Weiter geht es mit den beiden von The Sunnyside, Karo und Phil. Nach ihrem Aufenthalt in Deutschland und einer Tour nach Nordafrika sind sie ja zurück in Kanada und bei Willi, ihrem Land Rover Defender Reisemobil. Wie geht es weiter und was ist nach 6 Monaten mit Willi los? Das erfahrt ihr hier.

Hallo Vancouver!

Endlich geht es weiter mit unserer Panamericana-Reise. Wir, Phil und Karo, sind nach einem halben Jahr Willi-Abstinenz, endlich wieder bei unserem Defender in Vancouver angekommen.

The Sunnyside - Wieder vereint! Karo, Phil und Reisemobil Willi.

Wieder vereint! Karo, Phil und Reisemobil Willi.

Mitte Mai, letzten Jahres, hatten wir ihn in die Hände von Aart, einem Land-Rover-Mechaniker, in Vancouver gegeben und sind zurück nach Deutschland geflogen. Die Pause vom Reisen nutzten wir jedoch sinnvoll. Wir haben einen neuen Motor für unseren Defender organisiert und diesen mit Hilfe eines Mechanikers überholt. Zusammen mit weiteren Anbauteilen wie Schnorchel, Staubox, Durchlauftank und einer Wasserstandheizung haben wir alles in zwei Kisten verstaut und diese mit einem Schiff nach Vancouver geschickt.

The Sunnyside - Fertig zum Versand. Teile für Willi, der in Vancouver wartet.

Fertig zum Versand. Teile für Willi, der in Vancouver wartet.

In Kanada angekommen, müssen wir uns noch etwas gedulden. Drei Wochen lang lassen die Kisten auf sich warten. Doch dann ist der Tag gekommen. Wir bekommen die E-Mail, dass wir unsere Kisten bei der Spedition abholen können. Unsere Vorfreude wird schlagartig gedämmt, als wir die Kisten in Empfang nehmen. Eine Seite der Kiste ist komplett aufgebrochen. Hier fehlt die Kistenwand und unsere Teile ragen uns entgegen. Irgendwann auf der Reise, muss die Kiste mit einer Brechstange aufgebrochen worden sein. Wir fragen nach, doch die Spedition kann uns auch nicht weiterhelfen. Schnell verstauen wir die Kisten auf Aarts Pickup und fahren zu seiner Werkstatt.

The Sunnyside - Die Kisten sind da. Aber auch alle Teile?

Die Kisten sind da. Aber auch alle Teile?

Dort angekommen, kontrollieren wir den Inhalt der Kisten. Alle Teile werden sorgfältig ausgepackt und mit der Inventarliste von uns abgeglichen. Zum Glück fehlt noch nicht einmal die kleinste Schraubenpackung und die Brechstange hat auch keinen Schaden angerichtet. Wir sind mit dem Schrecken davongekommen.

Das Basteln kann beginnen

Die nächsten zwei Monate verbringen wir mit ölverschmierten Händen in der Werkstatt. Jeden Morgen stehen wir mit einem Kaffee bewaffnet um 8:30 Uhr in der Halle vor einem halb auseinander gebauten Defender Willi.

The Sunnyside - Auf in die nächste Schrauberschicht.

Auf in die nächste Schrauberschicht.

Alle Teile, die uns die letzten 60.000 Kilometern Kopfschmerzen bereitet hatten, werden von uns auseinander gebaut, repariert oder ersetzt. Danach kommen die neuen Anbauteile an die Reihe. Wir fräsen Löcher in Willi, mal stehend, mal unter Willi liegend, fügen Schrauben und Muttern zusammen.

The Sunnyside - Arbeit. Arbeit. Und...Arbeit.

Arbeit. Arbeit. Und…Arbeit.

Wir verwerfen Pläne und schmieden wieder Neue, wie wir beim Einbauen weiter vorgehen können und was wir machen, wenn es nicht so reinpasst wie wir wollen. Nicht nur einmal, fluchen wir ordentlich und freuen uns schon frühzeitig auf den nicht kommen wollenden Feierabend.

Der Motortausch

Doch auch das Einbauen der neuen Teile hat ein Ende und wir können uns komplett auf die wichtigste Aufgabe konzentrieren. Der Tausch unseres Motors. Wir trennen die Kabel und Schläuche. Das geht recht fix. Dann heben wir mit einem Kran den Motor raus. Der Motortausch findet unter Aarts wachsamen Augen statt. Seine Anweisungen und Hilfestellungen helfen uns auch, den neuen Motor innerhalb von zwei Tagen wieder angeschlossen zu haben.

The Sunnyside - Herztransplantation.

Herztransplantation.

Die Spannung steigt. Funktioniert unser neuer, überholter Motor aus Deutschland auch? Wichtig beim ersten Starten ist, dass der Motor danach direkt 20 Minuten lang eingefahren wird. Es darf nicht gestoppt werden, da sich die Kolben und Ringe setzen müssen.
Wir bekommen von Aart nochmal die wichtigsten Verhaltensregeln gesagt und dann dreht Philipp den Schlüssel im Schloss um. Und siehe da, Willi springt ohne Murren direkt an.

Nun heißt es aber losfahren, denn wir dürfen nicht stoppen. Die Route für unsere kleine Tour habe ich vorher rausgesucht, damit wir an so wenig Ampeln und Stoppschildern wie nur möglich vorbeikommen. Zum Glück wohnt Aart auf dem Land, somit ist die Strecke schnell gefunden.

Wir fahren oder?

Wir fahren! Endlich! Wir können unser Glück kaum fassen, nach zwei Monaten Bastelei sind wir endlich auf der Straße. Das unsere Freude nur kurz anhält, können wir da noch nicht wissen. Denn nach keinen drei Kilometern bemerkt Philipp plötzlich, dass sich unser Motor überhitzt. Die Nadel der Anzeige im Armaturenbrett ist plötzlich im hinteren Abschnitt des roten Feldes. Sollen wir also anhalten? Aart hat doch mehrfach erwähnt, wie wichtig es ist nicht zu stoppen.

Doch wir können nicht anders. Wir halten an, denn mit einem überhitzen Motor weiterzufahren, bedeutet meist Zylinderkopfschaden, da sich dieser unter Hitze verziehen kann. Wir machen die Motorhaube auf, doch der Motor sieht normal aus. Er fühlt sich auch nicht besonders heiß an. Wir beschließen es zu wagen und starten erneut den Motor. An eine Fortsetzung der Probefahrt ist nicht zu denken. Wir machen uns schleunigst auf den Weg zurück zur Werkstatt und zu Aart. Hoffentlich ist es für den neuen Motor noch nicht zu spät. Dort angekommen, stellt Aart ziemlich schnell fest, dass sich unser Motor nicht überhitzt hat. Denn sowohl das angeklebte Kontrollthermometer auf der Rückseite des Motors, noch andere Anzeichen eines Überhitzens fehlen.

The Sunnyside - Die Probefahrt ist wohl doch noch einmal gut gegangen.

Die Probefahrt ist wohl doch noch einmal gut gegangen.

Als nächstes geht es dem Thermostat an den Kragen, denn bei unserer kurzen Tour, hatte es sich anscheinend nicht geöffnet. Wir bauen das Thermostat aus und legen es in einen Topf voller Wasser. Mit einem einfachen Thermometer schauen wir, ab welcher Temperatur sich das Thermostat öffnet und ob überhaupt. Doch das Thermostat macht was es soll und öffnet sich bei 88 Grad. Dann kann es also nur der Sensor am Motorblock sein, denn der misst die Temperatur und gibt sie an unsere Anzeige weiter. Das zweite Experiment zeigte uns, was wir kaum glauben konnten. Der neu eingebaute Sensor hatte einen zu kleinen Widerstand. Daher zeigte er einen übertrieben hohen Wert an. Was für ein Glück, denn dieses Problem kann leicht behoben werden. Wir bauten den Sensor aus dem alten Motor aus und in unseren Neuen ein.

Probefahrt, die Zweite

Nun kann unsere Probefahrt, die Zweite, starten. Nervös sitzen wir nebeneinander im Auto, doch es passierte absolut nichts und wir fangen an uns zu entspannen. Alle Anzeigen zeigen an was sie sollen und unser Motor schnurrt dabei wie ein Kätzchen.

Wir haben es geschafft. Die Probefahrt ist nach dem großen Schreck doch geglückt und unsere erste kleine, richtige Tour kann starten. Es geht nach Whistler in den Schnee. Doch davon das nächste Mal mehr.

The Sunnyside - Schneespaß, wieder mit Willi.

Schneespaß, wieder mit Willi.

© Fotos: The Sunnyside