Torsten, Ina und ihre Tochter Anne haben bereits verschiedene Stadien des Campings durchlaufen, vom Bodenzelt über den komfortablen aber zu kleinen Van bis hin zum großen Wohnwagen. Wo das eine zu wenig Platz bietet, ist das andere zu unflexibel. Deshalb haben sie sich am Ende für eine Kombination entschieden. Ein Hilux als perfektes Zugfahrzeug für den Wohnwagen, der dann als Basisstation dient. Und der Hilux alleine als wendiges Offroad-Fahrzeug für Offroad-Touren in die Gegend und der Möglichkeit auch ohne den Wohnwagen autark irgendwo frei zu stehen.

Die Idee hinter dem Reisemobil-Ausbau des Toyota Hilux

Ziel des Ausbaus bzw. Umbaus war es, mit dem Hilux und dem Wohnwagen eine feste Basisstation zu haben, aber auch während kleinerer Offroad-Touren bei Bedarf, frei zu campen, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Die größte Schwierigkeit für Torsten war bei den üblichen Reisefahrzeug-Ausbauten, dass der Platz für zwei Personen ausgelegt ist. Also zwei Sitze vorne und hinten der Ausbau. Der Toyota Hilux mit Doppelkabine, Alu-Cab Hardtop und Dachzelt ist für Torsten hingegen das perfekte Familien-Reisefahrzeug.

Veränderungen am Hilux selbst

Torstens Hilux ist die Standard 3-Liter-Ausführung. Bei der Firma Hurter in Süddeutschland hat der Hilux ein Tough Dog Fahrwerk bekommen, mit dem der Pick-up 7 bis 8 cm höher gekommen ist. Zudem wurde eine Windenstoßstange aus Edelstahl verbaut, die den Böschungswinkel zudem verbessert hat. Als Winde hat sich Torsten für eine Dragonwinch entschieden.

Dazu gab es zur serienmäßigen Hecksperre eine Mittelsperre und eine Frontsperre. Hinten wurde eine abnehmbare Anhängerkupplung von Rockinger verbaut. Mit dieser kann Torsten zwischen Kugelkopf, Klauen- und Natoöse wechseln. Dazu hat er eine zusätzliche Platte anfertigen lassen, auf der eine Bergeöse fürs Gelände aufgebracht ist.

Bei den Reifen hat sich Torsten für die Cooper STC Pro MT 265/70 R17 entschieden. Im Winter fährt er die Nokian Hakkapeliitta LT.

Das Hartschalen-Dachzelt zum Schlafen

Früher waren die drei häufig mit Bodenzelten unterwegs. Das war recht praktisch, wenn sie von einem Ort aus, sternförmig verschiedene Ausflüge gemacht haben und das Zelt nicht jeden Tag auf- und abbauen mussten. Für einen kurzen Wochenendtrip oder eine Tour mit vielen Ortswechseln war dieses Model jedoch nicht praktikabel. Umbau Hilux Familien-Reisemobil

Die meisten Dachzelte haben eine 1,60 Meter breite Liegefläche, darin schläft man allerdings quer zum Fahrzeug. Da die Liegefläche erst ausgeklappt werden muss,  ist der Auf- und Abbau sehr aufwendig.

Deshalb hat sich Torsten für ein Hartschalen-Dachzelt entschieden. Zum Auf- und Abbau wird das Dachzelt nur zusammengeklappt und mit vier Schnallen festgemacht. So sind die drei innerhalb von 5 Minuten reisefertig. Beim Space XXL von James Baroud schlafen die drei längs zum Fahrzeug auf einer Liegefläche von 224 x 160 cm.

Einer der Vorteile des Hartschalendachzelts ist zusätzlich, dass keine Kunststoffpersenning irgendwo verstaut oder wieder übergestülpt werden muss. Das Rumgeturne auf dem Dach entfällt also. Ebenso ist Torsten die Robustheit des Dachzelts wichtig, auch hier kann das Hartschalendachzelt punkten.

Nachteil ist derzeit noch, dass die Eingänge nicht wettergeschützt sind. Bisher gab es dafür noch keine richtige Lösung, doch mittlerweile gibt es von James Baroud einen Zelteinstieg für das Space. Den Zelteinstieg kann man mittels einer Kederleiste am Dachzelt befestigen, so dass man einen wettergeschützten Eingang hat.

Das Alu-Cab Hardtop für den Toyota Hilux

Ursprünglich hatte Torsten auf seinem Hilux ein ARB Kunstoffhardtop, das bauartbedingt nur hinten eine Klappe hatte. Zwar hätte die Möglichkeit bestanden, in die Seitenfester Klappen einzubauen, doch die Rahmen der Fenster waren so breit, dass die Klappen recht klein geworden wären.

Das Alu-Cab Hardtop hat für Torsten deutliche Vorteile. Vor allem die großen Seitenklappen sind für ihn beim Be- und Entladen sehr wichtig. Ebenso wie die Schienen innen mit deren Hilfe der passende Alu-Cab Tisch platzsparend unter dem Dach befestigt werden kann. So haben die drei den Tisch auch für eine kurze Rast zwischendurch direkt griffbereit.

Schubladen-System Marke Eigenbau

Anfangs hatten Torsten und Ina hinten im Hilux einen Schubladenauszug, auf dem Plastikkästen verstaut wurden. Allerdings war das Verzurren der Kisten immer hakelig und die Schubladen haben sich dabei häufig verzogen.

Daraufhin haben sich die beiden ein Schubladen-System von einem befreundeten Schreiner bauen lassen, der langjährige Toyota-Erfahrung hat. Die Schubladen bestehen aus 125 Zentimeter langen Schwerlast-Vollauszügen, die in den Ladeboden eingepasst sind. Neben den beiden Schubladen sind jeweils Staufächer, von denen eines von hinten, das andere von der Seite geöffnet werden kann. Bezogen sind die Schubladen hinten und oben mit einem robustem Vlies aus der Automobilindustrie.

Mit dem selbstgebauten Schubladensystem – Fast schon zu viel Stauraum im Toyota Hilux

In den Staufächern lagert Torsten Verbandskasten, Feuerlöscher, Warndreieck und den Wassersack. In einer Schublade werden die Küchenutensilien, Kocher und ein paar Vorräte aufbewahrt. Die zweite Schublade ist meistens leer oder dient als Puffer, falls es mal in Gebiete geht, in denen warme Kleidung benötigt wird, die viel Platz wegnimmt.

Umbau Hilux Familien-Reisemobil

Über den Schubladen ist auch reichlich Platz. Auf den Schubladen sind Alu-Zurrschienen geschraubt, mit Hilfe derer die Camping-Stühle und Taschen mit Kleidung verzurrt werden. In zwei 60-Liter-Bundeswehr-Aluboxen liegen das Tarp mit Gestänge und Bergezeug immer griffbereit.

Umbau Hilux Familien-ReisemobilSpezielle Vorrichtung für das Absenken der Kühlbox im Pick-up

Im Hilux hat Torsten eine Engel-Kühlbox MR40 verbaut. Da die Kühlbox auf der Ladefläche über den Schubladen auf 1,75 Meter Höhe steht, so dass von ihnen keiner mehr reingucken könnte, hat er lange nach etwas gesucht, um die Kühlbox auf eine angenehme Höhe abzusenken. Bei den Systemen, die in Deutschland angeboten wurden, wird die Kühlbox allerdings immer schräg gekippt, so das alles in der Box umherfliegt. Deshalb hat sich Torsten für ein das MSA Frigde Drop Slide aus Australien entschieden, mit dem die Box erst nach vorne über die Ladefläche rausgezogen und dann senkrecht auf eine angenehme Höhe abgesenkt wird.

Gekocht wird draußen

Torsten und seine Familie kochen mit zwei Trangia Sturmkochern auf der heruntergeklappten Ladeklappe. Die Kocher verwenden die drei je nach Situation mit Gas, Benzin oder Spiritus. Den Trangia-Kocher finden sie extrem praktisch, da die Töpfe direkt mitgeliefert werden und man auch problemlos zwei Liter Wasser damit kochen kann. Zudem sind die Kocher mit verschiedenen Brennstoffen nutzbar und können auch mit dem Omnia-Backofen benutzt werden.

Markise am Hilux oder keine Markise

Lange hatten Torsten und Ina mit einer Markise geliebäugelt. Insbesondere bei einem Urlaub in Schottland hatten die beiden Bedenken, ob ein Tarp dem schottischen Wetter standhält. Nach der Testfahrt in Schottland sind sich die beiden nun aber sicher, es wird keine Markise geben.

Sie sehen viele Vorteile beim Tarp, so z.B. dass kein weiteres zusätzliches Gewicht am Dach des Wagens befestigt wird. Auch sind sie mit dem Tarp deutlich flexibler an welcher Stelle am Fahrzeug, sie geschützt sein wollen. Und das Tarp kann schnell an beliebiger Stelle abgesenkt werden. Während bei einer Markise zusätzlicher Schutz nur durch Zukauf weiterer Segmente möglich ist.

Das Tarp hat sich für die drei als extrem windstabil erwiesen und selbst, wenn mal was wegfliegt, führt das zu weniger Beschädigungen am Fahrzeug. Es ist zudem fix aufgebaut und nimmt kaum Platz weg.

Kosten für den Ausbau bzw. Umbau des Hilux zum Reisefahrzeug

Ohne den Umbau des Hilux selbst, belaufen sich die Kosten des Reisemobil-Umbaus auf:

Ca. 2.500 Euro das Dachzelt, Material für die Schubladen 1.000 Euro, Auszug für die Kühlbox 500 Euro.

Torsten ist mit dem Umbau seines Hilux äußerst zufrieden. Die Schubladen bieten eine Menge Stauraum, den sie nur selten komplett ausschöpfen. Einziges Manko derzeit ist der fehlende geschützte Eingang für das Dachzelt. Den wollen sich die drei aber kurzum besorgen.

Fotos: Doreen Kühr