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Ein Lux auf Reisen – Rückweg nach Europa über Armenien, Georgien und die Türkei

Nun stehen wir im Iran. Ein Land mit einem divergenten Ruf sowohl unter Reisenden als auch der Weltpolitik. Der Iran nennt sich „islamische Republik“. Die Scharia (religiöse Vorschriften, Regeln, Normen) wird hier streng ausgelegt. Es ist das erste Land in welchem Linda nun durchgängig ein Kopftuch und eine Bluse o.ä. bis über den Hintern tragen muss. Lange Hosen sind ja schon seit einigen Monaten selbstverständlich geworden genauso wie das Fehlen der Alkoholabteilung in den Einkaufsmärkten.

Wir kommen über den Irak in den Iran und machen den ersten größeren Halt in Buschehr am Meer. Dort lernen wir Fahid kennen und verbringen ein paar Tage mit interessanten Einblicken in Leben und Kultur der Einheimischen. Wir backen europäisches Brot mit Fahid, denn er hat eine kleine Bäckerei.

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Im Hafen der Stadt gibt es eine Feuerwache. Für uns, als Feuerwehrleute, natürlich sehr interessant. Fahid organisiert eine Besichtigung und begleitet uns als Dolmetscher. Die iranischen Feuerwehrmänner sind sehr interessiert wie Feuerwehr in Deutschland funktioniert. Umgekehrt hören wir gespannt zu, wie ihr Alltag aussieht. Stolz wird uns das Gerät gezeigt. Viele Produkte aus Australien kommen zum Einsatz. Sie erzählen uns, dass sie eigentlich gern anderes Arbeitsmaterial hätten, diese aber auf Grund der Sanktionen nicht beschaffen können.

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Durch die undurchsichtigen Atomwaffengeschäfte des Iran haben viele westliche Länder Sanktionen über die Republik verhängt. Das Land ist daher ziemlich abgeschottet. Importe jeglicher (westlicher) Waren sind nahezu unmöglich.

Was in der DDR der Trabbi war ist hier der Saipa. Ein weißer Kleinwagen welcher im Iran gebaut wird und das Verkehrsbild prägt.

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Daneben sieht man blaue Pickups (ebenfalls von der Marke Saipa) und Mercedes Rundhauber im Straßenbild. Die Rundhauber sind teilweise schon sehr alt und tatsächlich noch deutsche Fabrikate. Aber mittlerweile baut eine chinesische Firma im Iran LKWs welche aussehen wie die alten Rundhauber, aber einen chinesischen Motor haben. Im Lizenzbau wird noch der Peugeot 206 im Land produziert. Ein anderes Auto, als die eben genannten, zu fahren ist im Iran nahezu unmöglich. Für die Einfuhr eines Autos aus dem Ausland müsste ein Iraner ca. den dreifachen Betrag des deutschen Neupreiswerts bezahlen.

Bei unserem zweiten größeren Stopp in Schiraz besuchen wir den Basar und werden zum ersten Mal so richtig mit der iranischen Währung konfrontiert. Bargeld ist hier für Touristen das Wichtigste, denn in der ganzen Republik funktionieren (auf Grund der Sanktionen) keine Kredit- oder andere ausländische Bankkarten. Man muss die gesamte Summe, welche man für seinen Aufenthalt im Land benötigt, in Bar einführen. Die offizielle Währung ist der iranische Rial mit einem offiziellen Kurs von ca. 1€ – 43.000IR. Auf dem Geldwechsel-Schwarzmarkt bekommt man aber aktuell (Stand April 2022) für 1€ stolze 300.000IR!! Das muss man erstmal wissen! Die größte Banknote sind 500.000IR und so rennt man mit einem ganzen Haufen Millionen durch die Gegend, wenn man nur 100€ tauscht. Mit den vielen Nullen kommen die Iraner schnell selbst durcheinander und haben sich daher die „Unterwährung“ Toman ausgedacht. Dabei lässt man vom Betrag einfach immer eine Null weg. Sehr verwirrend alles, man muss ständig den Taschenrechner zu Rate ziehen und immer fünfmal nachfragen beim Bezahlen.

Die Basare im ganzen Land sind wunderschön, bieten alles was das Herz begehrt und es ist unfassbar günstig. Wie bereits erwähnt ist jedoch die Währung immer eine Hürde und so kann es schon mal zehn Minuten dauern bis man tatsächlich herausgefunden hat was etwas kostet und nochmal fünf Minuten bis man alle Scheine zum Bezahlen zusammengezählt hat.
Schiraz hat, wie viele andere iranische Städte auch, wunderschöne Moscheen. Die wohl bekannteste der Stadt ist die sogenannte Pink Mosque (Nasir al Mulk Moschee). Sie verfügt über einen Gebetsraum welcher bunte Glasfenster hat. Besucht man die Moschee in den Morgenstunden fällt das Sonnenlicht hindurch und taucht den Raum in ein buntes Meer aus Farben.
In Schiraz werden wir auch zum ersten Mal in die iranische Picknick Kultur eingeführt.

Denn das gemeinsame Essen im Freien wird nach Einbruch der Dunkelheit ÜBERALL zelebriert. Die öffentlichen Parks sind am Abend überbevölkert und so weicht man mit seiner Decke und den prall mit Leckereien gefüllten Plastiktüten einfach auf Gehwege direkt neben der dreispurigen Straße aus.

Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal der Iraner ist ihre extreme Gastfreundschaft. Wie erwähnt bewegen sich im Verkehr immer die gleichen Automodelle. So fällt man als Tourist mit Reisefahrzeug immer und überall sofort auf. Es wird gehupt, gewunken, man wird ausgebremst um anhalten zu müssen für ein Selfie, man wird hunderte Male zum Essen eingeladen und gefragt ob und was man gerade braucht.

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Dabei ist aber der sogenannte „Tarof“ zu beachten. Man muss drei Mal gefragt werden dass eine Einladung oder ein anderes Angebot auch wirklich Bestand hat und ernstgemeint ist. Um eine Einladung auszuschlagen muss man schon sehr standhaft bleiben.

Zu den Must-Sees in der Umgebung von Schiraz gehört natürlich noch Persepolis, die antike Hauptstadt des persischen Reichs. Handgeschlagene Säulen, Figuren und Fresken soweit das Auge reicht.

Ein Lux auf Reisen Ein Lux auf ReisenAuch der Maharlu Lake (Pink Lake) ist einen Stopp wert. Der Salzsee wird von winzigen roten Krebstieren bewohnt und erhält dadurch und durch gelöste Mineralien seine Pinke Farbe. Außerdem ist er das Zuhause einer Kolonie Flamingos.

Ein Lux auf Reisen Flamingos

Wusstest du, dass das Federkleid von Flamingos nur rosa wird, wenn sie diese roten Krebstiere oder andere Garnelen fressen? Ohne diese Nahrung wäre ein Flamingo weiß.

Kerman wird die östlichste Stadt unserer Route im Iran. An einem Park halten wir wieder zum Schlafen. Am Abend kommt ein Englisch sprechender Herr mit Familie vorbei. Der iranischen Gastfreundschaft in nichts nachstehend fragt er, ob wir etwas bräuchten. In der Tat bräuchten wir Wasser. Kein Problem. Er besitzt ein kleines Autohaus und so tanken wir dort bequem unseren Wassertank voll. Sogar eine Dusche wird für uns möglich gemacht. Die Einladung am Abend, gemeinsam mit seiner Familie zu essen, ist natürlich selbstverständlich.

Noch ein kleines Stück weiter Richtung Osten überqueren wir einen Gebirgszug (Kuhrud). Dahinter erstreckt sich die Wüste Lut. Ein Befahren ist nur mit Permit und Guide erlaubt. Sodass wir nur den Rand einmal kurz streifen. Doch schon dabei bleiben wir stecken, können uns aber mit einfachen Mitteln in der prallen Sonne bei 46C im Schatten selbst helfen.

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Nach diesem kurzen Ausflug in die Hitze bevorzugen wir wieder die weitaus kühlere Bergregion und verbringen dort ein paar Tage in völliger Ruhe.

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Weiter geht es wieder mehr ins Landesinnere nach Yazd. Bekannt unter Overlandern ist hier das Hotel „Silkroad“. Und so treffen wir dort so ziemlich zum ersten Mal andere Ovelander seit unserer Ankunft im Mittleren Osten. Fußläufig ist vom Parkplatz des Hotels, wo wir übernachten, alles Sehenswerte zu erreichen.

Gerade in der Dämmerung ist ein Spaziergang durch die engen Gassen der aus Lehm gebauten Altstadt wunderschön.

Natürlich gibt es auch hier einen Basar mit allem, was man sich vorstellen kann (Tee, Gewürze, Schuster, Goldschmiede…).

Nächster Stopp ist Isfahan, die (für uns) schönste Stadt des Iran. Wir finden ein Hostel in dessen Garten wir den Lux parken und darin schlafen können. Auch hier ist alles bequem zu Fuß zu erreichen, während unser Auto sicher abgestellt ist. Wir bleiben mehrere Tage und kommen mit anderen Reisenden und dem jungen iranischen Personal ins Gespräch.

Eine Schweizerin erzählt uns von ihrem Zusammentreffen mit der Polizei. Sie ist mit dem Rucksack unterwegs und aus der iranischen Kurdistanregion mit dem Bus nach Isfahan gekommen. Auf dem Weg hat die Polizei den Bus gestoppt und sie herausgeholt und mit auf eine Wache genommen. Zwei Stunden musste sie sich Fragen wie bspw. Wo waren sie?, Wen haben sie getroffen? Mit wem haben sie Kontakt?, Warum sind sie hier? stellen. Auch ihr Handy (Fotos und Kontakte) wurde überprüft. Sie weiß nicht, woher die Polizei wusste, in welchem Bus sie saß und warum sie befragt wurde. Im weiteren Verlauf unserer Reise durch den Iran hören wir immer wieder von solchen Geschichten. Wir selbst sind nur auf der Straße bei Polizeikontrollen einige Male angehalten worden. Mussten meist den Reisepass und Führerschein vorzeigen und das war’s. Durch all das wird deutlich, dass die Regierung Spionage vermutet und Sorge hat. Die Erzählungen geben uns zu denken, lösen ein leicht beklemmendes Gefühl aus und erinnern uns einmal mehr vorsichtig zu sein. Der Iran ist eben doch speziell und kein Reiseland für „Anfänger“.

Zurzeit ist Ramadan, der islamische Fastenmonat. Offiziell ist das Essen und Trinken von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang untersagt. Restaurants öffnen erst gegen 19:30 Uhr. Kleine Einkaufsläden und der Basar haben den ganzen Tag geöffnet. Wir erleben, dass die meisten Iraner nicht fasten. Keiner der Menschen welchen wir begegnet sind fastet. Auf der Straße wird während des Tages trotzdem gegessen und getrunken, wenn auch mehr oder weniger heimlich. Auch das Kopftuch wird oft nur halbherzig getragen und hängt nur gerade so über den Dutt. Kommt ein Polizist oder anderer Offizieller vorbei wird es schnell etwas hochgezogen. Man spürt eine unterschwellige Revolte des Volks. Keiner würde sich je wagen offiziell etwas gegen die Regierung zu sagen, aber hinter den Türen hörten wir schon das ein oder andere kritische Wort. Viele rechnen mit einer Revolution in den nächsten zwei Jahren. Wir würden es dem Iran und seinen Bewohnern so sehr wünschen. Es sind so herzliche, ehrgeizige und fleißige Menschen welche es verdient haben in mehr Freiheit und Selbstbestimmung zu leben. Das Land hätte unter Normalbedingungen sicherlich ein großes wirtschaftliches Potential.

In Isfahan sehen wir uns allerhand an. Moscheen, Paläste, den Basar und die berühmte Naqsh-e Jahan Square.

Auch einige Teppichläden sehen wir von innen, da wir einen Perser kaufen wollen. Doch persischer Teppich ist nicht gleich Teppich.

Schnell wird uns klar, dass es nicht so leicht sein wird DEN für uns passenden zu finden. Verschiedene Muster, abhängig ob der Teppich aus der Stadt oder vom Land kommt, verschiedene Materialien und Knoten, abhängig in welcher Region der Teppich geknüpft wurde usw. Aber irgendwann haben wir dann tatsächlich einen für uns gefunden. Auch wenn die Prozedur des Aussuchens und des Kaufs eher Nervenaufreibend ist, lohnt sich der Besuch eines Teppichladens. Die Vielfalt, die Erklärungen der Verkäufer ist super interessant und Teppiche sind nun mal ein großes Stück der iranischen Tradition und Kultur.

Ursprünglich wollten wir von hier weiter nach Teheran, da es aber langsam wärmer wird und die Hauptstadt mit dem Auto eine ziemliche Herausforderung ist (Erfahrung aus 2015) entscheiden wir uns in Richtung Berge und den iranischen Teil von Kurdistan zu fahren. Wir verbringen einige Tage in den Bergen.

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Besuchen eine Höhle und lassen uns übers Land mit den vielen schönen, bunt blühenden Blumenwiesen treiben. Es wird langsam bergiger und grüner. Nach einem kurzen Stopp in Tabriz fahren wir noch Tanken und dann über die Grenze nach Armenien.

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Das Tanken ist wie immer im Iran ein Abenteuer, zumindest wenn man einen Diesel fährt. Der Diesel wird im Iran sehr stark subventioniert und eigentlich können nur Firmen Diesel fahren/bekommen. Umgerechnet kostet der subventionierte Liter Diesel 0,01€. LKW Fahrer haben eine Tankkarte. Auf dieser befindet sich ein monatliches Liter oder Geld Budget mit welchem sie an jeder Tankstelle Diesel bekommen. Als Tourist bekommt man eine solche Karte nicht (oder nur sehr schwer und für viel Geld). Problem: Ohne Karte, kein Diesel. An den Tankstellen muss man also immer bei den Truckern nachfragen, ob man auf ihre Tankkarte etwas tanken darf.

2015 war dies noch recht einfach möglich. In diesem Jahr merken wir, dass die Fahrer etwas knauseriger wurden. Meist bekamen wir zwischen 10 – 30 Liter pro Fahrer. An kleineren Tankstellen, an welchen nicht viele LKW vorbeikommen/halten kann Tanken dann schon etwas länger dauern. Wobei beim Fragen der Fahrer auch immer die Sprachbarriere hinzukommt. Die Meisten sprechen nur Persisch und so versucht man es dann mit Händen, Füßen, Google Translate und ein paar Wörtern Persisch welche man so gelernt hat. Am Ende geht es immer irgendwie und oft haben wir den Kraftstoff dann sogar geschenkt bekommen.

Auf der iranischen Seite geht es an der Grenze super schnell. Auf der armenischen werden wir aufwendig kontrolliert und abgefertigt wie bisher noch nie auf der Reise. Viel Papierkram, Warten und sogar Röntgen des Autos mit anschließender manueller Durchsuchung. Die schroff, herzliche russische Mentalität schlägt uns entgegen. Gut, dass wir das aus Kaliningrad und Russland bereits kennen und gut damit auskommen. Als erstes suchen wir einen Supermarkt auf und freuen uns wieder viele, uns bekannte Produkte zu finden, was im Iran (wegen der Sanktionen) nicht der Fall ist. Außerdem gibt es hier seit einem halben Jahr mal wieder Schweinefleisch und damit auch vernünftige Wurstwaren.

Wir übernachten an einem Fluss und werden morgens um 6:30 Uhr vom Bauern auf seinem Pferd geweckt, der wissen will, ob es uns gut geht.

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Wir freuen uns wahnsinnig nach fünf Monaten wieder grüne Bäume und Wiesen zu sehen. Einige Pässe sind hier noch verschneit, sodass man nicht alles fahren kann (Anfang Mai). Wir sehen uns einige der tollen, teilweise noch heute bewirtschafteten, Klöster an.

Armenien war das erste Land der Welt, welches das Christentum zur Staatsreligion erklärte. Wir sehen einen Wasserfall und fahren zu einem Aussichtspunkt des WWF für Bären und Bergziegen. Etwas irritiert sind wir, als wir den Schildern folgen und plötzlich auf einem Privatgrundstück stehen. Eine ältere Dame steht auf der Veranda und beäugt uns. Linda spricht sie auf Englisch an, doch die Dame versteht wohl leider nur Armenisch und Russisch. Mit Händen und Füßen erklären wir ihr, dass wir die Tiere sehen möchten und ob wir hier denn richtig seien. Sie lacht, versteht und verschwindet im Haus.

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Kurze Zeit später kommt sie mit einem großen Fernglas mit Stativ zurück, stellt es auf der Terrasse auf, wirft einen Blick hindurch, grummelt „Ahh!“ und bedeutet uns mit einer Handbewegung, dass wir hindurch sehen sollen. Mit nur einem Blick hat sie die Bergziegen auf dem gegenüberliegenden Berg erspäht. Possierliche Tierchen, aber sehr weit oben am Berg und selbst mit dem Fernglas schwer zu erkennen. Mit Google Translate bekommen wir heraus, dass sie wohl am Abend herunterkommen um am Bach zu trinken. Unterhalb der Terrasse der Dame befindet sich er offizielle Beobachtungsstand des WWF. Wir beschließen uns dort ein bisschen auf die Lauer zu legen. Bewaffnet mit Kameraequipment, einer Decke, Wasser, Keksen und unserem Fernglas machen wir es uns dort gemütlich.

Es ist erst 13 Uhr, also noch eine lange Zeit bis zum Abend. Nach knapp zwei Stunden setzen Wind und Regen ein. Es wird ungemütlich und wir beginnen einzupacken. Doch was regt sich da braunes, unten auf der anderen Seite des Tals? Bären! Ein großer Traum geht plötzlich und unerwartet in Erfüllung. Bereits in Rumänien, Finnland und Russland haben wir bereits versucht Bären zu sehen, jedoch ohne Erfolg. Und hier spazieren sie einfach fast unbemerkt an uns vorüber.

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Glücklich und gebannt beobachten wir die beiden bei der Futtersuche noch für über eine Stunde.

Unsere Reise setzen wir über den Kur- und Skiort Jermuk weiter, ehe wir an den Sewansee fahren.

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Hier versuchen wir über einen Pass zu fahren, welcher aber Mitte Mai noch tief verschneit ist. Auf 2700m übernachten wir und schneien in der Nacht sogar noch ein. Am nächsten Morgen kommt die Sonne hervor. Der Schnee schmilzt rasch und wir können ohne Probleme wieder nach unten fahren. Wir nehmen also die normale Straße um nach Jerewan, in die Hauptstadt Armeniens zu gelangen. Die kleine Metropole gefällt uns auf Anhieb. Eine interessante Mischung aus dem von Zerfall geprägten Ostblock Charme gepaart mit hippen, modernen Cafes, Boutiquen und Läden.

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Es gibt viele Denkmäler zusehen, einen Markt für Handwerkskunst, Museen usw.

Unweit von Jerewan liegen Garni und Goght. Beide Dörfer beherbergen je einen Touristenmagneten. Garni mit seinem Tempel und Goght mit einem weiteren Kloster.

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In unmittelbarer Nähe zu beidem liegt ein wunderschöner Campingplatz. Er wird von Niederländern betrieben und bietet seit langem für uns mal wieder die Annehmlichkeiten einer Dusche, Waschmaschine und Toilette auf europäischem Niveau. (Campingplatz 3 Gs)

Nach einigen, erholsamen Tagen in dieser kleinen Oase fahren wir erneut am Sewansee vorbei nach Dilijan.

Sie nennen es hier auch die kleine Schweiz und tatsächlich ähnelt sich die Landschaft sehr. Unsere letzten beiden Stopps legen wir dann in Gjumi und am Lake Arpi ein. Obwohl Armenien eher klein ist haben wir unerwartet fast vier Wochen hier verbracht. Wir mögen die russische Mentalität und die Berglandschaft, sodass wir nicht zum letzten Mal dort gewesen sein werden.

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Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine ist hier erstmals Thema auf unserer Reise. Die Armenier sind zwiegespalten. Natürlich befürworten sie diesen Krieg nicht, können aber auch nicht gegen Russland auftreten. Russland ist Schutzmacht Armeniens. Sowohl die Türkei als auch Aserbaidschan hegen Ansprüche auf das armenische Staatsgebiet. Das Wahrzeichen Armeniens ist der Berg Ararat. Er lag einst auf armenischem Gebiet, gehört aber heute zur Türkei. Für die Armenier ist es ein heiliger Berg. An ihm soll früher die Arche Noah zum ersten Mal wieder auf Land getroffen sein. Er ist aus vielen Teilen des Landes gut sichtbar und prägt das Landschaftsbild.

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Für uns geht es weiter nach Georgien. Ein Land von dem wir schon viel gehört haben und was in den letzten Jahren mehr und mehr in den touristischen Fokus gerückt ist. Wir verbringen mit anderen Reisenden ein paar Tage am und im Gebiet des Paravani Sees. Auch hier liegt Mitte Mai noch einiges an Schnee, sodass nicht alle Strecken problemlos zu befahren sind.

Tiflis, die Hauptstadt Georgiens, ist ähnlich der armenischen Hauptstadt. Jedoch schon weitaus touristischer geprägt. Hier fährt schon der rote Hop on Hop off Doppeldeckerbus, es gibt eine Seilbahn und Tourenangebote für eine Schiffsfahrt auf dem Fluss Kura an jeder Ecke. Trotzdem gefällt uns die zwischen den Bergen gelegene Stadt sehr und wir bleiben drei Tage länger als geplant.

In Georgien gibt es einige landschaftlich wunderschöne Deadends, also Sackgassen in welche man hineinfährt (führen immer zu Dörfern) und den gleichen Weg wieder zurück. Wir sind nach Omalo, Schatili, Stephanzminda und die Runde über Mestia und Ushguli gefahren. Berge, Berge, Berge soweit das Auge reicht und tolle Offroad Strecken wie auch schon in Armenien.

Nach Schatili führt eine unbefestigte, aber recht gut ausgebaute Straße über einen Pass. Das kleine Dorf ist bekannt für seine alten Häuser.


Das wohl anspruchsvollste Deadend ist die Straße nach Omalo. Sehr steil, teilweise sehr eng und hohe Steinschlaggefahr. Anfang Juni liegt aber noch so viel Schnee (6m) welcher noch nicht geräumt ist, dass wir es nicht ganz bis nach Omalo schaffen und vorzeitig umkehren müssen.

Landschaftlich umwerfend ist die Gegend um Mestia und Ushguli. Das Bergpanorama ist gigantisch.

 

Beide Orte sind für ihre Swanetischen Türme bekannt. Sie prägen das Bild beider Dörfer und dienten einst der Verteidigung sowie des Ausspähens bzw. frühzeitigen Erkennens des Feindes.


Auf dem Weg nach Stephanzminda passiert man eine kilometerlange LKW Schlange. Sie alle warten auf ihre Abfertigung an der Grenze um nach Russland zu kommen. Je nach Jahreszeit stehen die Fahrer wochenlang in diesem Stau. Ohne Dusche und Toilette.

Auch durch den Skiort Gudauri kommt man auf der Strecke nach oben. Mit knapp 35 Pistenkilometern ist es das größte Skigebiet Georgiens. Der kleine Ort Stephanzminda ist für die Gergetier Dreifaltigkeitskirche bekannt. Sie thront hoch auf einem Berg, um sie herum erstreckt sich ein sagenhaftes Bergpanorama.

Weiter durch Georgien machen wir Halt an einem Wasserfall und zwei heißen Quellen.

Anschließend nehmen wir den Zekari Pass um nach Batumi zu kommen. Die ganze Straße ist auf einer gewaltigen Länge eine riesige Baustelle. Eine chinesische Firma baut hier erstmals eine Asphaltstraße. Abgesehen von dem Geschaukel und dem Umrunden von Baumaschinen durch die gesamte Baustelle ist die Landschaft wieder beeindruckend. Wiesen und von Bäumen bewachsene Berge. Am Abend finden wir kurz hinter der Passhöhe einen schönen Platz zum Übernachten. Die Sonne geht unter und der Himmel färbt sich in grandiosen Pastellfarben während der Mond aufgeht.

Am nächsten Tag kommen wir in Batumi an. Eine georgische Stadt am Schwarzen Meer. Man nennt sie auch das Las Vegas des Kaukasus. Es gibt viele Kasinos, interessante Gebäude, eine lange Promenade am Kiesstrand und eine schöne Altstadt. Auch hier bleiben wir zwei Nächte länger als geplant.

Die Grenze zur Türkei ist die organisierteste der ganzen Reise. Ein flüssiger und koordinierter Ablauf lassen uns in 20 Minuten fertig sein. Direkt machen wir uns auf den Weg zur D915. Eine der sogenannten „Dangerous Roads“. Es regnet. Nicht die besten Voraussetzungen aber im Verlauf der Strecke wird der Regen weniger. Steile und enge Serpentinen kennzeichnen diese unbefestigte Straße. Ansonsten ist sie relativ einfach zu befahren.

Noch bis zum westlichsten Zipfel des Van Sees fahren wir und besuchen dort auch direkt noch den Nemrut, einen Vulkankrater. Immer wieder laufen uns Schildkröten über Weg und Straße, welche wir selbstverständlich retten.

In der Türkei heißt es für uns jetzt Strecke machen. Unser Zeitlimit sitzt uns langsam etwas im Nacken. Ziemlich durchgängig fahren wir nach Kappadokien. Wir übernachten an einer der Klippen. Die Farben und Formen der Felsen sind beeindruckend. Ebenso die Höhlen bzw. Häuser in Göreme welche in diese Felsen gebaut sind.
Die mit der Morgenröte aufsteigenden Heißluftballons zeichnen eine einzigartige Kulisse in die Landschaft. Die Stimmung ist fast magisch und wird wohl nie in Vergessenheit geraten. Selbstverständlich schießen auch wir einige Bilder vom Lux mit den Ballons im Hintergrund.

Wir müssen noch einen Ölwechsel machen und wählen dazu die Stadt Konya aus. Schnell stellt sich heraus, dass die Stadt ganz nett ist. Der Markt ist super gelegen mitten in der Innenstadt und bietet fast so viel wie die iranischen Märkte. Wir bekommen Nachrichten von zuhause, dass wir drei Wochen früher als geplant zurück sein müssen. Wir wussten, dass dieser Fall eintreten kann und machen uns Gedanken wie wir dies regeln. Hin und her fliegen oder doch einfach jetzt fahren. Letzten Endes entscheiden wir uns die Reise früher zu beenden und nachhause zu fahren. Istanbul steht noch für zwei Tage auf unserer Liste. Wenn man schon mal da ist muss man wenigstens den Grad Bazar, die blaue Moschee und die Ayasofya sehen. Und so machen wir es auch. Anschließend fahren wir von Istanbul aus innerhalb weniger Tage im Transit durch Bulgarien, Serbien und Ungarn nach Österreich.

Tatsächlich ist es kopftechnisch ziemlich anstrengend so schnell wieder nachhause katapultiert zu werden. Wir verbringen noch drei Tage in Österreich. Plötzlich kann man wieder alles und jeden verstehen und wird verstanden. Ein sehr komisches Gefühl nach fast einem Jahr.

In der Nähe von Rosenheim wird das Carnet de Passage vom Zoll gestempelt und wir bringen es in München direkt beim ADAC vorbei. Damit ist die Reise nun tatsächlich vorbei. Auf dem Rückweg in unsere Heimat im Norden machen wir noch ein paar Stopps bei Familie, Freunden und Bekannten. Und dann sind wir am Abend des 3. Juli nach 338 Tagen und 46.086,6 Kilometern wieder zuhause.

Linda und Hanjo wohnen in Nordhorn in Niedersachsen und sie vereint die Liebe zum Weltenbummeln, die Feuerwehr, der Spaß am einfachen Leben und vieles mehr. Mehr über Linda und Hanjo erfahrt ihr auf www.einluxaufreisen.de oder auf Instagram @einluxaufreisen