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Mercedes G W460 als Oldtimer

Der frühe Mercedes G (W 460) als Oldtimer

Die Baureihe W 460 der Baujahre 1979 bis 1989 hat nun per Gesetz das Oldtimeralter erreicht. Dazu muss ein Fahrzeug je nach Landesgesetzgebung 25 oder 30 Jahre alt sein. Die Einstufung zum Oldtimer bringt viele steuerliche und andere Vorteile mit sich. Damit der Mercedes G Oldtimer zu einer lohnenden Investition wird, muss aber bei der Anschaffung auf einiges geachtet werden.

Da die meisten Fahrzeuge nicht als reine Geldanlage in der Garage versauern sollen, sondern auch aus Freude am Fahren gern mal bewegt werden möchten, sind die Mercedes G mit der höchsten Motorleistung die meist gesuchten.

Der 150-156 PS starke Mercedes 280GE ist der Tipp wenn es um eine W 460 Anlage geht. Als unrestauriertes Cabrio mit Zustand 3 hat er jetzt schon die 20.000-Euro-Marke locker durchbrochen. Gut restaurierte Fahrzeuge kosten ab 40.000 Euro aufwärts.

Mercedes G Oldtimer

Die rostkritischen Stellen genau unter die Lupe nehmen

Aber jeder Mercedes G ist ein guter Kauf wenn der Zustand zum Preis passt, egal welcher Motor unter der Haube ist. Hier liegt der Haken, die ersten W 460 haben an diversen Stellen erhebliche Rostprobleme. Mehr Informationen zu diesem Thema gibt es hier.

Mercedes G W460 als Oldtimer

Beim Fahrwerk müssen unbedingt die Stoßdämpfer und Federaufnahmen genau untersucht werden. Oft sind sie komplett weggerostet oder unsachgemäß repariert. Auch der Tank, sofern er noch aus Metall besteht, sollte genau unter die Lupe genommen werden.

An der Karosse findet sich die braune Pest am Rahmen der Windschutzscheibe, an den Achsen der Scheibenwischer, in den Schwellern, an der Unterseite der Türen, im Bereich hinter, um und an den Heckleuchten, in den Karosseriefalzen am Heckbereich und in der Karosseriefalz unter der Windschutzscheibe.

Ist die Technik noch in Ordnung

Die Technik der Fahrzeuge ist zwar sehr robust, aber nach 30 Jahren sollten auch hier diverse Teile genauer betrachtet werden. Ist das Lenkgetriebe ausgeschlagen? Sind Motor, Getriebe und Achsen noch dicht? Springt der Motor auch kalt noch problemlos an? Bekommt das Fahrzeug bei längerer Fahrt eine zu hohe Wassertemperatur? Sind die Stoßdämpfer noch funktionstüchtig? Wie sind Alter und Zustand der Reifen? Sind die Radlager noch okay oder ausgeschlagen? Ist der Auspuff dicht? Funktioniert der Allrad, Differenzialsperren und die Untersetzung?

Mercedes G Oldtimer

Ersatzteile lassen sich problemlos beschaffen

Beruhigend ist hingegen die Ersatzteilsituation, es gibt noch so gut wie alle Teile als Mercedes-Originalersatzteile beim Händler. Motoren und Getriebe passen teilweise auch aus der Mercedes PKW Baureihe W 123 und der Mercedes „Bremener“-Transporterbaureihe 207D-210.

Historische passende Aggregate

Interessant beim G-Model W 460 sind auch historische Umbauten, besonders die M 117 V8 Motoren mit 5.0 bis 5.6 Liter Hubraum und 231 bis 300 PS und der OM 617A 3.0 Liter Fünfzylinder-Turbodiesel-Motor mit 125 PS. Diese historisch passenden Aggregate lassen sich von fachkundiger Hand problemlos im W 460 verbauen und harmonieren ausgezeichnet mit dem frühen Mercedes G.

Die Zeiten, in denen man die betagten Motoren und Getriebe einfach umbauen konnte, sind aber mittlerweile vorbei. Die Aggregate haben in der Regel so viele Kilometer gelaufen, dass sich eine Überholung empfiehlt.

Mercedes G Oldtimer

Investition in eine Komplettrestauration

Wenn in eine Komplettrestauration des Fahrzeugs investiert wird, ergeben sich fast unendliche Möglichkeiten. Es stehen sechs verschiedene Achsübersetzungen zur Auswahl, mechanisches Viergang-, drei Fünfgang- oder ein Viergangautomatikgetriebe.

Drei Dieselmotoren von 72 bis 125 PS, vier Benzinmotoren von 90 bis 300 PS und zehn verschiedene Karosserievarianten gibt es. Auch die Auswahl historischer Extras ist riesig, ob Klimaanlage, Seilwinde, Recaro-Sitze, Alufelgen, Schlechtwegefahrwerk, Kotflügelverbreiterungen, Rammschutz, Sitzheizung oder Standheizung, alles ist möglich.

Die Innenausstattung erneuern

Erfreulicherweise ist der Stoff der Innenausstattung des aktuellen G 300 cdi Professional der gleiche wie bei den W 460 ab Baujahr 1986. So kann ein historisch passendes Ambiente auch mit nachgerüsteten Recaro-Sitzen geschaffen werden.

Recaro-Sitze aus den achtziger Jahren sind von der Qualität hervorragend, eine Restauration zum Einbau in den Mercedes G Oldtimer lohnt in jedem Fall. Solche sitze finden sich beim Schrotthändler in zeitgenössischen BMW der Dreierreihe, VW Golf GTI und diversen Opel Sportmodellen.

Der Mercedes G Oldtimer nicht nur als Geldanlage

Der G kann so nicht nur zum treuen Begleiter für alle Fälle werden, sondern auch zur Geldanlage. Klar ist natürlich, wer den Mercedes G oft benutzt, muss entsprechende Wartungskosten einkalkulieren.

Gewerbliche Nutzer profitieren mittlerweile von speziellen Leasingangeboten für Oldtimer, da rückt der Traum vom historischen G in reale Reichweite.

Beim Kauf sollte besonderes Augenmerk auf den Pflege- und Wartungszustand des Fahrzeugs Wert gelegt werden. Mittlerweile werden viele Mercedes G mit Tachoständen über 400.000 Kilometer angeboten. Der Kauf eines solchen Fahrzeugs kann sinnvoll sein, wenn der Vorbesitzer es pfleglich behandelt hat und kein Wartungsstau vorliegt.

Im Gegensatz dazu kann der Kauf eines Fahrzeugs mit „abgelesenen“ Tachostand von 90.000 Kilometern beim Fähnchenhändler um die Ecke schnell zum kapitalen Fehlkauf werden. Denn es wird leider nirgendwo so viel betrogen, wie im Gebrauchtwagenhandel.

Der Kauf beim Fachhändler mit eigener (Mercedes)-Werkstatt oder direkt beim Vorbesitzer ist meistens der bessere Kauf. Der Fachhändler haftet ein Jahr beim Verkauf an eine Privatperson (in der EU). Grundsätzlich ist der Pflegezustand von Fahrzeugen die lange in einer Hand waren, besser als die, die weiterverkauft werden, weil eine größere Reparatur ansteht. Darüber kann, wenn vorhanden, das Scheckheft viel aussagen. Aber hier gilt: Nur der Stempel der Fachwerkstatt ist etwas wert.

Mehr Info zum Mercedes G im internationalen Magazin „G-Wagen“ oder in diesen beiden Büchern: Das Neue Große Mercedes G-Klasse-Buch so wie im Mercedes G-Klasse Schrauber Buch

© Fotos: Jörg Sand