Einmal Rundreise und retour: Zu dritt und mit vierbeiniger Begleitung im rollenden Rundhauber auf Abenteuerfahrt von der Adria bis zum Altai. 25 Länder, 40.000 Kilometer und über ein Jahr lang quer durch den unbekannten Osten. Von rau bis herzlich, ob auf sturen Pferderücken oder in persischer Familiengefangenschaft. In „Road Trip mit Frau Scherer“ verlässt nicht nur das titelgebende Allradgefährt regelmäßig das vertraute Terrain, sondern auch die Protagonisten finden sich in so manch unerwarteten – dafür umso lesenswerteren – Lage wieder.

Zugegeben, als Fan einschlägiger Reiseliteratur kann man sich mittlerweile schon etwas schwer tun. Angesagte Schlagwörter wie „Roadtrip“, „Vanlife“ oder auch „Allradabenteuer“ in Verbindung mit kreativen Reisegefährt-Benennungen, kommen bei der kommerziellen Vermarktung fast schon zu oft vor. Damit mag zwar ein breites Publikum angesprochen werden, macht es dem reiseerprobten sowie kritischen Leser bei seiner vermeintlich richtigen Buchwahl aber nicht einfacher. Doch gleich wie im echten Leben gilt auch hier: Ein vorurteilsfreier Blick und Aufgeschlossenheit für Neues werden oft belohnt – hier eben mit einem außergewöhnlichen Leseerlebnis!

Im 9m2-Hippieexpress unterwegs in Richtung Osten

Die Mischung machts aus. Vor allem wenn man eine lange Reise wagt und die antretende Mannschaft über die gewohnte „Pärchen-„, „Familien-“ oder „Freunde für’s Leben“-Konstellation hinaus geht. Im Reisebericht von Berit Hüttinger ist dies der Fall. Ein Jahr Auszeit hat sich die Grafik-Designerin aus Regensburg freigeschaufelt, um sich mit Ehemann Heppo, Hund Sidi sowie Freund Matthias im 56 Jahre alten Mercedes-Rundhauber den großen Wunsch einer Entdeckungsfahrt in den Osten zu erfüllen. Im selbst ausgebauten Allrad-Oldtimer inklusive Dachzelt, teilt sich diese bunte Gemeinschaft nicht nur 9m2-Wohnraum, sondern gibt dem Leser bereits auf den ersten Seiten einen Vorgeschmack, wie die Autorin ihren 265 Seiten starken Reisebericht anlegt: Nämlich voll unverbrauchter Neugierde, mit reichlich Chuzpe ausgestattet sowie durch hohe Kontakt- und Feierfreudigkeit geprägt, spürt man nicht selten eine erfrischende Brise Nonkonformität zwischen den Buchseiten hervor quellen.

Als Leser wird man auch ohne viel Vorgeplänkel als unsichtbarer Passagier aufgenommen in dieser bunten Runde, taucht Dank zugänglicher Schreibweise tief ein in das Leben auf der Straße und ist bald begierig darauf, mit jeder weiteren Seite neue Reiseerlebnisse für sich zu entdecken. Selbst wenn die Schilderungen der bereisten Länder vom Umfang her stark schwanken, ist es stets die unterhaltsame Authentizität von Berit Hüttinger, welche dem Leser regelmäßig ein Lächeln in Gesicht zaubert und einen das Buch nur schwer aus der Hand legen lässt. Neben zu erwartenden mechanischen Herausforderungen sowie manch zwischenmenschlichen Spannungen, sind es vor allem die vielen zufälligen Ereignisse, welche die Highlights des Buches darstellen.

Von in einer litauischen Engelspyramide energetisch aufgeladene Schokoriegel, über störrische Paarhufern beim Pferdetrekking entlang der tadschikischen Grenze, bis hin zu feierwütigen, kasachische Lehrern, die ihre Wochenendparty auch schon mal mit einer zünftigen Messerstecherei ausklingen lassen: Es sind gerade diese unerwarteten Reiseerlebnisse die Laune machen. Und wenn man einmal die stets zuvorkommende, iranische Gastfreundschaft als „aggressive Hospitalität“ umschrieben bekommt, schmunzelt man nur mehr wissend und fragt sich, warum nur vergleichsweise wenige Reiseautoren Mut zur Ironie und Humor beweisen.

Fazit über „Roadtrip mit Frau Scherer – Ein Allradabenteuer von der Adria bis zum Altai.“

Sympathisch, authentisch und unterhaltsam: Attribute, die man sich für jeden wirklichen Roadtrip nur wünschen kann. Gleiches gilt auch für das hier vorliegende Buch. Die Autorin nimmt den Leser nochmals mit ins Jahr 2014 auf eine rasante Reise, die so manch skurrile Begebenheit bietet und stark von der positiven Lebenseinstellung der Protagonisten geprägt ist. Die in kompakte Abschnitte gegliederten und durch stimmige Farbfotos ergänzten Textpassagen, ermöglichen ein leichtfüßiges Lesevergnügen, dem man gerne Kapitel für Kapitel folgt. Zum Abschluss des Buches gibt es dann auch noch für jedes bereiste Land wichtige Kerninfos, die das „Nacherleben“ erleichtern und die etwas traurige Erkenntnis, dass der gemeinsam mit Frau Scherer erlebte Roadtrip schneller als gedacht zu Ende gegangen ist.

Titel: „Roadtrip mit Frau Scherer: Ein Allradabenteuer von der Adria bis zum Altai.“
ISBN-13: 978-3667114075
Verlag: Delius Klasing; Auflage: 1. Auflage 2018 (10. September 2018)
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P.S.: Um nach der Buchlektüre nicht darben zu müssen, findet ihr die neuesten Abenteuer von Berit Hüttinger und Frau Scherer in unserer Rubrik Reise!

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