Wir von Matsch&Piste kennen Max schon viele Jahre. Daher war klar, das wir ihn hier zu seinem Restaurationsprojekt zu Wort kommen lassen. Ein Unfall beschädigte Maxs Defender 90 so sehr, dass er ihn neu aufbauen musste und dabei einiges verbesserte.

Ich will mich nur kurz vor stellen. Ich bin Max Wiegand und leidenschaftlicher Land-Rover-Fahrer. Mein Defender ist ein 2001er 90er Td5. Ja, ein 90er ist eigentlich sehr unpraktisch, man kann nicht viel unterbringen und besonders wenn man fast 2 Meter groß ist, wie ich, kann man nicht einmal ordentlich drin schlafen. Aber ich liebe es. Punkt.

Ausgangszustand vor dem Unfall von Maxs Defender.

Ausgangszustand vor dem Unfall von Maxs Defender.

Ein Unfall mit Überschlag

Ich hatte vor ca. 1,5 Jahren einen schweren Unfall. Ich habe mich mit den 90er zweimal überschlagen. Das war nicht die schönste Erfahrung. Aber als der Motor danach ohne Probleme ansprang, war die Entscheidung klar. Der Dicke wird wieder aufgebaut und wenn ich gleich schon dabei bin, verzinke ich gleich, was zu verzinken ist.

Als er dann zwei Wochen nach dem Unfall auf dem Hof landete, haben wir auch direkt mit dem Zerlegen los gelegt. Zielsetzung war es, das keine einzige Schraube abgeflext werden muss. Zum Erstaunen aller ging das sogar sehr gut.

Wiederaaufbau von Max Wiegands Defender - So sah der Defender nach dem Überrollen aus.

So sah der Defender nach dem Überrollen aus.

Während ich noch beim Zerlegen war, habe ich schon über die Landy-Gemeinde von allen Seiten Nachrichten bekommen. Das jemand noch Teile übrig hat und ich sie holen könnte, nur für eine schmale Mark. Tatsächlich hatte ich Ruckzuck fast alles zusammen. Es fehlten nur noch die Türen. Über eine sehr gute Land-Rover-Werkstatt (Graham Coster 4×4) hatte ich auch verzinkte Türen und die Bleche bald in meinen Händen.

Ohne nervige Arbeiten geht es nicht

Während die Spritzwand beim Entlacken war, habe ich habe schon damit angefangen die ersten Sachen wieder zusammen zu bauen. Die nervigste Arbeit war dabei mit Abstand das Bördeln der Türen. Das macht überhaupt keinen Spaß. Das Problem ist das es auch noch auf den Millimeter passen muss wenn die Türmechanik später rein kommen soll.

Keine schöne Arbeit - Türen bördeln.

Keine schöne Arbeit – Türen bördeln.

Der Aufbau beginnt

Die Spritzwand war fertig vom Entlacken zurück und zum Glück mussten nur zwei kleine Bleche eingeschweißt werden (Bild 3: Schweißen). Gesagt getan und dann ging die Kutsche auch schon zum Verzinken. Der Vorteil beim 90er ist, dass doch nicht so viel zu verzinken ist, um ein haltbares Ergebnis zu bekommen: Spritzwand, Cappings und die Holme unter der Ladewand.

Für solch ein Projekt braucht es Schweißkunst.

Für solch ein Projekt braucht es Schweißkunst.

Jetzt denkt ihr bestimmt, was ist den mit den Rahmen, A Säule und den Halterungen hinten am Rahmen zur Ladewand? Die Teile hatte ich schon vor 5 Jahren verzinkt.

Einiges wurde schon früher verzinkt.

Einiges wurde schon früher verzinkt.

Ein blaues Wunder

Also, ich hatte alles zusammen und es war klar, der Wagen muss neu lackiert werden. Und das Schwarz war sowieso aus der Mode, es wird Zeit für ein blaues Wunder.

Auch bei wenig Platz kann so ein Projekt gestemmt werden.

Auch bei wenig Platz kann so ein Projekt gestemmt werden.

Aber was für ein Blau soll es denn werden? Da fiel mir ein 90er Defender von Cool n‘ Vintage ein. Wie der Zufall so will waren zwei Freunde von mir gerade dort in der Gegend (OnlyaRoadtripAway). Und schon hatte ich die Antwort. Ein Porsche-Rallye-Lack von 1960. Also, ein Anruf bei Porsche, natürlich habe ich da nirgends eine brauchbare Antwort bekommen. Das lag vielleicht daran, dass ich erzählt habe das ich Land Rover fahre. Aber nach einer Anmeldung in einem Forum hatte ich den richtigen Farbcode. Jetzt hatte ich alles, was ich für das blaue Wunder brauchte: Farbcode, die Teile und zumindest ein begrenztes Budget. Was blieb mir also? Nur eine klassische Hoflackierung.

Zwei Wochen später haben wir dann eine Hofaktion gestartet und der Aufbau ging wieder los. Genau so schnell wie er auseinander gebaut wurde, wurde er wirder zusammengebaut. Genau auf den Tag des Unfalls, nur ein Jahr später, stand der 90er wieder da und sprang sogar ohne zu murren wieder an.

Schon besser, die Karosse ist wieder ganz und neu lackiert.

Schon besser, die Karosse ist wieder ganz und neu lackiert.

Was hat mich eigentlich der ganze Spaß gekostet. Im großen und ganzen war die Restauration kostengünstig. Gut, das musste sie auch sein. Da ich fast alle Karosserieteile über mehrere Ecken organisieren konnte, habe ich um die 6.000 Euro ausgegeben. Ein bisschen Zeit, Wut und Verzweiflung wegen der Passgenauigkeit eines Land Rovers. Aber der größte Posten waren die Schrauben, Dichtungen und Clips. Aber das wirklich Coole am Defender ist, man bekommt nahezu an alles an Ersatzteilen. Welches Auto kann das von sich behaupten?

Der aktuelle Stand ist, dass der 90er noch nicht ganz fertig ist, denn der Campingausbau muss noch rein. Aber er hat die HU-Plakette und fährt verdammt gut. Und nach 1,5 Jahren ohne Landy, bin ich wieder am leben.

Phoenix aus der Asche - Komplettwiederaufbau von Maxs Defender.

Phoenix aus der Asche – Komplettwiederaufbau von Maxs Defender.

© Fotos: Max Wiegand