Wer sich auf Camping-Messen umsieht, wird feststellen, dass Camping immer mehr zum Glamping wird. Glamping, ein Kunstwort, das sich aus den Begriffen „Glamourous“ und „Camping“ zusammensetzt. Die Hersteller wollen uns zeigen, dass wir im Urlaub nicht mehr auf den Luxus von zu Hause verzichten müssen. Doch es geht auch anders und voll im Trend mit einem Dachzelt.

Doch wer das wahre Camping-Erlebnis möchte, der nimmt weder den 8-Meter-Wohnwagen noch den Expeditions-LKW. Er packt sein Zelt und fährt mit dem Wagen einfach los ins Mikroabenteuer, der kleinen Auszeit in der Natur. Einfach mal aus dem Alltag ausbrechen und spontan unter freiem Himmel übernachten.

Aber irgendwann kommen wir alle in ein Alter, in dem das Schlafen im Zelt auf dem harten Boden wenig erstrebenswert erscheint. Zum Glück gibt es zwischen Glamping und No-Comfort noch etwas: das Dachzelt.

Das Dachzelt – Freiheit seit Ende der Fünfziger

Dachzelte passen auf jedes Auto, es gibt sie in unzähligen Größen und Ausführungen. Erfunden wurden sie Ende der Fünfziger von der italienischen Firma Autohome, die heute hinter so bekannten Marken wie Maggiolina und Air-Top steht. Autohome vertreibt unter 7 Marken mehr als 50 verschiedene Dachzelt-Modelle.

Dachzelte gab es schon in der DDR

In den Siebzigern kam Gerhard Arthur Müller in der damaligen DDR auf eine ähnliche Idee, der Zeltaufbau nervte ihn und so konstruierte ein Dachzelt auf einem Trabant. Aufgestellt war das Dachzelt in der Mitte 1,90 m hoch und wirkte von der Sei- te wie das Dach eines kleinen Häuschens. 1.589,50 DDR Mark kostete das Dachzelt damals. Insgesamt 1.800 Exemplare wurden bis 1990 produziert.

Die Frage der Fragen: Hartschale oder Klappdachzelt

Schon die ersten Dachzelte gab es in zwei Varianten: einmal mit harter Schale, die auf dem Dach wie eine Dachbox aussieht oder Klappdachzelte, die komplett aus Stoff bestehen.

Bei den Hartschalenzelten unterscheidet man zwischen Zelten, die sich keilförmig zu einer Seite öffnen oder Zelten, bei denen die obere Dachschale mit einer Kurbel nach oben gefahren wird, so dass der Innenraum überall gleich hoch ist.

Hartschalenzelte für den häufigen Ortswechsel

Die Zelte mit der harten Schale haben den Vorteil, dass sie schnell auf- und abgebaut sind. Wer häufig den Stellplatz wechselt, fährt mit einem Hartschalenzelt deshalb besser. Da das Zelt aus weniger Zeltstoff besteht, trocknet es schneller.

Ebenso ist ein Hartschalenzelt weniger anfällig für Witterungseinflüsse, wenn es nicht genutzt wird. Auch wenn es etwas härter zugeht, ist die Hartschale von Vorteil. Überhängende Äste oder Sträucher richten an der harten Schale kaum Schaden an.

Bei einigen Hartschalenzelten ist es sogar möglich, eine zusätzliche Beladung zu befestigen, das können z.B. Sandbleche oder Solarpanels sein. Der Nachteil der meisten Hartschalenzelte ist allerdings die Größe der Liegefläche, die normalerweise den Maßen der Hartschale entspricht. Da kann es zu zweit schon mal kuschelig werden.

Klappdachzelte groß und günstig

Günstiger und meist leichter sind Klappdachzelte, die komplett aus Zeltstoff bestehen. Je nach Variante kann darin eine vierköpfige Familie Platz finden und mit Vorzelt, kann das Ganze zu einem wahren Zeltpalast ausgebaut werden. Ein Nachteil ist, dass Klappdachzelte weniger windschnittig sind, als ihr Pendant mit der Hartschale. Das heißt der Spritverbrauch erhöht sich. Auch sind gerade bei hohen Fahrzeugen wie Geländewagen lange Arme gefragt bzw. Klettern angesagt, um die Zeltplane drauf- bzw. abzumachen.

Vom Crowdfunding zum Dachzelt

Wer Platz braucht, aber nicht auf die Hartschale verzichten will, für den gibt es seit kurzem die neue Marke iKamper. iKamper spielte bei einer Kickstarter Crowd-Funding-Kampagne über 2 Millionen, statt der geplanten 100.000 Euro, ein. Aber auch größenmäßig bricht das Hartschalen-Zelt alle Rekorde. Das iKamper Sky4x klappt weit über die Hartschale hinaus und bietet somit eine Liegefläche von 210 x 190 cm.

Das aufblasbare Dachzelt

Ähnlich innovativ ist das GT Roof Gentletent, der Pionier aus Österreich zeigt auf der Adventure Southside das erste aufblasbare Dachzelt der Welt. Das Dachzelt ist superleicht und hat ein minimales Packmaß. Zudem ist es auf jedem Dachgepäckträger montierbar, schnell aufgebaut und soll sogar schwimmen können.

Fahrzeug-Sondermodelle mit Dachzelten

Dass Dachzelte auf der Höhe der Zeit liegen, zeigt, dass BMW im Herbst letzten Jahres ein Sondermodell des Mini Countryman herausbrachte, bei dem ein Dachzelt zur Ausstattung gehörte. Das Dachzelt auf dem Mini ist für zwei Personen geeignet und bietet eine Liegefläche von 2,10 mal 1,30 Metern. Der Mini ist nicht der einzige Kleinwagen, auf dem ein Dachzelt häufig zu finden ist. Denn auch die Lada-Niva-Fans haben das Dachzelt schon länger für sich entdeckt.

Regeln für das Fahren mit Dachzelt

Neben dem Mini können Dachzelte auf jedem PKW montiert werden. Da in der Straßenverkehrsordnung Dachzelte nicht erwähnt werden, können diese wie Ladung behandelt werden. Entsprechend sollten potentielle Käufer eines Dachzeltes prüfen, ob sich das Gewicht des Zeltes für die Dachlast des Fahrzeugs und des Dachträgers eignet.

Die Angaben zur zulässigen Dachlast findet man in der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs. Je nach Fahrzeugtyp liegt sie zwischen 50 und 100 Kilo. Diese Angaben beziehen sich vor allem auf die maximale Last während des Fahrens. Steht der Wagen, kann die mögliche Last des Zelts inklusive der drin liegenden Personen höher sein.

In der Regel sollte man mit einem Dachzelt nicht über 130 km/h schnell fahren, was in Bezug auf den Spritverbrauch besser unterschritten werden sollte.

Mehr als 15 Dachzelt-Aussteller auf der Adventure Southside

Das kürzlich stattgefundene Dachzelt-Festival war ein Mekka für alle Dachzelt-Nomaden. Wer das Festival verpasst hat und sich für den Kauf eines Dachzeltes interessieret, kann auf jeden Fall auf der Adventure Southside in der Lochmühle Eigeltingen vom 13. bis zum 15.07.2018 fündig werden.

Hier werden mehr als 15 Dachzelt-Aussteller ihre verschiedenen Modelle zeigen. Darunter ist unter anderem die Firma Campwerk, die Ikamper-Dachzelte in Deutschland vertreibt und die Firma Gentletent mit ihrem aufblasbaren Dachzelt. Ebenso dabei ist Dare to be different Outdoors, Mehari Offorad, Front Runner Outfitters und viele mehr. Mehr Informationen zur Messe gibt es hier: www.adventuresouthside.com

Im Norden Deutschlands findet übrigens im Herbst wieder die Adventure Northside auf Gut Basthorst statt.

Foto: Nicole Woithon