„Ein Heizkissen für draußen hat uns gerade noch gefehlt“, sagte meine Frau ironisch als wir auf der Abenteuer Welt in Köln am Stand von Outchair vorbei schlenderten. „Stimmt“, sagte ich, „aber sieht ganz gemütlich aus“. Also haben wir uns den Outchair „Bottom Heater II“ besorgt und getestet.

„Warm up your life“ heißt es im Prospekt. Ein beheizbarer Outdoor- und Camping-Sitz für viele Gelegenheiten. Einsetzbar beim Camping, bei der Jagd, beim Angeln, im Stadion und das Ganze auch noch schmerzlindernd mit Infrarotwärme. Das wollten wir uns etwas genauer ansehen.

Wenige Tage später trudelte das Paket mit dem heißen Sitz in der Redaktion ein. Beim Unboxing kam dann folgender Inhalt zum Vorschein:

Robuster Klappsitz

Ein durchaus gut verarbeiteter, robuster Klappsitz mit einem großen Lithium-Polymer-Akku, einem 220-Volt-Ladegerät, einem 12-Volt-KFZ-Ladekabel und einer zweiseitigen Beschreibung auf deutsch. Der Sitz hat ein Grundmaß von 40 x 40 cm und wiegt inklusive Verpackung 5 kg.

Aufgeklappt macht er eine gute Figur. Der eingearbeitete Rohrrahmen dient als Gestell. Schlaufen und Bänder mit Halteclipsen fixieren das Ganze und ermöglichen eine angenehme Sitzposition mit Rückenlehne. Die Infrarot-Heizpads sind sowohl in der Lehne als auch im Sitzteil verarbeitet.

Löst man die Halteclipse, erhält man eine Sitzauflage die sich auf jedem Campingstuhl platzieren lässt.

Eine praktische Tasche für die mitgelieferten Utensilien befindet sich auf der Rückseite des Sitzes.

STARKER AKKU ?

Am unteren Ende befindet sich das Fach für den Akku. Die Position der Akkutasche ist gut gelöst und nicht störend. Nach ungefähr vierstündiger 220V-Ladephase meldete das Ladegerät mit einer grünen LED, dass der Akku voll war.

Während der Ladephase wurden weder der Akku noch das Ladegerät warm. Fix in die vorgesehene Akkutasche gesteckt, Kabel angeschlossen, nun konnte es los gehen.

 

INFO:

Der mitgelieferte Smart Li-Polymer-Akku verfügt über 7,4 Volt und hat eine Kapazität von 4400 Milli-Ampere-Stunden. Auf der rechten Seite befindet sich ein 5-Volt-USB-Port mit 2 Ampere. Hier kann zusätzlich ein Handy geladen werden.

Die Lebensdauer des Akkus beträgt circa 400 Ladezyklen. Der Hersteller verspricht eine durchschnittliche Heizdauer von 4 bis 6 Stunden. Es gibt die Heizstufen „Hot“, „Medium“ und „Low“ welche über je eine blaue LED die Betriebsart anzeigen.

Einfach nur drauf sitzen und warten was passiert, wollten wir nicht. Also haben wir uns ein Oberflächentemperatur-Messgerät geschnappt. Wir wollten wissen wie warm es wird und wie lange der Akku hält.

Rahmenbedingungen: geschlossener Raum, Lufttemperatur 25°C

Nach fünf Minuten Betriebszeit auf höchster Stufe hatten wir folgende Werte auf dem Display:

Sitzfläche:  45,2°C / Lehne: 45,5°C

Sofort aufgefallen ist uns, das der Heizbereich wesentlich kleiner ist als die Grundfläche des Sitzes. Hier mal eine ungefähre Zeichnung der Heizmatten im Sitzkissen
Als Messgerät dient ein TREBS Laser Thermal Leak Detector Model 99707R

Die Infrarot-Heizmatten erreichen innerhalb kürzester Zeit Betriebstemperatur. Sie reagieren blitzschnell auf Veränderungen.

Wir haben getestet was das Zeug hält und sind zu folgenden Messwerten gekommen:

Stufe H (3 LEDs)

  • 1. Ladung    Akkulaufzeit 2:30 Std.   Hitzeentwicklung 44,8°C
  • 2. Ladung   Akkulaufzeit 2:40 Std.   Hitzeentwicklung 45,5°C
  • 5. Ladung   Akkulaufzeit 2:40 Std.   Hitzeentwicklung 43,3°C

Stufe M (2 LEDs)

  • 4. Ladung   Akkulaufzeit  4:20 Std.   Hitzeentwicklung 38,5°C
  • 8. Ladung   Akkulaufzeit  4:30 Std.  Hitzeentwicklung  38,3°C
  • 9. Ladung   Akkulaufzeit  4:30 Std.  Hitzeentwicklung  37,8 °C

Stufe L (1 LED)

  • 3. Ladung   Akkulaufzeit  8:30 Std   Hitzeentwicklung 32,5 °C
  • 6. Ladung  Akkulaufzeit  8:40 Std   Hitzeentwicklung  33,1 °C
  • 7. Ladung  Akkulaufzeit  8:30 Std.  Hitzeentwicklung  32,3 °C

Der Hersteller gibt im Werbeprospekt eine Akkulaufzeit von 4 bis 6 Stunden an. Wir haben mit den ersten zehn Akkuladungen andere Werte erhalten. Auf höchster Stufe hält der Akku lediglich 2:40 Std. durch. Auf niedrigster Stufe hielt er allerdings sagenhafte 8:40 Stunden .

In der freien Natur haben wir den Outchair natürlich auch getestet. Bei Temperaturen unter 10°C haben mehrere Personen den Sitz ausprobiert. Stufe L (1 LED) wurde als deutlich zu schwach empfunden. Die Wärme wurde kaum durch eine Weste oder Jacke an den Körper geleitet. Stufe M (2 LEDs) wurde einstimmig als sehr angenehm empfunden. Stufe H (3 LEDs) wurde als deutlich zu warm empfunden.

Fazit:

Der Outchair ist ein heißer Sitz bei kühlen Temperaturen. Die Verarbeitung ist sehr gut, die Leistung des Akkus können wir ebenfalls gut bewerten.

Leider werden die im Flyer beworbenen Laufzeiten auf höchster Stufe nicht eingehalten. Auf kleinster Stufe werden sie dafür um gute 2,5 Stunden übertroffen. In der als angenehm empfundenen, mittlerer Stufe, erhält man Wärme für gute 4,5 Stunden. Wir haben den Hersteller um eine kurze Stellungnahme gebeten. Man hat die Abweichungen bereits erkannt und arbeitet derzeit an einer stärkeren Akku-Version.

Für wen eignet sich der Outchair? Der Offroader, der gerne am Lagerfeuer sitzt, wird eher keine Verwendung für einen beheizbaren Sitz haben. Für einen Besuch im Stadion, beim Camping, der Jagd, beim Angeln oder bei einem Grillabend im Garten ist der Outchair jedoch ein durchaus brauchbarer und sehr angenehmer Sitz.

Wer sich einen Bottom Heater II zulegen möchte, bekommt ihn auf der Homepage von Outchair für 119,90 Euro.