Bei Autos im Allgemeinen und bei Geländewagen im Speziellen gammeln gerne Schrauben und Muttern fest. Entweder vor dem Einschrauben, durch Anti-Seize- oder Kupferpaste und spätestens wenn die Verbindung gelöst werden muss, wird das Problem mit Rostlöser angegangen. Das eigentliche Lösen erledigt aber immer ein Schraubenschlüssel. Ärgerlich, wenn dieser die ohnehin festsitzende Schraube auch noch rund dreht.

Mit rundgedrehten Schraubenköpfen oder Muttern ärgert sich jeder irgendwann mal herum. Manchmal auch öfter. Ursache sind zumeist festsitzende oder festgefressene Verbindungen, aber auch schlechtes oder falsches und Werkzeug. Ein billiger Gabel- oder Ringschlüssel, der zu große Toleranzen hat oder sich weitet wird irgendwann durchrutschen und die erste Beschädigung am Sechskantkopf verursachen. Ganz abgesehen von möglichen Verletzungen, verursacht durch den plötzlichen Verlust des Halts.

Bei festsitzenden Schrauben oder Muttern besteht zudem die Gefahr, dass die Schraube abgerissen wird. Dann helfen nur noch Spezialwerkzeuge oder Tricks wie Kontermuttern, das Anschweissen einer Mutter oder das Ausbohren und Neuschneiden des Gewindes. Daher sollten schwer lösbare Verbindungen immer mit Rostlöser vorbehandelt werden.

In der normalen Werkzeugkiste finden sich zumeist Gabel- und Ringschlüssel und letzteren auch in Form eines Ratschenschlüssels mit Stecknuss. Alle haben ihre Vor- und Nachteile. Beim Lösen einer gut zugänglichen Schraube oder Mutter ist der Ringschlüssel bzw. die Ratsche mit Nuss gegenüber dem Gabelschlüssel im Vorteil, da er sich durch die geschlossene Form nicht öffnet und der Formschluss besser ist. Er kann mehr Drehmoment übertragen und aushalten.

Dennoch, wer kennt nicht das leicht federnde Gefühl in der Hand, gerade bei einem Gabelschlüssel, das einem sagt, gleich rutscht es durch und der Sechskant hat seine erste Macke. Verstärke ich nun den Druck in der Hoffnung das es reicht, das sich der Schlüssel noch nicht durchdreht aber die Verbindung sich schon löst? Oder höre ich besser auf?

Meine erste Wahl bei einer festen Schraube war bisher der Ringschlüssel. Besser noch ein Ringschlüssel mit abgerundeten Profilecken. Aber nicht immer kann er angesetzt werden. Platzprobleme oder eine Überwurfmutter, wie sie bei Bremsleitungen zu finden ist, können einen Gabelschlüssel erforderlich machen. Bei diesem ist aber die Gefahr des Runddrehens höher. Hier soll nun der FastRatch-Schlüssel der Firma Stahlwille Abhilfe schaffen. Grob gesagt ist er wie ein Ringschlüssel mit abgerundeten Profilecken, der sich wie ein offener Gabelschlüssel ansetzen lässt.

Gluehbirne-Idee-Erklaerung

Exkurs: Kleine Schlüsselkunde

Die Entwicklung von Schraubenschlüsseln hat mehrere Formen und Konstruktionen hervor gebracht, die alle ihre Stärken und Schwächen haben. Mit einem Ringschlüssel, obwohl er besser packt und mehr Drehmoment übertragen kann, ist die Überwurfmutter einer Bremsleitung nun einmal nicht zu lösen. Wir erklären kurz die gängigen Schlüsselformen.

Die Enden der Schlüssel können abgewinkelt oder gekröpft sein oder weitere Sonderformen aufweisen. Dies dient der besseren Handhabung und der Zugangsmöglichkeit. Der Nachfasswinkel gibt an, wieviel Grad der Schlüssel um die Achse der Schraube gedreht werden muss, um wieder angesetzt werden zu können.

Gabel- oder Maulschlüssel

Der wohl älteste Schraubenschlüssel. Er ist offen und packt den Schraubenkopf mit seinen parallel verlaufenden Flächen. Die Schlüsselweite gibt den Abstand der beiden Flächen in Millimeter an. Bei einem 17er Schlüssel beträgt der Abstand also 17 Millimeter. Der Nachfasswinkel des Gabelschlüssels beträgt 60 Grad. Durch abgewinkelte Schlüsselenden kann der Winkel größer und kleiner gewählt werden, wenn der Schlüssel in der Hand gedreht wird.

Vorteile:
Er kann für alle Köpfe benutzt werden, die mindestens zwei parallele Flächen haben.
Er ist offen und kann so sehr flach angesetzt werden, beispielsweise wenn kein Platz über dem Schraubenkopf ist oder es sich um eine Überwurfmutter handelt.

Nachteile:
Er kann im Vergleich mit den anderen Schlüsselformen, die wir hier aufführen, am wenigsten Drehmoment übertragen, da er nur an den Enden von zwei Profilecken des Sechskants greift und die Backen des Schlüssels sich auseinander drücken. Die Gefahr des Runddrehens ist bei ihm am größten. Seine beiden Backen müssen breit ausgelegt sein, um deren Auseinanderdrücken zu minimieren. Das kann bei engen Platzverhältnissen ein Umfassen des Schraubenkopfs oder einen ausreichenden Drehwinkel unmöglich machen.

Ringschlüssel

Der Ringschlüssel ist im Grunde ein geschlossener Doppelsechskant-Schlüssel. Die Profilecken sind wie zwei versetzt übereinander liegende Doppelsechskantköpfe angeordnet. Daher verringert sich der Nachfasswinkel auf 30 Grad. Der geschlossene Ring und die Kontaktflächen an allen Ecken des Sechskantkopfes ermöglichen es, mehr Kraft als beim Gabelsschlüssel zu übertragen. Verbesserte Profilformen (abgerundet) des Ringschlüssels wirken weiter unterhalb der Profilecken und somit mehr auf die Fläche. Dadurch wird das mögliche Drehmoment weiter erhöht und greift auch sicher bei Sechskantköpfen, die ausserhalb der Toleranzen liegen.
Das Prinzip des Ringschlüssels findet sich auch bei der Stecknuss, die oft in Verbindung mit einem Ratschenschlüssel benutzt wird. Je nach Zahnung des Ratschenschlüssels sind sehr kleine Nachfasswinkel möglich, ohne dass der Schlüssel neu angesetzt werden muss.

Vorteile:
Packt sicherer und lässt ein höheres Drehmoment zu, da die Übertragung an allen Ecken des Sechskants erfolgt und die geschlossene Ringform ihn stabiler macht.
Die unterschiedlichen Formen des Ringschlüssels, ermöglichen zudem das Packen versenkter Köpfe und an anderen schwer zugänglicher Stellen.

Nachteile:
Durch die geschlossene Form, kann er nicht überall eingesetzt werden. Es gibt Ringschlüssel, die wie ein Gabelschlüssel offen sind, deren Drehmoment aber reduziert ist.

Wie der FastRatch 240 funktioniert

Der FastRatch ist eine Kombination aus Ringschlüssel mit abgerundeten Profilecken, Gabelschlüssel und Zange. Durch die Möglichkeit ihn wie eine Zange zu öffnen, kann er um die Mutter oder Schraube gelegt werden und beim Schliessen, zieht er sich sehr fest zu. Durch die spezielle Position der beiden Profilecken des Schlüssels, rutschen diese beim Schliessen nicht durch. Sie drücken in die Fläche des Sechskantkopfes und belasten dabei nicht die spitzen Ecken. So wird die Verbindung zwischen Schlüssel und Kopf sehr fest.

Wird der Griff gelöst und der Schlüssel entgegen der Drehrichtung geführt, öfnnet er sich wieder, die Profilecken gleiten über die Ecken des Kopfes auf die nächste Seite. Jetzt kann er wieder zugezogen werden.

Wie macht sich der FastRatch 240 in der Praxis?

Der erste Eindruck ist ungewöhnlich. Ein Schlüssel, der sich über die ganze Länge des Griffs öffnet fühlt sich in meiner Hand ungewohnt an. Die Haptik des geschlossenen Schlüssels vermittelt aber einen sehr stabilen Eindruck. Die ersten Versuche mit dem Mechanismus waren etwas holprig. Eigens für die einhändige Bedienung ist im geriffelten Griff eine Kerbe angebracht, über die der Schlüssel geöffnet wird. Es bedarf Übung, aber nach einigen Versuchen konnte ich den Schlüssel immer schneller und sicherer ansetzen. Das ich immer noch ein paar Probleme damit habe, ist eher dem Umstand geschuldet, dass ich nicht täglich mit dem Werkzeug hantiere.

Der Schlüssel ist sehr schmal, was den Einsatz an engen Stellen möglich macht. Im Grunde überall dort, wo ein Gabelschlüssel auch passt. Er kann wie ein Ratsche ohne Neuansetzen benutzt werden. Da er jeweils zwei Seiten packt entspricht der minimale Nachfasswinkel 60 Grad. Ungewohnt ist das Öffnen des Griffs beim Nachfassen. Es erfordert das lockern der Hand. Genau dabei rutschte mir der Schlüssel manchesmal ab, wenn ich ihn nur mit den Fingerspitzen packen konnte.

Beim Schließen stellte sich dann aber sofort der Eindruck ein, dass er extrem fest und sicher packt. Auch bei bereits rundgedrehten Sechskantköpfen. Das bestätigte sich auch bei meinen Versuchen. Ich konnte alle meine Kraft aufwenden, der Schlüssel rutschte nicht durch. Wenn die Schraube zu fest saß, liess sich der Schlüssel eben nicht bewegen. Aber er rutschte nicht durch.

Fazit

Die Stärke des FastRatch-Schlüssels liegt für mich ganz klar im sicheren Packen des Sechskants. Die Gefahr den Kopf rund zu drehen ist stark verringert. Dafür steigt die Gefahr die Schraube abzureissen. Hat der Schlüssel sich einmal „festgebissen“, üben seine „Zähne“ den Druck in die Fläche des Kopfes aus und nicht auf seine Profilecken. In der Hand fühlt sich die Verbindung extrem fest an, wie verschweisst. Ich hatte das Gefühl alles an Kraft einsetzen zu können. Dabei benötigt es keine Kraft den Schlüssel geschlossen zu halten, er zieht sich durch die Drehung selbst zu.

Für die Arbeit mit intakten und nicht fest sitzenden Schrauben werde ich weiterhin zuerst zur Ratsche mit Nuss greifen. Sie hat den Vorteil im geringen Nachfasswinkel und dem sicheren schnellen Ansetzen. Überall dort, wo ich mit der Ratsche nicht arbeiten kann, werde ich jetzt zuerst zum FastRatch greifen. Sobald ich aber viel Kraft einbringen muss und die Lage der Schraube es erlaubt oder erfordert, greife ich direkt zum FastRatch.

Für Besitzer von Fahrzeugen aus dem angelsächsischen oder amerikanischen Raum kommt noch positiv hinzu, dass sich die Schlüssel gleichermaßen für metrische als auch zöllige Schrauben respektive Muttern eignen. Die Größen und die Drehrichtung sind gut lesbar auf dem Schlüssel angegeben.

Für meinen britischen Oldtimer fanden sich bereits einige Einsätze dieses Schlüssels. Zum einen weil das Fahrzeug viele Zollschrauben besitzt und zum anderen, weil in gut 46 Jahren einige davon ziemlich fest sitzen. Das Werkzeug macht den Rostlöser aber nicht unnötig, da immer die Gefahr des Abreißens besteht. Gerade auch, wenn mit dem FastRatch noch mehr Drehmoment eingesetzt werden kann.

Auch bei Überwurfmuttern habe ich ihn schon gut gebrauchen können. Hier benötigte ich sonst einen Maulschlüssel oder einen offenen Ringschlüssel. Offene Ringschlüssel haben aber nicht die Festigkeit, da der Ring eben nicht geschlossen ist.

Für mich gehört der FastRatch von nun an zur festen Werkzeugausstattung. Er macht die anderen Schlüssel aber nicht unnötig, denn häufig bestimmen die Lage und die Platzverhältnisse welches Werkzeug benutzt werden muss.


Bezugsquellen

Der aus rostfreiem und vergütetem Stahl hergestellte Schlüssel kann einzeln oder in zwei Sets bestellt werden.

  • Einzelschlüssel
    8 mm, 5/16″ / 10 mm, 3/8″ / 11 mm, 7/16″ / 12 mm, 15/32″ / 13 mm, 1/2″ / 14 mm, 9/16″ / 16 mm, 5/8″ / 17 mm, 21/32″ / 19 mm 3/4″
  • FastRatch 240/5
    10 mm, 3/8″ / 11 mm, 7/16″ / 14 mm, 9/16″ / 17 mm, 21/32″ / 19 mm 3/4″
  • FastRatch 240/6
    8 mm, 5/16″ / 10 mm, 3/8″ / 13 mm, 1/2″ / 14 mm, 9/16″ / 17 mm, 21/32″ / 19 mm 3/4″

Auf dieser Karte findet ihr die Stahlwille-Händler: Händlernetz.

Hinweis: Die Schraubenschlüssel wurden uns auf unsere Nachfrage hin von der Firma Stahlwille für die Produktvorstellung zur Verfügung gestellt.

© Fotos: Doreen Kühr