Wir haben es uns verdient! Nach einem Jahr und 40.000 km mit dem Toyota Land Cruiser auf der Panamericana lassen wir am Golf von Mexiko die Seele baumeln und hängen durch in unseren Hängematten. Der Wind rauscht in den Kokospalmen, der Blick schweift über das blaue Meer und die Gedanken fliegen zurück zu den Anfängen.

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Rückblickend

Wo genau begann diese Reise eigentlich? Wann trafen wir die Entscheidung, uns auf dieses Abenteuer einzulassen? So genau wissen wir das nicht mehr. Schon immer wollten wir die Welt entdecken und erleben. Zeitungsberichte, Fernsehen und das Internet können so vieles erzählen, aber was hat das schon mit der Realität zu tun?

So entschließen wir uns irgendwann zum Kauf von unseren roten Toyota und beginnen mit der Planung und dem Bau unserer Kabine. Bis unser Zuhause auf Rädern fertig ist, dauert es fast 2 Jahre. In den darauffolgenden 2 Jahren fahren wir zum Test nach Island und Marokko. Dann ist es plötzlich soweit und wir stehen fast schon ein wenig überrascht im Hafen von Antwerpen, von wo aus wir nach Halifax verschiffen.

Hoch im Norden

In Halifax angekommen durchqueren wir Kanada von Ost nach West und fahren den Alaska Highway hoch bis in das Goldgräberstädtchen Dawson City. Schon zu diesem Zeitpunkt realisieren wir, dass wir uns verschätzt haben. Die Welt und speziell Nordamerika ist noch viel größer als gedacht. Endlos sind die Strecken die man zurücklegt. Beim Blick auf die Karte realisieren wir, dass es in diesem Teil der Welt nur die eine Straße gibt, auf der wir immer geradeausfahren und die uns mit der Zivilisation verbindet. Links und rechts dieser Verkehrsader gibt es nichts als pure Wildnis.

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Landschaft in Alaska

Wir genießen die Fahrt im wilden und weiten Norden. Die Bergwelt und die riesigen Wälder in dieser Gegend sind befreiend und geben uns Luft zum Atmen. Wir treffen hier auf Bären, Elche und Bisons. Die Natur schöpft, so weit im Norden, in den wenigen Sommermonaten in denen es fast nicht dunkel wird, aus dem Vollen. Oft sitzen wir bis spät in die Nacht auf dem Dach unseres Expeditionsmobils und genießen die Ruhe und die Weite dieses Erdteils.

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Unsere Dachterrasse

Leider werden in diesen Breiten die Tage auch schnell kürzer und bereits Ende August kann es den ersten Frost geben. Da wollen wir natürlich schon weg sein und so beeilen wir uns, rechtzeitig zurück in den südlicheren Teil des nordamerikanischen Kontinents zu kommen.

Landschaften der USA

Hier besuchen wir den Yellowstone Nationalpark mit seiner vulkanischen Farbenpracht und fahren dann weiter nach Utah, wo wir mehr Zeit verbringen als zunächst gedacht.

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Grand Prissmatic Spring im Yellowstone National Park

Aber die Landschaften in diesem Teil der Welt sind so vielfältig und wunderschön, dass wir aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommen.

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Sonnenaufgang beim Meso Arche

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Antilope Canyon

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Sternenhimmel bei der White Pocket bei Kanab

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Der Nord Rim Gand Canyon

Beim Dead Horse Point entscheiden wir uns für den Saphier Trail und wagen uns auf die Dirt Road, die sich bis tief in die Schlucht des Canyons schlängelt. Obwohl uns die übervorsichtigen US-Parkranger von der Strasse abraten, fahren wir hier mit unserem Toyota ohne Probleme durch.

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Dead horse Point National Park

Ende Oktober geht es dann via Dead Valley, den wunderbaren Alabama Hills, über den Tiogapass in den Yosemite Nationalpark. Gerade noch rechtzeitig vor dem ersten Schnee. Eine unglaubliche Tour, bedenkt man den Klimawandel in nur kurzer Zeit. Eben noch in der Hitze des Dead Valleys, fallen einige Tage später die Temperaturen im Yosemite Nationalpark nachts schon unter den Gefrierpunkt. Aber glücklicherweise ist unsere Kabine beheizbar.

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Death Valley National Park am Zabriskie point

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Yosemite National Park mit blick auf Half Dome

Die nächsten Wochen verbringen wir an der Küste Kaliforniens. Dieser Landstrich ist landschaftlich wunderschön, aber für Overlander wie uns nicht wirklich geeignet.

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Küstenlandschaft in Kalifornien

Denn hier ist es schwer, einigermaßen günstige oder freie Übernachtungsplätze zu finden. Für eine Übernachtung auf einem Parkplatz zahlt man bis zu 50 Dollar und das ist selbst für uns Schweizer ein starkes Stück. Ganz anders in Kanada oder anderen Stationen unserer USA-Reise, wo wir oft wunderschöne Buschcamps in tollen Landschaften gefunden haben.

Die USA und Kanada begeistern uns. Es sind nach den tollen Landschaften auch die freundlichen Menschen die uns willkommen heißen und unsere Reise in diesem Teil der Welt zu einem unvergesslichen Erlebnis machen. Drei Tage vor Thanksgiving werden wir an einem Parkplatz, wie schon so oft vorher, wegen unseres Fahrzeugs angesprochen und voller Begeisterung zum Truthahnessen eingeladen. Wir nehmen an und werden einen Abend lang verwöhnt. Ein wirklich tolles Erlebnis.

Baja California

Nach 6 Monaten mit unserem Land Cruiser auf der Panamericana ist es dann soweit und wir tauchen ein in die neue und bunte Welt Lateinamerikas. Der Grenzübertritt nach Mexiko ist kinderleicht und bevor wir es uns versehen, fahren wir den Buchten und Traumstränden der Baja California Halbinsel entlang.

Die Straßen sind hier etwas schlechter und wir machen Bekanntschaft mit den hiesigen Bodenwellen, genannt Topes. Diese im Schwarm auftretenden und nervraubenden Verkehrsberuhiger werden uns durch ganz Mexiko begleiten und sind anstrengend. Jedes Mal zwingen die Hubbel uns fast bis zum Stillstand abzubremsen. Manche der Nervtöter sind gut ausgeschildert und manche erkennt man erst in letzter Sekunde. Aber die Baja California entschädigt uns mit ihren wilden Stränden und dem Leben im Meer. Oft können wir direkt von unserem Buschcamp aus Wale auf ihren großen Wanderrouten beobachten.

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Buckelwale

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Strand aus der Vogelperspektive

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Camping am Strand in der Baja California

Mexiko ist für uns ein Land der Begegnungen. Es ist unglaublich, wie viele Reisende aus der ganzen Welt wir hier treffen. Alle haben wir dasselbe Ziel: Wir wollen die Panamericana befahren. Von Nord nach Süd oder Süd nach Nord. Manche die ganze und andere nur ein Teil und wieder andere, die wir treffen, sind schon seit Jahren unterwegs auf dieser wunderbaren Welt.

Die Fahrzeuge, in denen die Overlander die Reise antreten, sowie das Budget sind so vielfältig wie die Menschen selbst. Manche fahren in enormen und aufwendig gebauten Trucks, andere haben einen normalen Camper oder einen umgebauten Bus. Eines haben alle die wir treffen gemeinsam, die Freude am Reisen und die Neugier Neues zu entdecken.

So verbringen wir viele gemeinsame Abende am Lagerfeuer und erzählen uns die Geschichten, die wir erlebt haben. Eins fällt uns auf: trifft man zuhause auf neue Bekanntschaften, so stellt sich immer recht schnell die Frage nach dem Beruf. Hier ist das nicht so. Manchmal merkt man erst nach mehreren Tagen des gemeinsamen Reisens, dass man eigentlich gar nicht weiß, was der andere vor diesem Leben getan hat. Woher kommst du und wohin willst du, das sind die Fragen, die man hier stellt.

Mexikanisches Hochland

Nach sieben Wochen verlassen wir die Baja California mit der Frachtfähre und fahren nach Topalabambo.

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Warten auf die Fähre

Unsere Reise führt uns in die Kupferschlucht, allerdings lassen wir unser Fahrzeug einmal stehen und nehmen den Zug. Hier finden wir grandiose Aussichten und ein noch ursprüngliches und indigenes Mexiko. Das Leben vieler Menschen ist hier sehr einfach und wir werden daran erinnert, in was für einer luxuriösen Situation wir sind.

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Kinder im Hochland von Mexiko

Nach einigen Tagen ohne unserer rollenden Einzimmerwohnung sind wir froh, wieder mobil zu sein und fahren weiter durch das koloniale Hochland. Städtchen wie Guadalachartoto oder San Miguel de Alende verzaubern uns mit ihren bunten Häusern, Kirchen und Gässchen.

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Übernachtungsplatz in Guanajuato

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Koloniale Kirche

Ein Highlight in diesem Reiseabschnitt ist der Besuch bei den Monarchfaltern. Abertausende dieser orangen Falter versammeln sich in der Nähe von Rosario um zu überwintern. Die Luft summt und brummt, wenn diese Flattertierchen durch die Luft schwirren, sobald die Sonne ihre Flügel genügend erwärmt.

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Monarch-Falter bei Angangueo

Im Dschungel

Das Klima im Hochland ist angenehm und die Nächte sind kühl. Wie angenehm dies ist, stellen wir fest, als wir in Chiapas entlang der guatemaltekischen Grenze nach Palenque fahren. Hier herrscht tropische Hitze und die Mücken machen uns das Leben schwer.

Wir wählen eine etwas längere Strecke, um den Strassensperren aus dem Weg zu gehen, für die manche Strecken in diesem Teil Mexikos bekannt sind. Die Landbevölkerung fühlt sich hier von der Regierung vergessen und versucht ihre leeren Kassen durch das Erpressen von Wegzöllen aufzubessern. Wir haben Glück und gehen mit unserem kleinen Umweg diesen Situationen aus dem Weg. Aber nicht nur das, wir fahren durch einen wunderbaren Abschnitt dieses riesigen Landes. Wir tauchen ein in eine Dschungelwelt mit Brüllaffen und farbenprächtigen Aras.

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Pyramiden bei Palenque

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Ara

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Brülläffchen

Es ist auch das erste Mal, dass wir auf die Überreste der sagenumwobenen Mayas Treffen. Mitten im Dschungel finden wir die Ruinen ihrer alten Städte. Die Mayas und ihre Tempelbeschäftigen begleiten uns in den nächsten Wochen, die wir auf der Yukatan-Halbinsel verbringen, noch weiter. Viele dieser Bauwerke begeistern uns durch ihre Größe und architektonische Vielfalt.

Entspannen

Also jetzt haben wir es uns verdient und wir stellen uns an einen der unzähligen Strände und faulenzen. So vieles haben wir in den letzten Monaten erlebt – wir brauchen Zeit diese Erlebnisse zu verarbeiten. Deshalb entschließen wir uns für einen Heimaturlaub und stellen unser Fahrzeug in Mexiko für einige Monate ein. Danach wollen wir weiter in den Süden bis nach Feuerland.

Wir können es kaum glauben, wie schnell dieses Jahr verging, in dem wir fast immer in unserem Fahrzeug gelebt haben. Unsere Wohnkabine ist zwar klein, war für uns aber immer mehr als ausreichend. Wir haben ein bequemes Bett, eine Sitzgelegenheit zum Lümmeln, eine Toilette und sogar eine warme Dusche.  Aber das Beste ist die Aussicht unserer Terrasse, die sich ständig ändert.

Nach einem Jahr mit unserem Land Cruiser auf der Panamericana freuen uns jetzt auf ein Wiedersehen mit Freunden und Familie zu Hause und insgeheim sehnen wir uns nach Konstanten im Leben. Wir waren in diesem Jahr so viel in Bewegung und wollen uns nun vergewissern, dass zu Hause noch alles beim Alten ist. Denn das ist es doch was ein Zuhause ausmacht.

Über Stefan und Thomas von einmalrundum.ch

Früher war Stefan Molekularbiologe, heute macht er spektakuläre Bilder, ist Drohnenpilot und Webdesigner. Die Reise macht sein leben zu einem Traum und er ist immer wieder überrascht, wenn er morgens aus dem Fenster sieht. Für ihn fühlt es sich nicht wie eine Reise an, sondern einfach wie Freiheit.

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Thomas und Stefan von einmalrundum.ch

Thomas hat viele Jahre in der Hauptstadt der Schweiz gewohnt und gearbeitet. Auch wenn der Reisevirus ihn schon früh infiziert hatte, brauchte er Jahre dem Ruf der weiten Welt zu folgen. Sein Leben als Banker gab er gerne auf, um nun die unbezahlbaren Momente auf der Reise zu genießen. Unterwegs sind die beiden in Grisu, einem Toyota Land Cruiser, der früher in Dänemark als Feuerwehrfahrzeug unterwegs war. Auch er ist froh, den Alltag entronnen zu sein und freut sich jeden Tag aufs Neue über dieses fantastische Abenteuer.

Stefan und Thomas bloggen auf www.einmalrundum.ch