Ein echtes und robustes Allradfahrzeug bietet so einiges an Beschäftigungsmöglichkeiten. Es kann ganz ernsthaft für den Alltag und zum Arbeiten genutzt werden oder für das Vergnügen, wie Reisen, Offroad-Fahren oder den Motorsport. Für letzteres gibt es einige Angebote, die vom kleinen bis zum ganz großen Geldbeutel a la Rallye Dakar zu haben sind. Eine der günstigeren und geografisch leichter zu erreichenden Motorsportveranstaltungen ist die Pomerania im Norden Polens. Wir, das sind Alex und ich, haben zum zweiten Mal an der Veranstaltung teilgenommen: Die 38. Pomerania

Zweimal im Jahr können Offroadbegeisterte an jeweils einem Wochenende Ihre und die Fähigkeiten des eigenen Fahrzeugs testen. Der vom Land Rover Club Polen organisierte Wettbewerb besteht darin, über gut 48 Stunden möglichst viele Punkte in unterschiedlichen Disziplinen zu sammeln. Die Aufgaben sind weitgefächert und beinhalten fahrerische Herausforderungen an Besatzung und Fahrzeug wie Trials, Windenpassagen, Wasser- und Schlammlöcher als auch Erste Hilfe, navigatorische oder sportliche Aufgaben. Teamarbeit ist immer gefordert. Dem entsprechend der eingeteilten Fahrzeugklasse (Tourist, Adventure, Sport) zugeordnetem Roadbook folgend, werden die einzelnen Stationen und Passagen angefahren. Die Bewältigung dieser Sonderaufgaben ist optional, aber notwendig wenn ausreichend Punkte zusammen kommen sollen. Einige Stationen sind mit Marshalls besetzt, die eine Einweisung geben, die Durchführung überwachen und bewerten. Bei anderen Stationen muss die im Auto befestigte Karte abgestempelt werden, um das Bezwingen des Hindernisses zu dokumentieren. GPS Koordinaten sind nicht gegeben, damit strickt dem Roadbook gefolgt wird. Auch wenn die Rallye nicht ausschliesslich auf Geschwindigkeit ausgelegt ist, so ist schnelles Fahren, manchmal auch das Auslassen der Hindernisse notwendig, um möglichst viele Aufgaben zu schaffen. Es gibt auch Sonderpunkte, wenn Stationen bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erreicht wurden. Manche sind nicht bis zum Ende besetzt.

Pic20130505_155525Wie im Vorjahr auch, fuhren wir Mittwoch Abends von Essen aus los. Da das Fahrzeug von der Teilnahme im letzten Jahr noch ausgestattet war, schaffte Alex diesmal die ganzen Vorbereitungen weitestgehend alleine. Wir luden nur noch meine Sachen um und dann ging es schon auf die Autobahn, um die Nacht für die gut 800 km lange Strecke bis nach Ostrowice k Drawska Pomorskiego zu nutzen. Mit Alexs 110er Td4 mit Hubdach zogen wir den Wettbewerbswagen gen Nordosten. In Ostrowice befindet sich die Basis der Pomerania in einer Ferienanlage, der Rancho w Dolinie. Sehr schön direkt am See Jezioro Siecino gelegen. Dort kann man sich ein Zimmer nehmen, oder wie die meisten es tun, campen. Im Laufe des Donnerstags trudelten die Teilnehmer ein. Eine schöne Auswahl an Offroadern kommt da zusammen. Von der alten Land Rover Serie über neuere Defender, Mitsubishi Pajeros, über Suzukis bis zum Volvo C303, besser bekannt als Lappländer. Schnell werden die Zelte aufgebaut, ein bisschen was gegessen, um dann die letzten Vorbereitungen am Fahrzeug zu treffen. Wer will trifft sich noch gemütlich mit anderen oder schläft sich einfach aus.

IMG_20141010_070824Wir sind mit einem Land Rover Defender 90 Td5 Station Wagon als Wettbewerbswagen angereist, der Vorder- und Hinterachssperren von Ashcroft und die standardmässige Mitteldifferentialsperre hat. Zwei Waffelboards sind auf dem Dach befestigt und dann schleppen wir noch Schaufel, ein paar Bergegurte, Umlenkrollen und Schäkel mit herum. Alex schläft im Auto, ich im Zelt, das ich schnell aufgestellt habe. Dann erst einmal kurz durchatmen und den Blick über den See geniessen. Dann geht es zur Anmeldung, Startnummer 19 in der Adventure-Klasse. Letztes Jahr hat man uns fälschlicherweise in der Touristen-Klasse bewertet, hoffentlich passiert dies nicht schon wieder. Wir sind weitestgehend startbereit. In Essen haben wir bereits die Fahrzeuge so beladen, wie wir sie brauchen. Lebensmittel, Klamotten usw. im 110er, Werkzeug, Bergematerial und Verpflegung für 2 Tage im 90er. Jetzt wollen wir die restlichen Dinge erledigen. Das Tripmeter muss eingemessen werden und die Kotflügel müssen noch aus einer mitgebrachten, dicken Gummimatte für Pferde zugeschnitten und montiert werden.

Tripmeter geht nicht, Dieselpumpe muckt. War es das schon?

Zuerst wollen wir den Testkilometer für das Triptec einmessen. Da kommt der erste kleine Schock: Das Ding geht nicht an. Kein Strom? Wir suchen nach dem Fehler. Das Gerät wird abmontiert und durchgemessen. Strom kommt an aber das Gerät bleibt trotzdem aus. Ist es kaputt? Mittlerweile ist es dunkel und wir sitzen im Cockpit und messen und drillen Kabel und crimpen Stecker zusammen. Die Jungs von der Landyscheune geben uns einen Tipp: Masse prüfen. Und siehe da, die Masse brach tatsächlich zusammen. Schnell eine neue Masse gelegt und schon funktioniert das ganze. Jetzt schnell rauf auf die Straße, wo die 2 km Messstrecke eingezeichnet ist. Dann der nächste Rückschlag. Der Wagen hat keine Leistung mehr, der Motor stottert nur noch und geht aus, es scheint das die elektrische Dieselpumpe des Pumpe-Düse Motors muckt. Am Ende der Messstrecke bleiben wir liegen. Ein anderes Team mit einem Nissan Pathfinder, welches gerade anreist, nimmt uns an den Hacken und zieht uns ins Camp. Auch das noch. Wir haben eine Ersatzpumpe dabei, umbauen? Zum Glück hat der 90er eine Wartungsklappe, sonst würde das eine ausgewachsene Nachtaktion werden. Im Camp angekommen funktionierte jedoch alles wieder. Also machen wir ersteinmal nichts.

Freitag Morgen –upload_-2 Zwischen 07:00 und 09:00 Uhr können wir das Roadbook und den Aufgabenkatalog abholen, mit dem wir in das Rennen starten. Wir müssen vorher aber noch die Kotflügel dranbauen. Wegen der Probleme mit dem Tripmeter und der Pumpe sind wir am Vorabend nicht mehr dazu gekommen. Wir schneiden aus der dicken Gummimatte zwei lange Streifen heraus und schrauben diese einfach an die Umbördelung der vorderen Kotflügel. Auf die hinteren verzichten wir, es dauert sonst zu lange. Dann müssen wir die Rückspiegel eben öfters reinigen. Nach gut 45 Minuten sind wir fertig. Ein letzter Check, Roadbook geholt und los geht es.

Ein paar KM ging es über Asphalt, bis wir endlich den großen Truppenübungsplatz erreichten, auf dem diesmal fast ausschließlich gefahren wurde. Nach einigen Wegen, die wir schnell und problemlos befahren konnten, ging es auf die erste tiefe bergauf-bergab Schlammstrecke, wo die 9.00er Reifen sich bezahlt machten. Die Navigation klappte sehr gut, wir haben uns schnell auf den Modus des letzten Jahres eingespielt. Eine ganze Zeit lang geht es über sehr breite Sandstreifen, die offensichtlich des Öfteren von Panzern umgepflügt werden. Diese gut 60-70 m breiten Streifen laufen immer wieder parallel, so dass es manchmal Mühe bereitet, den rechten Weg zu finden. Wie einfach hat es doch da der Fahrer, der muss nur Gas geben, lenken und bremsen.IMG_20141010_111551 Wir arbeiten uns bis auf eine weites offenes Sandfeld vor, welches von zahlreichen Wegen durchkreuzt ist. Den Markierungen nach dürfte das ein Panzerschießplatz sein. Wir folgen weiter dem Roadbook und verfahren uns zum ersten mal. Mit viel Anlauf brettern wir schon wieder eine längere und steile Sandpassage, rechts neben einem großen Beobachtungsbunker hoch, aber sind immer noch falsch. Aber wir suchen nicht alleine, sogar ein Landy mit Offroad-Anhänger ist im Teilnehmerfeld und sucht nun mit uns. Nach gut 20 Minuten finden wir die Route wieder. Wenn alles so flach ist und so viele Wege so eng beieinander vor einem liegen, ist es gar nicht so einfach dem Roadbook zu folgen. Wir müssen den Wegen manchmal über ein oder zwei weitere Punkte folgen, um festzustellen, ob wir richtig sind. Durch den Sand entsteht ein Schlupf, den wir im Tripmeter berücksichtigen müssen. Dafür haben wir aber recht schnell ein Gefühl entwickelt. Jetzt kommt mal eine Aufgabe für mich, den Navigator. Wir müssen den Gradzahlen im Roadbook folgen. Der GPS basierte Kompass schwankt arg. Ein magnetischer Kompass im Auto wäre unbrauchbar und jedesmal aussteigen, um ihn ohne Fehler ablesen zu können, würde zuviel Zeit kosten. Es muss also so gehen. Und es geht. An einer Stelle müssten wir einen Wasserlauf queren, was wir aber lieber sein lassen. Andere, die es schon versucht haben, raten uns auch davon ab. Der Boden ist sehr weich, es ist sehr tief und es sind keine Anschlagspunkte für die Winde vorhanden. Also umfahren wir das Ganze bis wir auf der anderen Seite herauskommen. Hier kämpfen wir erneut mit dem Roadbook. Wir stehen vor einer Dreifach-Gabelung und die Angaben lassen absolut nicht erkennen, wo es langgeht. Also fahren wir alle drei Abzweige an, um den nächsten oder übernächsten Punkt zu finden. Erst bei dem letzten Abzweig sind wir richtig. Nun kommt die zweite Navigationsaufgabe, wir müssen dem Roadbook folgen und die gefahrenen Gradzahlen notieren. Auch recht einfach.

Wieder fällt der Wagen aus.

Plötzlich ist wieder der Leistungsverlust da, der Motor stottert. Wir halten an, wollen neu starten aber die Dieselpumpe ist nicht zu hören. Ist sie jetzt doch kaputt? OK, Voltmeter raus und nachgemessen. Kein Strom am Pumpemstecker….ok, das dürfte nicht so schwer sein. Kabel haben wir an Bord.IMG_20141010_121759Auf dem Toughbook gucken wir uns das Elektrohandbuch vom Td5 an. Sicherung prüfen, es ist OK. Relais? Mit gleichem Relais getauscht, geht immer noch nicht, also auch OK. Wir überlegen kurz und wollen nicht weiter suchen und noch mehr Zeit verlieren. Kurzerhand entscheiden wir, das Originalkabel zu überbrücken. Wir suchen nach dem Abgang dieses Kabels am Relais. Ah, da! Durchgeschnitten und mit dem neuen Kabel verbunden.IMG_20141010_122827 Die Pumpe läuft wieder. Aber der Motor macht keinen Mucks. Wie blöd, wir haben das falsche Kabel für die Stromversorgung gekappt, es war das für die zentrale Stromversorgung der Motorsteuerung. Also Rückbau und weitergesucht. Dann haben wir das richtige. Kabelbrücke eingezogen und weiter geht es. Irgendwie stimmt es noch nicht ganz was wir gemacht haben, denn die Pumpe bleibt jetzt dauehaft an. Wir müssen die Sicherung ziehen, wenn wir den Wagen abschalten. Aber das ist jetzt egal, genug Zeit verloren.

Es sieht so aus, als ob die Winde ihn unter die Erde ziehen will.

Wir kommen an die erste Wasserloch-Challenge. Wir müssen sechs Bäume, die im Wasser stehen mit der Beifahrerseite anfahren. Vorsichtig tasten wir uns heran und schaffen auch vier. Das war schon einmal gut so. Dann folgen wir dem Roadbook zu einer ersten Trialstation. Pfad 1 ist gerade freigeworden, also rein. Aufgabe ist es, durch ein Waldstück zu kommen. Ich steige aus, lotse und überwache von außen. Dann kann sich Alex auf das Fahren konzentrieren. Jetzt stehen wir von einer recht sumpfigen Senke. Ich will auf die andere Seite, da wir das sicherlich nicht ohne Winde schaffen werden. Rechts und links neben der Passage ist kein Durchkommen, also steige ich in den schwarzen Schlamm und sacke sofort bis zu den Hüften ein, eine schöne Sauerei. Der Marshall grinst und fotografiert mich, na toll. Egal, weiter. Nun kommt Alex hinterher und auf dem ersten Meter ist schon Schluss. Windenseil raus und mit einem Baumgurt über eine Umlenkrolle gelegt. Jetzt zieht es den Defender erst richtig rein. Es sieht so aus, als ob die Winde ihn unter die Erde ziehen will. Er legt sich schräg und schiebt den ganzen Schmodder vor sich her. Und sinkt immer tiefer. Aber die Winde zieht stoisch weiter und langsam kommt die Front wieder heraus. Geschafft. Es folgen dann noch eine weitere, allerdings nicht so tiefe, dafür aber kurvige Schlammpassagen. Wir müssen die Winde immer wieder neu anschlagen. Zu guter letzt noch ein dicker Baumstamm. Der Wagen setzte auf und rutscht über den Stamm, es blieb aber alles heile. Die ganze Mühe und die durchnässte Hose werden mit voller Punktzahl vom Marshall belohnt. Wir sehen uns noch die zweite Station an und entscheiden, dass diese nichts für uns ist. Zu schräg und wir haben keinen Käfig. Ausserdem quälen sich dort bereits zwei Teams und wir müssten warten. Nein, wir wollen lieber weiter, mehr Strecke schaffen als bei der 35. Pomerania in 2013.

Viele Trials und Aufgaben, aber die Sprachschwierigeiten sind hinderlich.

Wir starten in einen weiteren Trial, den uns der Marshall erklärt. Von dieser Station gehen mehrere Trials mit unterschiedlichen Aufgaben los. Der Marshall wirkt etwas überfordert und unsere mangelnden Polnischkentnisse tun ihr übrigens zur Verwirrung beizutragen. Den ersten Teil brechen wir nach kurzer Zeit auch ab, denn die Aufgabe ist letztendlich nicht klar geworden. Aber egal, das Stück hat jedenfalls Spaß gemacht. Kollegen aus Dänemark haben sich in einem kleinen aber tiefen Schlammloch, in dem man in einem fast 90 Grad Winkel wieder raus muss auch sogleich den vorderen Reifen von der Felge geholt. Das Landyscheune-Team fährt die Stelle geschickter an, zieht die Feststeckenden nach hinten raus. Dann preschen sie sehr gewagt in das gleiche Loch an den Dänen vorbei und sind gleich im ersten Anlauf draußen. Wir ziehen nach und müssen erneut die Winde einsetzen. Mittlerweile kommen immer mehr Teams zur Station zurück, die nicht den vorgegebenen Weg aus dem Roadbook finden.IMG_20141010_170609 Wir versuchen es auch, suchen und finden im Wald eine weitere Trialstation. Mittlerweile ist es dunkel geworden und wir sind müde. Wir beschließen ins Camp zu fahren, um etwas zu schlafen. Für heute sind wir genug gefahren. Übernachtungsmöglichkeiten auf der Strecke sind ausgewiesen, aber nicht so zahlreich. Wir markieren unseren Abbruchpunkt im Navigationssystem und bemühen unser elektronisches Kartenmaterial um die nächste Straße zu finden. Wir suchen mit Locus und CoPilot einen Weg aus dem Übungsgelände. Leider ist der erste asphaltierte Weg, den wir nach langem Schlängeln durch die endlosen Sandwege erreichten, durch eine Schranke von der zivilen Öffentlichkeit abgesperrt. Wir müssen zurück auf die weichen, nassen Sandpisten. Nach gut einer Stunde finden wir vom Übungsplatz herunter, jetzt folgen wir dem Navi auf dem kürzesten Weg nach Ostrowice. Da heute mein Geburtstag ist, gibt es ein paar Bier und die leckeren Käse-Salami-Toasts aus Alex‘ gusseisernen Waffeleisen bei Kerzenlicht. Das tut gut. Noch ein bisschen Smalltalk mit dem Nachbarn, der mit einem Defender 110 im Rennen ist und dann verschwinden wir müde in unseren Schlafsäcken.

upload_-1Samstag – Der zweite Tag beginnt früh. Kurzes Frühstück, zwei Kaffee und ein paar Brote, ein kurzer Wagencheck und wir nehmen wieder Fahrt auf. Mit dem Navi fahren wir über Asphalt so nah wie möglich an den Abbruchpunkt heran, dann geht es per Offroad-Navigation zum gesetzten Trackpunkt. Die Stelle ist schnell gefunden und wir wollen zwei der drei Trials fahren. Der Schwerpunkt hier ist das Durchfahren ohne Berührungen, wobei mehrere Verschränkungspassagen und enge Kurven genommen werden müssen. Gut, dass Alex einen kurzen Neunziger steuert. Von hier finden wir gleich ins Roadbook zurück. Wir spulen ein paar Kilometer ab, bewältigen noch ein Stempelstelle im Wasserloch. Bei der Jagd nach einem guten Foto schmeiße ich mich gleich längs in das dunkle Wasser. Blöd, schon wieder nass und kalt ist es auch noch. Bei einem weiteren Hinderniss dieser Art, beobachten wir erst einmal einen sehr hohen Dodge RAM, der selbst Probleme mit der Wassertiefe bekommt. Das ist also nichts für uns. Wir umfahren. Immer mal wieder verfahren wir uns ein Stückchen, aber nichts wildes. Wir stellen immer wieder fest, dass wir nicht die einzigen sind, die an diesen Stellen Probleme mit der Orientierung haben. Es ist wie im Vorjahr, die Roadbooks sind nicht mehr aktuell und fehlerhaft. Manchmal sind die Kreuzungen nur mit viel Fantasie oder suchen im Wald auszumachen, da Wege z.T. zugewachsen und nur schwer zu erkennen sind.

Eine Schrägpassage, die es in sich hat, lassen wir ausfallen.

Erneut kommen wir an eine Marshallstation, die zwei Trials und eine Teamaufgabe bereithält. Den ersten Trial absolvieren wir zügig, dann geht es in den zweiten. Am Fuße einer langen, steilen und bereits zerfurchten Schrägpassage beobachten wir, was die Teams, die schon oben sind, machen. Dort stehen zwei Fahrzeuge aus Dänemark, ein 90er Land Rover Wettbewerbsumbau und ein 110er Tdi. Letzterer ist auf der sehr schräg verlaufenden Querpassage so zur Kante des Hangs abgerutscht, dass ihn nur noch drei Bäume vor dem Abgrund retten. Der Lampenbügel und Dachgepäckträger sowie der Scheibenrahmen sind eingedrückt.IMG_20141011_114853 Mit absoluter Ruhe und ohne Hast begibt sich der ältere Mann mit seinem Sohn an die Bergung. Das andere Team, die späteren Sieger der Sportklasse, wenden unterdessen bei dieser Schräge ganz souverän mit Windenhilfe. Sozusagen „auf dem Bierdeckel“ gedreht, machen sie sich an die Abwärtspassage, denn dort gab es auch einen Stempel zu holen. Das sieht immer ganz einfach aus: Rückwärts runterwinchen, vorwärts wieder hoch zum Stempel, dann wieder runter, fertig. Währenddessen schlagen die anderen beiden ihr Windenseil an das eigene Heck an. Sie befestigen an zwei Bäumen Umlenkrollen, um so das Seil um das Fahrzeug herum zu führen. An der Anhängekupplung benutzten sie auch eine Umlenkrolle, um die Front schneller als das Heck von den Bäumen weg zu bekommen. Nach kurzer Zeit ist der Wagen frei und die beiden holen sich den Stempel im Hang. Wir entscheiden mangels Käfig und angesichts des hohen Schwerpunktes des Wagens und dieser Schräge kein Risiko einzugehen und fahren aus dem Trial heraus.
Ein paar Meter weiter gibt es die nächste Teamaufgabe. Die ganze Fahrzeugbestzung muss ohne den Boden zu berühren zu einem entfernt stehenden Baum gebracht werden. Wir stellen unser Fahrzeug in Position und führen über eine Umlenkrolle, die mit einem Baumgurt am ersten Baum festgemacht wird, das Windenseil zu dem Ziel. Dort haken wir das Seil in den zweiten Baumgurt ein. Dann hängen wir eine zweite Umlenkrolle als Laufrad an das Seil und haken dort einen dritten Baumgurt als Geschirr ein. Fertig ist der Rollentransport. In diesen setzt sich jeder nacheinander rein. Eine Hand zum Festhalten, in der anderen ein Seil zum Zurückziehen. So schweben wir über dem Boden zum Ziel und zurück. Dererlei Aufgaben gab es einige. Das reichte von erster Hilfe, Reifenwechsel bis zum Gewichte durch das Gelände schleppen.IMG_20141011_162113 Alex, passionierter Kanute, absolviert für uns die Kanuaufgabe. Dabei muss er mit einem wackeligen Boot auf einen See hinaus paddeln, um ein Gewicht in einen Kreis zu werfen, ohne dabei ins Wasser zu fallen. Selbstverständlich ist das kein Problem für ihn.

Es wird langsam Nacht. Die Orientierung wird mit abnehmender Sichtweite zunehmend schwerer. Einmal fahren wir sehr lange auf einer sehr breiten und frisch geharkten(!) Panzerstrecke. Sind wir noch richtig? Wir gehen etliche Meter zu Fuß und mit Taschenlampe ab, aber finden nicht den Weg. Also zurück und den Fehler suchen. Als wir endlich weiterkommmen, erreichen wir eine Stelle, vor der andere Teams bereits zurückgewichen sind. Einige prüfen diese Stelle und selbst die Fahrer hochgezüchteter Wettberwebsfahrzeuge kamen zu der Erkenntnis, dass diese Wasserstraße kaum zu schaffen sei.upload_-3 Immer wieder stehen wir vor der Entscheidung, ob wir eine Stelle, trotz Zeitverlust, meistern wollen oder ob wir uns diese ersparen und vorbei fahren? Gemeinsam suchen wir eine Umfahrung. Dabei kommen wir auf einen sehr schmalen und rutschigen Waldweg. Nasser Schotter und Wiese lassen den Wagen trotz nur geringer Schräge immer wieder bedrohlich nah an die Kante des Abhangs rutschen. Sehr langsam und vorsichtig arbeiteten wir uns vor. Ich laufe im Regen vorneweg und beobachte den Abstand vom Wagen zur Kante, um notfalls ein Zeichen zu geben. Irgendwann ist auch dies geschafft und wir erreichen eine große Kreuzung, an der schon vier Autos stehen. Es stellt sich heraus, dass die anderen schon länger versuchen, von dort den richtigen Weg zu finden. Der, der von allen als vermeindlich richtiger angesehen wurde und auch zur Beschreibung im Roadbook passt, endet nach einigen Kilometern in einer Sackgasse. Immer wieder fahren Teams ein, zwei oder drei Punkte zurück um zu prüfen ob man wirklich an der richtigen Kreuzung steht. Wir beteiligen uns an der Suche. Das kostet uns mehrere Stunden, da auch wir immer wieder andere Wege probieren um irgendwie ins Roadbook zurück zu finden. Frustrierend. Irgendwann kommt ein weiteres Team vorbei und versorgt uns mit GPS-Koordinaten eines späteren Punktes im Roadbook. Einige beschließen die Punkte dazwischen zu überspringen und fahren zu dem genannten Koordinaten. Da wir es nicht auf eine Platzierung abgesehen haben und der Spaß und das Fahren im Vordergrund steht, beschließen wir an der Stelle abzubrechen und es gut sein zu lassen. Viele Punkte hätten wir eh nicht mehr geholt, ob die Stationen noch besetzt wären, war eh unklar und wir hatten schon wieder 18 Stunden auf unserem Biotacho. Und im Dunklen herausfinden mussten wir auch noch. Das ging diesmal schneller als am Vortag, da wir einige Straßenpunkte mittlerweile markiert hatten. Im Camp gaben wir noch unser Road- und Aufgabenbuch ab, dann legen wir uns müde und erschöpft in unsere Schlafsäcke.

Sonntag – Die ganze Nacht über kamen Teilnehmer zurück, es war nicht einfach zu schlafen. Jetzt heißt es frühstücken und dann zur Preisverleihung zu gehen, damit wir unsere Platzierung in der Adventure-Klasse erfahren können. Platz 33. von 38., naja…wenn wir mehr hätten erreichen wollen, hätten wir mehr Sonderaufgaben anpacken müssen. Hauptsache wir hatten Spaß und das war der Fall.

Wer sich noch ein paar Eindrücke von der 35. Pomerania holen möchte, findet Sie in diesem Fotoalbum: 35. Pomerania.