Unter den Offroadern und Reisefahrzeugen finden sich selbstverständlich ältere Benziner, die mit einer klassischen elektromechanischen Zündung ausgestattet sind. Diese haben jedoch einige Limitierungen und Nachteile. Aber es gibt Abhilfen und Alternativen. Wir stellen euch die 123Ignition vor.

Die klassische elektromechanische Zündung ist mit einigen Nachteilen behaftet. Sie weisen größere Toleranzen auf und sie besitzen eine Reihe von Verschleißteilen. Dazu zählen der Unterbrecherkontakt, der immer schwieriger in guter Qualität zu bekommen ist, der Verteilerfinger und die Verteilerkappe. Zusätzlich machen dem Fahrer ermüdende Federn zu schaffen.

Für klassische Geländewagen eher weniger interessant, jedoch für Sportwagen, ist die Limitierung in den Drehzahlen. Vierzylindermotoren sind auf ca. 9.000 U/min, Sechszylinder auf 6.000 U/min begrenzt.

Um diese Limitierungen zu umgehen, gerade auch bei Motoren mit mehr als 6 Zylindern, entstehen Mehrkosten und es muss Mehraufwand betrieben werden. Mehrere Zündspulen, Unterbrecherkontakte oder ganze Zündverteiler sind notwendig, die auch wieder aufeinander abgestimmt werden müssen.

Am Markt befinden sich Umbausätze, die Teile der alten Zündung ersetzen, z.B. Pertronix Ignitor. Bei den Umbausätzen werden nur Teile des Zündverteilers ersetzt, es muss also am System herumgeschraubt werden um den Unterbrecherkontakt durch einen Hall- oder Infrarotsensor zu ersetzen. Nachteilig ist hier, dass der originale Verteiler mit einigen seiner mechanischen Teile erhalten bleibt. Diese Teile, wie der Fliehkraft- und der Unterdruckregler, müssen dann auch weiterhin gewartet werden. Diese elektronsichen Zündungen bringen Vorteile mit sich und erlauben höhere Drehzahlen.

Das Komplettsystem hat viele Vorteile!

Weiter noch als diese Umbausätze geht das Komplettsystem 123ignition, bei dem der gesamte Zündverteiler ausgetauscht wird. Gibt es für ein Fahrzeugmodell keine passende 123ignition, muss jedoch auf einen Umbausatz zurückgegriffen werden.

Bei der 123ignition erfolgt die Zündregelung per wählbarer Zündkurve. Auf den mechanischen Regelmechanismus über den Fliehkraftregler kann verzichten werden. Unser verwendetes Modell hat 16 fixe Zündkurven. Jeder Drehzahl ist, je nach verwendeter Zündkurve, ein Winkel zugeordnet. Einige Modelle besitzen noch den Unterdruckanschluss, um Schaltvorgänge zu erfassen. Während des Schaltens steigt der Unterdruck im Vergaser stark an. Die 123ignition reagiert darauf und verändert den Frühzündwinkel so, dass der Motor während des Schaltvorgangs langsamer läuft.

Die 123igniton ist gradgenau und eliminiert so die Toleranzen des mechanischen Unterbrecherkontakts. Ein funktionierender Unterbrecherkontakt kann immer noch bis zu 6° Verschiebung des Frühzündwinkels an der Kurbelwelle verursachen. Das entfällt bei der 123Ignition. So kann durch die exakte elektronische Kontrolle des Zündzeitpunkts, die Frühzündung weiter an den maximal möglichen Winkel herangebracht werden.

Ein weiteres Problem, welches die 123ignition Zündung beseitigt, ist die Verkürzung der Ladezeit der Zündspule bei steigender Drehzahl. Bei einem mechanischen Unterbrecherkontakt wird je schneller der Motor dreht, die Zeit in der die Spule laden kann, um einen möglichst kräftigen Zündfunken zu erzeugen, immer kürzer. Bei der 123ignition, wird der schnelleren mechanischen Drehung entgegengesteuert, um der Spule immer ausreichend Zeit zum Laden zu geben.
Als einzige Verschleißteile bleiben nur noch der Verteilerfinger und die Verteilerkappe.

Der Einbau ist denkbar einfach und die Anleitung erklärt alle 12 notwendigen Schritte. Sie enthält auch die Parametertabellen für die Zündkurven. Wer sich die Montage nicht selbst zutraut, kann eine Werkstatt aufsuchen, die sich noch auf die alten Zündsysteme versteht. Da die neueren Modelle des 123 Verteilers nicht mehr den fest voreingestellten Frühzündwinkel von 10° besitzen, kann der Herstelleranleitung zur Einstellung des statischen Frühzündwinkels gefolgt werden. Der ganze Einbau ist hier für eine Land Rover Serie mit Vierzylinder-Benzinmotor beschrieben: 123ignition für Land Rover Serie.

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Unser Testfahrzeug: Eine Land Rover Serie IIa

Wir haben die 123\GB-4-R-V mit 16 Zündkurven und Unterdruckanschluss in eine alte Land Rover Serie 109″ mit 2,25 Liter Vierzylinder-Benzinmotor und 8:1 Kompression verbaut. Wie oben angedeutet, verlief der Einbau schnell und sehr einfach. Uns standen neben der Anleitung für den elektronischen Zündverteiler noch das Werkstatthandbuch für das Fahrzeug zur Verfügung. Das Werkstatthandbuch benötigten wir zur Verifizierung der Zündreihenfolge und für die statische Einstellung der Frühzündung.

Ignition1_300dpi Angefangen haben wir mit der konservativsten Zündkurve „0“ und einem statischen Frühzündwinkel von 6° für 95 Oktan Benzin. Das ist der größte angegebene Winkel bei diesem Fahrzeug. Während der Leerlauf sehr ruhig und gleichmäßig lief, stellten sich unter Last schnell Fehlzündungen ein. Das Problem muss also mit der last-und drehzahlabhängigen Verstellung des Zündzeitpunkts zu tun haben. Danach probierten wir eine andere Zündkurve mit größerem maximalen Frühzündwinkel aus, was die Situation eher verschlechterte. Dann gingen wir auf die vorherige Einstellung zurück und vergrößerten den statischen Frühzündwinkel, in dem wir einfach den Zündverteiler etwas gegen die Drehrichtung der Zündung verdrehten. Der Lauf wurde sofort merklich besser und die Fehlzündungen waren verschwunden. Die Ursache lag also am zu geringen statischen Frühzündwinkel für den verwendeten 98 Oktan Sprit. Zu keinem Zeitpunkt kamen wir an die Klopfgrenze. Ausgehend von dieser Einstellung können wir jetzt weitere Zündkurven testen um mehr Leistung heraus zu holen, wobei immer auf die Klopfgrenze geachtet werden muss, um Motorschäden zu vermeiden.

Das Ergebnis stellt uns sehr zufrieden. Das Resultat des Umbaus kann sich sehen lassen. Der Motorlauf ist sehr ruhig und gleichmäßig geworden. Das lässt sich nach entsprechendem Überholen und Reinigen auch sicherlich annähernd mit einer elektromechanischen Zündung erreichen, aber nicht in dieser Kontinuität. Der Verbrauch ist ebenfalls gesunken. Die Zündung selber ist wesentlich besser geworden, der Wagen qualmt nicht mehr und der starke Geruch nach unverbranntem Benzin hinter dem Fahrzeug ist verschwunden. Der Einbau und die Einstellung waren leicht zu bewerkstelligen. Eine Rückfrage zu den Zündkurven wurde vom Hersteller innerhalb weniger Stunden zufriedenstellend beantwortet. Die Investition von rund 300 €, die dieser Verteiler kostet, hat sich in unseren Augen gelohnt.

Zündkurven selbst einstellen

Inzwischen gibt es die 123Ignition für für Benzin-Oldtimer auch mit Bluetooth- und USB-Anschluss. Sie heißen entsprechend „Tune+“ oder „Tune-„. Über einen Windows PC könnt ihr so die Zündkurven verändern. Achtet auf die Polung des Fahrzeugs, ob ihr eines mit positiver oder negativer Erde habt. Für Fahrzeuge mit positiver Erdung haben die Zündungen die Endung „-POS“.

Bezugsquelle in Deutschland: Limora

Foto: © 123ignition.nl