Für uns war immer klar, dass wir unser eigenes Fahrzeug nach Südamerika verschiffen werden. Somit stand fest, wir werden Südamerika mit einem VW-Bus T3 Syncro erkunden. Im Vorfeld hatten wir auch ein wenig recherchiert. Schnell stellte sich heraus, dass wir angeblich das falsche Fahrzeug haben.

  • Keine Ersatzteile in ganz Südamerika
  • Die Farbe (armeegrün) sei zu provokativ, besonders in Bolivien würden wir Probleme bekommen
  • Es würden mehr Reparaturen auf uns zukommen, als wir Kilometer fahren können
  • Zuwenig Leistung um die Andenpässe zu bewältigen
  • Zu klein für längere Reisen
  • Seilwinde sei nicht notwendig
  • Zu hoher Treibstoffverbrauch
  • Ein VW Bus ist kein zuverlässiges Fahrzeug

All das und noch viel mehr durften wir uns anhören. Nun nach 14 Monaten Südamerika können wir ein Statement dazu abgeben.

Wie ist es wirklich mit einem VW Bus T3 Syncro in Südamerika zu reisen?

Es ist das Beste was wir machen konnten. Absolut entspannt und auch aufregend zugleich. Andere Landschaften, Mentalitäten und viele, ganz viele Offroadmöglichkeiten. Wir wurden immer wieder von fremden Leuten angesprochen und das nur, weil wir einen VW-Bus fahren. So ergaben sich Grillabende, Bekanntschaften und Möglichkeiten wurden uns geboten, die wir unserem Bus zu verdanken haben. Wir wussten schon, dass es in Europa eine grosse VW-Bus Szene gibt. Das es aber in Südamerika auch so ist, erlebten wir schon einige Wochen nach unserer Ankunft. Wir wurden zu verschieden VW-Bus-Treffen eingeladen, in den 14 Monaten und wenn es auf unserer Route lag, fuhren wir auch hin. Viele Kontakte die wir auf unserer Reise geknüpft haben, pflegen wir immer noch.

Auf dem zweiten Pass Ruta 13.

Auf dem zweiten Pass Ruta 13.

Keine Ersatzteile in ganz Südamerika

Keine Ersatzteile in ganz Südamerika stimmt so schon mal nicht. Es gibt den T3 nicht sehr oft, da er auf dem Kontinent nie gebaut wurde. Wenn man weiss wo man suchen muss, wird man aber fündig. In Argentinien gibt es einige T3-Fahrer und sie sind auch sehr hilfsbereit. Nichtsdestotrotz, spezielle Ersatzteile findet man hier nicht, das ist richtig. Auch schicken lassen ist nicht ganz einfach, wegen der Importbestimmungen. Keilriemen, Ölfilter und all die üblichen Verschleissteile gibt es offiziell nicht nach Artikelnummer, doch wenn man mit einem Muster zu dem Händler geht, weiss er sogleich was man braucht.

Schwieriger wuird es in Argentinien un Bolivien

Wir mussten auch schon von Argentinien nach Chile wechseln mit einer defekten Kupplung. 300 Kilometer und dazu noch Schotterpiste und einige Höhenmeter die wir überwinden mussten. In Chile angekommen, konnten wir Kontakt zu T3-Fahrern im Land herstellen. Dadurch wurde uns aus der Patsche geholfen und das gesuchte Ersatzteil, von der Hauptstadt Santiago nach Coyhaique -2000km- per Flugzeug geschickt. Es gibt in Santiago einen Händler für VW-Busse, der direkt aus Deutschland importiert. Solange man sich in Chile aufhält, kann man fast alles ersetzten.

Wir haben uns dann später in Santiago mit Ersatzteilen eingedeckt bevor es nach Bolivien ging. Bolivien und Ersatzteile ist noch schwieriger als in Argentinien. Wenn aber doch etwas schief gehen sollte, gibt es in La Paz eine Werkstatt, die von einem Schweizer gegründet wurde. Das Martin Automechaniker ist, ist sicherlich ein sehr grosser Vorteil, doch auch ohne diese Ausbildung ist es machbar. Es braucht vielleicht einfach etwas mehr Geduld und Zeit.

Die Farbe sei zu provokativ, besonders in Bolivien

Das mag sein, doch wir hatten nie Probleme. Im Gegenteil! Es wurde viel salutiert als wir an Polizeikontrollen vorbeifuhren. Selten wurden wir angehalten. Wir bekamen immer Treibstoff an den Tankstellen und nie haben wir die Farbe als nachteilig empfunden.

Mehr Reparaturen als Kilometer

Nun, das können wir nicht bestätigen. Wir sind wirklich nicht zimperlich mit unserem VW-Bus umgesprungen. Von den 30.000 Kilometern sind wir sicher die Hälfte auf Matsch, Erde, Sand, Lavagestein und anderem Untergrund gefahren. Auch Straßen, die eher gefährlich einzustufen sind und damit meine ich nicht die Death Road in Bolivien.

Death Road.

Death Road.

Dadurch wurde alles am Fahrzeug sehr beansprucht. Das Fahrwerk von GMB-Mount hat sich mehr als bewährt. Unsere Reifen, Pirelli Scorpion, haben alles mitgemacht. Wir hatten zuvor andere Reifen, die wir aber durch Selbstverschulden -Bekanntschaft mit Kameldornen- schon zu Anfang unserer Reise durchlöcherten. So mussten wir wohl oder übel in Argentinien neue Reifen kaufen. Ich würde behaupten, wir haben nicht mehr Zeit in Werkstätten verbracht als andere Reisende mit ihren Land Rovern, Toyotas, Ivecos oder was auch immer.

Zuwenig Leistung um hoch hinaus zu wollen

Einige Male haben wir die 5.000 Metern über dem Meer fast geknackt, und das mit dem originalen Motor, dem 2,1 Liter WBX mit 87 PS. Nie hatten wir wirkliche Probleme mit dem Starten, er lief immer gleich an. Manchmal wäre es schön gewesen, wenn noch mehr Leistung vorhanden gewesen wäre, doch der Weg ist ja bekanntlich das Ziel.

Abra del Acay.

Abra del Acay.

Zu wenig Platz

Wir staunen auch heute noch, was man so alles in einem VW-Bus verstauen kann. Besonders dann, wenn man etwas sucht. Durch unser fixes Bett ist es so, dass wir weniger Platz im Innenraum haben. Für uns zwei reicht es völlig. Einer auf dem Bett, der andere auf dem drehbaren Beifahrersitz und so hat jeder sein Plätzchen. Bei schönem Wetter hält man sich sowieso draußen auf. Nur bei schlechtem Wetter konnten wir nie jemanden zu uns ins Auto einladen. Wir haben aber immer eine Möglichkeit gefunden um trotzdem zusammensitzen zu können.

Die Grösse des VW-Busses war einer unserer Hauptgründe, weshalb er unser Reisemobil wurde. Neben den zwei Sperren und das es ein Syncro ist. Mit unserer Größe kamen wir überall hin wo wir hin wollten. Durch den Wald, schmale Straßen, keine Straßen, Berggipfel, Städte, Stadtkerne, tiefliegende Stromkabel, all das und noch mehr konnten uns nicht aufhalten. Übernachten auf einem Parkplatz, kein Problem. Ohne das Dach öffnen zu müssen konnten wir kochen, schlafen und wohnen darin. Für eine Nacht irgendwo in einer Stadt, kein Problem.

Seilwinde braucht es nicht

Wenn man die Panamericana fährt braucht es keine Seilwinde nicht. Doch wir wollten nie „nur“ die Panamericana fahren. Uns reizte das Unbekannte, Orte, die wenig frequentiert sind und wenn möglich nicht immer nur Asphalt. Genau das haben wir auch gemacht. Die Seilwinde war lange Zeit nur ein schönes Accessoire, doch dann kam der Tag, an dem wir froh waren, dass wir sie hatten. Wir sind steckengeblieben und weit und breit kein Mensch. Stundenlanges schaufeln hat uns nur einige wenige Meter weitergebracht. Nach sechs Stunden kam endlich ein Fahrzeug vorbei. Drei Männer die uns anboten, einen Ankerpunkt zu setzten mit ihrem Fahrzeug. Hätten wir die Seilwinde nicht gehabt, wer weiß… Vielleicht würden wir jetzt noch im Flussbett stehen.

VW-Bus T3 Syncro mit Sandblech und Wasser.

VW-Bus T3 Syncro mit Sandblech und Wasser.

Zu hoher Treibstoffverbrauch

Ja, das stimmt und das ist ein Punkt, den man nicht unterschätzen darf. Wir hatten auf unseren bisher 30.000 Kilometern einen Schnitt von 18 Litern auf 100 Kilometern. Da muss man nicht drüber diskutieren. Das ist zuviel. Doch irgendwo muss es einen Haken geben. Das perfekte Fahrzeug gibt es nicht, aber der Syncro ist für uns persönlich sehr nahe dran.

Der T3 ist kein Offroader / kein zuverlässiges Fahrzeug

Tja das stimmt so definitiv nicht. Der T3 wird immer noch unterschätzt. Wir sind Wege und keine Wege gefahren, das hätte ich zuvor nie für möglich gehalten. Ich bin keine Offroadexpertin, doch haben wir Strecken hinter uns gebracht, an denen zuvor einige gescheitert sind, weil sie einfach nicht weiter kamen. Unser Dicker hat uns immer wieder überrascht und uns bisher als zuverlässiger Weggefährte nicht im Stich gelassen. Wie schon geschrieben, Pannen gehören auf einer Reise einfach dazu. Das passiert mit einem Minicamper wie auch mit einem Expeditionsmobil.

Auf dem Lonquimay.

Auf dem Lonquimay.

Wir würden uns auf jeden Fall wieder für den VW T3 entscheiden

Solch ein Bus ist sicher nicht ein Fahrzeug für jeden, was auch gut ist. Für uns ist es die eierlegende Wollmilchsau. Unsere Südamerikareise ist bald zu Ende doch unsere Reiselust noch nicht. Da unser Bus vor der Reise nicht groß restauriert wurde, kommt das Projekt Syncro Restauration auf uns zu. Durch die Erfahrung einer längeren Reise wissen wir jetzt eher, was es braucht und was nicht. So wird Stitch komplett überholt. Innen wie außen… Damit wir wieder in die große Welt ziehen können mit unserem VW-Bus.

Werkstatt-Tipps für den VW Bus in Südamerika

Die iOverlander App hilft sehr bei der Werkstattsuche. Sie ist nicht immer für Übernachtungsplätze geeignet, aber für Werkstätten und andere Infos sehr zu empfehlen.

Ersatzteilhändler in Santiago de Chile ist Felizwagen. José Véliz V., Almirante Latorre 81, Metro República, Santiago de Chile. Ein sehr grosses Angebot für VW T1 bis T3.

Vorsicht! Es gibt auch einen selbsternannten VW-Bus-Guru in Santiago. Wir haben aber Sachen gesehen, Arbeiten, bei denen man sich fragen musste, wie die zu der Annahme kommen, sie seien Gurus. Fast jeder, der mit seinem T3 dort war, hatte nach wenigen hundert Kilometern noch gravierendere Probleme als zuvor.

Super aufgehoben waren wir bei Mario in San Felipe. Eine Stunde von Santiago entfernt. Falls jemand den Kontakt benötigt, kann er uns anschreiben und wir werden es weiterleiten, da Mario alles nur nebenberuflich macht. Er freut sich aber immer VW-Bus-Fahrer kennenzulernen und ihnen zu helfen.

Die Werkstatt in Bolivien betreibt Ernesto Hug. Adresse lautet: Ernesto Hug Calle Jaimes Freyre 2326. La Paz – Bolivien
Wir waren nie dort, haben aber von anderen Reisenden nur Gutes gehört. Er ist, denke ich, einer der berühmtesten Werstattbesitzer in ganz Südamerika unter den Reisenden.

Zweimal waren wir in Hinterhofgaragen ohne Namen. Das war in Chile in Coyhaique und in Argentinien in San Antonio. In Antofagasta gibt es noch eine Werkstatt, in der man selber schrauben darf und wenn man Hilfe braucht, sind auch zwei Mechaniker zur Stelle.

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