Werbung – Ein Punkt störte mich schon lange bei meinem Oldtimer. Die langweilige Farbe. Ich fand sie passte nicht zu dem Fahrzeug. Aber welche Alternativen boten sich? Bezahlbar und zudem mit möglichst wenig Aufwand verbunden? Ende letzten Jahres tat sich eine echte Option auf der Adventure Northside auf: Naviton.

Was ist die richtige Farbe für meinen Geländewagen? Diese Frage stellte ich mir für meinen 48 Jahre alten Oldtimer, ein ehemaliges britisches Militärfahrzeug, Typ Land Rover Serie 2a. Die aktuelle Farbe konnte ich einfach nicht mehr sehen. Der Farbton gefiel mir nicht und jede kleine Delle – und ein Landy hat üblicherweise viele davon – war zu sehen. Die Farbe war bereits matt und an einigen Stellen drückte Alukorrosion das Material ab. Eine neue Farbe musste her.

Naviton - Ursprungszustand: ein gräßliches Grün.

Ursprungszustand: ein gräßliches Grün.

Klar, die erste Sache ist der Farbton selbst. Das hatte ich nach einigem Hin- und Herüberlegen festgelegt: Deep Bronze Green. Die Originalfarbe, mit der der Wagen im Januar 1971 an das britische Militär ausgeliefert wurde. Hier und da lugte dieser Farbton durch. Auf der ursprünglichen Farbe befanden sich aber mindestens zwei weitere Farben nämlich Blau und dann das besagte Grün.

Deep Bronze Green ist nachgemischt sowohl in Großbritannien als auch hier als 1K-Lack zu bekommen. Da 1K-Lacke aber nie wirklich hart werden und daher noch einen Decklack benötigen, war ich mit dieser Option nicht glücklich.

Hart – das wäre auch noch gut. Der Lack sollte widerstandsfähig sein. Aber da machte ich mir keine große Hoffnung. Zuletzt sollte er von mir gut und einfach zu verarbeiten sein. Leider hat sich zeitlich für mich die Nutzung einer Halle für die Arbeiten zerschlagen. Ich war einfach zu spät dran. Also bestand die dritte Forderung in: Heimarbeitsplatztauglich. Sprich, es musste in oder vor der Garage gehen. Auch bei dem Punkt verließ mich ein wenig die Hoffnung.

Und auch die letzte Frage musste beantwortet werden: rollen oder spritzen? Rollen steht so einem alten Landy durchaus. Ist es doch auch das übliche Verfahren seiner militärischen Vorbesitzer, die das sehr leidenschaftslos sehen. Spritzen hatte ich für mich ausgeschlossen. Zwar hätte ich mir ein gutes Spritzwerkzeug ausleihen können, aber zu beengt sind die Verhältnisse in der heimischen Einfahrt. Also musste es mit der Rolle gehen. Aber alles in allem war ich nicht sonderlich überzeugt von meinem Vorhaben.

Der erste Versuch mit Standardlack

Ich kaufte mir 1K-Lack in Deep Bronze Green, Silikonentferner, Haftgrund und Klarlack und versuchte mich als Lackierer. Zuerst die Türen. Abschleifen, entfetten, grundieren und dann der Lack. Alles mit der Rolle. Das Ergebnis war eher mau. Die Rolle zog Fäden, eine andere zerlegte sich in lauter Flusen, obwohl sie vom Farblieferanten war und der Lack schlug jede Menge Blasen. Die waren durch das Rollen hineingekommen, konnten aber nicht weg, da die Farbe zu schnell abtrocknete. Es war viel zu warm und ich habe die Farbe auch zu dick aufgetragen. Alles in allem sehr ernüchternd.

Naviton - Der Ausgangszustand.

Der Ausgangszustand.

Eine überraschende Option tat sich auf

Knapp drei Wochen vor der Abenteuer & Allrad, zu der der Land Rover fertig sein sollte, rief mich die Firma Naviton an. Sie erinnerte mich an ein Gespräch, welches wir auf der Adventure Northside Ende 2017 geführt hatten. Dort hatte sich ein Mitarbeiter bereits mein Fahrzeug angesehen und Interesse an einem Projekt geäußert. Die Eigenschaften des Lacks von Navition hatten mich gleich angesprochen: kratzfest, korrosionsschützend, schmutzabweisend und dann diese besondere Caliper-Optik. Also sagte ich zu. Ich soll eine Schulung auf die Farbe erhalten und das Gelernte an meinem eigenen Fahrzeug umsetzen.

Das Naviton-System

Die besondere Optik

Was ist nun das besondere an der Farbe von Naviton? Vordergründig ist sicherlich die Caliper-Optik. Das heißt die lackierten Oberflächen sind nicht glatt und hochglänzend sondern strukturiert, wobei die Stärke variiert werden kann. Durch den Caliper-Effekt entsteht ein irisierender Glanz, der seine ganz eigene Optik hat. Je nach Perspektive und Lichteinfall wirkt die Farbe anders. Zugegeben, das passt nicht zu jedem Fahrzeugtyp, aber zu einem Geländewagen, gerade so einem alten, passt das ganz hervorragend. Überraschenderweise fühlt sich die Oberfläche sehr angenehm an. Die Haptik schmeichelt der Hand eher als das sie sich rau anfühlt.

Nicht nur das Aussehen, auch die Funktion

Die Optik ist auffallend und erfrischend anders, weg vom einerlei. Aber es geht nicht nur um das Aussehen. Diese Caliper-Struktur hat gleichzeitig eine Funktion. An dieser Struktur kann Dreck nur schlecht anhaften, da ihm die Fläche dazu fehlt. Er liegt auf den feinen Erhebungen auf, so dass Wasser ihn umspülen und leicht lösen kann. Ein mechanischens Reinigen, wie starkes oder häufiges Drüberwischen ist gar nicht nötig. Das ist so ähnlich vom Lotuseffekt bekannt, aber hier handelt es sich nicht um diesen. Die schmutzabweisende Eigenschaft des Lacks von Naviton ist beständig, wohingegen der Lotuseffekt über die Zeit abnimmt.

Kratzfest und widerstandsfähig
Gerade für Geländefahrzeuge, Reisekabinen und alle Fahrzeugen, die nicht geschont werden, bietet der Lack den Vorteil hoher Kratzfestigkeit. Der flexible Bridge-Primer und die Deckschicht mit den sich vernetzenden Bindemitteln sorgen für eine außergewöhnliche Oberflächenhärte. Natürlich ist die Farbe nicht unzerstörbar, bei ausreichend heftiger mechanischer Einwirkung leidet auch Naviton-Lack. Aber die üblicherweise auftretenden Lackschäden durch Sträucher, Äste, Steinschlag usw. treten mit Naviton nicht mehr so leicht auf.

Naviton - Ausgehärtet ist der Lack sehr resistent gegen Kratzer.

Ausgehärtet ist der Lack sehr resistent gegen Kratzer.

Unempfindlich gegen andere Stoffe
Für das Auge verborgen besitzt die Farbe noch weitere interessante und nützliche Eigenschaften. Nach der gesamten Aushärtung von circa vier Wochen, bietet das Material auf molekularer Ebene anderen Stoffen keine Andockmöglichkeiten mehr. Mit anderen Worten, die Farbe ist chemisch gegen viele Stoffe resistent. Teer, Harz, viele Klebstoffe, die sich mit Lösungsmittel entfernen lassen, können einfach mit einem solchen abgewischt werden, ohne den Lack zu beschädigen. Eine neue Farbschicht hält nicht mehr, da sie den Naviton-Lack nicht anlösen kann, um sich mit ihm zu verbinden. Der Untergrund muss erst wieder aufgeraut und mit dem Bridge-Primer behandelt werden, um ihn wieder annahmefähig zu machen.

Umsetzung: kurzentschlossen und kurzfristig – die Zeit drängt

Aufgrund des wenig gelungenen Ergebnisses meiner Lackierung mit dem 1K-Lack, sagt ich trotz der knappen Zeit zu. Dazu kam, dass nach der Fahrzeuglackierung noch die beiden Türen mit einem Vintage-Matsch&Piste-Logo handbemalt werden sollten. Dafür blieben genau die drei Tage vor der Messe. Jetzt durfte nichts mehr schief gehen. Ich fuhr also Richtung Hannover. Bei Naviton erwartete man mich bereits. Kurzum begannen wir mit dem Reinigen und der Demontage. Dabei gingen die Mitarbeiter mit dem Fahrzeug um wie mit einem rohen Ei. Alles wurde akribisch dokumentiert und abgelegt.

Dann wurde das ganze Fahrzeug begutachtet. Für auffälligen Stellen mit Korrosion oder tiefen Dellen wurde mir erklärt, wie diese zu behandeln sind und wo welche Farbe aufgebracht wird. Wir besprachen, dass alle Flächen Deep Bronze Green werden und einzelne Anbauteile und die Stoßstange schwarz. Mittlerweile sind bei den Naviton-Lacken sogar Metallic-Effekte möglich, aber das hätte nicht zu diesem Fahrzeug gepasst.

Nachdem das geklärt war, begann ich mit dem  Abschleifen. Per Hand an den großen Flächen andere Teile mit entsprechendem Werkzeug. Wider meiner Erwartung ging das ziemlich flott. Der Bridge-Primer hat keine großen Ansprüche an die Fläche. Er haftet auf fast allen gängigen und auch auf speziellen Untergründen, solange sie aufgeraut und absolut fettfrei sind. Er darf sich auch nicht von selbst lösen. Denn kein Farbsystem kann auf einem Untergrund halten, der selbst nicht hält.

Naviton - Loses muss weg.

Loses muss weg.

Nach dem Aufrauhen und Anschleifen traten erwartungsgemäß weitere Untergründe zu Tage. Insgesamt hatten wir acht: Alu, Stahl, verzinkter Stahl, Spachtel und vier Lacke. Die Originalfarbe Deep Bronze Green, eine blaue, eine rote und der aktuelle Decklack. Das alles musste jetzt akribisch entfettet werden. Fette und Silikon sind der größte Feind einer jeden Lackierung. Ich wurde genau eingewiesen, wie ich erkennen kann, ob noch Fett auf der Fläche vorhanden ist und wie ich eine erste Aussage zur Anlösung des Untergrundes treffen kann. Ich begann danach alle Oberflächen mit Silikonentferner und Tüchern zu entfetten.

Naviton - Das Entfetten muss sehr sauber und akribisch durchgeführt werden - bei allen Lacksystemen.

Das Entfetten muss sehr sauber und akribisch durchgeführt werden – bei allen Lacksystemen.

Fummelsarbeit – Das Abkleben

Im nächsten Schritt musste alles, was nicht mit dem Bridge-Primer und Farbe versehen werden sollte, abgeklebt werden. Da die Zeit drängte und einige Lampengläser und Fahrzeugteile sich nicht freiwillig lösten, mussten wir dafür etwas mehr abkleben. Auch da konnte ich von den Spezialisten lernen, wie man das am besten macht, warum man dazu zwei unterschiedliche Klebebandarten nutzt und mit welchen kleinen Tricks man sich behelfen kann. Nur so viel, gönnt euch ruhig ein Eis am Stiel vor der Arbeit.

Naviton - Alles wird akribisch abgeklebt.

Alles wird akribisch abgeklebt.

Die erste Schicht – der Bridge Primer

Der Naviton Bridge Primer ist im Grunde ein 2-Komponenten-Lack (2K-Lack). Er übernimmt mehrere Aufgaben. Der Primer-Anteil löst den Untergrund an und gibt die universelle Basis für den Bridge-Anteil. Dieser ist besonders resistent gegen Salze und Oxidation bei hoher Elastizität. Das heißt, er verhindert Korrosion. Auch die Kontaktkorrosion, die oft an den Kontaktflächen unterschiedlich edler Metalle auftritt. Er kann mit dem Material mitgehen, ohne dass er reißt oder brüchig wird und lässt keine Feuchtigkeit eindringen.

Den Bridge Primer haben wir vorsichtshalber einmal in kleinen Mengen auf alle Untergründe aufgetragen und beobachtet. Auch wenn er sehr universell ist, kann es immer zu Unverträglichkeiten kommen. Als keiner der Untergründe Ablösungserscheinungen zeigte, was sich schon beim Reinigen mit dem Silikonentferner andeutete, habe ich das ganze Fahrzeug und die Anbauteile mit dem Bridge Primer gerollt. Eine zweite Lage des Primers kann nach drei Stunden erfolgen, der Farbanstrich je nach Raumtemperatur nach 12 bis 24 Stunden.

Naviton - Probeanstrich mit dem Bridge Primer.

Probeanstrich mit dem Bridge Primer.

Naviton - Warten auf die Farbe. Der Bridge-Primer ist aufgetragen.

Warten auf die Farbe. Der Bridge-Primer ist aufgetragen.

Die zweite Schicht – Naviton Decklack

Die Anwendung des Decklacks von Naviton ist simpel. Das System ist für das Selbermachen ausgelegt. Dabei hilft auch der hohe Feststoffanteil von 70 Prozent. Beim Sprühen entsteht so gut wie kein Nebel, der die ganze Halle gleich mit einfärben würde. Wer lieber rollt, kann den Lack auch mit der Rolle auftragen. Dennoch sind einige Punkte dringend zu beherzigen. Am allerwichtigsten für ein gutes Ergebnis, ist die oben erwähnte Vorbereitung: Das Aufrauen des alten Untergrunds, um lose Lackschichten, Spachtel und Rost zu entfernen. Danach das saubere Entfetten mit Silikonentferner. Es kann nicht genug betont werden, dass diese Vorarbeit essenziell für das Gelingen ist. Kleinste Fettreste werden zwangsläufig später zu Problemen führen. Und zwar bei allen Lacksystemen, nicht nur bei Naviton. Jedes System hält nur so gut, wie sein Untergrund.

Das Auftragen des Decklacks erfolgt in mehreren Durchgängen um die Caliper-Struktur zu erhalten. Nach zwei Stunden kann auf die erste Farbschicht die Caliper-Struktur aufgebracht werden. Danach können noch innerhalb von gut zwei Tagen weitere Farbschichten oder andere Überarbeitungen angebracht werden. Danach nimmt das Material bereits keine anderen Schichten mehr an. Soll dennoch später eine Überarbeitung erfolgen, muss der Lack wieder aufgeraut und mit dem Bridge-Primer überarbeitet werden.

Naviton - Fast alle Teile wurden gesprüht.

Fast alle Teile wurden gesprüht.

Das Ergebnis

Auf das Ergebnis war ich unheimlich gespannt. Um das Handwerkliche machte ich mir keine Sorgen. Aber wird die Optik zu dem Fahrzeug passen? Ich war begeistert. Die Verarbeitung ist perfekt gelungen und die Caliper-Optik passt sehr gut zu diesem Fahrzeug. Hier bedarf es keiner Worte, sondern lassen wir einmal die Bilder sprechen.

 

Nach der Handbemalung der Türen steht das Fahrzeug nun so da.

Naviton - Das Endergebnis kann sich sehen lassen.

Das Endergebnis kann sich sehen lassen.

Intensive Beratung

Wer sein Fahrzeug mit Naviton lackieren möchte, bekommt von Naviton alle nötigen Informationen. Derzeit ist eine sehr ausführliche Verarbeitungsbeschreibung in Arbeit. Bei Fragen, Unsicherheiten oder Spezialfällen wird persönlich und sehr ausführlich weitergeholfen. Auf die Anwenderinformation und Beratung wird sehr viel Wert gelegt.

Hohes Engagement mit Leidenschaft

Während ich mit den Naviton-Mitarbeitern an meinem Fahrzeug gearbeitet habe, war dieser Qualitätsanspruch an das Produkt und das Ergebnis sehr deutlich zu spüren. Ich fühlte mich dort gleich wohl, denn ich hatte nie das Gefühl, dass dort nur eine Arbeit zu erledigen sei. Ich merkte, dass die Mitarbeiter dort mit mir ein weiteres kleines Meisterwerk erschaffen wollten. Das hat mich sehr beeindruckt.

Zur Naviton Webseite: Naviton.eu

© Fotos: Naviton und Andreas Woithon