Oft heißt es „Die Welt wird immer kleiner“. Damit sind unsere heutigen Möglichkeiten gemeint, in kürzester Zeit fast jeden Punkt der Erde zu erreichen. Entsprechend nehmen die Reiseberichte zu, die oft bereits ausgetretenen Pfaden folgen, selbst wenn so mancher Pfad immer noch ein Abenteuer ist. Aber wie war es vor über 40 Jahren? Das könnt ihr in dem Buch Strangers like Angels erfahren.

1977 – ich muss kurz überlgen. Ja, ein paar Erinnerungen sind mir aus diesem Jahr geblieben. So besuchten uns meine Verwandten aus Kanada. Oh mein Gott, Kanada! Wie weit ist das denn weg? Für mich war als Siebenjähriger eine Fahrt nach Berlin schon der Wahnsinn. So waren meine Tante, mein Onkel und ihre vier Kinder die Attraktion in unserem Mehrfamilienhaus. Sie wurden gleich auf alle Familien im selbigen verteilt, denn jeder wollte etwas von der großen Welt wissen, für die Kanada für drei Wochen stellvertretend stand. Wie abwegig erschien damals eine Weltreise. Und dann noch mit einem kleinen Auto.

Genau in diesem Jahr und in Kanada beginnt die Geschichte von Jan und Alec Forman. Sie ist eine junge Krankenschwester im Dienste der britischen Armee, er ist Pilot und fliegt regelmäßig zu britischen Arktisstationen. Beide sind ein Paar und nachdem er einen Job in Asien abgschlossen hat, übernehmen sie die gebrauchten Land Rover Serie III aus der Familie und beschließen kurz nach ihrer Vermählung eine Weltreise zu machen. Einfach so. Und nicht zur Freude aller in der Familie.

Doch die beiden lassen sich nicht beirren, planen und bereiten das Fahrzeug vor. Es hat ein Carwagon Klappdach und einen Innenausbau. Auf dem Dachgepäckträger passen noch etliche Spritkanister und Reserveräder. So geht es dann im Februar 1977 los. Zuerst Richtung Deutschland, dann Richtung Süden rüber nach Marokko. Die erste selbstgewählte Herausforderung ist die Durchquerung der Sahara. Dabei kommen die beiden durch viele Orte, die heutzutage nicht mehr so einfach zu erreichen sind.

Von Afrika geht es zurück nach Europa, um dann über die osteuropäischen Länder nach Asien zu kommen. Sie fahren durch Österreich, Ungarn, Bulgarien, Türkei, Iran, Afghanistan, Pakistan, Indien und Nepal. Dabei machen sie immer wieder überraschende und für sie auch einschneidende Bekanntschaften, aus denen manchmal auch Freundschaften wurden, die bis heute anhalten. Unwiederbringliche Momente können die beiden erleben, so beispeilsweise als Alec über dem Kopf des Buddha in Bamyian klettert. Das ist heute nicht mehr möglich.

Unterwegs treffen sie immer wieder auf andere Overlander, die mit ihren Fahrzeugen unterwegs sind. Zeitweise setzen sie den Weg zusammen fort. Die Welt wirkt zumindest noch intakt, die Menschen durchweg freundlich, auch wenn nicht immer durchweg ehrlich.

Gerade Jan ist dabei eine aufmerksame Beobachterin. Sie führt genau Tagebuch über das, was beide sehen und erleben. Die Notizen helfen ihr später sehr beim Schreiben von Strangers like Angels. Und auf der Reise gibt es viel zu sehen und zu erleben. Uns Lesern beschert das einen detaillierten Einblick in diese fernen Welten.

Viele Einblicke ins Private

Im Buch sind einige Briefe abgedruckt, die die beiden während der Reise geschrieben und bekommen haben. Sie geben auch einen Eindruck vom Seelenleben und den familiären Dingen wider. Anders als heute, wo ein Mobilfunknetz reicht um im Bilde zu sein, wurde damals das nächste mögliche Postamt durchgegeben, das man zu erreichen versuchte. Dort angekommen war die Spannung groß ob Post bereit liegt und die Freude umso größer, wenn man die Briefe in der Hand hielt.

1978 war die Reise noch nicht zu Ende

Das Reisen, fremde Länder und ihre Hilfsbereitschaft ließen Jan und Alec auch nach der Reise 1977/1978 nicht los. Im letzten Kapitel des Buchs erzählen sie noch kurz von einer Reise mit ihren Kindern in Mali, wo die Familie Forman viele Jahre als Entwicklungshelfer, Missionare und Jan als Krankenschwester gelebt hat.

Warum ich dieses Buch mag

Einer der Hauptgründe, warum ich Strangers like Angels sehr mag, ist, dass dieser Bericht von einer Reise erzählt, die vor über 40 Jahren stattfand. Als noch nicht alles vernetzt, schnell und kurzlebig war. Als die Landkarte der Länder, die bereist werden konnten, noch viel größer und aus Papier war und die Autos sehr viel einfacher. Als ein Abenteuer eben noch etwas mehr Abenteuer war, als es das heute ist.

Die Welt durch die analoge Kamera von Jan und Alec zu sehen war spannend für mich. Einmal den Auslöser gedrückt, musste es damals passen. Das Ergebnis blieb schließlich wochenlang unbekannt und wenn man den Abzug in den Händen hielt, war man schon viele Kilometer weiter. So hoffte Alec nach der Überquerung einer mehr als klapprigen Brücke, dass Jan gute Aufnahmen gemacht hatte. Ein Gefühl, das wir heute nur noch selten haben.

Explmore.com

Strangers like Angels ist reich an Details und füllt den Kopf mit spannenden Bildern. Wer mehr von den beiden wissen möchte, kann bei Explmore.com reinschauen. Dort hat einer der Söhne eine schöne Webpräsenz rund um die Overlander-Story aufgebaut.

Einen kleinen Ausschnitt aus dem Buch findet ihr bei uns unter: Als Reisen noch Abenteuer waren.

Das Buch ist bisher nur in englischer Sprache erschienen.

Das Buch bei uns im Shop kaufen: Strangers like Angels.

Persönliches

Nik und ich hatten das Privileg Jan und Alec dieses Jahr persönlich kennenzulernen. Sie luden uns kurzerhand zum Essen ein, als sie erfuhren, dass wir in der Nähe sind. Die beiden waren wahnsinnig nett zu uns und wir fühlten uns gleich wohl. Leider steht der alte Land Rover aus bestimmten Gründen doch etwas traurig im Garten der beiden. Viele Jahre ist Alec nicht dazu gekommen, ihn zu pflegen und zu warten. Manchmal gibt es eben Wichtigeres im Leben. Aber er hat noch etwas mit dem alten Schätzchen vor. Wir drücken ihm und Jan alle Daumen, dass sie in Zukunft wieder stolz mit ihm durch die Straßen im Breisgau fahren können.