Mehrfach haben Steffi und Birgit Reisen nach Afrika gemacht. Und jedesmal wurde ihre Sehnsucht nach diesem Kontinent größer. Momentan nehmen sich die beiden ihre langersehnte Auszeit und sind ein Jahr lang in Afrika unterwegs. Wir haben mit ihnen über die Vorbereitungen und über ihre bisherigen Erlebnisse gesprochen.

Wie seid ihr auf die Idee zu eurer Reise gekommen?

Auf vier Urlauben durch das südliche Afrika entstand die Sehnsucht, diesen wundervollen Kontinent mit mehr Zeit zu bereisen. Und der Wunsch, den Alltag hinter uns zu lassen. Auf der Suche nach Inspiration wie wir nach dieser Reise unser Leben gestalten wollen, selbstbestimmt und fernab der klassischen 40 Stunden Festanstellung.

Was fasziniert euch an Afrika?

Im Gegensatz zu unserer durchorganisierten Lebensweise in Europa findet in Afrika alles im Hier und Jetzt statt, weil keiner so recht weiß, was morgen ist. Dadurch entsteht, neben all dem Elend, das es leider auch zur Genüge gibt, eine solch ansteckende Lebensfreude, die uns in Europa irgendwie abhanden gekommen ist. Dieser Kontinent erfordert ein hohes Maß an Flexibilität, was uns fasziniert. Aber auch fordert. Am beeindruckensten ist aber das gewaltige Naturerlebnis. Nirgends sonst auf der Welt kann man noch so viele wilde Tiere in freier Wildbahn erleben: Elefanten am Wasserloch, Antilopenherden in der Savanne, nachts brüllt der Löwe und Giraffen gibt es auch. Mehr als 13.

Warum habt ihr euch für den Defender entschieden?

Lange haben wir zwischen Land Rover Defender, Toyota Land Cruiser und Mercedes G hin und her überlegt und ausprobiert. Dabei haben wir festgestellt, dass der Defender sich auch von zwei Frauen ganz wunderbar bedienen läßt. Hier ist alles herrlich kompakt und wir können ohne Schwierigkeiten, selbst den Reifen wechseln. Wo viele meckern, dass ihnen der Defender zu eng ist, ist er hervorragend für Menschen bis 1,70 m geeignet. Das Angebot an Gadgets und Zubehör ist für den Defender unübertroffen. Und bezahlbar war er noch dazu.

Ihr habt den Wagen selbst ausgebaut, wie seid ihr dabei vorgegangen?

Zwar waren wir beide in der Lage ein Loch in die Wand zu bohren und ein IKEA Regal zusammen zu schrauben. Das war es dann aber im Wesentlichen auch. Also haben wir zunächst mal im Internet recherchiert, viel getüftelt und Modelle gezeichnet. Schließlich haben wir Knut Hildebrandt von 4×4 Innenausbau kennengelernt, der mit uns das »Betreute Bauen« erfunden hat.

Wir konnten seine Werkstatt nutzen und an den entscheidenden Stellen hat er den Kopf geschüttelt und selbst Hand angelegt. So haben wir Stück für Stück dazu gelernt. Und lernen noch. Wir funktionieren – auch auf Reisen – ganz wundervoll als Team. Wenn einer grad nicht weiter weiß, dann probiert eben der andere. Und so ist unser Defender, die blaue Elise, richtig schick geworden. Mit Vorhängen, Schränken und einer gemütlichen kleinen Sitzecke für Regentage. Alles Ton in Ton. Türkis, weiß und ozeanblau. Ein Mädchenlandy eben.

Habt ihr einen Plan, welche Länder oder Gegenden ihr bereisen wollt?

Die ursprüngliche Idee war auf dem Landweg von München nach Kapstadt zu fahren. Da unser aber die Situation vor allem in nördlichen Afrika politisch zu unsicher war, haben wir beschlossen, in Kapstadt zu starten. Kommen wir auf dem Landweg zurück, ist es prima, aber wenn nicht, sind wir schon da, wo wir sein wollen. Mittlerweile genießen wir, ohne Ziel unterwegs zu sein. Fährt man von A nach B hat man schließlich immer einen gewissen Druck, Kilometer zu machen. Wir bleiben einfach, wo es uns gefällt und so lang es uns gefällt. Das ist herrlich.

Wie habt ihr euch auf die Reise vorbereitet?

Eigentlich gar nicht so sehr. Wir haben ein paar Reiseführer gelesen und fürs bessere Gefühl, Fahrertraining und Schrauberkurs absolviert. Hilfreich war sicherlich, dass wir Elise schon fast zweieinhalb Jahre vor Abreise hatten und so Stück für Stück mit ihr gewachsen sind. Die Generalprobe ging dann im Sommer 2016 nach Albanien, wo Ausbau und Geländegängigkeit ein letztes Mal geprüft und für gut befunden wurden. Das Wichtigste war aber, bei einem guten Glas Wein, einfach einen One-way-Flug nach Kapstadt zu buchen. Danach gab es für uns beide kein Zurück mehr.

Wie navigiert ihr offroad?

Die grobe Planung findet immer noch analog auf Papierkarte statt. Im Gelände schwören wir auf das Kartenmaterial von Tracks 4 Africa in Kombination mit Pocket Earth. Beides haben wir auf Handy und iPad.

Wie viel Geld gebt ihr derzeit im Monat aus und wofür?

Wir liegen im Moment bei etwa 2000 Euro im Monat. Der Großteil davon geben wir für Campingplätze, Lebensmittel und Sprit aus. Gelegentlich kommen Reparaturen oder Ausrüstungsoptimierungen dazu. Und dann wollen wir natürlich auch was Erleben und besuchen Nationalparks, die in Afrika leider nicht ganz billig sind.

Ihr sammelt Spenden für Ärzte ohne Grenzen. Könnt ihr etwas darüber erzählen?

Wir wissen, was für ein großes Geschenk es ist, das wir einander haben und diese Reise machen können. Dafür sind wir sehr dankbar und wollen gerne etwas von unserem Glück weitergeben.

Der Wust an Hilfsorganisationen scheint oft undurchsichtig, sicherlich sind nicht alle seriös und einige schaffen aus unserer Sicht eher unnütze Abhängigkeiten, statt Hilfe zur Selbsthilfe. Dass Menschen dann auch noch Geld dafür bezahlen, ehrenamtlich arbeiten zu dürfen, finden wir mehr als fragwürdig.

Uneingeschränkt großartig ist unserer Meinung nach die Arbeit von Ärzte ohne Grenzen, die wir seit vielen Jahren verfolgen und unterstützen, da Birgit selbst Ärztin ist. Der Großteil der Spendengelder fließt hier in die Projekte und so kann auch kurzfristig medizinische Hilfe organisiert werden, in Krisengebieten oder nach Naturkatastrophen wie beim Tsunami 2004.

Wir haben uns vorgenommen, in 13 Monaten 7.500 Euro zu sammeln. Auf unserer Seite
gibt es alle Infos dazu. Bis jetzt wurden schon knapp 2000 Euro gesammelt und wir freuen uns natürlich riesig, wenn wir noch mehr Menschen von unserer Aktion begeistern können. Die Spenden gehen direkt an Ärzte ohne Grenzen. Mehr Informationen gibt es hier. Als Dankeschön verlosen wir jeden Monat eines von Steffis Afrikabildern, aufgezogen auf Forexplatte oder Holz.

Was war das Schönste, was ihr auf dieser Reise erlebt habt?

Ein einziges großes Ereignis können wir gar nicht nennen. Es ist eher das Gesamtpaket, das uns begeistert. Mit soviel Zeit, diesen spannenden Kontinent zu entdecken, ist einfach wundervoll. Wir begegnen inspirierenden Menschen, beobachten Tiere in freier Wildbahn und geniessen die sich stetig verändernde Landschaft. Am Bewegendsten bisher war für uns aber der kurze Eindruck von Simbabwe. Im Guten wie im Schlechten. So viele Menschen haben uns auf unsere Fahrt durch dieses Land zugewunken, gejohlt und gegrüsst. Und auch in Gesprächen berichtet, dass die wenigen Touristen, die noch kommen, so etwas wie Hoffnungsträger sind. Hoffnung darauf, dass ihr Land noch nicht ganz verloren ist.

Gab es auf dieser Reise oder den Reisen davor Momente, in denen ihr große Angst hattet?

Erfreulicherweise haben wir bisher auf dieser Reise kaum brenzlige Situationen gehabt. Aber so wie wir in der Frage zuvor angedeutet haben, haben wir uns leider in Simbabwe nicht besonders wohl gefühlt. Das lag vor allem an den zahlreichen Polizeikontrollen, in denen doch recht willkürlich versucht wurde, uns irgendein Vergehen anzuhängen und uns um 20 Dollar zu erleichtern. Das wiederum führte dazu, dass wir an einem Tag beschlossen, eine kleinere Seitenstraße zu befahren, um so den Kontrollen zu entgehen. Nach einigen Stunden Fahrt auf einer idyllischen Piste kamen wir an einen Fluss, der nach dem sintflutartigen Regen der vergangenen Wochen leider nicht passierbar war. Und das nur 15 km vor unserem Ziel, der Teerstraße zum Campingplatz. Da wir Selbigen nun leider vor Einbruch der Dunkelheit nicht mehr erreichen würden, begannen wir, einen Stellplatz für die Nacht zu suchen.

So weit so gut. Brav haben wir im Ort den »Chief« um Erlaubnis gefragt und unser Nachtlager aufgeschlagen. Nach einem gemütlichen Abendessen kam ein Mann, der eine Handyverbindung zum »Counsellor« herstellte. Dieser erklärte uns aufgebracht, dass der »Chief« nichts zu melden habe. Der Stellplatz sei nicht sicher, da wir in einem Goldminengebiet stünden. Sein Angestellter würde uns zu ihm bringen und er zeige uns einen besseren Platz.

Natürlich war es mittlerweile dunkel und die Hierarchien für uns völlig undurchsichtig. Also beschlossen wir, unseren Stellplatz mit wehenden Fahnen zu verlassen und uns nun doch zur Teerstraße durchzuschlagen. Trotz einer weiteren kaputten Brücke gelang uns das irgendwie. Doch kaum auf Teer, hielt uns ein Polizeiwagen an. Fünf Männer, die nicht uniformiert waren, forderten uns auf, ihnen zu folgen.

Überlegungen, die Flucht anzutreten, ließen wir rasch fallen, landeten dann auch erfreulicherweise tatsächlich auf einer Polizeistation. Wir wurden ausführlichst befragt und uns war lange nicht klar, ob man versuchte, uns etwas anzuhängen. Bis sich herausstellte, dass der ungemütliche »Counsellor« die Polizei verständigt hatte, und Fremde in seinem Gebiet gemeldet hatte. Letzendlich waren die Polizisten hilfsbereit und wir durften auf dem Polizeiparkplatz übernachten. Trotzdem fällt dieses Erlebnis eindeutig in die Kategorie »Hätte auch schief gehen können«.

Ist Sicherheit ein Thema auf eurer Reise? Wenn ja, habt ihr Tipps zur Sicherheit auf Offroad-Reisen?

Da wir als zwei Frauen reisen, prüfen wir lieber einmal mehr, ob wir uns sicher fühlen. Auch wenn wir gelegentlich von anderen Offroadern dafür belächelt werden, halten wir uns an folgende Regeln:

  • Wir haben einen Defender, damit wir schwierige Strecken fahren können, müssen aber nicht jeden Offroadpiste mitnehmen, die rechts und links neben der Straße liegt. Das schont Wagen und Nerven. Außerdem sehen wir nicht ein, für Offroadtrails zu bezahlen auf einem Kontinent, wo man genug schlechte Straßen auch kostenlos findet.
  • Wir sind nur in der allergrößten Not nach Einbruch der Dunkelheit unterwegs und versuchen vorher, einen guten Stellplatz zu finden. In dicht besiedelten Gegenden stehen wir ungern wild und sagt uns der Campingplatz ganz und gar nicht zu, nehmen wir notfalls auch mal eine Lodge. Hier vertrauen wir schlicht und ergreifend unserem Bauchgefühl.
  • Viele Südafrikaner wittern überall Gefahren und geben uns zahlreiche Tipps mit auf den Weg, im Sinne von »Tue dies nicht!« und »Lasse das!«. Bis auf ein reizendes altes Ehepaar, die schlicht und ergreifend sagten: »Trust people. Most of them are good.« Daran erinnern wir uns immer wieder. Und fahren bisher gut damit.

Welche Charktereigenschaften sollten Menschen mitbringen, wenn sie auf eine lange Reise gehen wollen?

Keine bestimmten. Denn darum geht es doch. Was einem noch fehlt im Charakterrepertoire lernt man in der Regel auf so einer Reise. Wichtiger ist, die Reiseart zu finden, die zum Charakter passt. Der eine möchte sich vielleicht lieber ganz alleine durch den Kongo winchen, wo ein anderer auch gerne mal ein Vier-Gänge-Menu in der Luxuslodge genießt. Alles erlaubt, solange man selbst Freude daran hat. Finden wir.

Was würdet ihr Menschen raten, die auch von einer großen Reise träumen?

Abreisedatum festlegen. Alles andere findet sich dann von selbst.

Stefanie und Birgit bloggen über ihre Erlebnisse auf ihrem Blog Giraffe13.de