In vielen Verbrennungsmotoren findet sich seit der Euro-3-Norm ein Ventil für die Abgasrückführung – kurz AGR – genannt. Zumindest beim Dieselmotor macht das AGR oft Probleme. Wir beschreiben, welche Probleme auftreten können und wie ein teurer Ersatzteilkauf vermieden werden kann.

Im Grunde ist das AGR eine gute Idee, denn die Abgasrückführung soll der Umwelt helfen. Beim Ottomotor reduziert es den Kraftstoffverbrauch, beim Dieselmotor den Ausstoß der giftigen Stickoxide (NOx). Im Weiteren fokussieren wir uns auf den Dieselmotor, da er bei Geländewagen sehr häufig zu finden ist.

Die Funktion des Abgasrückführungssystems

Durch den Einsatz von Turboladern und die feine Zerstäubung des Kraftstoffs ist die Verbrennung in heutigen Dieseln deutlich effizienter und heißer, als es früher der Fall war. Dieser Umstand führt allerdings zu einer Erhöhung des Anteils an giftigen Stickoxiden in den Abgasen der Dieselfahrzeuge. Der Gesetzgeber reagierte im Jahr 2000 deshalb mit einer Obergrenze für Stickoxide bei neuzugelassenen Dieselfahrzeugen. 500 Milligramm pro Kilometer durften nicht überschritten werden. Die Grenze sank mit der Euro-6b-Abgasnorm auf 80 Milligramm pro Kilometer ab.

Um die Stickoxide zu reduzieren, muss der Sauerstoffanteil bei der Verbrennung wieder heruntergesetzt werden, der durch Turboaufladung vorher gesteigert wurde. Das geschieht durch das Ventil des Abgasrückführungssystems. Es leitet Dieselabgase zurück in den Frischluftstrom für die Verbrennung ein. Durch den reduzierten Sauerstoffanteil kühlt die Verbrennung ab und erzeugt weniger Stickoxide. Heute laufen Dieselmotoren teilweise so kühl, dass zum Heizen des Innenraums im Winter elektrische Zuheizer verwendet werden müssen.

In Folge der kühleren, sauerstoffärmeren Verbrennung entsteht wieder mehr Ruß. Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, wurde der Partikelfilter Pflicht.

So funktioniert ein AGR

Vom Abgaskrümmer geht eine Leitung zuerst zum Abgaskühler. Dort werden die heißen Abgase abgekühlt, bevor sie am Abgasrückführungs-Ventil ankommen. Das Ventil wird entweder per Unterdruck oder Elektromotor gegen einen Federdruck geöffnet. Es besitzt einen Sensor, um seine Stellung zu überwachen.

Im Fahrzeug melden heute Sensoren die Kühlmitteltemperatur, die angesaugte Luftmenge, die Drehzahl und Gaspedalstellung an das Steuergerät, das die Öffnung des Ventils regelt. Bei warmen Motor und in den unteren und mittleren Drehzahlbereichen sowie bei mittlerer Last wird das Ventil geöffnet, um Abgase der Ansaugluft beizumischen. Die Beimischung erfolgt im Ansaugkrümmer, also hinter dem Turbolader.

Die Abgasrückführung verursacht Probleme

Was hier der Umwelt nützt, schadet dem Motor. Warum? Da sind zwei Hauptgründe zu nennen. Zum einen strömen durch das Ventil rußhaltige Abgase, die der Ventilmechanik des AGR Probleme machen. Zum anderen verbinden sich in der Ansaugbrücke die rußhaltigen Abgase mit der leicht ölhaltigen Ansaugluft, die vom Turbolader kommt. Ein kleiner Teil Öl der Wellenschmierung des Turboladers wird immer mit der Luft mitgerissen. Diese klebrige Masse setzt sich an den Wänden ab und bildet mit der Zeit eine immer dicker werdende Schicht, die den Ansaugkrümmer zusetzt und dessen Volumen verkleinert. Auch die Einlassventile leiden unter den aggressiven Abgasen, die mit der Frischluft in den Zylinder strömen.

Die Folgen der Abgasrückführung im Motor

Wenn die Ansaugbrücke sich langsam zusetzt, reagiert der Motor schlechter auf das Treten des Gaspedals, der Motor hat eine reduzierte Leistung und einen höheren Kraftstoffverbrauch. Die Ansaugbrücke kann sich so zusetzen, das sie getauscht oder zumindest abgebaut und gereinigt werden muss. Zusätzlich können Schäden an den Einlassventilen auftreten.

Auch das Ventil der Abgasrückführung selbst kann große Probleme machen. Versagt die Mechanik aufgrund der Verrußung, bleibt es in irgendeiner Stellung stehen. Bleibt es geschlossen stehen, hält der Wagen die Abgasnorm nicht mehr ein, aber er fährt ohne Probleme weiter. Das ist im Grunde so, als wäre gar keine Rückführung eingebaut.

Bleibt es aber halb- oder offen stehen, führt das zu einem starken Leistungsverlust, sehr unruhigem Lauf, starken Qualmen bis hin zum Absterben des Motors.

Wie bemerke ich ein Problem mit dem Abgasrückführungs-Ventil?

Je nach Fahrzeug und Baujahr wird das Abgasrückführungs-Ventil vom Motorsteuergerät beim Einschalten der Zündung angesprochen. Kann das Steuergerät das AGR dann nicht bewegen, protokolliert es einen Fehler im Fehlerspeicher und schaltet die Motor-Warnlampe im Cockpit an.

Der übliche Fehlercode ist dabei „P0404“. Fehler können mit einem geeigneten OBD-Diagnosestecker, wie dem vGate iCar und einer App wie beispielsweise „Torque“ ausgelesen und auch gelöscht werden. Mit dem Diagnosestecker und der Torque-App lässt sich übrigens auch überwachen, ob und wann die Abgasrückführung arbeitet.

Es kann Vorankündigungen geben, die auf das baldige Versagen des Ventils hinweisen. Typisch ist ein kurzer Aussetzer oder ein Ruckeln des Motors beim Beschleunigen aus unteren Gängen. Meistens im unteren mittleren Drehzahlbereich, wenn die Abgasrückführung aktiv ist.

Viele Fahrzeuge bewegen nach dem Ausschalten des Motors, das Ventil noch ein paar Mal hin und her um es freigängig zu halten. Diese Bewegung kannst du hören. Schaltest du den Wagen ab und das Geräusch tritt nicht mehr auf, hängt das AGR bereits fest. Dennoch kann es sich wieder lösen.

Bleibt es während der Fahrt zu weit offen stehen, tritt ein deutlicher Leistungsverlust auf. Der Motor kann stark rußen und das Steuergerät kann in den Notlauf schalten. In dem Fall geht die Motor-Warnlampe an, wenn das Fehrzeug mit einer solchen ausgestattet ist.

Wenn du den Motor starten möchtest und das Ventil zu weit offen steht, springt der Wagen nicht oder nur zögerlich an. Der Motor bekommt dann zu früh zu viele Abgase beigemischt und erstickt sich förmlich selbst. Er läuft dann sehr ruckelnd, kommt nicht auf Drehzahl, reagiert nur schwach oder gar nicht auf das Gaspedal und geht oftmals nach kurzer Zeit wieder aus.

Austausch oder Reparatur des AGR

Ein festsitzendes Ventil muss nicht zwangsläufig ausgetauscht werden. Eine Reperatur kann sich lohnen. Je nach Fahrzeug fangen die Preise für ein Ventil bei rund 100 Euro an und gehen durchaus bis an die 400 Euro. Dazu kommen natürlich noch die Werkstattkosten für den Einbau. Kümmerst du dich selbst darum, brauchst du in der Regel nur einige wenige Dichtungen.

Wenn das Abgasrückführungsventil nicht so am Motor sitzt, dass der Ausbau selbsterklärend ist, kannst du das Reparaturhandbuch deines Autos zu Rate ziehen. Im Internet gibt es diese Bücher beim Hersteller, in Foren oder bei Verlagen. Das Ventil baust du dann entsprechend der Anweisungen aus.

Je nach dem wo es sitzt, kann das eine schwierige Angelegenheit werden. So ist beispielsweise das Ventil beim Land Rover Defender Td4 hinter etlichen Kühlwasserschläuchen versteckt und auch sonst nur schwer zugänglich. Aber machbar ist es trotzdem. Beim Vorgänger, dem Td5-Motor war das Ventil hingegen problemlos zugänglich.

Reinigung des AGR

Hältst du das Ventil erstmal in der Hand, muss es gereinigt werden. Da bieten sich verschiedene „Hausmittel“ an. Gut geeignet dafür ist Drosselklappenreiniger. Meistens reicht eine 500 ml Sprühdose aus.

Wer am Fahrzeug selbst arbeitet, hat meistens auch Bremsenreiniger zur Hand. Auch Bremsenreiniger kannst du zusätzlich für die Reinigung verwenden. Hier ist es sinnvoll sich gleich mit einem Kanister einzudecken.

Das Ventil zerlegst du, so weit es geht, und legst so viel von der Ventilmechanik offen wie möglich. Der Elektromotor oder eine Unterdruckdose sollten nicht zerlegt werden. Mit dem Drosselklappenreiniger sprühst du die Ventilmechanik ein und reinigst sie.

Besprühe besonders die beweglichen Teile, auch dort, wo sie im Gehäuse verschwinden. Ist das Ventil immer noch nicht gängig, lege es in einem Gemisch aus Diesel und Bremsenreiniger eine Nacht ein. Wenn du ein Ultraschallbad hast, kannst du das Ventil auch mit der entsprechenden Reinigungsflüssigkeit mit dem Ultraschallgerät reinigen.

Das AGR-Ventil im Ultraschallbad.

Das AGR-Ventil im Ultraschallbad.

Probiere nach der Reinigung, ob die Mechanik gängig ist. Du kannst auch versuchen, sie mit Hilfe eines kleinen Gummihammers und einem geeigneten Schlagstück vorsichtig, aber nicht mit zu viel Gewalt, langsam gangbar zu machen. Dazu suchst du dir eine Fläche, die leichte Schläge verträgt und die keine weitere Funktion hat. Achte dabei immer darauf, dass du keine Dichtflächen oder beweglichen Teile beschädigst oder verkantest.

Möglicher Ansatzpunkt zum Gangbarmachen.

Möglicher Ansatzpunkt zum Gangbarmachen.

Wenn du ein elektrisch-betriebenes Ventil hast, kannst du es einmal im geöffneten Zustand anschließen und die Zündung einschalten. Nicht den Motor starten! Der Ventilmotor sollte das Ventil dann schließen. Passiert nichts, lösche mit dem OBD-Diagnosestecker den Fehler aus dem Steuergerät. Es kann sein, dass das Steuergerät bei gesetztem Fehler das Ventil gar nicht ansteuert. Funktioniert alles, entfettest du alle Flächen noch einmal mit Bremsenreiniger. Dann kann das Ventil mit den neuen Dichtungen wieder eingebaut werden.

Prüfe noch einmal ob dein Steuergerät immer noch einen Fehler gesetzt hat oder wieder einen setzt. Dann lösche den Fehler und fahre ein Stück. Normalerweise bemerkt das Steuergerät ein intaktes Ventil sofort, ein Fehler „P0404“ sollte in der Regel direkt verschwinden. Möglicherweise wurden aber auch weitere Fehler im Zusammenhang mit dem Ansaugsystem protokolliert. Dann kann es durchaus bis zu 20 Kilometern dauern, bis dein Steuergerät überzeugt ist, dass alles wieder in Ordnung ist.

Fazit: In den meisten Fällen ist eine Reparatur des Abgasrückführungssystems (AGR) möglich und spart eine Menge Geld.

Die hier verwendeten Bilder zeigen den Ausbau des AGR des Land Rover Defender Td4.