Ein guter Freund sollte uns in der Not immer zur Seite stehen. Mit dem Kauf einer Seilwinde haben wir uns damals für einen guten Freund entschieden. Er soll uns im wahrsten Sinne des Wortes in jeglicher Lage zur Seite stehen und mit uns durch dick und dünn gehen. Leider wird unser Freund bei der Wartung häufig sträflich vernachlässigt, was fatale Folgen haben kann.

Freundschaften müssen gepflegt werden

Seilwinden dienen der Selbstbergung oder der Bergung anderer Fahrzeuge. Versagen sie ihren Dienst ist es ärgerlich, wenn man sich gerade im Schlamm festgefahren hat. Sehr ärgerlich ist es, wenn der Wagen in einem Wasserloch steckt. Lebensgefährlich sogar, wenn man droht an einem steilen Hang abzurutschen.

Unser Proband ist eine Seilwinde, die sehr häufig genutzt wurde. Schlamm, Dreck und Wasserdurchfahrten waren keine Seltenheit und hatten Spuren hinterlassen. Im Freilauf funktionierte alles gut. Doch unter Last blockierte die Bremse. Der Zeitpunkt der Wartung war bereits deutlich überschritten und jetzt mussten wir sie uns einmal vornehmen.

Ausbauen und zerlegen

Alle nachstehend aufgeführten Arbeiten wurden von einem Fachbetrieb ausgeführt. Wir empfehlen diese Arbeiten von autorisierten Betrieben oder dem Hersteller ausführen zu lassen. Während der Gewährleistung kann diese ansonsten erlöschen.

Zunächst einmal haben wir die Winde stromlos gemacht. Am einfachsten geht das durch Abklemmen des Massepols an der Batterie. Ist ein Doppelbatteriesystem eingebaut daran denken, das richtige oder besser alle Massekabel zu lösen. Wer einen Trennschalter für den gesamten Masseanschluss hat, hat es hier sehr einfach.

Im nächsten Schritt haben wir den Kühlergrill entfernt und die Stahlstoßstange geöffnet, um die Seilwinde von der Halteplatte zu lösen. Das Seil kann entweder im eingebauten Zustand oder später im Freilauf von der Seilrolle entfernt werden. Wir hatten uns für die zweite Variante entschieden.

Jetzt wurden die Plus- und die Minusleitung, bisher ab Werk in 35mm2 ausgeführt, sowie die Anschlüsse der Kabel- und Fernbedienung von der Winde abgeschraubt und die Winde dem Fahrzeug entnommen. Nachdem die Seilwinde auf der Werkbank lag, haben wir die Verschraubung der Seiltrommel zwischen Elektromotor und Planetengetriebe gelöst. Elektromotor, Seiltrommel mit Bremse und Planetengetriebe sind die Einheiten, um die wir uns kümmern werden.

Den Motor der Seilwinde überprüfen

Kommen wir zunächst zum Elektromotor. Der sieht im vorliegenden Fall noch erstaunlich gut aus. Oftmals muss die Kohlenplatte ersetzt werden. Das kann durchaus eine kompliziertere Fummelei werden. Der Kohlenstaub haben wir mit einer Bürste entfernt. Die Lagerung klang einwandfrei und der Motor machte einen sehr guten Eindruck. Ab Werk ist er nach Schutzklasse IP67 abgedichtet. Der Dichtring hat seinen Dienst ordentlich verrichtet. Er schützt gegen Staub und zeitweiliges Untertauchen.

Da wir uns erst zum Schluss um die Bremse in der Seiltrommel kümmern wollten, kam im nächsten Schritt das Getriebe dran. Nach zahlreichen Inbusschräubchen hatten wir den Deckel des Planetengetriebes freigelegt. Der Dichtring sah, bedingt durch Staub, Dreck und Schlamm, ziemlich mitgenommen aus. Jetzt zogen wir das Getriebe heraus. Die Stunde der Wahrheit! Hat der getriebeseitige Dichtring gehalten oder seinen Dienst bereits quittiert?

Zunächst musste der Freilaufhebel in eine bestimmte Position gebracht werden, um das Getriebe herausziehen zu können. Jetzt konnten wir sehen, dass es einen Wassereinbruch gegeben hatte. Der Dichtring, der das Getriebe schützen sollte, hatte nicht dicht gehalten. Dreck und Wasserdruck waren möglicherweise zu viel für die Gummidichtlippe gewesen. Wasser war in das Planetengetriebe gelaufen und hatte sich mit dem Fett vermischt. Eine braune Emulsion war entstanden, ein ausreichender Schmierfilm kam so nicht mehr zustande.


Wartung des Planetengetriebes und der Bremse

Das Planetengetriebe hatte jedoch noch keine sichtbaren Beschädigungen. Gut, dass wir die Winde jetzt geöffnet haben, es war 5 vor 12. Die klebrige Masse wurde mit einer Nitro-Waschverdünnung entfernt. Ihr könnt dafür aber auch Diesel mit einem geeigneten Pinsel verwenden. Anschließend wurde alles neu mit einem seewasserfesten Hochleistungs-Wälzlagerfett eingefettet und ein neuer Dichtring verbaut. Natürlich wurden auch alle anderen Teile gereinigt und wenn nötig, gefettet. Die Getriebeseite dieser Winde hat keine IP-Schutzklasse weshalb die Winde nach Wasserdurchfahrten geprüft werden sollte.

Jetzt kam die Seiltrommel dran. Die Bremse hatte sich festgefressen und musste mir Gewalt und Rostlöser aus der Trommel befreit werden. Anschließend wurde die Trommel vom Rost und dem Rostlöser befreit und mehrfach ausgeschliffen. Die Bremsbacken sahen noch gut aus und wurden nur etwas angeschliffen. Nach mehreren Versuchen packte und löste die Bremse wieder einwandfrei.

Seilwinden-Seil überprüfen und pflegen

Zu guter Letzt ist das Seil dran. Hier kann nichts repariert werden, aber ich unterzog es einer Sichtprüfung und einer Pflege. Grundsätzlich sollte ein Windenseil nach jedem Einsatz abgerollt und in sauberen Lagen wieder aufgerollt werden. Dabei den Haken nicht direkt mit der Hand halten, sondern ihn mit einer Handschutzschlaufe führen. Selbstverständlich solltet ihr beim Hantieren mit Stahlseilen, insbesondere, wenn es durch die Hände gleitet, immer ein entsprechender Schutzhandschuh tragen. Ansonsten kann es durch abstehende Fasern zu bösen und schmerzhaften Verletzungen kommen.

Stahlseil

Bei der Wartung prüfe ich das Stahlseil auf gebrochene und abstehende Stahlfasern oder erhebliche Knicke, wo das Stahlseil schon auseinander beult. Stahlseile müssen bei der kleinsten Beschädigung sofort ausgetauscht werden. Ist alles in Ordnung kommt die Pflege dran. Das Seil im abgerollten Zustand durch einen Lappen ziehen und von grobem Schmutz befreien. Auch hierbei die Schutzhandschuhe tragen. Um Rost zu vermeiden, kann jede Seillage mit etwas Seilfett eingepinselt werden. Aber sparsam, denn weniger ist hier mehr. Bitte das Seil niemals beim Aufrollen mittels Winde durch einen Lappen ziehen. Auch hierbei kann es zu schweren Verletzungen kommen.

Kunststoffseil

Dyneema ist eine synthetische Chemiefaser mit sehr hohen Zugfestigkeitswerten, hoher Spleißfähigkeit, Bruchlast und Abriebbeständigkeit. Das Seil im abgerollten Zustand von grobem Schmutz befreien. Mechanischer Abrieb, verursacht durch Äste, Steine oder Umlenkrollen, erzeugt auf dem äußeren Mantel eine raue, haarige Oberfläche welche die Seilfestigkeit nicht oder nur sehr gering vermindert.

Seilrisse sind schwer vorhersagbar, Schwachstellen verhärten sich durch Eigenerhitzung und verschweißen der Fasern. Man kann diese Stellen ertasten und von einem Fachbetrieb mit Spezialwerkzeug spleissen lassen. Zum Schutz vor Zerfaserung wird das Kunststoffseil ab Werk mit einem UV-beständigen PU-Film überzogen. Diese Beschichtung kann käuflich erworben und zur Auffrischung mit einem Lappen aufgetragen werden. Eine Imprägnierung wird alle 6 Monate oder alle 30 Windeneinsätze empfohlen.

Noch ein Tipp: Ein nasses Dyneema-Seil kann bei Frost brechen. Bei Minusgraden daher besser auf ein Stahlseil zurückgreifen.

Das Seil wieder aufrollen

Beide Seilvarianten müssen mit leichter Zuglast Lage für Lage wieder aufgerollt werden. Hierbei unbedingt darauf achten, dass sich das Seil nicht quer übereinanderlegt oder verhakt. Ihr solltet die vorgegebene Aufspulrichtung des Seils auf der Trommel unbedingt beachten. Ansonsten kann die Bremse nicht korrekt arbeiten. Die Richtung ist entweder auf der Winde vermerkt oder im Handbuch zu finden.

Bei Kunststoffseilen empfiehlt es sich, für die ersten Lagen auf der Trommel einen Hitzeschutzschlauch zu verwenden, der das Seil gegen zu hohe Arbeitstemperaturen der Winde schützt. Dyneema-Seile können bis zu fünf Mal von einem Fachbetrieb gespleisst werden. Ich empfehle bei Beschädigungen zur eigenen Sicherheit jedoch immer den Austausch des Seils. Generell ist es eine gute Idee bei Kunststoffseilen ein Ersatzseil mitzuführen. Sie sind leicht und können gut verstaut werden.

Bei Nichtgebrauch ist eine Abdeckung der Winde mit einer Schutzhaube von Vorteil. Sie schützt Motor und Getriebe, verhindert, dass übermäßig Dreck und Staub auf dem gefetteten Seil landet und das UV-Licht der Sonne die Kunstfaser schädigt.

Zusammenbau und Verbesserungen

Nun wurde alles in umgekehrter Reihenfolge zusammengebaut, das Seil arretiert, aufgewickelt und die revidierte Winde auf der Halteplatte montiert. Das Windenrelais wurde im Zuge dieser Arbeiten durch ein hochwertigeres Bowright-Relais ersetzt und in den Motorraum verlegt. Der Umzug in den Motorraum schützt das Relais besser vor dem Eindringen von Wasser und Beschädigungen. Das originale Relais war noch in einwandfreiem Zustand und dient nun der Reserve. Das Relais wurde auf einer Halteplatte im Motorraum montiert. Es ist, wie auch die gängigen Albright-Relais abgedichtet aber nicht hundertprozentig wasserdicht. Eine absolut wasserdichte Variante gibt es nur im hochpreisigen Militärsegment.

Ausstausch des Stromkabels an der Seilwinde

Unsere Seilwinde hat eine maximale Leistungsaufnahme von 600 Ampere. Die ab Werk verwendete 35mm2-Leitung ist für die Leistung der Winde eigentlich zu dünn. Wir tauschten daher diese Leitung gegen ein größer dimensioniertes Kabel mit Schutzschlauch. Im vorliegenden Fall sind es 70mm2 Schweißleitung.

Es hätten sicherlich aber auch 50mm2 gereicht, aber ein größerer Querschnitt hilft und ist in keinem Fall schädlich. Sofern das Verlegen der dickeren Kabel kein Problem ist, gilt also das Motto „warum nicht?“. Dank Anschlusserhöhung war die Installation der dicken Schweißleitung kein Problem. Für die Verpressung der Rohrkabelschuhe haben wir eine entsprechende Sechskant-Hydraulikpresse benutzt.

Ich empfehle bei häufigem Einsatz und bei einer Leitungslänge von mehr als 2m in jedem Fall einen Kabeldurchschnitt von mindestens 50 mm2. Bei diesem Durchschnitt sollte sich das verlegte Kabel nicht oder nur minimal erwärmen. Wer die Seilwinde häufig im Forst oder im Wettbewerb nutzt, sollte über eine 70 mm2 Leitung oder größer nachdenken.

Gluehbirne-Idee-Erklaerung

Exkurs: Kabelquerschnitte

Vorweg, wenn es ganz genau genommen wird, kann der Kabelquerschnitt nicht so leicht berechnet werden. Sehr viele Faktoren beeinflussen das Ergebnis: Einzeldraht oder Litze, Temperatur, erlaubter Spannungsabfall, Leitungslänge, nur Hin- oder auch Rückleitung, Material usw.

Aber sicher ist, ist der Querschnitt für die geforderte Leistung zu dünn, wird das Kabel warm und sein Widerstand steigt. Damit steigt auch der Spannungsverlust. Die Seilwinde bringt weniger Leistung. Ist das Kabel deutlich zu klein dimensioniert, wird es gefährlich. Dann wird die Leitung so heiß, dass das Kabel durchschmort und die Isolierung zu brennen anfangen kann.

Daher muss der Kabelquerschnitt an die erwartete Leistung angepasst werden. Wie hoch der tatsächliche fließende Strom ist und wie stark sich das Kabel im Einsatz erwärmt hängt davon ab, welches Gewicht gezogen wird, ob die Winde im Dauerbetrieb oder nur kurz läuft und wie viele Wicklungen des Windenseils gerade auf der Rolle sind.

Die allgemeine Formel zu Berechnung des Querschnitts lautet: A = ( I x ρ x L x 2) / (v x U).

  • A = Querschnitt in mm2
  • I = maximaler Strom
  • ρ = materialspezifischer Widerstand Ohm x mm2/L
  • L = Kabellänge (x2 bei Hin- und Rückleitung)
  • v = Verlustfaktor (1 Prozent = 0,01)
  • U = Spannung

350 mm2 = (600 A x 0,0175 x 2 x 2) / (0,01 x 12 V)

Für ein zwei Meter langes Kupferkabel und einem Verlust von maximal ein Prozent wären also für eine maximale Last ein Kabelquerschnitt von 350 mm2 nötig. Es dürfte klar sein, dass dies in der Praxis nicht zu machen ist. Da es sich bei den 600 Ampere auch nur um die maximale Leistungsaufnahme handelt, kann der Querschnitt auch kleiner gewählt werden.

Üblich sind ab Handel Kabel mit 35 mm2 und Aufrüstungen auf 50 mm2 und 70 mm2. Sehr beliebt sind hier Schweißkabel. Diese gibt es in den aufgeführten Querschnitten. Ein übliches 70 mm2 Schweißkabel kann bei 1.000 Volt Kurzeitströme von 360 Ampere und gute 340 Ampere im Dauerbetrieb vertragen. Je nach Winde und Getriebe liegen die Ströme bei 3,5 Tonne Zuglast üblicherweise zwischen 300 und 400 Ampere. Der Fachhändler oder die Spezifikationsangaben des Herstellers geben hier über die zu erwartenden Ströme und den nötigen Kabelquerschnitt Auskunft.

Für mich gehört ein Trennschalter und eine Sicherung zu der Windeninstallation. Sollte das Relais unter hoher Last einmal kleben, wird man dankbar sein einen Trennschalter verbaut zu haben. Kommt es zu einem Kurzschluss, kann es sein, das der Kurzschlussstrom nur unwesentlich höher ist, als der Windenstrom. Dann spricht die Sicherung gar nicht oder zu spät an. Der Schalter ist dann die einzige Möglichkeit, die Winde abzuschalten.

Wird die Seilwinde nicht benutzt, kann der Schalter auch benutzt werden, die gesamte Verkabelung und die Winde stromlos zu halten. Ich empfehle daher in jedem Fall einen Trennschalter und möglichst auch eine Sicherung zu verwenden. Der Trennschalter wird in die Plusleitung geschaltet, die Sicherung gehört zwischen den Batterie-Pluspol und das Relais. Ich habe jetzt eine 500-Ampere-Sicherung und einen Trennschalter mit maximal 2.500 Ampere Spitzenlast.

Die Masseverbindung sollte größer als die einzelne Plusverbindung ausgelegt sein, denn im Betrieb läuft Plus über zwei Kabel, Masse jedoch nur über eines.

Wer auf Nummer sicher gehen will kann das Relais zusätzlich in einen wasserdichten Sicherungskasten bauen.
So, jetzt sind die Seilwinde und das Seil gewartet und die Kabel neu verlegt. Dem nächsten Einsatz im Offroadpark oder auf der Weltreise steht nichts mehr im Weg.

Zum Artikel: Alles was Offroader zum Thema Seilwinden wissen müssen.

Besonderer Dank geht an den Bosch Service Basdorf / Mephisto Parts Bergkamen für die Ausführung der Arbeiten.

© Bilder: Bernd Kock