Beim Defender denken wir meist an Station Wagon oder die Soft Top Variante und wenn an einen Pick-up, so haben wir meist den 130er vor Augen. Doch es gibt auch Pick-up Varianten des 110er Defender. Wir stellen euch den Defender 110 HCPU von Valentin vor.
Der Defender 110 HCPU kann mit seinen Eckdaten als Arbeitstier überzeugen. HCPU? High Capacity Pick Up. Der Name ist Programm. Bei gerade mal rund viereinhalb Meter Länge bietet er in der Einzelkabine Platz für zwei bis drei Personen, hat eine Anhängelast von 3,5 Tonnen und eine Zuladung von etwa 1,2 Tonnen. Zudem bietet die große Ladfläche deutlich mehr Platz als die meisten Standardpritschen.
Als Garten- und Landschaftsbauer musste ein robustes Auto her
Beim Garten- und Landschaftsbau fallen einem da wohl zumeist die üblichen Pick-ups ein. Doch die waren Valentin alle zu langweilig, charakterlos oder zu anfällig. Wobei, ein älterer Hilux wäre noch toll gewesen, jedoch ist am Markt kaum etwas Brauchbares zu finden. Dann war da noch die Idee mit einem Ford F250 4×4, doch die Ersatzteilversorgung gestaltet sich schwierig. Klassische Toyota 79er Single Cabs in der alten Form sind kaum zu finden.
Valentin suchte ein Fahrzeug, das eine ordentliche Zuladung hat, sowohl vom Gewicht, als auch von den Abmessungen her und 3,5 Tonnen Anhängelast ziehen darf. Zudem sollte es Spaß machen, ein Auto mit Charakter eben. Ein 130er Defender war ihm zu groß, also warum nicht einen 110er HCPU nehmen? Dieser Wagen erfüllt alle Anforderungen in seinem Lastenheft.

Dieser Defender 110 HCPU ist echter Glückstreffer
Die Fahrzeuge sind deutlich weniger verkauft worden als beispielsweise ein 110er Station Wagon und auf dem Gebrauchtmarkt verständlicherweise relativ rar. Valentin hatte Glück und fand einen gebrauchten 110 HCPU mit dem bewährten 300 Tdi Motor aus dem Jahr 1997 in strahlendem Alpinweiß. Denn es sollte ein TD5 oder ein 300Tdi mit dem einfachen Cockpit werden, damit dieser nach einem harten Einsatz auch mal gut ausgespült werden kann.

Das Fahrzeug hat eine saubere Historie, Valentin ist dritter Besitzer. Zuvor war das Auto bei einem Versorger im Einsatz, anschließend bei einem Gewerbetreibenden und zuletzt als Reisefahrzeug eingesetzt. Der Wagen hat eine sehr gute Wartungshistorie, hier wurde viel gemacht, nicht rumgebastelt, sich anbahnende Schäden rechtzeitig repariert. Zudem ist wenig Schnickschnack an dem Auto, sondern nur wenige Umbauten und ein bisschen sinnvolles Zubehör. Er hatte beim Kauf gerade mal etwa 200.000 Kilometer gelaufen. Eine ideale Basis für das Vorhaben von Valentin.
Es folgte eine umfassende technische Durchsicht und Aufarbeitung
Zunächst einmal bekam der Defender einen Namen. Gerald, in Anlehnung an Gerald Cooper von Clarkson´s Farm. Gerald Cooper ist in der Serie der Experte für Natursteinmauern. Das passt zu diesem Auto und seinem Einsatzzweck.
Trotz des guten Zustandes und fehlenden Wartungsstaus ließ Valentin es sich nicht nehmen seinen 110er HCPU gründlich durchzuschauen und erst einmal eine große Wartung vorzunehmen. Das Auto soll im Arbeitsalltag schließlich zuverlässig laufen.
Neben einer großen Inspektion, Wechsel von Zahnriemen nebst Wasserpumpe, Erneuerung von Tür- und Klappendichtungen und zahlreicher Schläuche im Motorraum sowie dem Wechsel des Keilriemens nahm er eine Grundreinigung und eine präventive Rostvorsorge vor und trug neuen Unterbodenschutz auf.

Und dann ein kurzer Schreckmoment. Im Rahmen der Durchsicht kontrollierte Valentin natürlich sämtliche Anbauteile des Motors. Dabei fielen ihm verdächtige Spuren am Verdichterrad des Turboladers auf. Oha, was war da passiert? Nach dem Motto better safe than sorry, baute er kurzer Hand einen neuen Turbolader ein und erneuerte alles was notwendig erschien.

Dass bei der Laufleistung das Fahrwerk etwas in die Jahre gekommen war, muss nicht erwähnt werden. Valentin tauschte kurzerhand alle Federn, Buchsen und die Stoßdämpfer. Eine gute Investition. Der Defender kommt nun mit einer leichten Höherlegung durch Trekfinder Federn in Kombination mit einstellbaren Terrafirma Stoßdämpfern daher.

An dieser Stelle sei erwähnt, dass Valentin sich zwar gut mit seinem Lada Niva, den wir hier vorstellt haben, auskennt, mit Defender jedoch noch nicht so viele Berührungspunkte hatte. Doch eine intensive Beschäftigung mit dem Neuerwerb und Werkstatthandbücher halfen bei den Reparaturen und der Montage, welche allesamt in Eigenregie und über einen Zeitraum von etwa sieben Monate erfolgten.
Etwas Zubehör und Anbauten müssen auch sein
Der ursprüngliche Plan war es, dieses Fahrzeug zu kaufen und zu fahren. Doch wie es häufig so ist, nachdem der Defender 110 HCPU von Valentin einen sehr guten Stand erreicht hatte, ging es an ein paar sinnvolle Umbauten.
Vom Vorbesitzer hatte das Fahrzeug schon ein CB-Funk Gerät in der Mittelkonsole eingebaut, Sitz- und Spiegelheizung, Zusatzinstrumente für Öltemperatur und -druck sowie Schalter für die Beleuchtung auf dem Dach. Dort sind Arbeitsscheinwerfer montiert.
Zunächst widmete sich der neue Besitzer der Luftversorgung und dem Abgasstrang. Das Fahrzeug bekam eine neue Luftansaugung, welche einen direkteren Weg in den Luftfilterkasten ermöglicht. Diese hat Valentin selbst konstruiert. Die Ansaugung direkt auf dem linken Kotflügel sieht vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig aus, erfüllt jedoch einen Zweck und bei einem solchen Arbeitstier geht es schließlich um Zweckmäßigkeit. Hinzu kam eine 2,5 Zoll Edelstahlauspuffanlage, welche ganz nebenbei für einen sonoren Klang sorgt. Schön und nicht zu aufdringlich.

In diesem Zuge bekam der Defender 110 HCPU noch einen Öl-Catch-Can. Dieser zusätzliche Abscheider kommt bei der Nachrüstung in den Schlauch zwischen Kurbelgehäuseentlüftung und Eingang in den Ansaugtrakt. Hier filtert die Catch-Can die Öldämpfe und im Inneren des Abscheiders werden die Dämpfe verwirbelt und Ölreste, Wasser sowie Kraftstoffreste kondensieren. Sie tropfen in der Folge nach unten in den kleinen Auffangbehälter ab und gelangen nicht mehr in den Ansaugtrankt. Mehr zur Catch-Can haben wir übrigens in diesem Artikel für euch zusammengestellt.

Der Defender steht mittlerweile auf 6,5 Zoll Wolf-Felgen mit Reifen der Dimension 265 75 R16. Eine klassische Rad-Reifen-Kombination für den Defender, die ihm gut steht und nicht zu aufdringlich und doch praxisnah ist. Praktischerweise konnte Valentin sich diese Räder vom Defender seiner Freundin, den wir euch hier schon einmal ausführlich vorgestellt haben, ausleihen.

Ein Mindestmaß an Komfort sollte sein
Den Innenraum hat Valentin gedämmt und den Boden der Fahrerkabine mit einer abwaschbaren Matte, welche zudem noch isoliert, ausgestattet. Ebenso eine sehr praxisnahe Lösung für ein Arbeitsgerät.
Anstelle der beim Defender üblichen Mittelbox, auch Cubby Box genannt, zog eine kleine Kompressorkühlbox an diese Stelle ein. Ein praktisches Detail.
Dieser 110er HCPU ist ein echtes Arbeitstier
Der Besitzer setzt dieses Auto wie eingangs schon erwähnt im harten Einsatz im Garten- und Landschaftsbau ein. Er kümmert sich um Planung und Gestaltung, Natursteinarbeiten, die Gartenpflege und vieles mehr und das ist oftmals kein Zuckerschlecken für das Fahrzeug. Große Lasten transportieren, allerhand, nicht nur sauberes, Gerät bewegen, schwere Anhänger ziehen. Und das gerne mal in schwierigem Terrain – all das ist das Metier dieses Fahrzeugs, dafür ist der Defender 110 HCPU gebaut. Ein netter Nebeneffekt ist, dass viele seiner Kunden sich an dem klassischen Auto erfreuen, sobald er damit um die Ecke biegt.

Valentin hat noch einiges vor mit seinem 110er HCPU
In naher Zukunft bekommt das Auto ein traditionelles Ifor Williams Hard Top mit einem Regal- Schubladen-System für Werkzeuge und Maschinen und ein einfaches Campingsetup. Letzteres für den Fall, dass es mal länger dauert auf der Baustelle. Und das Firmenlogo kommt natürlich noch auf die Türen.
Dies ist ein wirklich schönes, klassisches Fahrzeug, in dem viel Arbeit steckt. Der Defender 110 HCPU von Valentin sieht nicht nur robust aus, er ist es auch und tut – nicht zuletzt dank sehr guter Wartung – zuverlässig seinen Dienst in seinem harten Arbeitsalltag. Und bald bekommt er sogar das beliebte H-Kennzeichen. Das Projekt zeigt einmal mehr, wie ein schönes Geländefahrzeug ohne viel Vorkenntnisse in der heimischen Garage mit der richtigen Portion Engagement und Lernwillen aufgebaut werden kann.
Was dieses Auto so alles bei seiner täglichen Arbeit erlebt und durchmacht, könnt ihr auf Instagram unter GARTENHANDWERK verfolgen. Ihr möchtet mehr über Valentins Offroadabenteuer erfahren, dann sehr euch seinen Instagram Kanal an.
© Fotos: Valentin Schneider


