Vor einige Zeit berichtete Matsch&Piste von der Europa-Orient-Rallye, vormals die Allgäu-Orient-Rallye. Dort gab es das Matsch&Piste-Freilos für ein Team. Axel las den Artikel und meldete sich sofort bei uns. Das Freilos ging an ihn und jetzt warten er und das Team 51 Matsch&Piste sehnsüchtig auf der Start.

Bei einem zufälligen Treffen wurde aus einer verrückten Idee eine reale Rallye. Eine mit echtem Abenteuer-Charakter. Hier ist noch Improvisationstalent gefragt, Einfallsreichtum und Schrauberfähigkeiten: die Europa-Orient-Rallye. Ach ja, ein bisschen verrückt sollte man auch sein.

Und bei allem Spaß für die Beteiligten gibt es auch einen ernsten und hilfreichen Hintergrund. Das Projekt bringt Hilfe in das Zielland Jordanien und auch unterwegs lassen sich die Teilnehmer zahlreiche Hilfsprojekte für die Menschen in den durchfahrenen Ländern einfallen. Das zieht, die begrenzten Teilnehmerplätze sind in wenigen Minuten ausgebucht. Matsch&Piste bekam letztes Jahr ein Freilos von den Veranstaltern Otto Lässer und Wilfried Gehr.

Ein Kölner griff zu

Das Freilos schnappte sich Axel Molitor aus Köln. Er meldete sich sofort auf das Motto „Matsch&Piste goes Jordanien“. Er hat schon Rallye-Erfahrungen bei der Dust&Diesel gesammelt, bei der er mit einem Audi A6 quattro bis in den Senegal fuhr. Bei einer Reise durch die Mongolei mit einem alten SsangYong für 800 Euro konnte er seine ständige Abenteuerlust ausleben.

Zur Gruppe stießen noch drei weitere Abenteurer hinzu. Denn mindestens zwei Fahrzeuge mit Besatzung sollte man schon auf die Beine stellen. Zuerst ist da Suvdmaa Orsoo, Axels mongolische Freundin aus Wien. Nach ein bisschen Überredungskunst hatte Axel sie dabei und er ist sich sicher, dass sie es als erste mongolische Teilnehmerin der Rallye nicht bereuen wird. Sie hat zwar gerade erst ihren Führerschein gemacht, wird aber trotzdem fahren. Axel übernimmt die Navigation.

Die dritte im Bunde ist Angelika Anspach aus Wendelsheim, die als Internetkontakt dazu kam und ebenfalls voller Reise- und Abenteuerlust ist. Komplettiert wird das Ganze durch ihr Teammitglied Christian Menz. Für den motorsportbegeisterten Erfurter ist das der zweite Auftritt bei der Rallye. 2016 fuhr er bereits mit, nachdem er auf einer WG-Party unvermittelt gefragt wurde, eine Nacht darüber schlief und einfach zusagte. Spontane Ideen sind oft die besten und kneifen gilt nicht. Auch bei der Baltic-Sea fuhr er schon mit. Er kann seine Erfahrung über die Orient-Rallye ins Team einbringen. Ein fünftes Mitglied musste krankheitsbedingt leider absagen.

Die Rappelkisten

Die vier teilen sich in zwei Teams mit jeweils einem Fahrzeug auf. Diese dürfen nach dem Reglement einen Gesamtwert von 1.111 Euro nicht überschreiten. Alex hat für sich da eine Grenze von 2.000 Euro gesetzt, die er sich den Spaß kosten lassen würde. Wir gehen davon aus, dass bis Jordanien dann die 1.111 Euro an Wert erreicht werden.

Er und Suvdmaa setzen auf einen frisch erworbenen weißen VW Bus T4 mit rallygrünen Streifen auf Schwellerhöhe. Er ist gerade zugelassen worden. Für die Rallye hat er drei Sitze und ein Bett in 2,00 x 1,30 Meter eingebaut. Für Axels bisherigen Rallye-Verhältnisse geradezu komfortabel.

Europa-Orient-Rallye mit Team 51 Matsch&Piste - Noch jungfräulich - Axels VW Bus T4.

Noch jungfräulich – Axels VW Bus T4.

Angelika und Christian versuchen die Strecke in einem alten Mercedes E-Klasse-Kombi aus der Baureihe S210 hinter sich zu bringen. Er hat ihn für 670 Euro auf einer Versteigerung bei „wirkaufendeinauto.de“ geschossen. Passend zum Bus, weiß mit grünem Rallyestreifen. Er bekommt jetzt noch einen neuen Spurstangenkopf und einen neuen Bremszylinder. Nach allen Umbauten kommt er immerhin auf einen Wert von gut 3.000 Euro.

Europa-Orient-Rallye mit Team 51 Matsch&Piste - Noch sauber und fahrbereit, die S210 E-Klasse-Komibi von Christian.

Noch sauber und fahrbereit, die S210 E-Klasse-Komibi von Christian.

In Schutzmaßnahmen für das Fahrzeug wurde nichts investiert. Die Erfahrung der Vergangenheit zeigte, das bei PKWs ein Unterfahrschutz eher ein Risiko als ein Schutz ist. Oft und schnell setzen sich Steine zwischen Unterfahrschutz und Ölwanne. Dort ist weniger Platz als bei Geländewagen. Setzt das Fahrzeug dann auf, ist das Loch in der Ölwanne sicher.

Die Ausrüstung – spartanisch

An Ausrüstung kommt wirklich nicht viel mit. Neben ein paar persönlichen Klamotten, beschränkt sich das Ganze auf Wasserkanister, Gaskocher und ein gesponserte Funkgeräte. Das Essen wird größtenteils frisch vor-Ort eingekauf. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten dazu. Nur ein paar Einweg-Notrationen und ein Medizinköfferchen mit dem Notwendigsten, wie ein Mittel gegen Durchfall, sind noch dabei. Von der Dust&Diesel hat Axel noch eine kleine Liste mit sinnvollem Zubehör, was mit sollte. Birnchen, Sicherungen und anderer Kleinkram. Das kann während der Rallye langes Suchen ersparen. Dazu kommen noch zwei Ersatzräder und ein Reifen. Es wird mit normalen Straßenreifen gefahren.

Ganz wichtig sind dann noch Spanngurte. Die universalen Helfer in der Not. Zum Rausziehen oder auch zum Flicken. Axel hat sich damit und etwas Mut zur Improvisation schon gut über das Ziel gebracht. Als es einmal die Ölwanne erwischt hat, fixierte er kurzerhand mit zwei Spanngurten um den Motor einen Holzklotz über dem Leck. Das Holz quoll und dichtete die Ölwanne ab. Von daher, gut merken, Spanngurte gehören immer dazu!

Christian nimmt gleich eine zweite Ölwanne mit. Bei den Fahrzeugen die zumeist keine Geländewagen sind, stellte sich die Ölwanne auf den wilden Strecken immer wieder als Problem heraus. Bei der letzten Orient-Rallye hat er sich eine in Armenien abgerissen. Freitags Nachmittags. Das kann einen ganz schön zurückwerfen.

Wo geht es bitte lang?

Anhalten und Fragen! Das kann eine Option sein, aber die meiste Zeit wird der Beifahrer navigieren müssen. Und zwar nur mit Karte und Kompass. Einfach der Autobahn folgen geht auch nicht, das Regelwerk erlaubt maximal Landstraße. Geht es in der ersten drei Tagen bis Istanbul um viele stressige Kilometer, werden die Fahrleistungen danach moderat. Die Etappen belaufen sich dann auf 300 bis 400 Kilometer am Tag.

Europa-Orient-Rallye mit Team 51 Matsch&Piste - Viel Spaß auf dem Beifahrersitz beim Falten!

Viel Spaß auf dem Beifahrersitz beim Falten!

Neudeutsch: Challenges

Ob der Navigator dann auch durchatmen kann, wird sich zeigen, denn es sind weitere Aufgaben zu bewältigen. Heute würde man wohl Challenge sagen. Oft müssen die Teilnehmer dazu in Städte fahren, in denen es „bekanntermaßen“ im Orient sehr „ruhig“ und „gediegen“ zugeht.

Aber auch im Vorfeld gibt es schon Aufgaben. Die Organisation teilte bei der Vorbesprechung in Brüssel den Teilnehmern mit, dass sie 1.111 Kronkorken von Bierflaschen für eine Künstlerin mitzubringen haben. Na dann Prost! Es bleibt zu hoffen, dass die letzten Kronkorken nicht noch auf der Hinfahrt „gesammelt“ werden.

Die zweite Aufgabe hat wohl eher einen symbolischen Wert. Sie soll auf ein Problem in Israel aufmerksam machen. Dort sinkt stetig der Pegel des Toten Meeres. Jedes Team soll daher eine Flasche aus einem heimischen Gewässer unbeschadet bis zum Toten Meer bringen und sie dort ausgießen. Axel bedient sich da im Vater Rhein, Suvdmaa wird wohl aus der Donau schöpfen. Die anderen beiden suchen noch eine Wasserquelle. Dazu muss ein Video gedreht und bei Youtube online gestellt werden.

Neben den Herausforderungen die das Organisationskomitee gestellt hat, gab es auch ganz wichtige weitere. Die Fahrzeuge müssen bis zum Zielland versichert sein. Aus Erfahrung wusste man, das die Allianz da unterstützt. Dort wurden dann die Fahrzeuge versichert.

Dem Start engegenfiebern

Los geht es endlich am 04. Mai in Straßburg. Alle wollen am Abends zum Vorprogramm dort sein. Von dort stehen zwei Hauptrouten nach Istanbul zur Auswahl. Jeder wird versuchen so schnell wie möglich dort zu sein. Zwischen allen Etappen gibt es dann Fahrerlager, in denen sich alle treffen. Alle? Nun, außer die, die liegengeblieben sind. Wen das Pech ereilt, muss selbst sehen wie und ob es weitergeht. No risk, no fun.

Unser Matsch&Piste-Team wird sich zu Anfang mit dem Team 50 Camelliner zusammen tun. Sie haben sich genau wie unsere vier Abenteurer für die Balkanroute entschiedenen. Dabei geht es von Strasburg über die Alpen, ca. 800 Kilometer Landstraße Richtung Cell am See/Großglockner. Die Nacht wird durchgefahren. Von dort geht es Richtung Triest und dann nach Kroatioen rein. Über Dubrovnik geht es weiter nach Montenegro und Albanien bis Thessaloniki in Griechenland. Entlang der Ägäis über Kavalla bis nach Canakkale, dem ehemailgen Troja, in der Türkei.

Europa-Orient-Rallye mit Team 51 Matsch&Piste - Kleiner Dolmetscher, funktioniert auch ohne LTE oder WLAN.

Kleiner Dolmetscher, funktioniert auch ohne LTE oder WLAN.

Live & Dabei

Auf Christians Rallye-Webseite könnt ihr weitere Informationen finden und live die Rallye tracken: GPS-Tracking Europa-Orient-Rallye 2018.

Auch auf Facebook und Instagram könnt ihr den vieren folgen. Facebook: @MillersRacingTeam / Instagram: MillersRacingTeam.

Der geplante Ablauf – mit exakten Zeitangaben

  • 04.05. 15 h – 21 h – Eintreffen der Teams im Fahrerlager in Kehl (auf der anderen Rheinseite von Straßburg), dort Einschreibung, Kennenlernen,…
  • 05.05. – 9 h – Fahrt über den Rhein nach Straßburg zur Europastraße. Vorstartaktionen, Verabschiedung, anschließend START der Europa-Orient-Rallye 2018
  • 9.05. – Abends – Eintreffen der Rallyeteams auf der europäischen Seite von Cannakkale-Troja und Überfahrt mit vom OK zugelassener Fähre auf einen anderen Kontinent in den asiatischen Teil der Stadt. Dort befindet sich das erste Fahrerlager.
  • 10.05. – früh – Canakkale zum Genießen, Trojanisches Pferdund eine Sonderprüfung
  • 11.05. – sehr früh – Start zum nächsten Etappenziel, Fahrerlager Istanbul-Taxim
  • 12.05. – etwas weniger früh – Start zur Blauen Moschee, dort Freizeit bis 16:00 – Wer will kann den 2017 von der Rallye angelegten ‘Rosengarten des Friedens’ im nahegelegenen Gülhane Parkmam Topkai Palast besuchen und dort selbst einen mitgebrachten Rosenstock für den Frieden einpflanzen.
  • 12.05. – gegen 16:00 h – Start durch Repräsentanten der Stadt Istanbul vor der Blauen Moschee und fahrt über Bosporus Brücke nach Asien zum Stadtteil Istanbul-Riva. Dort Fahrerlager beim Leistungszentrum des türkischen Fußballverbandes.
  • 12.05. – 19:30 – Fußball-Länderspiel Europa : Türkei. Unser Europateam wird von Richard Hawlitscheck gemanagted. Das Team der Türkei, bei dem wirklich aktive und nicht aktive türkische Nationalspieler mitspielen, vom Präsidenten des türkischen Fußballverbandes.
  • 14.05. – früh – Start nach Zonguldak am Schwarzen Meer. Dort Fahrerlager.
  • 15.05. – früh – Start nach Bogazkale. Dort Fahrerlager
  • 16.05. – früh – Start nach Ankara. Dort Sonderprüfung. Dann weiter nach Haymana. Dort Fahrerlager
  • 17.05. – früh – Start nach Kappadokien. Dort Fahrerlager.
  • 18.05. – früh – Start nach Nide.
  • 19.05. – früh – Start nach Mersin. Dort müssen alle Teams um 15:00 Uhr zum Verladen der Rallyewagen sein. Die Rallyeteilnehmer werden nach der Verladung der Fahrzeuge von Bussen abgeholt und nach Adana gebracht. Dort müssen wir dann zwei Nächte und einen Tag auf unseren Flug nach Israel warten. Adana hat aber eine schöne Altstadt.
  • 21.05. – sehr früh – Shuttle zum Flughafen Adana und dann Flug nach Israel.

Programm Israel

  • 21.05. – früh – Ankunft in Tel Aviv, Ben Gurion. Fahrt mit Zug nach Haifa zum Hafen, Übernahme der Rallyewagen, Fahrt nach Tel Aviv Jaffa. Kronkorkenprojekt. Dort Fahrerlager.
  • 22.05. – früh – Start in Jaffa, Freundschaftsbierprojekt, Fahrerlager im Nationalpark wo David Goliath getroffen hat.
  • 23.05. – früh – Start nach Jerusalem, dort Fahrerlager.
  • 24.05. – sehr früh – Start zum Toten Meer, Message in the Bottle Project, 15:00 h Grenzübertritt nach Jordanien.

Programm Jordanien

  • 24.05. – recht spät – Ankunft im Fahrerlager nahe Halabad. Wüstenfahrerlager.
  • 25.05. – früh – Fahrt in Altstadt Amman, Proviant und Benzin für zwei Tage Wüste besorgen, Sonderprüfung und ab zur Wüstenprüfung.
  • 26.05. – immer – Wüste.
  • 27.05. – bis spät – Wüste und dann auf der Straße der Könige zum Relaxhotel auf die jordanische Seite des Toten Meeres.
  • 28.05. – spät – Siegerehrung
  • © Fotos: Christian Menz und Axel Molitor