Was tue ich, wenn sich jemand im Gelände das Bein gebrochen hat? Was mache ich, wenn ich auf einer Reise von einem giftigen Tier gebissen wurde? Wie behandele ich eine Schnittwunde auf Reisen? Die Antworten auf diese Fragen kennt vermutlich jeder aus diversen Action-Filmen: Mit Nadel und Faden nähen, aufschneiden, aussaugen und im Zweifel Whisky drüber gießen und weiter im Text. Aber funktioniert das im echten Leben auch so?

Beim Sägen von umgestürzten Bäumen, beim Anfachen eines Feuers, beim Reparieren des Fahrzeugs oder einfach beim Stolpern in unwegsamen Gelände auf dem Weg zur Buschtoilette, Verletzungsmöglichkeiten gibt es im Gelände zu Hauf.

Passiert in unseren Breiten ein Unfall oder verletzt sich jemand im Haushalt ist fast immer spätestens in 15 Minuten ein Krankenwagen vor Ort. Erste Hilfe beschränkt sich dort meist nur auf das Beruhigen des Verletzten.

Auf einer Reise oder im Gelände braucht ein Krankenwagen oft weitaus länger oder kann mitunter gar nicht an die unwegsame Stelle kommen. Offroad ist es deshalb mit Händchenhalten meist nicht getan. Das nächste Krankenhaus ist 200 km entfernt, da ist Hilfe vor Ort gefragt.

Wie transportiere ich den Verletzten zum Fahrzeug?

Ist das Unglück nicht direkt am Auto, sondern tiefer im Gelände passiert, muss ich den Verletzen unter Umständen zunächst zum Auto transportieren. Am besten ist dazu ein Bergetuch, oder auch Rettungstuch genannt, geeignet. Bergetücher kosten um die vierzig Euro und können für Offroadreisende, die oft in einer Gruppe im unwegsamen Gelände unterwegs sind, sinnvoll sein. Zu zweit kann ein Verletzter auch recht leicht mit einem, zu einem Tragering gefalteten, Dreieckstuch transportiert werden.

Dreieckstuch als Tragering gebunden

Dreieckstuch als Tragering gebunden

Tragen eines Verletzten mit Hilfe eines Tragerings

Tragen eines Verletzten mit Hilfe eines Tragerings, die Helfer halten es unter den Oberschenkeln

Tragen eines Verletzten mi Hilfe eines Tragetuchs

Tragen eines Verletzten mit Hilfe eines Tragetuchs

Wie schiene ich einen gebrochenen Arm oder ein gebrochenes Bein?

Hat sich der Verletze etwas gebrochen, so müssen die Ersthelfer vor dem Transport dafür sorgen, dass Arm oder Bein ruhig gestellt werden. Normalerweise wird der Verletze von sich aus eine Haltung einnehmen, in der ihm der Bruch am wenigsten weh tut. Arm oder Bein sollten in dieser Haltung geschient werden.

Zum Schienen eines gebrochenen Armes kann eine Zeitung verwendet werden, in der der Arm liegt, und die dann mit zwei gefalteten Dreieckstüchern zusammengeknotet wird. Alternativ nehmen die Helfer ein rechteckiges Tuch zum Beispiel ein Geschirrtuch und zwei Stöcke. Dann werden die beiden gegenüberliegenden Enden des Tuches um die beiden Stöcke gewickelt, unter den Bruch gelegt und mit Dreieckstüchern zusammengebunden. Alternativ können die Stöcke auch mit Gürteln oder Spanngurten zusammengehalten werden.

Schienen eines gebrochenen Beins im Gelände

Schienen eines gebrochenen Beins im Gelände

 

Wie versorge ich eine Schnittwunde?

Bei Schnittwunden stoßen Offroadreisende im Erstfall mit einem KFZ-Verbandkasten an ihre Grenzen. Denn das Wichtigste hier ist das Reinigen bzw. die Desinfektion. Desinfektionsmittel sind in herkömmlichen Verbandkästen nicht vorhanden. Ein sehr gutes, aber auch recht teures Desinfektionsmittel für Haut und Schleimhäute, das nicht brennt, ist z.B. Octenisept. Gibt es in der Apotheke und ist für die Reise unentbehrlich.

Schnittwunden mit Whisky zu desinfizieren sieht in Filmen zwar immer toll aus, ist Wirklichkeit aber keine gute Idee. Der Alkohol hilft sicher im ersten Moment, zumindest wenn der brennende Schmerz vom Drübergießen nachgelassen hat. Zur richtigen Desinfektion ist trinkbarer Alkohol aber nicht hochprozentig genug.

Ebenso nicht wegzudenken aus Actionfilmen ist das Nähen einer Wunde. Das ist selbst für Hartgesottene nicht zu empfehlen. Denn mit normaler Nadel und Faden ist es nicht getan. Und eine solche Behandlung ist in den meisten Fällen wenig zielführend. Blutet eine Wunde stark, so ist es besser, sie mit einem Druckverband zu versorgen.

Wie mache ich einen Druckverband?

Bei blutenden Wunden immer als erstes Gummihandschuhe anziehen. Eine sterile Wundauflage fest auf die Wunde drücken, eine elastische Binde einmal um das verletzte Körperteil wickeln, damit die Wundauflage fest anliegt. Jetzt einen Druckkörper auf den Verband legen, das kann ein Stück Holz sein, ein Brillenetui oder zusammengerollte Mullbinden und dann fest einwickeln. Der Druckkörper sollte möglichst flach sein, nicht zu groß und darf keine scharfen Kannten haben. Das Hochlegen des verletzten Körperteils verstärkt die Wirkung des Druckverbandes.

Wie behandele ich Verbrennungen?

Wer unterwegs mit einem Grill oder Feuer hantiert, kann sich dabei leicht verbrennen. Eine Verbrennung sollte mit körperwarmen Wasser gekühlt werden, um ihre Ausdehnung zu stoppen und dem Verletzen Linderung zu verschaffen. Allerdings sollte die Wunde nicht zu lange gekühlt werden. Nach dem Kühlen ist es wichtig, die Wunde steril zu verpacken. Eine Wundauflage aus dem Verbandkasten nehmen und diese mit einer elastischen Binde zu fixieren. Dieses Video zeigt das Anlegen eines Druckverbands: Druckverband.

Lagerfeuer

Was mache ich, wenn ich von einem giftigen Tier gebissen oder gestochen wurde?

Vorbereitung ist alles. Vorab sollten sich Reisende erkundigen, ob es in der Region oder dem Reiseland giftige Tiere gibt, wie diese aussehen und wo sie zu finden sind. Ebenso sollten sich Reisende im Vorfeld informieren, wie die Bisse oder Stiche zu behandeln sind, was je nach Art des Tieres unterschiedlich sein kann und ob es vor Ort evtl. Gegengifte gibt, die dort als Vorsorge gekauft werden können. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat eine aktuelle Liste der weltweiten Giftzentralen, die in solchen Notfällen möglichst kontaktiert werden sollten: Internationale Giftnotrufnummern.

Das Beste ist, es aber gar nicht soweit kommen zu lassen. Schlangen oder auch Skorpione beißen nur, wenn sie sich angegriffen fühlen also z.B. durch Berührung oder wenn jemand dem Tier zu Nahe kommt.

Folgende Sicherheitsmaßnahmen sollten daher in Gegenden mit giftigen Tieren beachtet werden:

  • Keine Steine oder auf dem Boden liegende Äste umdrehen.
  • Nicht in Felsspalten greifen
  • Beim Campen Kleidung nachts nicht auf den Boden legen.
  • Schuhe nicht vor dem Zelt stehen lassen.
  • Kleidung und Schuhe vor dem Anziehen ausschütteln.
  • In Wüstenregionen nicht barfuß oder mit Flipflops durch den Sand laufen, sondern immer festes Schuhwerk tragen.
  • Auch nicht in den Sand setzen, denn Skorpione vergraben sich im Sand.
  • Unübersichtliches Gelände vermeiden und auf gut sichtbaren Wegen bleiben.
  • Schlafsäcke, Betten, Taschen, Vorhänge und Handtücher nach Tieren absuchen.
Schwarzer Skorpion in der Sahara

Schwarzer Skorpion in der Sahara, © Fotolia Matthias Nordmeyer

Hat alle Vorsicht nichts gebracht, und wurde trotzdem jemand gebissen oder gestochen, ist es wichtig sich möglichst langsam von dem Tier wegzubewegen. Rasche Bewegungen können einen erneuten Biss oder Stich provozieren.

Aufschneiden, Aussaugen oder Abbinden sind Maßnahmen, die den Helfern wohlmöglich als erstes in den Sinn kommen, aber mehr schaden als nützen. Stattdessen Anstrengungen vermeiden, um den Blutdruck nicht zu erhöhen, da sich dadurch das Gift nur schneller im Körper verteilen würde. Aus dem gleichen Grund sind Alkohol oder Kaffee tabu. Außerdem von der Biss-Stelle die Kleidung entfernen und Schmuck ablegen, da es zu starken Schwellungen kommen kann.

Die meisten Schlangen oder Skorpione sind harmlos. Ihre Bisse und Stiche mögen zwar äußerst schmerzhaft sein, sind aber meistens nicht lebensbedrohlich. Dennoch, wer sich nicht absolut sicher ist, dass es sich um ein harmloses Tier gehandelt hat, sollte den Biss/Stich sehr ernst nehmen. Im Zweifel einen Arzt aufsuchen oder anderweitig Hilfe holen.

Was tun bei Unterzuckerung?

Gerade auf Offroad-Reisen wird oft unregelmäßig gegessen. Der Fahrer konzentriert sich auf die schwierigen Passagen, an Essen ist einfach nicht zu denken. Schnell gerät der Körper in eine Unterzuckerung. Schlechte Laune und Kopfschmerzen sind häufig die Folge. Die Finger am Lenkrad beginnen zittern und kalter Schweiß bildet sich auf der Stirn. Gegen Unterzuckerung hilft am besten Traubenzucker, der schnell ins Blut geht, oder gesüßte Getränke. Danach sollte der Betroffene möglichst bald etwas Richtiges essen.

Was tun bei Dehydration (Austrocknung)?

Dass zu wenig zu trinken nicht gut ist, weiß jeder. Aber kaum jemand schafft es, beim Auto fahren genug zu trinken. Pinkelpausen alle paar Minuten sind einfach zu lästig. Doch gerade im Auto, wenn es heiß ist und viel geschwitzt wird, kann eine Dehydration schnell passieren. Sie entsteht entweder durch zu geringe Flüssigkeitszufuhr oder einen erhöhten Flüssigkeitsverlust. Letzteres bedingt durch starkes Schwitzen oder Durchfall, der bei ungewohnten Speisen im Ausland schnell auftreten kann.

Je nach dem wie stark die die Dehydration, auch Dehydrierung genannt, fortgeschritten ist, können niedriger Blutdruck, Kreislaufschwäche, Schwindel und Verwirrtheit die Folge sein. Da hilft nur langsam und in kleinen Schlucken trinken. Es kann passieren, das die dehydrierte Person sich nach der ersten Flüssigkeitseinnahme übergeben muss, dennoch langsam weitertrinken. Wichtig ist immer darauf zu achten, während der Fahrt genug Wasser, Tees oder Fruchtschorlen zu trinken, damit es erst gar nicht so weit kommen kann.

Was ist ein Sonnenstich?

Endlich mal eine längere Pause: Die Sonne brennt auf Kopf und Nacken. Wer hier kein Tuch oder Hut trägt, schafft die besten Vorraussetzungen für einen Sonnenstich. Die übermäßige Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken führt zu einer Irritation der Hirnhaut und des Hirngewebes, wodurch eine Entzündungsreaktion hervorgerufen wird.

Sonnenstich-Patienten haben oft einen roten Kopf, sie klagen über Unruhe, Kopfschmerzen und manchmal auch Ohrgeräusche. Einige müssen sich übergeben. Bewusstseinsstörungen können auftreten. Typisch sind auch Nackenschmerzen bis hin zu einer Nackensteifigkeit. Die Körpertemperatur ist nicht erhöht, aber dem Betroffenen ist trotz Hitze kalt. Er zittert und hat Kopfschmerzen, ist blass und kann sich nicht mehr auf den Füßen halten.

Die erste Maßnahme sollte sein, den Betroffenen sofort aus der Sonne zu bringen, ihn langsam trinken lassen und einen nassen Lappen in den Nacken und auf das Gesicht legen. Nicht zu stark kühlen. Auf keinen Fall eiskalte Getränke trinken, die können eine zusätzliche Belastung für den Kreislauf darstellen. Je höher der Unterschied zwischen Körpertemperatur und des Temperatur des Getränkes, desto mehr muss der Körper arbeiten. Davon kann sich der Körper noch weiter erhitzen.

Einen Sonnenstich können Offroad-Reisende verhindern, in dem sie einen hellen Hut tragen, der möglichst auch den Nacken schützt.

Was tun bei einem Hitzschlag?

Ein Hitzschlag entsteht, wenn der Körper längere Zeit großer Hitze ausgesetzt ist oder bei Hitze übermäßig belastet wird. Harte Arbeit in der sengenden Hitze, da ist der Hitzschlag nicht weit.

Den Wagen freischaufeln bei großer Hitze

Wagen freischaufeln bei großer Hitze

Bei einem Hitzschlag bricht das gesamte Kreislaufsystem durch die Überhitzung zusammen. Es kann sein, dass sich die Person einfach nur schwach fühlt. Sind Körpertemperatur und Pulsschlag erhöht, sofort raus aus der Sonne und den Körper des Betroffenen mit nassen Tüchern oder Kleidungsstücken bedecken. Immer wieder prüfen, ob die Person noch bei Bewusstsein ist. Auch hier auf keinen Fall eisgekühlte Getränke trinken lassen.

Treten Krämpfe, Halluzinationen oder Bewusstseinstrübungen auf, sollte sofort weitere Hilfe geholt werden. In Zivilisationsnähe ist ein Hitzschlag immer ein Fall für den Notarzt. Also wenn irgend möglich das nächste Krankenhaus oder einen Arzt aufsuchen.

Was sollten Offroad-Reisende neben dem normalen KFZ-Verbandkasten noch einpacken?

Vor der Abreise, sollten Offroad-Reisende zunächst einmal überprüfen, was noch im Verbandkasten vorhanden ist und ob die Pflaster noch kleben.

Zusätzlich zum herkömmlichen Verbandskasten leisten die folgenden Dinge gute Dienste:

  • Desinfektionsmittel
  • genügend Schmerzmittel
  • zwei bis drei zusätzliche Dreieckstücher
  • zusätzliche Mullbinden und sterile Wundauflagen sowie Pflaster
  • Medikamente gegen Durchfall und Allergien
  • Traubenzucker
  • (ein Bergetuch)

Diese Dinge ebenso wie der Verbandskasten gehören zusammen an einen Ort, an dem sie leicht erreichbar sind und im Zweifel nicht das ganze Fahrzeug ausgeräumt werden muss. Am besten in einer Tasche oder einem Rucksack lagern, der auch für Außenstehende deutlich als Erste-Hilfe-Ausrüstung erkennbar ist.

Mit Verletzungen im Gelände ist, wie auch daheim, nicht zu spaßen. Auch wer meint, alle Erste-Hilfe-Maßnahmen zu beherrschen, sollte sich im Zweifel und in schwierigen Fällen immer Hilfe holen.

Wer seinen letzten Erste-Hilfe-Kurs vor vielen Jahren gemacht hat, dem ist eine Auffrischung desselben unbedingt ans Herz zu legen. Erste-Hilfe-Kurse gibt es beim örtlichen Roten Kreuz, dem Malteser-Hilfsdienst oder den Johannitern. Die Kurse kosten um die 30 Euro und einen Samstag Zeit. Eine Investition, die sich lohnt.

Wer mehr über die erste Hilfe im Gelände wissen will, dem sei der Erste-Hilfe Offroad-Kurs von Red Rock Adventures am 5.9./6.9.2015 im Mammutpark in Stadtoldendorf ans Herz gelegt.

Erste-Hilfe-technisch beraten wurde die Autorin von Kevin Mayer vom Deutschen Roten Kreuz Weserbergland.

Fotos: © Daniela Bäumer, Andreas Woithon