Das Naviton-System - Teil 1 - Was ist es und was macht es so besonders
Das Naviton-System - Teil 1 - Was ist es und was macht es so besonders

Das Naviton-System- Teil 1 – Was ist es und was macht es so besonders

Mehr als nur eine raue Beschichtung.

Werbung – Wenn Ihr eure Offroader, LKW, Kabinen oder Anhänger beschichten oder lackieren wollt, stehen Euch diverse Systeme zur Verfügung. Scheinbar gleichen sich diese Systeme, aber schaut man genauer hin, tun sich erhebliche Unterschiede auf. Das Naviton-System gehört sicherlich zu den speziellsten mit besonderen Eigenschaften. In den folgenden Teilen gehen wir genau auf die Eigenschaften und die Verarbeitung dieses Systems ein.

Am Markt werden verschiedene Beschichtungen angeboten. Zu den Vertretern, die eine matte und belastbare Oberfläche und eine raue Optik Oberfläche bieten, gehören beispielsweise Raptor, Herculiner und Naviton. Allerdings stellt Naviton hier eine Ausnahme dar. Ähnelt es äußerlich den anderen Systemen, so sind seine Eigenschaften doch eher besonders und durchaus erklärungsbedürftig. Um Euch eine Einordnung zu ermöglichen, gehen wir in diesem und den folgenden Teilen sehr genau auf Naviton und seine Eigenschaften sowie die Verarbeitung ein.

Naviton ist nicht nur Farbenhersteller, sondern auch Problemlöser

Ganz zu Anfang sollte klar sein, das Naviton nicht einfach eine Farbe ist. Naviton ist ein ganzes System mit mittlerweile vier, teilweise optionalen, Komponenten, die alle spezielle Eigenschaften mitbringen. Diese Eigenschaften versuchen wir Euch zu näher zu bringen. An dieser Stelle hilft vielleicht auch die Einordung des Naviton-Herstellers Nortech. Nortech hat sich immer als Integrator verstanden, der die spezifischen Eigenschaften einzelner Produktelemente zu einem ganzheitlichen, zieloptimierten Schutzsystem kombiniert.

Nortech hat sich darauf spezialisiert, mittels Beschichtungen, Klebern usw. Probleme zu lösen. Sie entwickeln auftrags- und problembezogen. Das, womit wir unsere Fahrzeuge und Teile beschichten, ist irgendwann einmal als Lösung für ein bestimmtes Problem geboren worden. Nortech erkannte bei einigen Produkten die universelle Verwendbarkeit und die besonderen Eigenschaften und da der Entwickler dieser Komponenten selbst jahrzehntelanger Overlander ist, fiel es ihm leicht, die Vorteile von Naviton für unsere Zwecke zu erkennen.

Das Naviton-System

Nach einigen Jahren Entwicklung ist das Naviton-System auf vier Bestandteile angewachsen. Ursprünglich gab es nur zwei, den Haftvermittler Bridge und das Finish. Dann kam als dritte und optionale Komponente das Naviton Flex dazu und zuletzt Cryo, eine sehr spezielle Abschlussschicht.

In diesem Teil gehen wir auf alle diese Komponenten ein und erklären wozu sie dienen und was sie bringen. Neben diesen, die Beschichtung ausmachenden Komponenten, gibt es weiteres Zubehörmaterial wie Silikonreiniger, Retarder und Primer für diverse Untergründe, so zum Beispiel für verschiedene Kunststoffe oder Aluminium.

Naviton-Komplettwerk, 100% lackiert.
Naviton-Komplettwerk, 100% lackiert.

Der Schichtaufbaudes Naviton-Systems

Jede Naviton-Beschichtung besteht aus mindestens drei Bestandteilen: Dem Haftvermittler Bridge, Naviton Finish und Cryo. Zwischen den ersten beiden Schichten, oder auch in speziellen Fällen als Deckschicht, kann Flex zum Einsatz kommen. In den letzten Schichten wird Cryo aufgebracht.

Jede diesen Schichten ist eine Funktionsschicht, die sowohl für das Naviton-System als auch für die Funktionen um die es Euch geht, eine Rolle spielen.

Naviton Bridge

Sicherlich mit die allerwichtigste Komponente im Naviton-System ist der Haftvermittler Bridge. Die auch aus anderen Systemen als Grundierung bekannte Aufgabe ist es, für folgende Deckschichten eine einheitliche, homogene und gut haftende Grundlage zu bilden. Das ist bei Naviton nicht anders, mit dem Unterschied, dass Naviton Bridge eine atomare Verbindung zum Untergrund anstrebt und eine verhältnismäßig elastische Unterlage für die kommenden Aufbauten bildet.

Sowohl Flex als auch Finish sind beide genau auf diesen Haftvermittler abgestimmt. Er bietet der folgenden Schicht eine chemisch-offene Oberfläche, an der die kommende Schicht molekular „andocken“ kann. Dabei kann dieser Primer durchaus auch mehrere Tage offen, also unbeschichtet, bleiben. Bei kühler Temperatur auch länger. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil, bei längeren Projekten und wenig Zeit. Wenn die nächste Schicht aufgetragen wird, gehen beide eine untrennbare Verbindung ein, die weit über adhäsive Haftung hinausgeht.

Auch dieser Haftvermittler Naviton Bridge hat besondere Fähigkeiten. Das was er seiner Oberschicht anbietet, eine molekulare Verbindung, versucht er selbst mit seinem Untergrund herzustellen. Er haftet nicht nur an, sondern sucht die dauerhafte, molekulare Verbindung mit ihm. Diesen Prozess unterstützt Ihr durch das anschleifen des Untergrundes. Dadurch erzeugt Ihr viele offene Moleküle, die der Haftvermittler zu diesem Zwecke nutzt.

Eine weitere wichtige Funktion des Haftvermittlers Bridge ist die Aufnahme von Untergrundbewegungen, z.B. wenn sich Metalle in der Sonne ausdehnen – diese Bewegung wird teilweise absorbiert und somit nicht an die folgenden Schichten weitergegeben. Das ist eine wichtige Vorraussetzung, um eine extrem harte Deckschicht überhaupt möglich zu machen.

Dabei ist diese Komponente hochgradig flexibel. Eine große Anzahl von Untergründen, wie diverse Arten von Altlacken, Metalle, Spachtelmassen, Komposit und weitere können mit diesem Haftvermittler genutzt werden.

Naviton-System - Der Primer hält auf vielem und ist schnell appliziert.
Der Primer hält auf vielem und ist schnell appliziert.
Funktioniert auch auf spezielleren Untergründen

Sollen schwierige Untergründe wie Kunststoff, Leichtmetalle, Edelstähle oder verzinkte Stähle beschichtet werden, wird zuvor zum entsprechenden Primer gegriffen. Auch dieser verbindet sich atomar mit dem Untergrund und ist auf die Beschichtung mit dem Naviton Haftvermittler ausgelegt. Selbst für Glas ist eine Entwicklung gelungen, die sich mit dem Glas molekular verbindet.

Die Vorteile bei der Verarbeitung

Der Bridge-Haftvermittler ist sehr leicht und schnell zu verarbeiten. Bevorzugt wird er gerollt, aber auch Sprühen ist möglich. Nach der Untergrundvorbereitung wird er einfach aufgebracht und dann kann er tagelang liegen, ohne dass Ihr Nachteile habt. Sollten Eure Teile Staub oder ähnlichem ausgesetzt sein, geht ihr einfach noch einmal mit Silikonreiniger darüber und dann kann die zweite Schicht aufgetragen werden. Es muss nicht noch einmal angeschliffen werden.

Optional: Flex

Die Möglichkeiten von Flex sind noch nicht alle ausgelotet. Was heute schon zur Verfügung steht ist die 2K-Variante in schwarz oder weiß. An den Möglichkeiten der 3K-Variante wird noch geforscht, aber sie scheinen zahlreich zu sein.

Wozu dient Flex? Diese Frage stellte ich bei Naviton auch, womit ich einen Schraubenschlüssel in die Hand bekam um damit auf einen Werkzeugwagen einzuschlagen. Dessen Oberseite bestand aus einer Metallplatte, die mit Flex beschichtet war. Ich schlug drauf. Mehrmals. Heftig. Zu sehen war nichts. Das ist ein Zweck von Flex, die Absorbierung mechanischer Energie. Oder in praktische Dinge übersetzt, z.B. Hagel- und Steinschlagschutz.

Eine weitere Funktion von Flex ist das Abdichten. Zwischen Falze und über Stöße aufgebracht, kann es Bewegungen mitmachen und gleichzeitig den Zwischenraum abdichten.

Naviton Flex, einfach aufrollen...
Naviton Flex, einfach aufrollen…

Zuletzt ist es auch noch ein Korrosionsschutz-System. Wie oben beschrieben, sucht der Haftvermittler Bridge die molekulare Verbindung zum Untergrund. Dabei verdrängt es Feuchtigkeit und nach der Vernetzung kann auch keine Feuchtigkeit mehr zwischen Bridge und Untergrund eindringen. Flex folgt nun der Bridge-Schicht sehr bereitwillig und sucht seinerseits dort die offenen Moleküle, um eine dauerhafte Verbindung einzugehen. Es folgt also dem gleichen Prinzip und schützt so vor eindringender Feuchtigkeit.

Durch seine zähe Konsistenz und die ihm eigene Oberflächenspannung, bildet es eine sehr gut verschlichtende, glatte Oberfläche und gut ausgebildete Fugen, die ihrerseits die untere Schicht vor mechanischen und chemischen Einflüssen schützt.

Flex eignet sich durch seinen hohen Stoffanteil auch zur Schalldämmung und bis zu einem gewissen Grad auch für die thermische Isolation. Durch das Naviton Flex lassen sich vorzüglich und sehr einfach Resonanzschwingungen minimieren und die Fahrzeuggeräusche werden abgedämpft. Beispielsweise können alle Bodenbleche des Fahrzeugs so mit einem Mittel akustisch isoliert und zudem vor Korrosion und mechanischen Belastungen geschützt werden. Beispielsweise die typischerweise dreckigen Schuhe eines Offroadfahrers.

Naviton-System - Flex auf einer LKW-Kunststoffstoßstange.
Naviton Flex auf einer LKW-Kunststoffstoßstange.
Die Vorteile bei der Verarbeitung

Flex ist ebenso simpel aufzutragen. Gerollt oder gesprüht erhaltet Ihr zügig eine universell schützende Deckschicht. Die Schichtstärke könnt Ihr je nach Bedarf selbst bestimmen, üblich sind ein bis drei Schichten. Flex sollte an optisch kritischen Stellen mit Finish beschichtet werden, da es über die Zeit zu leichten Verfärbungen neigt.

Finish

Diese Schicht ist für das Aussehen Eures Fahrzeugs wesentlich verantwortlich. Sie wird gesehen und berührt. Sie ist somit nach außen die wichtigste Schicht. Selbstverständlich trägt sie aber nicht nur die Funktionen Farbe und Haptik, sondern hat auch noch zahlreiche versteckte Eigenschaften, die aber gerade im Vergleich mit anderen Systemen wichtig sind. Aber eines nach dem anderen. Wenn auch anders möglich, so werdet ihr dennoch in den meisten Fällen das Finish in der sogenannten Caliper-Optik zu sehen bekommen. Dabei wird nach einer glatten Beschichtung eine aus vielen kleinen Farbspritzern und Kügelchen bestehende Schicht aufgebracht. Aber, wie gesagt, eines nach dem anderen.

Farbdichte und Ergiebigkeit

Warum muss bei Lackierarbeiten alles drumherum abgeklebt werden? Weil die meisten Farben und auch Farbdosen einen sehr geringen Feststoffanteil und sehr feine Düsen haben bzw. benötigen und mit vergleichsweise hohen Drücken aufgebracht werden. Dadurch verteilen sich die Partikel besonders stark in der Luft und ziehen so durch den ganzen Raum. Es entsteht zudem ein hoher Verlust an Farbpigmenten, die gar nicht auf dem Werkstück landen. Anders beim Naviton-Finish: Es besteht aus 70% Feststoffanteil und wird mit einer eher großen Düse (1,7 mm) und geringem Druck aufgebracht, wenn es nicht sogar gerollt wird. Zum Vergleich, eine herkömmliche Farbdose aus dem Baumarkt besitzt einen Feststoffanteil von ca. 12%.

Beim Beschichten muss nicht viel geschützt werden.
Beim Beschichten muss nicht viel geschützt werden.

Wenn ich lackiere, stehen andere Fahrzeuge nur wenige Meter entfernt. Ich schütze nur den Boden, mehr nicht, da kaum Sprühnebel entsteht, der anschließend in der Halle herumwabert. Es gibt kaum Spritzverlust und dank des hohen Anteils an Farbpigmenten ist Finish sehr ergiebig und deckt hervorragend.

Naviton Finish ohne Caliper auf der LKW-Kunststoffstoßstange.
Naviton Finish ohne Caliper auf der LKW-Kunststoffstoßstange.
Härte und Robustheit

Dieser hohe Feststoffanteil ist eine Folge der Herstellung und birgt weitere wesentliche Vorteile. Naviton Finish wird in Kugelmühlen hergestellt und dessen Partikel darin extrem fein zermahlen. Das hat verschiedene positive Effekte. Einer ist die für Farben extreme Härte. Das könnt ihr Euch vorstellen, als wenn ihr versucht groben Kies so zu verdichten, dass er eine harte Oberfläche bildet. Das wird nicht gelingen. Aber mit feinem Sand geht das, denn kleinere Oberflächen fügen sich besser aneinander und bilden dadurch härtere Strukturen als größere und gröbere Oberflächen.

UV-Resistenz und Reinigungsfähigkeit

Die eng aneinander liegenden Farbpartikel sorgen für weitere Effekte, die Euch nutzen. Da wäre die UV-Beständigkeit. Bei gröberen Farbpartikeln wird mehr Bindemittel für den Zusammenhalt benötigt und es bilden sich größere Bindemittelflächen als bei kleinen Partikeln. Diese Bindemittel werden durch UV-Strahlen und mechanische Belastungen herausgelöst. Es entsteht mehr Raum für Schmutz und Staub und die Farbpartikel verlieren zunehmend ihren Halt. Die Folge ist, dass gerade bei Beschichtungen die ebenfalls mit rauer und matter Oberfläche arbeiten, typischerweise Laderaum-Schutzbeschichtungen, die Reinigung immer schwieriger wird und zudem mit jeder weiteren Reinigung immer wieder Bindemittel und Farbpartikel herausgelöst werden. Bei Naviton hingegen bleibt durch den hohen Farbpigmentanteil, die geringen Abstände und das hochentwickelte Bindemittel, die Oberfläche immer gut zu reinigen und das für lange Zeit.

Caliper

Die letzten Schichten des Finish werden normalerweise in der Caliper-Optik aufgebracht. Viele große und kleine Farbspritzer, die aufgrund der Anzahl und Dichte sehr stark Unebenheiten optisch verschlichten. Diese Struktur wirkt auch wie der bekannte Lotuseffekt. Dreck kann nur schlecht anhaften und dringt Wasser beim reinigen unter den Dreck, verschwindet er von selbst oder ganz leicht mit Hilfe eines Schwamms. Zuletzt ist Caliper auch wesentlicher Bestandteil der Härte und Kratzfestigkeit. Da Finish durchgefärbt ist, bleiben Kratzer nahezu unsichtbar. Da mitunter Ablagerungen wie Kratzer aussehen, können diese einfach abgewaschen werden.

Naviton-System - Die Caliper-Struktur ist gut zu erkennen.
Die Caliper-Struktur ist gut zu erkennen.
Die Vorteile bei der Verarbeitung

Finish kann ebenso gerollt oder gespritzt werden. Caliper muss gesprüht werden. Wie angesprochen kann die Verarbeitung im Grunde überall erfolgen. Außer einer Atemschutzmaske und einer vernünftigen Sprühausrüstung ist nicht viel Aufwand im Vergleich zu anderen Lack- und Farbsystemen zu betreiben. Wenn Ihr, wie es meistens der Fall sein wird, auch die Caliper-Struktur nutzt, verzeiht Naviton auch etliche Fehler bei der Verarbeitung, ohne dass ein Neuanfang gemacht werden muss. Das kommt gerade Anfängern zu Gute.

Cryo

Naviton Cryo stellt die höchste und neueste Leistungsstufe im Naviton-System dar. Hier wurde die spätere Aushärtungskonsistenz an die einzelnen Beschichtungsstufen angepasst. Von den relativ weichen unteren Haftvermittler-Lagen über die zähen farbgebenden Finish-Lagen bis zu den transparenten oberen Lagen nimmt die sich ausbildende Oberflächenhärte zu. Als Ergebnis erhält das Fahrzeug eine einzigartige, farbtiefe Optik, die eine extrem schlagzähe Oberflächengüte aufweist.

Naviton-System -  Cryo glänzend.
Naviton Cryo glänzend.

Die Naviton Cryo Schichten werden auf die bereits aufgetragenen farbigen Schichten in sehr feiner Tröpfchengröße aufgespritzt. Durch die Lupenwirkung der Cryo-Schichten erscheint die Wagenfarbe besonders intensiv, das Fahrzeug erhält eine ganz besondere Optik in mattem Schimmer oder in glänzender, irisierender Farbe, je nach Wahl. Die Cryo Schichten werden direkt nach dem Anziehen der farbigen Caliper-Schichten aufgebracht.

Naviton Cryo in matter Optik.
Naviton Cryo in matter Optik.
Caliper und Cryo aus der Nähe betrachtet.
Caliper und Cryo aus der Nähe betrachtet.

Soweit die Theorie, nun die Praxis zum Naviton-System

In diesem ersten Artikel haben wir Euch ein wenig das „was“ zur Naviton-Beschichtung vorgestellt. In den folgenden Teilen gehen wir in die Praxis, Schicht für Schicht, für Selbermacher.

Wenn ihr selbst Kontakt mit Nortech aufnehmen wollt und weitere Informationen zum Naviton-System findet ihr auf der Webseite: naviton.eu.