich habe tolle Erfahrungen mit den wenigen Menschen gemacht die ich dort kennen gelernt habe und werde ganz sicher wieder nach Marokko fahren. Mit mehr Zeit und hoffentlich wieder mit guter Gesellschaft. Einen Service für das Auto habe ich in Zagora auch noch machen lassen. Da ich von Mauretanien wenig wusste, war es mir ganz recht und die Garage von Ali hat super Arbeit geleistet. Und dann kam ein Anruf von der algerischen Botschaft in Berlin. Ein Interview wegen dem Visaantrag. Ich fand es sehr interessant, dass ich persönlich angerufen wurde. Was ich arbeite? Warum ich allein reise? Warum 4 Wochen..etc.? Ich habe ja nicht verraten was ich wirklich vor hatte. Ich hatte eine sogenannte Pauschalreise nach Algier gebucht. Und dann wurde mir das Visa bestätigt, ich habe mich irre gefreut und gefeiert und dann habe ich die Pauschalreise wieder storniert. Jetzt konnte ich den Ausweis auf dem Marokkanischen Campingplatz abholen und weiter fahren. Was mich wirklich erwartet oder was ich da vor hatte war mir immer noch nicht klar.

Ankunft bei Gerti und Peter nähe Nador
Ankunft bei Gerti und Peter nähe Nador
Zagora: Service fürs Auto, nichts kaputt
Zagora: Service fürs Auto, nichts kaputt

Nach einer Woche war der Reisepass bei Jane im Camp und die Fahrt dorthin über durch schlechtes Wetter zerstörte Straßen eine echte Offroad Fahrstunde. 150Km durch Schlamm, Geröll und Flüsse. 8 Stunden habe ich gebraucht. Andere Straßen die ich vorher probiert hatte waren voll gesperrt und mir blieb kaum noch eine Wahl. Das Camp liegt im Atlas Gebirge und ich kam ja aus dem Osten von der Grenze zu Algerien. Aber am Ende hat alles geklappt und ich fuhr alleine weiter Richtung Süden, Richtung Meer, zum Gebiet der Westsahara, Richtung Mauretanien. Mein Visa für Algerien war fix vom 1. bis 30. März und ich hatte leider kaum Zeit für Mauretanien übrig.

Marokko: Atlas-Gebirge
Marokko: Atlas-Gebirge
Guelmim: Altstadt-Tour
Guelmim: Altstadt-Tour

Das Wetter wurde besser, wärmer aber es war auch oft windig. Ungewohnt und anstrengend an manchen Tagen. Ich war verabredet mit einem Portugiesen aus einer FB Offroad Gruppe, um zusammen durch Mauretanien zu fahren und kurz vor der mauretanischen Grenze mit Jürgen W. S., den ich schon persönlich kannte, um mir Tipps für Mauretanien zu holen. Jürgen ist ein echter Offroad Reise Profi mit seinem verrückten Hund Castor und war mir eine große Hilfe. Er hat mir einen sogenannten Fixer für die Grenze nach Mauretanien empfohlen und vor allem einen Kontakt vor Ort in Mauretanien, der deutsch spricht und mir später noch eine wahre Rettung sein sollte.

Mauretanien: an der Eisenbahn durch die Wüste

Die Grenze war ein kleiner Kulturschock. Am 14.02.2026 Marokko zu verlassen war einfach. Ein paar Stempel, Papiere und ein Scanner. Wozu war mir nicht klar. Und dann zum Grenzposten von Mauretanien nicht mal eine Straße. Sand und Felsen und Müll und liegen gebliebene Fahrzeuge. Der Posten selber chaotisch und sehr militärisch. Der Fixer hat mich wirklich schnell da durch gebracht und ich würde ihn wieder beauftragen. Stempel, Pässe, Geldwechsel, Fingerabdrücke und Autoversicherung. Mein portugiesischer Begleiter hatte sich jemanden an der Grenze ausgesucht als Helfer. Hat auch funktioniert. Der Portugiese, ein Mann an die 70 mit einem recht neuen Mitsubishi Pick up und Dachzelt auf der Ladefläche war kein einfacher Begleiter. Ich war verwöhnt von der schönen Zeit mit Gerti und Peter.

Zuerst mal zur Villa Maguela in Nouadibou zu Viktor. Ein geschütztes Gästehaus für jede Art von Reisenden. In Ruhe schlafen nach dem ganzen Tag an der Grenze, duschen und am nächsten Tag gut essen in Gesellschaft. Ein super schöner Ort und gute Bekanntschaften. Ein Glücksbringer wurde mir geschenkt. Und dann ging es los Richtung Bahnstrecke. Durch die Wüste entlang des längsten Eisenerz Zuges der Welt von Noudibou nach Zouerat. Ich war ja noch nie richtig im Sand. Zum Glück war es erst mal recht einfach. An der Strecke liegen ein paar Dörfer, halb verlassen, unter Sand begraben und ein paar sehr schöne Monolithen die besucht werden sollten. Der Wind war immer mit von der Partie. Vorher nochmal voll getankt. Ganz ehrlich: mir ging der Arsch auf Grundeis. Ich hatte Angst. Luft ablassen aus den Reifen und so tun als wäre alles ok. Der Portugiese war erfahren aber kein guter Lehrer. Irgendwie haben wir dann aber mit einer Übernachtung im Dorf Inal die Monolithe Ben Amera und Aysha erreicht. Wunderbar. Es war sehr windig und die Stimmung kippte so langsam. Ein Dachzelt ohne Alternative ist kein einfaches SetUp in der Wüste wenn es fast jeden Tag windig ist. Ich sagte mal meine Meinung und dann war er weg der Portugiese. Er hat mich da einfach stehen gelassen. Wissend, dass ich nicht gut allein klar komme. Jetzt hatte ich ein Problem. Wieder Angst und allein. Dann fiel mir Jürgen ein. Natürlich konnte er helfen und ich bin dann mehr schlecht als recht zum nächsten Monolithen „Aysha“ gefahren. Unterwegs Ute aus Berlin getroffen, ein Camp gefunden und eine Nacht im Sandsturm am Aysha verbracht. Gut ging es mir nicht. Touristengruppen tauchten auf und waren wenig angenehm. Ich wollte nicht fragen ob ich mitfahren darf. Es war mir peinlich und ich musste erst mal zur Ruhe kommen. Online einen Guide entdeckt und den dann „engagiert“. Am Ende dann natürlich ein Reinfall. Ein alter Mann ohne Ahnung und mit kaputtem Auto. Mit der Hilfe von Didi, dem Kontakt den mir der Jürgen gegeben hatte habe ich es dann irgendwie bis Atar geschafft und es dann auch geschafft den Guide wieder los zu werden. Menschen gibt es. Aber das Bab Sahara Camp in Atar war toll. Liebe Menschen, Gespräche, in Ruhe schlafen, einkaufen und Pläne für die Weiterfahrt.

Auch wenn ich nicht alles allein geschafft habe so habe ich mir doch allein Hilfe gesucht. Lösungen gesucht und angenommen. Mein Auto immer allein weiter voran gebracht. In Mauretanien war Didi mein Retter. Am Ende bin ich hinter einem Taxi zur Grenze nach Algerien gefahren. Ganz einfach. Oder auch nicht. In Rally Paris Dakar Geschwindigkeit durch mauretanisches Niemandsland. Und dann sogar 3 Tage zu früh da am 26.02.2026. Ein Lacher.

Direkt vor der Grenze 3 Tage warten war keine Option, sicher auch verdächtig für die Grenzer. Also einfach mal los. Mauretanien zu verlassen war einfach. Algerien Einreise war freundlich aber etwas zeitaufwendig. Ein Transit Visa wurde ausgestellt, einfach so. Nichts ist unmöglich. Mein algerischer Kontakt wurde angerufen, mehr nicht. Kein Guide, keine Agentur.

Algerien: das Transit-Visum an der Grenze
Algerien: das Transit-Visum an der Grenze

Algerien: das eigentliche Ziel

Und dann war ich in Algerien. Das eigentliche Ziel dieser Reise. 4 Wochen lagen vor mir.

Meine Route war eine Mischung aus Instagram Bildern, fremden Reiseberichten auf Facebook und Google Maps. Also wirklich super Voraussetzungen. Ein paar sporadische algerische Kontakte hatte ich ergattert und dann diese Frau, Samira, die sagt sie wolle mit mir in die Wüste fahren, ich solle mich um nichts sorgen. Ein Fehler. Die Kommunikation mit ihr auf Englisch war ok aber wenig. Details zur Route oder Kosten, Fehlanzeige. Ich ließ mich drauf ein da ich ja sowieso nichts anderes vor hatte.

Aber erst mal ging es mit einer freundlichen hilfsbereiten Polizeieskorte von der Grenze Algeriens nach Zouerat ins Hotel. Sie halfen beim Tanken und brachten mich fast bis ins Bett. Zouerat ist eine recht große moderne Stadt und es gibt alles was man braucht. Anders als Mauretanien, ganz anders. Das Hotel war voll mit Spaniern eines Kongresses und ich konnte Geld wechseln an der Rezeption. Ach ja, es war natürlich Ramadan, seit fast 10 Tagen. Das heißt in Algerien, dass man zum Fastenbrechen zum Abendessen überall eingeladen wird, auch im Hotel. Also lecker essen, duschen und ab ins Bett. Am Morgen bin ich einfach los gefahren Richtung Norden, denn sonst gibt es dort nur wenige Alternativen weiter zu fahren. Die erste Polizeikontrolle fing mich ab und organisierte mir dann die Eskorte bis nach Taghit, mein nächstes Ziel. Das Fahren mit den Polizisten erfordert definitiv Geduld aber die Männer sind nett und machen nur ihren Job.

Die Polizei, immer nett
Die Polizei, immer nett

Ich sagte fast immer nur Orte an und das reichte offenbar. Hotels gab es wenig also nahm ich irgend eines. Gebucht oder reserviert oder zumindest recherchiert hatte ich gar nichts. Ich habe ja mein Auto in dem ich schlafe, dachte ich. In Algerien war das aber erst mal keine Option. 1000Km nur Straße, immer geradeaus bis Taghit, in ein teures kaltes leeres Hotel und wieder nur schlafen. Viele km. Beim Frühstück ein paar italienische Touristen als Gesellschaft. Am nächsten Tag dann Kontakt zu dieser Frau und die Suche nach einem Schlafplatz im Ort. Irgendwo draußen kam nicht in Frage, ich wusste einfach nicht wohin und es war nur Sand um mich herum. Also ein Camp. Aber es ist Ramadan, alles zu, kaum Menschen. Zum Glück hat es dann geklappt und ich konnte per WhatsApp jemanden erreichen und ich blieb 4 Tage dort. Wieder schlafen, gut essen, selbst gekocht, arbeiten und das Auto pflegen und vor allem vor dem Sandsturm verstecken der wieder aufzog. Die Suche nach einer Autowäsche war übrigens vergeblich. Zum Glück konnte ich einkaufen. Günstig, Supermärkte und Wochenmärkte waren offen und es gab keine Touristenpreise.

Algerien: das Tal von Taghit
Algerien: das Tal von Taghit

Einen Ausflug nach Beni Abbes und in das Tal und die Ksar von Taghit habe ich noch gemacht. Ganz allein und sehr entspannt. Es gab viel mehr zu sehen als gedacht. Und dann sollte diese Frau Samira also mit mir zum Tassili Gebirge fahren, ganz in den Süden von Algerien, ein Instagram Traum.

Taghit: Altstadt (Ksar)
Taghit: Altstadt (Ksar)
Camp bei Metlili
Camp bei Metlili

Mit Samira Richtung Tassili und Djanet

Sie hatte von ihrem Auto gesprochen, kam dann aber mit dem Flugzeug und musste bei mir mitfahren. Also erst mal Platz im Auto machen. Und wo dann schlafen? Es war alles sehr seltsam und unklar. Wir fuhren Richtung Norden von Ort zu Ort: über Timimoun nach Ghardaïa, nach Hassi Messaoud und dann nach Illizi. Letzte Station war Djanet. Wir mussten von Ort zu Ort fahren und eine Unterkunft suchen, da sie nichts vorbereitet, nichts reserviert und auch nichts recherchiert hatte. Die meiste Zeit wurden wir von Polizeieskorten begleitet, mit welchen sie dann sprach. Alle Männer waren nett und freundlich, aber die Unterkünfte in den billigen und schlechten Hotels in der Stadt sowie die doch sehr, sehr langen Strecken und Fahrtage setzten mir ordentlich zu. Es waren viele Tage nur im Auto: nur fahren, abends etwas essen, ein bisschen schlafen und weiterfahren. Die Gesellschaft dieser Frau wurde beschwerlich, aber sie war sicher auch manches Mal hilfreich, um bestimmte Kontrollpunkte zu überwinden, da sie Papiere eines Reiseunternehmens dabei hatte und wir somit problemlos bis nach Djanet gelangen konnten.

Die Anreise für einen Touristen direkt nach Djanet ist nur mit einem Guide ab Illizi möglich. Spätestens dort muss man abgeholt oder erwartet werden. Sicher gibt es Routen, um Polizeikontrollen zu umgehen und auch allein ins Tassili-Hoggar-Gebirge zu fahren, aber diese kannte ich bis dahin noch nicht. Also erreichten wir Djanet und kamen bei einer mit ihr befreundeten Familie unter. Diese Leute sind eine Tuareg-Familie: wohlhabend, mit einem schönen Haus, Autos und vielen Kindern. Es war immer noch Ramadan.

Ich wurde herzlich willkommen geheißen. Man bereitete mir abends einen Platz zum Schlafen, und endlich wurde über den geplanten Ausflug in das Tassili und die Wüste gesprochen. Endlich kam das Thema der Route vor Ort zur Sprache. Es kam das Thema des Geldes zur Sprache und wie alles ablaufen sollte. So nach und nach wurde mir klar, dass sie nicht verstand, welche Bedürfnisse ich als Reisende habe, was ich mir vorstelle, und alles gestaltete sich doch sehr, sehr schwierig für mich. Während sie Papiere organisierte, machte ich allein einen Ausflug in die Stadt, konnte bis in das nächste Dorf fahren, in dem ich eine sehr, sehr tolle französische Herberge fand, in der ich einen Kontakt herstellen konnte und sicherlich beim nächsten Mal dort meine Ausflüge und Unterkünfte plane. Bei der Stadttour durch Djanet wurde ich dann irgendwann von der Polizei abgefangen. Sie begleiteten mich. Ich konnte die Altstadt besichtigen, einen Park, und wurde dann direkt bis zurück zur Haustür dieser Frau und ihren Freunden gebracht. Die Polizisten waren aber auch hier wie immer sehr, sehr freundlich, sehr hilfsbereit und haben mich sogar bei der Besichtigung der Stadt begleitet.

Mich alleine in diesem Ort zu bewegen, war also nur dann möglich, wenn ich einfach mal losgefahren bin, ohne zu fragen und ohne zu sagen, was ich mache. Nach vielem Hin und Her und Absprachen wurden dann vier, fünf Tage in der Wüste besprochen mit einer offenbar Standardroute, Standardausrüstung etc.

Nichts davon entsprach wirklich meinen Wünschen und Vorstellungen, aber ich war nun einmal da, hatte bezahlt und dann sollte es losgehen. Für mich war es eigentlich wichtig, keine typische Touristentour zu absolvieren und auch möglichst wenig Menschen dabeizuhaben, um dort einfach den Ort zu genießen. Aber das war nicht möglich. Es war eine Bande junger Leute mit wenig Erfahrung, die einfach mit mir losfuhren, typische Touristenrouten abfuhren, tausende von ausgefahrenen Spuren und Pisten in der Wüste, Standardprogramm heruntergeleiert. Schön war es nicht. Auch wurde nicht respektiert, dass ich nur wenige Menschen dabeihaben wollte. Am Ende saßen in diesem PickUp fünf Personen, ich allein in meinem Auto.

Algerien: Tassili
Algerien: Tassili
Ich als Touareg im Tassili
Ich als Touareg im Tassili

Abends wurden Lager aufgeschlagen, mitten im Wind, vollkommen sinnlos. Es wurde für mich gekocht, obwohl ich nichts essen wollte, und ich fühlte mich unwohl und am falschen Ort zur falschen Zeit.

Es war weiterhin Ramadan.

Am dritten Tag habe ich diese Tour dann beendet, nachdem es Probleme mit dem Diesel gab. Ich denke, ein Guide und Reisebegleiter sollte wissen, wo Nachschub zu bekommen ist bzw. auch vollgetankte Fahrzeuge haben. All dies war nicht der Fall. Man verging sich dann auch an meinen Sachen und für mich war damit die Tour dann beendet. Das Geld war mir zu diesem Zeitpunkt schon längst egal. Ich packte mein Auto, fuhr in den Ort und musste mich natürlich bei der Polizei rechtfertigen, warum ich einfach meinen Guide in der Wüste habe stehen lassen. Am Ende durfte ich dann in Begleitung zurück nach Illizi fahren, habe mir dort ein Hotel genommen, eine Nacht verbracht und bin am nächsten Morgen ganz allein, niemand wollte etwas von mir wissen, keine Eskorte, keine Begleitung, wieder ganz Richtung Norden gefahren, nach Hassi Messaoud. Dort habe ich eine Nacht in einem sehr schönen Hotel verbringen können und dann ging es weiter in die Stadt Ghardaïa.

Ghardaïa: neue Freunde, Hamza und Mohamed

In Ghardaïa hatte ich einen Kontakt aus Facebook: Hamza. Er organisierte erst einmal ein Camp für mich, in dem ich problemlos umsonst auf dem Parkplatz stehen, duschen, waschen und ein paar Nächte verbringen konnte.

Ghardaïa: Altstadt mit Guide
Ghardaïa: Altstadt mit Guide

Hamza kam dann vorbei, um mit mir zu sprechen, was ich gerne machen wollte und um sich zu entschuldigen, dass ich eine doch so schlechte Erfahrung in seinem Land gemacht hatte.

Am Ende wurde ich dann zu ihm eingeladen, zu seiner Familie, konnte mein Auto dort lassen und vor allem konnte ich meinen nächsten Kontakt aus Facebook empfangen, und zwar Mohamed.

Mohamed ist ein junger Geologe, der an seiner Doktorarbeit schreibt und mich kontaktiert hatte, um mit mir ein paar Tage zusammen in Algerien in der Wüste zu verbringen. Ihm half es, an seiner Doktorarbeit zu arbeiten und Feldstudien durchzuführen. Mir konnte es helfen, Orte zu finden, die ich alleine nie gefunden hätte, denn er ist ein absolutes Navigationsgenie und kennt sein Land wie seine Westentasche.

Also war ich viele Tage mit Mohamed im Auto unterwegs. Er hatte sein Zelt, ich hatte mein Auto und wir fuhren ganz frei ohne Kontrollen um Ghardaïa zu einem Krater, besuchten alte französische Festungen, bis nach Brezina an den Stausee, die Altstadt. Es war eine wirklich tolle Tour. Wir haben uns gut verstanden. Ich habe viel gesehen. Ich bin auf einer großen Piste für Arbeitsmaschinen bis tief in die große Wüste Gran Erg Occidental hineingefahren. Und wir hatten eine tolle Zeit.

Alte französische Festung von innen
Alte französische Festung von innen
Eingang zur Wüste Gran Erg Occidental
Eingang zur Wüste Gran Erg Occidental
Der See Mahfoura
Der See Mahfoura
Eine Holzsammlerin
Eine Holzsammlerin

Danach ging es wieder zurück zu Hamza, zu seinem Haus und seiner Familie. Wir machten eine Tour in die Wüste dort und übernachteten unter den Sternen. Ein, zwei Tage Pause, Wäsche waschen und planen, was mit den letzten verbleibenden Tagen in Algerien passieren sollte. Ich hätte mir gewünscht, nach Tamanrasset zu fahren mit dem Auto und mir dort noch die verbleibenden Sehenswürdigkeiten, insbesondere das Assekrem und auch die kleine Kapelle von Charles de Foucauld anzusehen. Aber es wurde doch recht knapp mit den Tagen. Also schlug Hamza vor: „Wir buchen einen Flug für dich und für Mohamed.“ Ein Bekannter von Hamza, der dort lebt, sollte uns dann mit einem Mietauto, welches ich bezahlte, ein bisschen durch die Gegend fahren. Gesagt, getan. Also flogen wir zusammen nach Tamanrasset.

Mohamed und Hamza
Mohamed und Hamza

Tamanrasset und mein größtes Abenteuer

Natürlich wurden wir auch dort von der Polizei am Flughafen empfangen. Und obwohl die Strecke nur zehn Minuten war, mussten wir auf eine Eskorte warten und wurden zum Haus von seinem Freund Nuri gebracht.

Nuri hatte ein Fahrzeug organisiert und sollte uns dann die dort typischen Sehenswürdigkeiten zeigen. Er ging zur Polizei, um alles anzumelden und bekam keine Erlaubnis. Nuri war ein freundlicher Typ, der dort in Tamanrasset lebte und ein kleines Geschäft besaß. Es gab ein tolles Abendessen mit Teezeremonie, der Ramadan war ja nun inzwischen vorbei, und wir konnten uns den Ort ansehen. Leider ist es mit den Ausflügen nichts geworden. Das Auto musste ich trotzdem bezahlen und so ganz glücklich war ich mit dieser ganzen Situation dort nicht. Denn die Polizei verbot dann auch, dass ich bei Nuri privat in seinem Haus lebe. Das heißt: ab in ein Hotel. Ich wurde immer mieser und übellauniger und unzufriedener, denn ich hatte so doch sehr viele Tage verloren. Insbesondere, da ich damit gerechnet hatte, dass Hamza und Nuri wussten, was notwendig ist, um eine Erlaubnis zu bekommen, mich dort an diese Sehenswürdigkeiten zu fahren.

Tamanrasset: Festival
Tamanrasset: Festival

Natürlich wussten sie das nicht, aber sie hatten sicherlich einen guten Willen.

Am Ende hatte ich in dem Hotel noch ein paar sehr nette Kontakte. Ein französisches Paar, das dort eine Tour gebucht hatte, war dort mit dem Guide in seinem Auto unterwegs. Ich war echt verärgert.

Also beging ich wohl mein wirklich größtes Abenteuer auf dieser Reise. Nachmachen nicht empfohlen.

Ganz am frühen Morgen, es war nichts geplant, zog ich mich unauffällig an, nahm meinen kleinen Wanderrucksack, packte Wasser ein, etwas Geld, mein Telefon, eine Powerbank und ging zu Fuß zu einer der nächstliegenden Sehenswürdigkeiten vor Ort, und zwar dem Grab der Tuareg-Frau Tin Hinan. Es sollten circa 100 Kilometer sein. Früh am Morgen wanderte ich durch eine leere Stadt Tamanrasset. Niemand sah nach mir. Ich hatte die Kapuze aufgesetzt. Es war nicht warm. Manchmal tröpfelte es sogar ein bisschen.

Und ich lief einfach aus der Stadt hinaus, sah von Weitem ein paar Polizeikontrollen. Um die eine Polizeikontrolle lief ich hinten einfach herum. Es gab viele Trampelpfade, Eselspfade, wahrscheinlich auch Pfade von Flüchtlingen, die dort aus Mali und Niger durch Algerien ziehen. Und genau das war auch meine Spekulation: dass ich nicht wahrgenommen werde, da ich von Weitem auch als Flüchtling hätte durchgehen können mit meinem komischen Outfit. An der nächsten Polizeikontrolle konnte ich nicht vorbeilaufen. Alles war zu groß und abgezäunt. Also lief ich einfach geradeaus hindurch. Kopf runter, Kapuze auf, Rucksack. Nicht denken, nicht gucken, und es hat geklappt. So habe ich drei Polizeikontrollen hinter mir gelassen und kam am Ende zum Flughafen beziehungsweise zu einer Tankstelle direkt neben dem Flughafen.

Dort war es ganz üblich, sich ein privates Taxi zu nehmen oder per Autostopp in den nächsten Ort zu fahren. Das ist bei den Einheimischen dort gang und gäbe. Und genau das habe ich dann auch gemacht. Ich habe ein einheimisches Taxi gefunden, das mich für kleines Geld zum nächsten Stopp mitgenommen hat, an dem die Abzweigung zum Grab der Tin Hinan lag. Auch dort gab es natürlich wieder eine sehr große Kontrolle. Ich bin mit dem Taxi angehalten, ein paar Meter davor ausgestiegen und einmal großräumig um die Kontrolle herumgelaufen. Dann lag eigentlich noch ein kleines Stück Straße vor mir, auf dem ich dann gemütlich weiterging und den Daumen in den Wind hielt.

Ein Fahrzeug mit jungen Männern aus dem nächsten Ort hielt an, war ganz überrascht, wer ich bin und wo ich hinwollte, sprach ein bisschen Französisch, ein bisschen Englisch und brachte mich direkt bis an die Tür des Grabes der Tin Hinan. Sie waren super freundlich und ich hatte eine tolle Unterhaltung. Es waren wie immer auf der gesamten Reise freundliche Menschen, die nichts Böses im Sinn hatten. Alle waren hilfsbereit und freundlich. Mein Gefühl hat mich nicht ein einziges Mal getäuscht.

Dann hatte ich genug Zeit, mir in Ruhe das Grab anzusehen und Fotos zu machen. Die Tür der Anlage war zum Glück geöffnet. Komischerweise war aber auch recht viel Betrieb. Und dann sah ich von Weitem drei große Reisebusse kommen. Und natürlich: Es waren algerische Touristen. Ich hatte diese jungen Menschen am Tag vorher bereits auf einem Festival in Tamanrasset gesehen und sogar mit einigen von ihnen gesprochen. Sie organisierten dort ein touristisches Event. Natürlich erkannten sie mich wieder und waren erfreut, mich zu sehen, machten Bilder und sogar einige Interviews für algerisches Internet. Am Ende wurden dadurch natürlich auch ihr Guide und die Polizei auf mich aufmerksam und waren nicht sonderlich begeistert, aber auch hier wieder sehr, sehr freundlich. Ich fuhr mit den jungen Leuten in ihrem Bus zum nächsten Stopp. Sie luden mich dort zum Essen ein und dann ging es wieder weiter zurück nach Tamanrasset. Dort wurde ich von der Polizei ordentlich in meinem Hotel abgeliefert mit der Bitte, es doch nicht mehr allein zu verlassen. Unterwegs übrigens musste ich noch kurz zur Toilette und der Busfahrer vergaß mich aus Versehen. Aber die Polizeieskorte hat mich dann wieder aufgesammelt.

Eigentlich war es ein lustiges Abenteuer mit Happy End. Ich hätte es mir nicht besser vorstellen können.

Über die Grenze nach Tunesien

Und am nächsten Tag sind wir dann wieder mit dem Flugzeug zurückgeflogen nach Ghardaïa. Dort konnte ich mein Auto wieder in Empfang nehmen, Mohamed zurückbringen zur Busstation, denn Mohamed war aus der Stadt Oran und musste ja auch langsam wieder nach Hause. Ich bin dann über Landstraßen, kleine Schummel- und Schleichwege von Ghardaïa an die Grenze nach Tunesien gefahren. Ich fuhr direkt zum Grenzübergang zwischen Algerien und Tunesien. Der Ort dort heißt Hazoua. Normalerweise bekommt man wohl auch eine Polizeieskorte, aber sie haben mich übersehen. Von Ghardaïa bis nach Hazoua konnte ich ganz gemütlich alleine über Landstraßen fahren und die wunderbare Landschaft genießen.

Eigentlich wollte ich vor der Grenze noch eine Pause machen, aber ich habe keinen guten Platz zum Übernachten gefunden, habe noch etwas eingekauft, mein algerisches Geld verbraucht und bin dann direkt an den Grenzposten gefahren.

Der Mitarbeiter der Grenze war natürlich überrascht und fragte mich nach meiner Reisegruppe, nach meinem Guide, und ich sagte: „Nein, so etwas habe ich nicht. In Ghardaïa habe ich diese alle hinter mir gelassen.“ Er konnte das zwar nicht ganz verstehen, aber da ich ausreiste, war es ihm eigentlich auch egal.

Er bat mich noch um einen Kugelschreiber, um seine Arbeit machen zu können. Wir haben gelacht und nach circa zwei Stunden wegen eines Schichtwechsels konnte ich dann Algerien verlassen. Man muss übrigens noch 1000 Dinar bei der Ausreise für einen Stempel dort bezahlen, das sollte man wissen. Ich denke auch, dass es immer gut ist, eine Tageszeit zu erwischen, an der eigentlich keiner Lust hat zu arbeiten. Bei der Einreise von Tunesien nach Algerien an diesem Grenzübergang kann man nur einreisen, wenn man einen örtlichen Guide hat, der auf einen wartet. Das habe ich dort erfahren.

Und dann war ich in Tunesien.

Der tunesische Grenzposten wollte wissen, wo ich denn hinfahre und ich gab einen Campingplatz direkt hinter der Grenze an. Das hat ihm ausgereicht und der Grenzübertritt dauerte circa sieben Minuten.

Ich bekam ein Zollpapier und konnte weiterfahren. Es war schon spät in der Nacht. Ich fuhr zu dem Campingplatz und dort war natürlich niemand, also habe ich mich einfach vor die Tür gestellt. In dem Moment war es mir vollkommen egal. Es sah ruhig aus und Tunesien ist ja ein sehr touristisches Land.

Am nächsten Tag habe ich mich eigentlich gleich auf eine Erkundungstour begeben und Tourist gespielt, habe typische Plätze der Star-Wars-Filme besucht. Bei einigen hatte ich Glück und es war ruhig. Bei einigen war es dann schon zu spät und es wurde laut und voll. Ich fuhr die Rommelpiste von oben nach unten, wimmelte viele Touristenführer auf dem Weg dorthin ab und erreichte ein kleines Camp direkt am Ende der Rommelpiste, wo ich bei Ali ein paar Tage in seinem Öko-Camping CAPRAPICTI bei Metlaoui blieb.

Star-Wars-Kulisse bei Nefta
Star-Wars-Kulisse bei Nefta
Bei Chenini: Moschee der Sieben Schläfer
Bei Chenini: Moschee der Sieben Schläfer
Die Schlucht (Gorges)
Die Schlucht (Gorges)

Es war absolut toll. Ali ist ein toller Typ. Er hat mich sogar mitgenommen zu einer tunesischen Hochzeit.

In die Wüste: der verlorene See

Naja, und dann ging es endlich richtig in die Wüste. Ich bin nach Douz gefahren, um mir dort eine Gruppe zu organisieren, mit der ich zusammen in die Wüste fahren wollte, da ich keine Erfahrung hatte oder zumindest nicht ausreichend und auf gar keinen Fall alleine fahren wollte. Zuerst bin ich auf den Cinderella-Campingplatz gefahren, ein wirklich schöner Campingplatz. Leider war dort zu dieser Zeit wenig los und alle Gruppen kamen bereits aus der Wüste zurück. Also bin ich regelmäßig zu dem anderen Campingplatz im Ort gefahren, dem sogenannten Camping Club Desert Campingplatz. Dort war einiges mehr los und irgendwann bin ich auch dorthin umgezogen, um nicht ständig hin und her zu fahren. Ich habe von vielen Menschen viele Kontakte von Guides, von Einheimischen und von Führern bekommen, aber nichts davon hat mich überzeugt. Vor allem, da ich mich eigentlich einer kleinen Gruppe anschließen wollte und die Angebote zu der Zeit entsprechend sehr schlecht waren.

Bei Douz: Probefahrt in der Wüste
Bei Douz: Probefahrt in der Wüste

Am nächsten Tag, eigentlich war ich schon fast ein bisschen verzweifelt, traf ich ein Schweizer Ehepaar, Irene und Tom, die mit ihrem super Reise Toyota eine Tour in die Wüste gebucht hatten. Und ich habe gefragt: „Kann ich nicht einfach mitfahren und wir teilen uns die Kosten?“ Und natürlich haben sie sofort Ja gesagt. Ich hatte die perfekten Wüstenreisepartner gefunden und der Campingplatz hatte natürlich auch entsprechend den besten Guide organisiert, den sie hatten. Es ging schon am nächsten Tag los.

Mit Irene und Tom
Mit Irene und Tom

Am Mittag holte uns Walid ab und fuhr mit uns drei Tage zum verlorenen See. Ich hätte in meinem Leben nicht gedacht, dass ich es schaffe. Und vor allem hätte ich auch nicht gedacht, dass es so einfach ist.

Auf dem Weg zum verlorenen See
Auf dem Weg zum verlorenen See
Am verlorenen See angekommen
Am verlorenen See angekommen

Ich hatte ein kleines bisschen Wüstenerfahrung vorher, aber er hat das so toll gemacht und wir hatten so eine gute Zeit, dass ich glücklich am See angekommen bin und am Ende auch weitergefahren bin mit Irene und Tom zur Oase Ksar Ghilane, wo unsere Tour dann schon wieder beendet war.

Ich würde sagen, ich habe jetzt ein bisschen Wüstenerfahrung und es hat mir unglaublich gut gefallen. Ich würde jetzt auch jederzeit alleine fahren. Ich kenne mich jetzt besser aus, weiß, worauf ich achten muss. Aber natürlich ist es in Gesellschaft immer sehr viel schöner. Für mich hieß es dann wieder Abschied nehmen. Die beiden wollten noch ein bisschen in der Wüste bleiben, ein bisschen alleine weiterfahren.

Abschied und Fazit

Und ich hatte inzwischen meine Fähre am 14. April zurück nach Italien gebucht. Ich war müde. Es lagen jetzt schon fast 18.000 Kilometer hinter mir und irgendwie hatte ich das Gefühl, ich brauche mal eine Reisepause.

Also habe ich mir noch ein paar typische Star-Wars-Sehenswürdigkeiten angesehen, habe ein paar Städte besucht und bin direkt nach Tunis zur Fähre gefahren.

Für mich war Tunesien eine sehr schöne und positive Überraschung. Eigentlich nur als Durchreiseland gedacht, hatte ich dort wunderbare Begegnungen mit tollen Menschen, die jetzt meine Freunde für mein ganzes Leben sein werden.

Und damit war die Reise zu Ende am 14.04.2026.

Ich stand an der Fähre in Tunis bei schlechtem Wetter. Genauso schlecht war das Wetter, als ich losfuhr in Algeciras nach Tanger Med und habe gedacht: Ist es doch schon vorbei? Es ging so schnell. Es ging so einfach. Jetzt bin ich hier. Ich glaube, ich sollte wiederkommen.

Die Wüste wartet auf mich.