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Familienfoto
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Reisen mit unserem Redaktionshund Guinness

Golden Retriever auf Tour

Im Januar 2022 kam unser Guinness zu uns in die Familie. Ein kleines, weiches Fellpaket. Damals noch tapsig und süß. Heute ist unser Golden Retriever erwachsen und quirlig. Er sorgt für viel Freude, aber auch für Veränderungen, insbesondere was das Reisen mit unseren Geländewagen angeht.

Schon vom ersten Tag an hatte es Konsequenzen, dass wir von nun an einen Hund in der Familie hatten. Als Guinness im Januar 2022 die erste Nacht ängstlich, zitternd und furchtbar aufgeregt neben Nik in seiner Box lag, war klar, die Six Dunes der OF-Series werden wir nicht mitfahren. Ziel der Tour war Marokko. Wir wollten sie im Vorjahr fahren, aber da kam COVID-19 dazwischen. Nun fällt sie auch 2022 für uns aus.

Eine Reise mit so einem jungen Golden Retriever in ein Land, das wir nicht kennen und das diverse Risiken für Hunde birgt, war uns zu unsicher. Zudem wäre dies die erste Reise mit Hund gewesen. Wir hatten noch keine Erfahrung und wir wussten auch noch nicht, wie der Hund das Reisen aufnimmt. Er sollte erst das volle Vertrauen zu uns gewinnen. Außerdem hätten wir zu diesem Zeitpunkt die notwendige Titer-Bestimmung noch gar nicht machen können, die für das Einführen von Hunden in die Europäische Union nötig ist. Das geht erst ab dem 7. Lebensmonat des Hundes.

Aber das war absolut in Ordnung für uns. Wir haben uns für den Hund entschieden, also gilt es von nun an Kompromisse zu machen, wenn man sie denn so nennen möchte. Eine wirkliche Einschränkung haben wir für uns und unsere Art zu Reisen zurückblickend nicht erfahren. Das Reisen ist nicht schlechter geworden als vorher, eher umgekehrt. Der gar nicht mehr so kleine Racker öffnet Herzen und wir haben viel Freude mit unserem treuen Begleiter.

"Wieso steht da mein Name?"
„Wieso steht da mein Name?“

Vorbereitungen

Anstatt Marokko wurden es die Pyrenäen. Wir entschieden uns, in Europa zu bleiben, denn wir wussten noch gar nicht wie Guinness das längere Fahren in einem Auto verträgt. Wir wollten die Möglichkeit haben, ohne Umstände wieder nach Hause fahren zu können, wenn es zu Problemen kommt. Natürlich haben wir ihm zuerst einen Platz im Auto gebaut. Das brachte zwar unser gerade eingebautes Fahrzeugkonzept durcheinander, aber was macht das schon? Wir konnten bisher in unseren 110er Defender sowohl oben im Hubdach, als auch unten schlafen. Notfalls mit zwei Personen, aber in jedem Fall alleine. Den unteren Schlafplatz haben wir für die Hundebox aufgegeben.

Guinness ist ein Reisehund – Glück gehabt

Auf dieser Reise hat sich gezeigt, dass er ein sehr entspannter, ruhiger Mitfahrer ist. Einzig – aber das hat sich mittlerweile gelegt -bewegte er sich nicht gerne zu weit vom Auto weg, wenn wir nicht beide bei ihm waren. Das Auto ist sein Safe-Place geworden, seine Höhle. Auch heute noch zeigt er uns an, wenn er es vorzieht in seine Box zu verschwinden, wenn es ihm zu hektisch und zu laut wird. Er steht dann einfach vor der Autotür bis jemand sie ihm öffnet. Da besiegt der Wunsch nach Ruhe und Geborgenheit am Ende die Neugier.

Auf den Wild Atlantic Way in Irland. Guinness fühlt sich hier sehr wohl.
Auf den Wild Atlantic Way in Irland. Guinness fühlt sich hier sehr wohl.

Feste Zeiten und Rituale geben Sicherheit

Zuhause als auch auf Reise versuchen wir die gleichen Zeiten für das Fressen und kleine Rituale einzuhalten. Dazu zählt auch die Kuschelstunde. Wir knuddeln dann mit Guinness, der das sehr bereitwillig entgegen nimmt. Besonders mag er, wenn wir seinen Bauch kraulen. Das ist ein fester Bestandteil des Tages. Das ist wichtig für den Aufbau tiefen Vertrauens und einer tiefen Bindung. Er kann sich vollkommen fallen lassen, er hat gelernt, dass er dann bei uns ganz sicher ist.

Herrlich!!!! Ein guter Belly-Rub ist nicht zu verachten.
Herrlich!!!! Ein guter Belly-Rub ist nicht zu verachten.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, dass er seine Beschäftigung bekommt. Dass wir seine Instinkte befriedigen. Als Golden Retriever aus der Jagdlinie will er mit der Nase arbeiten, schnüffeln und suchen. Das macht er extrem gerne mit seinen Dummies und wenn er dabei noch ins Wasser kann, ist er nicht zu halten. Wann immer es geht versuchen wir ihn damit auszulasten.

An solchen Orten dreht Guinness richtig auf.
An solchen Orten dreht Guinness richtig auf.

Wir arbeiten dabei mit einem, manchmal auch mit zwei Dummies, die wir benannt haben. Wir können ihm sagen, welches Dummy er zuerst suchen und finden soll, um ihn dann auf das zweite zu schicken. Wenn es die Umgebung hergibt, legen wir die Dummies auch höher ab, das fordert ihn noch mehr. Von sich aus sucht er immer erst den Boden ab. Bekommt er Witterung und findet das Dummy nicht, geht der Kopf hoch. Es ist dann noch schwieriger für ihn, er muss sich voll konzentrieren. Bisher hat er jedoch alles immer wiedergefunden. Wir hätten ihn vielleicht „Google“ nennen sollen.

Auch die Arbeit kommt nicht zu kurz

Fanden wir solch einen Strand, was nicht so schwierig war, haben wir sehr ausgiebig mit Guinness gearbeitet und gespielt. Der feuchte, weiche Sand federt alles gut ab, er kann dort sehr gut rennen, springen und hüpfen. Auf den langen Stränden Irlands konnten wir ihn auch richtig weit schicken. Da die Nasenarbeit Hunde wesentlich mehr fordert als das Laufen, nutzen wir die Dünen für intensives Suchen.

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Die Denkarbeit ist anstrengend und die erhöhte Atemfrequenz (bis zu 300 Mal pro Minute) und die Einbindung des limbischen Systems über sein zusätzlichen Riechorgan am Gaumen (Vomeronasalorgan) bedeuten eine Höchstleistung für den Hund. Der Effekt ist ein müder aber auch sehr zufriedener Hund. Bei der anschließenden Weiterfahrt ist er dann immer im wahrsten Sinne des Wortes „hundemüde“ und das macht die Fahrt wieder entspannter.

Nach einer intensiven Arbeits- und Spieleinheit ist Guinness einfach "platt".
Nach einer intensiven Arbeits- und Spieleinheit ist Guinness einfach „platt“.

Immer das Wohl des Hundes im Blick

Jedes Arbeiten und Spielen wird mit Trinken beendet. Auch während längerer Fahrten halten wir immer wieder an, lassen ihn sein Geschäft machen und etwas trinken. Er selbst zeigt es eher spät aktiv an, selbst wenn der Durst sich als groß erwiesen hat. Hat er dabei Kontakt mit uns, legt er sanft seine Pfote auf. Dann wissen wir, er braucht etwas. Während der Fahrt ist das nicht möglich. Daher denken wir hier für ihn mit.

Hat er sein Lieblingsdummy bei sich, trinkt er auch nicht. Er bewacht den Ball, bis er ihn in Sicherheit weiß. Nach dem Spazieren oder Arbeiten lassen wir ihn seine „Beute“ an seinen Platz tragen, einen kurzen Moment ruhen, dann fordern wir ihn auf den Ball zu bringen und wir packen ihn weg. Dann trinkt er.

Schwimmen

Beim Schwimmen sind wir besonders vorsichtig. Guinness neigt dazu, sich in alles hineinzustürzen. Im wahrsten Sinne des Wortes. Im Wasser lauern aber einige Gefahren. Äste, die nach oben stehen, Müll, zerbrochene Flaschen, überspülte Steine und Felsen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie der Hund sich doch mit scheinbar traumwandlerischer Sicherheit bewegt. Aber ich habe kein Gefühl dafür, ob er alles überschaut oder ob da viel Glück dabei ist. Es heißt ja, Retriever seien durchaus geschickt, aber kann er wirklich alles sehen, was unterwasser liegt?

Perfekte Bedingungen in Slowenien: Kühles, klares Wasser, keine Bäume, wenig Strömung.
Perfekte Bedingungen in Slowenien: Kühles, klares Wasser, keine Bäume, wenig Strömung.

Deshalb sehe ich mir das Gewässer vorher immer selber an und versuche Gefahren zu erkennen und, wenn es geht, sie zu beseitigen. Ein Restrisiko wird jedoch immer bleiben. Wir lassen ihn auch nie alleine schwimmen. Ich bin immer in seiner Nähe, entweder am Ufer, bereit sofort ins Wasser zu gehen oder ich schwimme gleich mit. Da er keine Bremse kennt, müssen wir aufpassen und die Signale sehen, wenn er erschöpft ist. Wir machen dann lieber eine Pause zu früh und zu oft, als dass wir etwas riskieren wollen.

Hitzeschutz

Als richtig gut haben sich die Blidimax Sichtschutzmatten erwiesen. Sie halten das Fahrzeuginnere tatsächlich deutlich kühler als die Außentemperatur. Wenn wir parken und beispielsweise einkaufen gehen, muss der Hund im Auto bleiben. Als erste Maßnahme versuchen wir seine Fahrzeugseite immer im Schatten oder von der Sonne abgewandt zu parken. Lässt sich das nicht vermeiden, machen wir sowohl im Stand als auch während der Fahrt eine Blidimax-Sichtschutzmatte an sein Fenster. Selbstverständlich bleiben beim Parken auch mehrere Fenster einen entsprechenden Spalt offen.

Grenzen und Grenzen setzen

Aber es gibt Grenzen. Sehr oft sind es schlichtweg der Leinenzwang, Hundeverbote oder ungeeignete Plätze. Da können wir halt nichts machen. Ein weiterer Grund ist die Temperatur. Ein Golden Retriever kennt seine eigenen Grenzen oftmals nicht. Er würde arbeiten, laufen und schwimmen bis er umfällt, solange wir es einfordern. Daher ist es sehr wichtig, dass wir für ihn die Grenzen setzen, auch wenn es ihm zunächst nicht gefällt.

Besonders schlimm ist es für ihn, wenn wir am Meer sind. Zu viel Salzwasser führt bei ihm zu Durchfall, weshalb wir ihn nicht zu lange schwimmen lassen. Wenn es Quallen gibt, darf er gar nicht ins Wasser. Was allerdings die Strände angeht, hat sich Irland als Traumland für Guinness erwiesen. Kühle Temperaturen und große, einsame Strände, oft flaches Wasser.

Immer wieder in Irland, Strände einsam und leer.
Immer wieder in Irland, Strände einsam und leer.

Welche Hundeausrüstung wir dabei haben

Die wesentlichen Sachen sind eine Decke, zum darauf liegen, Näpfe, Geschirr und Leine und Dummies. Zum Liegen haben wir zwei Decken dabei. Wenn es kälter ist, nutzen wir die Wolldecke von Heldberg, die es leider nicht mehr gibt. Sie ist auf der einen Seite aus Wolle, auf der anderen Seite ist sie aus gewachster Baumwolle. Mit dieser Seite kann die Decke auch auf feuchtem Boden liegen. Allerdings schlägt Guinness gerne die Vorteile solch einer Decke aus, da er sich meistens einen kühlen Liegeplatz sucht. Er ist auch noch so agil und aktiv, dass er sobald sich Bewegung zeigt, meistens sofort aufsteht, denn er könnte ja etwas verpassen.

Guinness auf seiner Heldbergs-Decke.
Guinness auf seiner Heldbergs-Decke.

Wenn es warm ist, liegt er gerne auf der Nakatanenga Hundedecke in 70 x 70 cm. Die ist leicht, dünn, gegen Feuchtigkeit mit PU beschichtet und nimmt nicht viel Platz weg.

Guinness auf seiner Nakatanenga-Hundematte.
Guinness auf seiner Nakatanenga-Hundematte.

Wie Zuhause auch hat er dann zwei Näpfe, zum Fressen und Trinken. Dazu nutzen wir die YETI Boomer-Näpfe. Die liegen gut auf dem Boden auf, da Guinness die kleinen Plastiknäpfe, die wir früher nutzten, beim Fressen mit der Nase immer durch die Gegend schob und sie zu schnell umgeworfen wurden.

Als Geschirr, wenn gearbeitet und getollt wird nutzen wir das Anny-x Brustgeschirr. Es hat einen Ring zum Anschnallen, aber auch den zweiten Ring, der eigentlich nicht dafür gedacht ist, nutzen wir, wenn wir mehr Kontrolle wollen. Geht es in die Stadt und soll der Hund enger geführt werden, verwenden wir das Nylonhalsband von Carhartt mit Metallverschluss.

Das Anny-X-Geschirr ist perfekt.
Das Anny-X-Geschirr ist perfekt.

Damit wären wir bei den Leinen. Es gibt lange, gummierte Schleppleine von petlando, wenn wir in der Natur unterwegs sind und eine kürzere, verstellbare Führleine. Die kann ich sehr gut um den Körper tragen. So habe ich Guinness immer nah bei mir und beide Hände frei.

Als Standard-Dummy zum Arbeiten nehmen wir das Carhartt Retrieving-Dummy. Es lässt sich gut werfen und der Hund behält einen lockeren Biss. Das Außenmaterial ist robustes Nylon, das sich gut abwaschen lässt.

Carhartt-Dummy, sein zweitliebstes Spielzeug.
Carhartt-Dummy, sein zweitliebstes Spielzeug.

Sein absoluter Favorit, mit dem wir nur ab und zu spielen, ist der Dogs Creek Airflow. Für den lässt Guinness alles stehen und liegen. Der Ball ist groß genug, dass er ihn nicht verschluckt. Er ist leicht, sodass er ihn aus voller Fahrt aufschnappen kann und er ist offen, so dass der Hund ohne große Anstrengung durchatmen kann. Auf diese Art kann er ihn „genießen“ und dennoch weiterhin atmen und sich kühlen.

Bei diesem Ball kennt Guinness keinen Spaß!
Bei diesem Ball kennt Guinness keinen Spaß!

Der richtige Hundeplatz

Die ersten Reisen mit Hund haben wir mit dem Land Rover Defender gemacht. Dort hat der Hund seine Box. Die ist nicht zu groß und gibt ihm die Möglichkeit sich abzustützen. Ansonsten rutsch er in Kurven nur herum. Er hat eine Decke in seiner Box, die er aber überwiegend in eine Ecke knüllt und sich dann einfach auf das Holzbrett legt. Was wir gemerkt haben: Er mag seine Box und hält sich dort gerne auf.

Als wir das erste Mal mit dem Toyota Hilux fuhren, fiel uns auf, dass Guinness nie zur Ruhe kam. Ständig wechselte er zwischen Liegen und Stehen, hechelte, wirkte nervös. Er war auf der hinteren Sitzbank untergebracht. Wir haben im dort die Stoffwanne Dog Rest von Delta Bags installiert. Aber er fühlte sich irgendwie nicht wohl.

Im Vergleich zur Hundebox im Defender war schnell klar, dass er zum einen schräg im Toyota lag, da eine Sitzbank eine schräge Sitzfläche hat und das es ihm zu weich ist. Für die nächste Reise legten wir Keilkissen unter die Delta Bags Stoffwanne und schoben eine dicke Pappe in das eigens dafür vorgesehene Fach der Wanne. Genau das hat es gebracht. Nun liegt Guinness eben und härter, so wie er es mag. Auf der Reise nach Südspanien war er dann auch wieder entspannt, so wie wir ihn kennen.

Lektionen, die wir über Golden Retriever gelernt haben

Der Hund sieht die Welt anders und wählt seine eigenen Wege. Das war eine heftige aber wichtige Erkenntnis. Ich stand mit Guinness Dummy auf einem Steg, er wartete mit Nik auf dem höher gelegenen Parkplatz am Wrack der Port Lairge im Südosten Irlands. Als ich das Dummy sauber hatte, zeigte ich es Guinness, der daraufhin startete. Allerdings nicht so, wie wir Menschen den Weg wählen würden, seitlich zum Steg und dann den Steg entlang. Nein. Er setzte zum Sprung über die breite und hohe Front der Wellenbrecher an, große Steine die am Ufer aufgeschüttet wurden. Mein Herz blieb stehen, denn für mich war klar, das war es. Stoppen ließ er sich damals noch nicht und ich konnte mir nicht vorstellen, dass dieser junge Hund das schafft. Ich sah ihn zwischen den Steinen aufprallen, mit allem gebrochen was man sich brechen kann. Aber er landete sicher und sanft auf dem kleinen Strand und lief zu mir, als wäre nichts gewesen.

Möglicherweise traue ich dem Golden Retriever nicht genug zu, vielleicht war es für ihn außer Frage, dass er es schaffen würde, aber ich habe so gelernt, dass ich für den Hund mitdenken muss. Wo könnte er lang laufen wollen, wo sind Gefahren und vor zu guter Letzt: Wann rufe ich ihn? Zuhause habe ich zudem mit ihm am Stopp zu jedem Zeitpunkt gearbeitet, auch wenn er schon das Kommando zum Start bekommen hat oder er ein Dummy im Visier hat. Das klappt jetzt gut, aber sicher kann man sich nie sein.

Nik, AWo & Golden Retriever Guinness
Nik, AWo & Golden Retriever Guinness