Strand, Dünen, Festfahren, Pampa, Schotterpisten, Naturspektakel, Wale, Pinguine, Steppe und viel nichts, heftig viel Wind, Abschleppdienst, Tornado, arktische Wälder, Schneesturm, Eis und Minusgrade, das Ende der Welt, Patagonien, immer noch viel Wind, Torres del Paine, Perito Moreno Gletscher, Fitz Roy, Motorschaden, ganz viele Schotterpisten und wieder ganz viel Wind, Berge, fertig. Bis jetzt. Achja und das ganze natürlich mit Hund. Unser Abenteuer auf der Panamericana im VW T3 Syncro.

Okay, das sind natürlich nur die ersten Stichwörter, die uns chronologisch in den Sinn kommen, um unsere ersten 10.000 Reisekilometer zu beschreiben. Aber wer sind wir überhaupt?

Ich stell uns mal kurz vor: Wir reisen zu dritt, Karo, sie ist 28 Jahre alt und meine Frau, wir haben nämlich im Sommer geheiratet. Dann ist da Myliu, unser 2,5 Jahre alter Labrador-Dalmatiner Rüde und natürlich ich, Fabian, 30 Jahre alt.

Panamericana im VW T3 Syncro - Karo und Fabian

Karo und Fabian mit ihrem VW T3 Syncro.

Auf der Panamericana im VW T3 Syncro

Unser Vorhaben: Wir wollen die Panamericana bereisen, von Süden nach Norden. Unser Haus auf vier Rädern: Ein VW T3 Syncro, 31 Jahre alt, zwar der Senior der Reise, aber trotzdem steht er immer voll im Mittelpunkt und heißt Tornado.

Natürlich kann ich hier nicht alles erzählen, unsere Eindrücke auf den ersten 10.000 km sind ja doch schon ganz schön viele, aber ich probiere euch mal einen Überblick zu verschaffen.

Der Anfang

Der Bulli wurde im August von Hamburg nach Montevideo verschifft. Da wir mit Hund reisen und ein langer Flug eh schon doof für ihn ist, wollten wir wenigstens einen Direktflug. So flogen wir Anfang September von Frankfurt nach Buenos Aires und nahmen dort die Fähre nach Montevideo. Allen Menschen, die nun denken, dass man einen solchen Flug einem Hund nicht antun sollte, kann ich nach unserer Erfahrung da nicht pauschal Recht geben. Solange der Hund jung, gesund und an die Hundebox gewohnt ist, so wie unserer, scheint es kein Problem für den Hund zu sein. Das kann natürlich von Hund zu Hund unterschiedlich sein. Dennoch ein kurzes Beispiel, selbst nach 16,5 Stunden in seiner Box, wollte er nach einem Spaziergang durch Buenos Aires und dem anschließenden Aufenthalt am Hafen sofort wieder in seine Box. Er schien sich dort drin also sehr sicher zu fühlen.

Auf zum Start der Panamericana im VW T3 Syncro: Ushuaia

Das Auto aus dem Hafen abzuholen war dank einer sehr guten Anleitung von unserer Agentur gar kein Problem. Und so fuhren wir dann auch bald los, immer Richtung Süden.
Das erste große Ziel war das Ende der Welt, Feuerland, genauer die südlichste Stadt der Welt, Ushuaia. Ab Buenos Aires fuhren wir hauptsächlich die Ruta 3, welche immer entlang der Atlantikküste führt. Auf dem Weg liegen aber viele, viele sehenswerte Orte.

Angefangen bei einem Stranddomizil namens Pinamar. Im Sommer, also für uns Europäer Winter, wird man hier wahrscheinlich kaum Ruhe finden. Es ist der Strandurlaubsort schlecht hin. Wir hingegen waren nun aber am Ende des südamerikanischen Winters hier und fanden es dort wahnsinnig toll. Die Temperaturen waren sicher nicht so wie Karo sich einen Urlaub am Strand vorstellte, dennoch konnte man im Windschatten sehr schön in der Sonne liegen. Hier machten wir unsere ersten „Erfahrungen“ in den Dünen und am Strand und achja, auch die Sandbleche wurden hier das erste Mal eingesetzt.

Am Strand wird der T3 Syncro gefordert.

Am Strand wird der T3 Syncro gefordert.

Kostenlos Wale beobachten

Dann weiter durch die Pampa, rechts und links nichts, nur Rinder auf ewig weiten Wiesen. Auch das hatte seinen Reiz, wurde aber nach ein paar Tagen dann doch eintönig.
Dann ein weiteres Highlight, die Peninsula Valdez. Ein Nationalpark auf einer Halbinsel, welche zur Beobachtung von Meeres- und Landtieren einlädt. Bereits auf dem Weg hier hin, noch gar nicht richtig im Nationalpark hatten wir ein klasse Naturspektakel. Wale, quasi vom Strand aus zum Greifen nah und in einer Anzahl, dass wir sie nicht zählen konnten. Wahnsinnig beeindruckt, sind wir weitergefahren und konnten später noch Seelöwen, Seeelefanten, Pinguine, Guanacos, jede Menge Schafe, sowie diverse Vögel beobachten.


Kleiner Pinguin.

Kleiner Pinguin.

Heftiger Gegenwind

Auf der Panamericana im VW T3 Syncro bedeutet auch tausende Kilometer lang nichts… Also gar nichts, Steppe halt. Rechts und links nur kleine Büsche und sonst nicht viel zu sehen. Am Anfang absolut flach, später in Patagonien etwas hügeliger. Ja, Patagonien zieht sich sogar bis an die Atlantikküste, auch, wenn man mit dem Wort Patagonien sicher eher Berge, Seen und wilde Natur verbindet, aber dazu später mehr. Und da war dann noch der Wind und ich muss echt sagen, dass ich den schon unterschätzt habe. Klar, man weiß, in Patagonien ist es windig, aber ich muss dem widersprechen, in Patagonien ist es HEFTIG windig. Die Markise haben wir mit Kabelbindern fest verschlossen und die Hundebox, welche sich normalerweise auf dem Dach befindet musste regelmäßig in den Bulli geräumt werden. An manchen Tagen, wenn wir Gegenwind hatten, konnten wir auf ebener Strecke nicht schneller als 60km/h fahren. Okay, aber das liegt sicher auch an der Windschnittigkeit und der Untermotorisierung unseres VW Bus T3 Syncro, dennoch ist der Wind hier nicht zu unterschätzen.

Abschleppen I.

Das nächste absolut unplanbare Abenteuer ist dann auch einer kleinen Erzählung wert. Unser Tornado diente als Abschleppdienst für einen liegengebliebenen Nissan Van. Mittlerweile zählt das Pärchen des Vans zu unseren Freunden, aber um sie auch von Anfang an direkt gut kennenlernen zu können, schleppten wir sie auf Grund einer defekten Zylinderkopfdichtung von der Kleinstadt Puerto San Julian bis nach Rio Gallegos, welches 360 km entfernt im Süden liegt. Ja, ihr lest richtig: 360 km. Wenigstens mit einer „Abschleppstange“, aber dafür über Hügel und vor allem ganz viel Gegenwind. 7 Stunden hat die Aktion gedauert und wir sind verdammt stolz auf unseren Tornado, dass er das so gut gemacht hat.

Abstecher nach Chile

Und wie ihr auf einer Karte sehen könnt, liegt Rio Gallegos schon ziemlich weit im Süden und somit waren wir nun nicht mehr weit weg von diesem „Feuerland“. Kurz noch die chilenische Grenze nehmen und dann wieder nach Argentinien einreisen und schon ist man da. Um zu einem wirklich abgelegenen Übernachtungsort zu kommen, fuhren wir durch einen unfassbar schönen arktischen Wald.

FOTOS VOM ARKTISCHEN WALD

Der erste Schnee

Der Hinweg war auf einem Erdweg, nichts Wildes soweit, aber über Nacht hatte es geschneit und somit wurde der Bulli erstmal richtig schön vollgematscht. Bis unter die Markise spritzte es. Aber es schien, als ob das Ende der Welt uns mit noch mehr überraschen wollte. Ein paar Kilometer südlicher war die Straße dann nicht mehr geräumt und wir fuhren über Eis und Schnee und noch besser eine Polizeikontrolle, weil ein kleiner Pass so viel Schnee hatte, dass der Polizist eigentlich nur Fahrzeuge mit Schneeketten durchlässt. Wir erzählten von unserem Allradantrieb und versprachen ihm, dass wir ganz langsam und vorsichtig fahren werden. Er ließ uns weiterfahren. Zu unserem Glück, denn schließlich wollten wir an dem gleichen Abend mit Freunden einen 40. Geburtstag feiern. Es war fast wie Weihnachten, draußen schneite es, die Schaufenster vom Restaurant hatten schöne Beleuchtung und Innen saßen wir, aßen gut und tranken leckeren Wein.

Panamericana im VW T3 Syncro - Fast wie in den Alpen - Schnee und Leitplanken.

Fast wie in den Alpen – Schnee und Leitplanken.

Erstes Ziel erreicht: Ushuaia

Also wir müssen wohl sagen, so krass der Bulli sich auch durch den Schnee und das Eis kämpfen musste, schließlich war zwischendurch Handbremse und Schaltgestänge eingefroren, so wunderschön war auch dieser spezielle Empfang vom Ende der Welt. Und auch in den nächsten Tagen verlor der Ort für uns kein bisschen an Magie, sodass wir gerne länger geblieben wären.

Panamericana im VW T3 Syncro - Ankunft in Ushuaia.

Ankunft in Ushuaia.

Gletscher und Granittürme in Patagonien

Auf zur nächsten Etappe, auf nach Patagonien in die Berge. Auf in die Landschaft, die man als Europäer vor Augen hat, wenn man über Patagonien spricht. Das nächste Ziel der Nationalpark Torres del Paine in Chile, vor allem für Karo das bisherige Highlight, da sie sich bei der Recherche zu unserer Reise wohl am meisten auf diese Granittürme gefreut hatte. Obwohl man dazu sagen muss, dass wir ganz bewusst wenig recherchieren, schließlich sieht man währenddessen schon häufig zu viel von der eigentlichen Attraktion.

Torres del Paine, Chile.

Torres del Paine, Chile.

Aber auch danach wurde es nicht weniger beeindruckend. Der größte Unterschied war wohl, dass wir wieder auf argentinischer Seite unterwegs waren. Der größte Inlandsgletscher der Welt und zwar zum Greifen nahe wartete auf uns. Nationalpark los Glacieres, genauer der Gletscher Perito Moreno. Wahnsinnig schön und nicht zu glauben wie hoch dieser ist.

Gletscher Perito Moreno.

Gletscher Perito Moreno.

Wetterfest und gut zu Fuss

Danach folgte der Ort „El Chalten“, welcher uns mit einer dicken dunklen Wolkenschicht empfing. Nicht mal einen Kilometer vor dem Ort konnten wir den Ort, geschweige denn die so atemberaubenden Berge dahinter, erkennen. Bei gutem Wetter kann man bereits lange vorher einen Blick auf Fitz Roy und Cerro Torre werfen und vor allem schöne Fotos machen. Das Glück sollten wir erst 2 Tage später haben. Aber ganz ähnlich wie in Ushuaia muss wohl das Wetter bei der Ankunft wirklich nicht gut sein, damit wir den Ort später umso mehr mögen, denn auch in El Chalten blieben wir eine ganze Woche und wären gerne länger geblieben, aber es zieht uns in den Norden, in die Wärme, denn hier ist es immer noch sehr wechselhaft und natürlich sehr windig.

Fitz Roy.

Fitz Roy.

Hunderte Kilometer: Nichts

Wie eigentlich die ganze Zeit schon, ist auch das nächste Ziel wieder mehrere hunderte Kilometer weit entfernt, aber nicht, weil wir den Rest nicht sehen wollen, sondern viel mehr, weil dazwischen sonst einfach nichts ist. Eigentlich ist das ein interessanter Gedanke, wenn wir in Deutschland auch bloß alle 300 km etwas zum Anschauen hätten, dann würde es wohl nicht viel geben, aber hier ist das anders. Die Distanzen sind hier in diesem riesigen Argentinien andere und dann leben hier auch nur halb so viele Menschen wie in Deutschland und davon wiederum schon ein Drittel in Buenos Aires. Durchweg beeindruckend.

Zeugnisse längst vergangener Kulturen

Wir fuhren zu den Cueva de las Manos, einem Canyon in dem es bis zu 9.000 Jahre alte Handabdrücke anzuschauen gibt. Ebenfalls ein verrückter Ort und irgendwie kaum zu glauben, dass es schon so früh eine Art Facebook gab, aber eben nicht nur hier, sondern in ganz ähnlicher Form auch in Frankreich und an anderen Orten dieser Welt. Und das ist schon sehr faszinierend.

Cueva de las Manos.

Cueva de las Manos.

Schleppen II.

Naja, ebenfalls nicht weniger beeindruckend war die Rückfahrt von diesem wunderbaren Ort. Denn hier mitten im Nirgendwo, wo am ganzen Tag nur 4-5 Autos, bzw. Touristenbullis vorbeikommen, passierte es. Erst riss der Keilriemen und dann direkt der Zahnriemen und der Motorschaden war perfekt. Wie das passieren kann, versuche ich kurz zu umreißen. Dank Heckmotor schleudern sämtlicher Dreck und eben auch Steine bis in den Motorraum. Ein wirklich kleiner Stein, hat es dann irgendwie bis zur Keilriemenscheibe der Kurbelwelle geschafft, dort sofort den Keilriemen reißen lassen und auf Grund der massiven Krafteinwirkung wohl auch den Zahnriemen zerrissen.

Panamericana im VW T3 Syncro - Wenn was passiert, dann im Nirgendwo.

Wenn was passiert, dann im Nirgendwo.

Ein wildes Abschleppmanöver über Berg und Tal auf wirklich schlechten Schotterposten bringt uns und den Tornado in die nächste kleine Stadt, welche 120km entfernt liegt. Dort unternahm ich die Schadensanalyse: Mehrere Ventile und die Nockenwelle sind defekt.

Panamericana im VW T3 Syncro - Heute hängen wir selbst am Haken.

Heute hängen wir selbst am Haken.

Ein weiter Weg zur Motorenwerkstatt

Die nächste Motorenwerkstatt ist etwa 350 km weit entfernt und somit begab ich mich samt Zylinderkopf auf eine fünfstündige Busfahrt. Die Werkstatt schaffte es den Kopf am gleichen Tag komplett zu überholen ich fuhr noch am selben Tag wieder zurück. In den nächsten 2 Tagen hab ich alles wieder zusammengebaut und nach insgesamt 7 Tagen waren wir wieder auf Reisen… Eine Reparatur im Schnellverfahren, Zeit für schlechte Laune war keine.

Panamericana im VW T3 Syncro - Passiert: Motorschaden.

Passiert: Motorschaden.


Und es geht weiter…

Und wie der Zufall halt so will, wollten wir anschließend auf die Carretera Austral, ein wirklich großes Straßenbauprojekt welches sich von Norden nach Süden durch wunderschöne Landschaften in Chile zieht, aber eben auch noch zur Hälfte nicht asphaltiert ist. Die nächsten Tage fuhren wir also deutlich langsamer über die Schotterpisten. Und ehe die Frage aufkommt, ob wir keinen Unterfahrschutz haben, will ich diese gerne beantworten. Natürlich haben wir einen guten Unterfahrschutz, nur leider hatte ich es aus thermischen Gründen für schlauer gehalten die zusätzlichen seitlichen Motorschutzbleche nicht zu montieren. Diese liegen nun zu Hause im Keller, anstatt hier ihren Dienst zu leisten. Morgen haben wir einen Termin in einer Werkstatt, um in etwa solche Bleche nachzubauen. Da bin ich ja mal gespannt wie gut das klappen wird… Oder soll ich sagen, wie gut es klappern wird?

Grüße aus San Carlos de Bariloche von Karo, Fabian und Hund Myliu

Ihre Webseite findet ihr unter www.tornado-on-tour.de.

© Fotos: Karo & Fabian