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75 Jahre Toyota Land Cruiser BJ und Land Cruiser 250

75 Jahre Toyota Land Cruiser und ein Ausflug in die Toyota Collection in Köln

Am 1. August 1951 zeigte Toyota den Jeep BJ zum ersten Mal der Öffentlichkeit. Auf den Tag genau 75 Jahre später stand ich in der Toyota Collection in Köln zwischen Land Cruisern aus mehreren Jahrzehnten und mehreren Ländern. Lest hier, wie der Offroad-Tag in der Toyota Collection war, warum Toyota mit dem Land Cruiser seinen allerersten Auftrag verlor und trotzdem zur Legende wurde, und was der neue Toyota Hilux als Mildhybrid und als E-Fahrzeug kann.

Offroad-Tag in der Toyota Collection: Land Cruiser aus ganz Europa

Wer mit einem Toyota-Offroader anreiste, bekam einen Platz ganz vorne. Und davon machten richtig viele Gebrauch, teilweise aus den Niederlanden und Belgien. Das heißt, für manche Besucher waren das mal eben ein paar hundert Kilometer Anfahrt für einen Vormittag unter Gleichgesinnten. Dafür stand auf dem Parkplatz auch die komplette Land-Cruiser-Geschichte: offene J4 mit Softtop, ein BJ42 aus Tübingen, ein LJ73, Buschtaxi-Umbauten mit Dachzelt und Alukisten, ein HZJ78 mit LED-Zusatzscheinwerfern und ein fabrikneuer 70er-Pickup mit Schnorchel. Vermutlich nicht zufällig parkte am Rand ein neuer Land Cruiser 250 direkt neben einem roten J4, zwischen den beiden, da liegen gut 50 Jahre.

Ein Detail fiel beim Rundgang schnell auf: Viele Besitzer haben sich Wunschkennzeichen passend zur Baureihe reserviert. LC 80, TY 40, BJ 42, HZ 78, LJ 730. Man konnte die Modellpalette quasi an den Nummernschildern ablesen und wusste schon beim Vorbeigehen, was man vor sich hat. Genau diese Liebe zum Detail macht solche Tage aus: Man läuft um die Autos herum, kommt ins Gespräch und entdeckt an jedem zweiten Fahrzeug etwas, das man so noch nicht gesehen hat.

Alexander Wohlfarth, Betreiber des Buschtaxi.net führte durch die Ausstellung und erzählte dabei die Geschichte der Toyota Collection und des Land Cruisers. Ein Highlight der Sammlung: ein Land Cruiser FJ60 mit prominentem Erstbesitzer. Der Wagen gehörte Roger Moore, der ihn in der Schweiz fuhr. Und zwar als Basisversion mit Stoffsitzen und F-Motor.

Verschränkungsrampe: Land Cruiser J8 trifft E-Hilux

Auf der Verschränkungsrampe erklärte Wohlfarth dann, wie Geländetechnik damals und heute funktioniert. Zuerst kletterte ein Land Cruiser J8 auf die Rampe. Am 80er konnte er wunderbar erklären, was eine Differentialsperre macht, wenn ein Rad in der Luft hängt: Sie zwingt beide Räder einer Achse, sich gleich schnell zu drehen, und das Rad mit Bodenkontakt schiebt weiter.

Danach fuhr der neue vollelektrische Hilux über dieselbe Rampe und löste das gleiche Problem elektronisch: Hängt ein Rad in der Luft, registriert die Elektronik den Schlupf, bremst das frei drehende Rad gezielt ab und schickt so die Kraft dorthin, wo Traktion ist. Zwei Fahrzeuge, 30 Jahre Abstand, beide kommen oben an. Nur die Wege dahin könnten unterschiedlicher kaum sein.

Der neue Hilux auf der Verschränkungsrampe

75 Jahre Toyota Land Cruiser: vom verlorenen Auftrag zur Legende

Um die Geburt des Land Cruisers zu verstehen, springen wir mal eben ins Nachkriegsjapan. Das Land hatte sich erst wenige Jahrzehnte zuvor nach jahrhundertelanger Abschottung geöffnet und dann im Eiltempo industrialisiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die USA Besatzungsmacht und nach dem Ausbruch des Korea-Krieges 1950 sollte Japan wieder Polizeikräfte aufbauen. Einer entsprechenden Ausschreibung folgend entwickelten Toyota und Nissan eigene Fahrzeuge: Toyota den Jeep BJ, Nissan den 4W60, den Urahn des Patrol. Mitsubishi baute bereits den Willys Jeep ohnehin schon in Lizenz.

75 Jahre Land Cruiser mit Alexander Wohlfarth

Der Toyota BJ galt als robuster als der Lizenz-Jeep, und viele waren vom Wagen begeistert. Den Zuschlag bekam trotzdem Mitsubishi. Das Fahrzeug war bekannt, die Ersatzteilversorgung stand, das Risiko war klein. Für Toyota sah das erst mal nach einem herben Rückschlag aus. Rückblickend war es aber ein Glücksfall, denn so war Toyota von allen behördlichen Zwängen befreit und konnte den BJ für den zivilen Markt entwickeln. Genau das wurde die Basis für 75 Jahre Erfolgsgeschichte.

Toyota Dienig auf dem Offroad-Tag der Toyota Collection

Mount Fuji und die Tempeltreppe: wie der Land Cruiser berühmt wurde

Hanji Umehara, der die Entwicklung des BJ leitete, war überzeugt, dass sein Auto jedem Jeep ebenbürtig war. Und er wusste, wie man das beweist. Im Juli 1951 fuhr Testfahrer Ichiro Taira den BJ in drei Stunden bis zur fünften Station und kämpfte sich dann sechs weitere Stunden über wegloses Geröll bis zur sechsten. So hoch war vorher noch kein Fahrzeug gekommen. Die japanische Polizei war so beeindruckt, dass sie den BJ schließlich doch als Streifenwagen bestellte. Der Auftrag, der Toyota zuvor durch die Lappen gegangen war, kam auf Umwegen doch noch.

Es weiteres Mal bewiesen die Entwickler des BJ Einfallsreichtum, um ihr Fahrzeug zu vermarkten. Es gibt die Legende, dass im frühen Japan ein Reiter die extrem steile Treppe des Atago-Schreins in Tokio zu Pferd hinaufgeritten sein soll, um dem Shogun einen Pflaumenzweig zu bringen. Genau das wollte Toyota mit dem Land Cruiser nachstellen. Beim Ortstermin am Atago-Schrein stellte das Team allerdings fest, dass die Geländer im Weg waren. Also wich man auf eine ähnliche Steintreppe am Mt. Fudo in Okazaki aus und fuhr sie hinauf und wieder hinunter. Wer so etwas mit seinem eigenen Produkt macht, glaubt wirklich daran.

Die Baureihen des Land Cruisers: vom Arbeitsgerät zur Modellfamilie

1954 bekam der BJ seinen endgültigen Namen: Land Cruiser. Willys hatte sich über die Bezeichnung „Toyota Jeep“ beschwert, und Umehara suchte einen Namen, der sich vor Jeep und Land Rover nicht verstecken muss. Fun Fact: Das J für Jeep ist bis heute geblieben.

Weltberühmt machte den Land Cruiser dann der J4, der ab 1960 gebaut wurde und 1976 nach Deutschland kam. Wer an Land Cruiser denkt, denkt vor allem an den J4. Er war als reines Arbeitsgerät konzipiert, robust und zweckorientiert, dabei allerdings weder bequem noch geräumig.

Doch vor allem die Kunden in den USA wollten mehr als eine rollende Arbeitsmaschine. Deshalb startete Toyota 1967 mit dem J5 eine zweite Linie: die komfortablen Station Wagons, aus denen später der J6, der 80er, der 100er, der 200er und der aktuelle 300er wurden. Der 80er gilt vielen bis heute als die Benchmark. 1984 folgte die zweite Aufteilung: Der J7 kam wahlweise als Heavy Duty für Flotten, Hilfsorganisationen und harte Arbeit oder als komfortablere Light-Duty-Version mit Schraubenfedern. 1996 machte sich diese Komfortlinie als Prado selbstständig.

Diese Dreiteilung besteht bis heute: der J7 als klassisches Arbeitsgerät, die großen Station Wagons, die oft gepanzert unterwegs sind, und der Prado als kleinerer Land Cruiser. In Deutschland verkauft Toyota davon offiziell nur den Prado, bei uns als Land Cruiser 250. Insgesamt hat Toyota in 75 Jahren rund 14 Millionen Land Cruiser gebaut. Der Wagen fährt in 170 Ländern, arbeitet für NGOs in Afrika, zieht Fischernetze am Golf und steht bei Sammlern in Köln. Kein schlechter Werdegang für ein Auto, das seinen ersten Auftrag verloren hat.

Der neue Toyota Hilux: Mildhybrid-Diesel und E-Hilux

Neben den Klassikern zeigte die Collection an diesem Tag auch die neue Hilux-Generation, und die gibt es in zwei Antriebsvarianten. Der 2,8-Liter-Diesel fährt jetzt als 48-Volt-Mildhybrid. Das heißt, ein Elektromotor unterstützt beim Anfahren und Beschleunigen, rein elektrisch fährt der Diesel-Hilux aber nicht. Im Gelände hilft die sehr lineare Kraftentfaltung des E-Motors, etwa wenn ihr auf losem Untergrund bergauf feinfühlig dosieren müsst. Die kleine Batterie sitzt geschützt unter der Rücksitzbank, geladen wird sie vom System selbst.

Der vollelektrische Hilux ist die spannendere Neuheit. Zwei unabhängige E-Motoren treiben die Achsen an, die 59-kWh-Batterie sitzt wasser- und stoßgeschützt im Leiterrahmen. Die Wattiefe von 70 Zentimetern ist deshalb identisch mit dem Diesel. Die Reichweite von rund 255 Kilometern zeigt aber auch, für wen der E-Hilux gedacht ist, nämlich für gewerbliche Kunden mit überschaubaren Tagesstrecken, etwa auf Flughäfen oder Betriebsgeländen. Für die große Overlanding-Tour ist der Diesel weiter die erste Wahl.

Der neue Hilux in vollelektrisch

Beide Varianten bekommen eine elektrische Servolenkung statt der bisherigen hydraulischen. Im Gelände heißt das: keine Lenkungsrückschläge mehr, und beim Rangieren braucht ihr deutlich weniger Kraft. Bestellbar sind beide Hilux bereits, die ersten E-Fahrzeuge stehen schon bei den Händlern, der Mildhybrid folgt in den nächsten Wochen.

Nächster Halt: Buschtaxi-Treffen

Nach dem Rundgang standen viele Besucher noch eine Weile in der Sonne, liefen um die Autos herum, fachsimplelten über die Fahrzeuge, Motoren und ihre Reisen. Und das Jubiläumsjahr geht weiter: Im September findet an der Burg Ohrdruf in Thüringen das 23. Buschtaxi-Treffen statt, das weltgrößte Land-Cruiser-Treffen mit weit über 1.000 erwarteten Offroadern. Dort will Toyota auch den neuen Hilux mit Dieselmotor zeigen. Wir werden auch da sein und einen Vortrag über Bergematerial halten, wir freuen uns auf euch