Overlander und Daily Driver: Der Lada Niva von Valentin

Fahrzeugvorstellung

Klein, aber oho! Der Lada Niva von Valentin ist Overlander und Daily Driver zugleich. Und das funktioniert richtig gut. Valentin hat dazu an seinem Niva einiges umgebaut und dabei interessante und gute Individual- und DIY-Lösungen umgesetzt.

Die Basis ist ein Lada Niva mit 1,7 Liter Benzinmotor (bzw. Lada 4×4 oder Taiga) aus dem Baujahr 2015. Valentin hat diesen als Neuwagen und als sein erstes Auto gekauft – wobei einfach ein Auto, das ist es ja nicht. Der Lada Niva ist ein uriger Vertreter seiner Klasse. Heute steht fast eine 100.000 auf dem Kilometerzähler dieses Lada und das Fahrzeug hat einige Evolutionsstufen durchlaufen.

Individualität und Funktionalität wird hier GROSS geschrieben

Schon beim Rundgang um das Fahrzeug Lada fällt mir auf, dass hier viel Arbeit drinsteckt. Sofort ins Auge fällt natürlich der Dachträger. Die Basis bildet ein Standard-Dachträger für den Niva, welcher in der Regenrinne abgestützt ist. Diesen hat der Besitzer um 25cm nach vorne verlängert, denn jeder bisschen Stauraum ist bei dieser Fahrzeuggröße natürlich wichtig. Unter diesem Überbau hängt ein Stauraum aus HT-Rohr, der Zeltstangen, ein Tarp und das Gestänge für das Dachzelt griffbereit aufnimmt – wie praktisch. Den Dachträger selbst hat Valentin mit Aluprofilen verstärkt und mit einer Riffelblechplatte versehen. Airlineschienen zum Verzurren, Kanisterhalter und diverse Arbeitsscheinwerfer dürfen zum Reisen natürlich auch nicht fehlen.

Overlander und Daily Driver
Der modifizierte Dachträger nimmt neben dem Dachzelt einiges an Ausrüstung auf.

Die Verkabelung der Scheinwerfer ist clever gelöst und mit Kabelschutzrohren durch die originale Zwangsbelüftung des Fahrzeugs in den Innenraum gelegt. Apropos Verkabelung. Wofür ist eigentlich die Steckdose am Dachträger? Hier hat sich der Besitzer etwas ganz Cleveres einfallen lassen. Geschlafen wird nämlich im Dachzelt und da wollte Valentin gerne eine Stromversorgung für Licht, Aufladen von Telefon, etc. haben. Dazu hat er die passenden Steckdosen in einer Elektro-Leer-Box untergebracht, ordentlich verkabelt und mit einem Anschlusskabel versehen. Und genau dieser Stromverteiler wird in der Steckdose am Dachträger eingesteckt und ins Dachzelt gelegt. Die Steckdose ist wasserfest und stammt aus dem maritimen Bereich.

Pfiffige 12 Volt Verteilung für das Dachzelt.

In die Elektrik wurden viel Zeit und zahlreiche Überlegungen investiert

Zum Reisen hat der Lada eine Zweitbatterie an Bord. Diese versorgt unter anderem auch die Kühlbox im Heck. Dazu später mehr. Die Zusatzbatterie ist im Motorraum untergebracht. Und zwar etwa dort, wo original das Reserverad seinen Platz hat. Dieses ist einstweilen durch ein Reifenreparaturset ersetzt worden. Für die Zukunft plant Valentin einen Heckträger. Doch zurück zur Elektrik. Damit die Batterie und Zusatzelektrik hier Platz finden, musste er natürlich wieder einiges umbauen. Der Wischwaschbehälter fand einen neuen Platz, die Lichtmaschine wurde ohnehin hochgelegt und durch ein stärkeres Exemplar mit 135 Ampere Leistung ersetzt.

Overlander und Daily Driver
Alles hat seinen Platz – der spannende Blick unter die Haube.

Was auffällt: die gesamte Elektrik ist sehr sauber verkabelt und gut dimensioniert ausgelegt. Das ist wichtig. Und so kann Valentin die gesamte Zusatzelektrik auch vom Fahrzeug trennen. Denn beim Einsatz als Alltagsfahrzeug wird diese nicht benötigt. Bei all den Umbauten im Motorraum fand sogar die Fettpresse, zum regelmäßigen Abschmieren des Fahrzeugs, noch einen Platz.

Das Fahrzeuginnere ist durchdacht und auf die Bedürfnisse des Besitzers zugeschnitten

Werfen wir einen Blick in den Kofferraum. Wirklich praktisch ist natürlich die schon serienmäßig weit öffnende Heckklappe. So entsteht hinter dem Fahrzeugheck ein kleiner überdachter Platz, den Valentin gerne zum Kochen unterwegs nutzt. Damit er lange Freude daran hat, hat er verstärkte Heckklappendämpfer und eine Verstärkung eingesetzt. Wieder mal eine tolle DIY-Lösung.

Nach vorne trennt eine Bordwand den Ladebereich vom Fahrgastraum. Das ist wichtig, wenn das Fahrzeug als Daily Driver eingesetzt wird, wo Valentin schonmal größere und schwerere Dinge im Heck verstaut. Rechts und links hat er je eine Staukiste auf den Radkästen befestigt, die von oben und seitlich zu erreichen sind. Seitlich befinden sich Ausrüstungsgegenstände, beispielsweise Bergezubehör und Werkzeug, was schnell erreichbar sein soll. Für die bessere Erreichbarkeit des Innenraums, hat der Lada noch je eine Stauklappe rechts und links anstatt der serienmäßigen Seitenfenster im Heck. Im Laderaum zwischen den Stauboxen, dessen Bodenplatte zur besseren Erreichbarkeit der Benzinpumpe herausnehmbar ist, finden auf Reisen Kompressorkühlbox, zusätzliche Staukisten und Kocher ihren Platz. Im Alltag ist hier Laderaum. Eine durchdachte Sache, wenn man sein Fahrzeug als Overlander und Daily Driver nutzen möchte.

Overlander und Daily Driver
Overlander und Daily Driver: der Heckausbau bietet Stauraum auf Reisen und im Alltag.

Im Cockpit stechen die Schalthebel ins Auge. Es handelt sich dabei um vibrationsentkoppelte Hebel für die Betätigung der Sperre und der Untersetzung sowie für den Komfort einen verlängerten Schalthebel. Die Zusatzelektrik wird über robuste Schalter bedient. Von hier sollen auch mal die Achssperren schaltbar sein – ein weiteres Projekt, was bald in Angriff genommen wird.

Overlander und Daily Driver
Auch im kleinsten Cockpit ist Platz für eine Menge Zusatzeinbauten… und etwas Nostalgie.

Im Cockpit finden sich noch ein paar Dinge, die das Reisen annehmlicher machen

Eine Armlehne aus dem Zubehör, Cockpitlampe, zahlreiche Steckdosen, Bluetooth-Koppler für das Smartphone, mit dem Valentin unterwegs auch navigiert. Zur Navigation nutzt er Gaia GPS. Die Overland Bound One und iOverlander Apps helfen beim finden interessanter Punkte und von Übernachteplätzen. Kommuniziert wird in der Gruppe mit CB-Funk.

Ein bisschen Sowjet-Nostalgie darf auch nicht fehlen und so hat Valentin das originale Lenkrad gegen eines vom 1600er Lada Niva getauscht und das Armaturenbrett mit einem klassischen Lada-Schriftzug versehen.

Ein Niva als Overlander und Daily Driver

Geht es auf Reisen, bringt dieser Niva durch die Zusatzanbauten natürlich einiges Gewicht auf die Waage. Zur besseren Kühlung, gerade bei langsamer Offroad-Fahrt, sorgt ein Zusatzventilator, der – wie beim Vorgänger, dem 1600er Lada – mit der Wasserpumpe mitläuft.

Das Fahrwerk ist stark modifiziert. Das Fahrzeug wurde vorn 7cm und hinten um stattliche 12cm höher gelegt. So ein massiver Eingriff zieht natürlich einiges an zusätzlichen Umbauten nach sich, wie etwa kürzere Stoßdämpferaufnahmen, geänderte Längs- und Querlenker und einen verstellbaren Panhardstab. Auch verstärkte Kardanwellen sind eingebaut. Um die Geländegängigkeit weiter zu erhöhen, hat Valentin vorne auf den Stabilisator verzichtet und zusätzlich eine Verstärkung der Einzelradaufhängung eingebaut. Dass Valentins Niva auf Mud Terrain Reifen der Größe 185/85 16 daher rollt, erscheint da nur logisch.

Das offroad-taugliche Fahrwerk des Ladas wurde stark modifiziert.

Größere Spiegel sorgen für eine bessere Sicht nach hinten. Für eine gute Sicht im Dunkeln und Nebel sorgen, neben den schon genannten Arbeitsscheinwerfern noch 240mm LED-Fernzusatzscheinwerfer und Nebelscheinwerfer auf der Frontstoßstange. So ist in allen Lebenslagen stets genug Licht vorhanden.

Bei allen Umbauten ist Valentin wichtig, dass alles alltagstauglich bleibt und die wichtigen Dinge gut reparierbar bzw. gut erreichbar sind. Overlander und Daily Driver eben.

Trotz seiner bald sechsstelligen Kilometerlaufleistung und vielen Offroadeinsätzen, hat der Niva nur wenige Pannen erlebt

Auch die beim Niva eher schwach dimensionierten Radlager haben lange gehalten. Dies liegt vermutlich an der guten Wartung, auf die der Besitzer dieses Nivas viel wert legt. Trotzdem rüstet Valentin jetzt auf die bekannten Iveco Radlager um, welche deutlich robuster ausgelegt sind – sicher ist sicher. Rost und Korrosion werdet ihr an diesem Niva nicht finden. Auch da ist der Besitzer permanent auf der Hut und Anfänge werden im Keim erstickt. Als der Auspuff kürzlich durchgegammelt war, hat er diesen kurzerhand durch eine Edelstahlversion ersetzt. Bei so viel Fürsorge wird Valentin noch lange Freude an diesem tollen Auto haben.

Der Lada im Reise-Trimm.

Valentin hat für die Zukunft noch so einiges vor mit seinem schönen Lada

So dürfen wir auf einige weitere Umbauten gespannt sein. Neben den schon genannten Sperren und einem Reserveradträger, stehen ein größerer Ölfilter, eine erhöhte Luftansaugung – natürlich wieder ein DIY-Projekt – eine Frontstoßstange mit verbesserten Bergepunkten, ein OnBoard-Kompressor und viele weitere spannende Projekte auf der Wunschliste. Und da dieser Niva auch fürs Unterwegssein gebaut ist, wird sein Besitzer noch viele schöne Ecken damit entdecken. Valentins Traumreise ist es, den Lada nach Kanada zu verschiffen und Nordamerika bereisen. Hier war er schon vor ein paar Jahren längere Zeit unterwegs und ist von der Region so begeistert, dass er gern nochmal mit dem eigenen Fahrzeug dorthin möchte. Wir wünschen viel Spaß und Freude auf zukünftigen Touren und bei den nächsten Umbauprojekten.

Seid ihr neugierig geworden und möchtet mehr über Valentin und seinen Lada Niva erfahren? Dann schaut mal bei Instagram unter ladaoverlandbyvalle vorbei. Oder schaut euch dieses 4x4passion YouTube Video zu diesem interessanten Fahrzeug an. Zu diesem Video wird es übrigens bald ein Update geben, da sich seit den ersten Aufnahmen viel getan hat. Also schaut die nächste Zeit einfach mal rein bei 4x4Passion.

Mehr über das Basisfahrzeug erfahrt ihr auch in unserem Artikel zu Sinnvollem Werkzeug auf Reisen für den Niva.

 

©Fotos: Valentin Schneider