Wir, also die Resi und ich, sind camperdefender.eu und versuchen einmal im Jahr zwischen einem und drei Monaten Europa und später hoffentlich die ganze Welt zu erkunden. Resi ist mein Land Rover Defender Td5 aus dem Jahre 2005. Und ich bin Johannes, bin gerne im Auto unterwegs und erkunde unheimlich gerne abgelegene und schöne Landschaften. Mittlerweile gehört auch noch Friederike dazu, die uns auf den zukünftigen Reisen begleiten wird.

Über die Reise und den Defender berichte ich in unregelmäßigen Abständen auf meinem Blog www.camperdefender.eu. Wer mehr auf Bilder als auf Text steht, darf mir gerne auf Instagram @camperdefender folgen.

Camperdefender.eu - Resi, Johannes Reisewagen, ein Land Rover Defender 110 Td5.

Resi, Johannes Reisewagen, ein Land Rover Defender 110 Td5.

Wie seid ihr auf die Idee mit der Reise gekommen?

Die „Idee“ habe ich schon seit der Schulzeit. Nicht unbedingt die Reise mit dem Auto, aber generell reisen zu können – ganz ohne Verpflichtungen in irgendeiner Art. Die größte Reise war letztes Jahr knapp 2,5 Monate Balkan mit einem Abstecher nach Spanien und Portugal. Dieses Jahr ging es für einen Monat nach Norwegen.

Den Grundstein fürs Autoreisen habe ich vor drei Jahren gelegt: Damals habe ich, mehr durch Zufall als gewollt, meinen ersten Defender gekauft. Das war ein 90er Tdi, Baujahr 1998. Mit dem bin ich für 10 Tage nach Schottland gefahren und war begeistert. Da habe ich mich dann entschlossen, auf das Fliegen zu verzichten und erstmal Europa mit dem Auto zu erkunden. Nur der 90er war für eine längere Reise dann etwas zu klein.

Camperdefender.eu - Und immer wieder einsame und ruhige Plätzchen.

Und immer wieder einsame und ruhige Plätzchen.

Mit welchem Fahrzeug seid ihr unterwegs und wie habt ihr das reisetauglich gemacht?

Also habe ich dann ein dreiviertel Jahr lang nach einem passenden Defender 110 Td5 gesucht und wurde schließlich mit Resi Ende 2018 auch fündig. Resi ist Baujahr 2005, aus erster Hand und war damals nur 114.000km gelaufen.

Der Ausbau hat sich ein halbes Jahr hingezogen, da ich nur am Wochenende daran basteln konnte. Geschlafen wird in einem Dachzelt von Horntools mit 1,65m Breite und 2,40m Länge. Ein Traum! Montiert ist das Zelt auf dem Dachträger von 4×4 Abenteuer. Auf dem Dach haben noch zwei große Alukisten Platz, die zusätzlichen Stauraum bieten. Auf einer ist noch ein 100 Watt Solarpanel verbaut.

Camperdefender.eu - Simples Setup mit Dachzelt.

Simples Setup mit Dachzelt.

Im Auto selbst habe ich viel gemacht. Die Sitze raus, sodass aus dem 9-Sitzer ein 2-Sitzer wurde. Schallgedämmt, wärmeisoliert. Stromversorgung geht über eine Zweitbatterie, die via Solar, Landstrom und Lichtmaschine geladen werden kann. Kühlschrank mit 35 Litern, uvm. Das konnte ich alles zu Hause gut erledigen. Für den Holz-Ausbau habe ich leider nicht das nötige Werkzeug, daher habe ich mich hier für eine Woche in einer Schreinerei eingemietet und gemeinsam mit einem Schreinermeister einen robusten und massiven Innenausbau konstruiert. Küchenzeile, Staufächer, Hochschrank, Sitzbank und vieles mehr sind vorhanden. Dazu kann man ihn zu einer sehr großen Liegefläche umbauen und auch zu zweit im Auto schlafen, wenn man mal in der Stadt steht oder das Wetter nicht passt oder man einfach zu faul zum Dachzelt aufbauen ist.

Wie und wie lange habt ihr euch auf die Reise vorbereitet? Also Versicherungen, Vollmachten, Visa usw.

Fast gar nicht. Für die große Balkan-Tour hatte ich auch kaum Zeit. Ich habe mit einem Schulfreund eine 2-Wöchige Mammut-Test-Tour gemacht: Von München nach Nordspanien, weiter von Nord-Portugal runter bis ganz in den Süden nach Lagos und über Andorra zurück nach Deutschland. Das waren 6.500km in zwei Wochen und damit ein echter Härtetest. Auto und Ausbau haben das ganze super gemeistert.

Fünf Tage nach dem Spanien-/Portugal-Roadtrip ging die erste große Reise los. In den fünf Tagen habe ich nochmal letzte Anpassungen gemacht und Sachen aus meinem Camper-Defender geworfen, die ich nicht gebraucht hatte und ein paar Dinge eingepackt, die mir gefehlt hatten.

Visa, Versicherungen und Co. habe ich keine besonderen abgeschlossen. Später hatte ich feststellen müssen, dass ich meine grüne Versicherungskarte nicht dabei hatte – warum auch immer. Da musste ich in manchen Ländern an der Grenze eine Versicherung abschließen. Das hat mich jedes Mal 15-20 Euro gekostet.

Camperdefender.eu - Herz, was willst Du mehr?

Herz, was willst Du mehr?

Inwieweit habt ihr den Verlauf der Reise im Vorfeld geplant? Konkret, welche Länder wann, Sehenswürdigkeiten, Routen … Oder lasst ihr alles auf euch zukommen?

Bei der Balkan-Tour war noch ein Freund mit seinem VW Bus T3 Synchro dabei. Mit ihm habe ich nur ganz grob die Länder und den Zeitrahmen besprochen. Sprich wir wollten in München starten und nach Griechenland über den Balkan fahren. Die eigentliche Route, Sehenswürdigkeiten und Schlafplätze habe wir dann Tag für Tag entschieden. Dazu haben wir uns die Orte und Sehenswürdigkeiten in einer Kartenapp gepinnt und daraus versucht eine möglichst sinnvolle Route zu zeichnen. Natürlich bleibt das ein oder andere auf der Strecke, dafür kommt man ungeplant an Gegenden vorbei, an die man vorher gar nicht gedacht hat.

Als ich allein unterwegs war, habe ich es genauso gemacht – nur deutlich entspannter, da ich keinen Zeitdruck mehr hatte und deutlich länger am gleichen Platz stehen konnte.

Dieses Jahr in Norwegen ist es ähnlich gewesen. Dort waren wir zu dritt – begleitet von einem VW Bus T1. Wichtig war mir, dass wir auch für mehrere Nächte an einem Ort geblieben sind. Sonst einfach von Tag zu Tag und auch ganz stark nach Wetter geplant. Eigentlich wollten wir für ein paar Tage in Schweden bleiben, bei Dauerregen haben wir aber beschlossen einfach direkt nach Norwegen weiterzufahren.

Camperdefender.eu - Reisen verbindet - Defender mit T1 Bulli.

Reisen verbindet – Defender mit T1 Bulli.

Wie finanziert ihr die Reise und wie viel gebt ihr durchschnittlich im Monat aus?

Für viele stellt die Finanzierung eine der größten Herausforderung dar. Ist aber gar nicht so wild, wenn man das ganze früh genug plant. Da ich 2013 meine Firma im Bereich Webentwicklung gegründet habe, konnte ich verschiedene passive Einkommensquellen aufbauen. Wichtig war mir immer, dass ich genügend Geld zur Verfügung habe, um auch für mein Alter vorsorgen zu können.

Auf den Reisen ist natürlich der Diesel der größte Kostenfaktor, aber auch mit 1.000 – 1.500 Euro für die 2,5 Monate überschaubar. Übernachtungskosten gab es nur viermal, ansonsten habe ich frei gecampt. Solange man nicht jeden Tag essen geht, sondern selbst kocht – und zwar mit einheimischen Lebensmitteln – kommt man sehr günstig weg. Ich habe ca. 300 Euro pro Monat ausgegeben. Da ich kaum Städte anschaue und selten Sehenswürdigkeiten besuche, die etwas kosten, bin ich sehr günstig unterwegs.

Camperdefender.eu - Johannes bleibt lieber außerhalb der Städte.

Johannes bleibt lieber außerhalb der Städte.

Sicher gab es hunderte toller Momente bisher auf eurer Reise. Gibt es einen oder zwei, die euch besonders in Erinnerung geblieben sind?

Das Highlight und Schönste für mich war die Ruhe, die ich in der Einsamkeit und an den abgelegeneren Orten empfunden hatte. Ich bin kein Freund von großen Menschenmassen, sondern suche eher abgelegene und weniger besuchte Orte und Gegenden. Daher zählt auf jeden Fall die Besteigung des Olymp dazu – Anfang November trifft man nur auf wenige andere Bergsteiger.

Im ganzen Balkan hat mich außerdem die Kultur und der friedvolle und rücksichtsvolle Umgang mit den vielen verschiedenen Religionen beeindruckt. Hier sieht man, dass auch unterschiedlich Gläubige gut miteinander leben können.

Camperdefender.eu - Ob gesellig oder alleine - jeder hat die Wahl.

Ob gesellig oder alleine – jeder hat die Wahl.

Muss man auf einer solchen Reise an der ein oder anderen Stelle Angst haben? Oder sollte man eher auf das Gute vertrauen? Wie ist da eure Devise?

Ganz klar: Nein. Auf meiner ganzen Reise – bzw. generell auf allen meinen Reisen – habe ich nie Angst gehabt, wurde ausgeraubt oder etwas der Gleichen. Natürlich sollte man schon darauf achten, wo man jetzt sein Auto stehen lässt oder in welche Gegend man nachts läuft. Wer sich informiert und mit offenen Augen durch die Welt geht, und nicht ganz naiv ist, braucht sich keine Sorgen zu machen.

Welche Eigenschaften sollte jemand haben, der eine Weltreise machen will?

Dazu braucht es nicht viel: Reiselustig, geduldig und flexibel sollte man sein.

Was würdet ihr jemandem raten, der den Wunsch hat, eine Weltreise zu machen?

Wichtig ist, dass man auch in stressigeren Situationen die Ruhe bewahrt. Auch kommunizieren und mit anderen Menschen sprechen ist enorm hilfreich. Nicht gleich aufgeben und auch, wenn etwas gerade schwieriger ist, sollte man in der Lage sein, sich durchzubeißen. Es lohnt sich immer.

Außerdem: Keine Erwartungen haben. Erwartungen werden enttäuscht. Keine Erwartungen machen viel offener für die Umgebung und die Eindrücke, die man gewinnt. Ohne Erwartungen muss man nichts erzwingen, sondern kann alles auf sich zukommen lassen.

Camperdefender.eu - Keine Erwartungen - keine Enttäuschungen.

Keine Erwartungen – keine Enttäuschungen.

Habt ihr ein Motto?

Glücklicherweise nicht.

Zum Abschluss möchte ich noch jedem empfehlen, der mit dem Gedanken spielt einen „Campingurlaub“ zu machen, erstmal einen längeren Testurlaub zu unternehmen. Mit länger meine ich 2-4 Wochen. Dann merkt man schnell, ob das einem auch wirklich liegt: Kein fester Standort, in der freien Natur aufs Klo gehen, in kaltem Wasser waschen / baden, häufig stundenlang nach einem Stell- bzw. Schlafplatz suchen, usw. Auch mit Partner/in jeden Tag rund um die Uhr aufeinander zusitzen kann schnell zu Spannungen führen, denn es gibt kaum eine Rückzugsmöglichkeit.

Wenn das gut geklappt hat, dann einfach losfahren. Alles weitere ergibt sich auf der Reise. Wer mit einem gesunden Optimismus durchs leben geht, wird wissen: Am Ende wird alles gut!

© Fotos: camperdefender.eu