Robby und Stefan sind seit über 200 Tagen in ihrem Mercedes LA 911 Baujahr 1966 unterwegs. Derzeit fahren sie durch Marokko. Die Idee in einen LKW zu ziehen und die Welt zu bereisen, kam bei den beiden sehr spontan. Wir haben mit ihnen über ihre Reiseplanung und das Leben auf Reisen gesprochen.

Erzählt doch mal, wer ihr seid und was ihr vor der Reise gemacht habt.

Wir sind Robby (32) und Stefan (40). Vor unserer Reise lebten wir mit unserer Hündin Emily (8) in einem kleinen Häuschen im südlichen Bayern. Stefan arbeitete bei einem großen Konzern und reparierte große Industriedrucker. Ich war im öffentlichen Dienst und für die Sachbearbeitung eines Friedhofs zuständig. In unserer Freizeit haben wir gerne viel mit Freunden unternommen, Gitarre gespielt und konnten uns immer schon für fremde Länder begeistern. Unseren Jahresurlaub verbrachten wir oft im Wohnwagen und genossen die Freiheit, die man bei dieser Art zu reisen hat.

Robby und Stefan, Norwegen im Schnee

Wie seid ihr auf die Idee gekommen, in einen LKW zu ziehen und um die Welt zu reisen?

Die Entwicklung war eine längere, doch die Entscheidung fiel sehr schnell. Wir hatten uns schon öfter Gedanken darüber gemacht, ob die Art wie wir leben, eigentlich alles gewesen sein soll, bis wir in Rente sind. Und wir waren uns beide einig, dass es noch eine andere Möglichkeit geben muss, als seine besten Jahre im Hamsterrad zu verbringen.

So rief mich Stefan eines Tages auf der Arbeit an und meinte: „Schatz, lass uns alles verkaufen was wir haben, in ein Wohnmobil ziehen und durch die Welt tingeln“. In diesem Moment hatte ich keine Zeit und verschob die Antwort auf diese Aussage auf den Abend. Als ich abends nach Hause kam sprachen wir circa 5 Minuten über das Thema und dann war klar, wir machen das. Das war im Juli 2015. Das war der Punkt, an dem wir begannen, unser Abenteuer vorzubereiten.

Die Entscheidung für den LKW dauerte allerdings ein wenig. Anfangs hatten wir ein normales Wohnmobil im Kopf. Nachdem wir uns einige Wohnmobile angesehen hatten, wurde uns aber klar, dass das nichts für uns ist. Und so kamen wir irgendwann auf alte, ausgebaute Trucks. Und wie der Zufall es wollte, stand unser „Fanti“ eine Stunde Fahrt von uns entfernt zum Verkauf. Wir machten einen Besichtigungstermin aus und als wir dort ankamen, mussten wir beide grinsen. Und spätestens nach der Probefahrt war klar, das ist unser Wohnmobil. Wenige Tage später konnten wir ihn dann abholen und mit nach Hause nehmen.

Der Kurzhauber vor der Restaurierung

Der Kurzhauber vor der Restaurierung

Wie seid ihr an den Wagen gekommen und warum habt ihr euch für den Mercedes entschieden?

Der LKW ist ein Mercedes LA 911 oder auch Kurzhauber genannt. Er war ursprünglich ein Fahrzeug des Bundesgrenzschutz und hat mittlerweile 50 Jahre auf dem Buckel. Wie schon erzählt war er der erste Allrad-LKW, den wir uns angesehen haben. Wir wussten nach der Besichtigung, dass er schon einige Jahre zum Verkauf stand. Was wohl auch daran lag, dass er noch jede Menge Zuwendung benötigte, bevor er auf Reisen gehen konnte.

Die Entscheidung ihn zu kaufen, kam aus dem Bauch heraus. Bei der Probefahrt hat es einfach Klick gemacht und wir haben uns maßlos in ihn verliebt. Und er hatte genau das, was wir wollten. Alte, robuste Technik, bei der wir alles selbst reparieren können und keine Werkstatt mit Computer oder ähnliches brauchen.

Wie seid ihr an die Restaurierung rangegangen und wie lange hat das gedauert?

Sein Zustand war nicht der beste, aber alle wichtigen Komponenten waren gut erhalten. Wir haben uns dafür entschieden ihn zu lackieren, da der alte Lack anfing abzublättern. So waren die ersten Arbeiten das Entfernen von Rost und das Abschleifen des ganzen LKW. Das haben wir noch vor unserer Haustür draußen angefangen.

Allerdings hatten wir bereits November und so war es ein riesiges Glück, dass wir innerhalb kürzester Zeit ungefähr 30 km von uns entfernt einen Platz in einer Halle gefunden haben. Dort verbrachte „Fanti“ nahezu den ganzen Winter. Jeden Tag sind wir in die Halle gefahren und haben alles Mögliche getan: spachteln, schleifen, lackieren, neue Elektrik, neue Kabel, Innenausbau lackiert, neue Küche eingebaut, das Bad komplett erneuert und so weiter.Das alles aufzuzählen würde sicherlich die Länge des Beitrags sprengen.

Alles in allem haben wir von November bis April jeden Tag viele Stunden an unserem Fahrzeug verbracht und das sieben Tage die Woche.

Wir in Spanien

Wir in Spanien

Hattet ihr schon eine Ahnung, wie ein Fahrzeug restauriert oder ausbaut? Wie habt ihr euch die Informationen besorgt?

Stefans erste Ausbildung war die zum KFZ-Mechaniker. So war natürlich ein gewisses Grundwissen vorhanden, aber keiner von uns hat bisher einen alten LKW restauriert oder gar ausgebaut. Und den Rest haben wir uns durch Informationen im Forum der „Allrad-LKW-Gemeinschaft“ zusammengesucht und teilweise auch nach dem Original-Handbuch von Mercedes gearbeitet.

Musstet ihr bereits etwas an dem LKW reparieren? Wenn ja, macht ihr das alles selbst?

Bis jetzt gab es noch keine größeren Ausfälle. Einmal hat unser Scheibenwischer in Norwegen den Geist aufgegeben, das war bisher die einzige Reparatur und das Problem war innerhalb von Minuten behoben. Und wir wüssten im Moment nicht, welche Reparaturen wir nicht selbst machen könnten. Aber das wird sich im Laufe unserer Reise sicher noch rausstellen.

Norwegen - Kurzer Check

Norwegen – Kurzer Check

Wie viel gebt ihr monatlich aus und wie finanziert ihr eure Reise?

Wir haben uns monatlich ein Budget von 1.500 Euro gesetzt. Damit ist alles abgedeckt, inklusive der monatlichen Fixkosten. Durch den Verkauf unseres Hauses und all unserer Habseligkeiten können wir uns so für mindestens zwei Jahre finanzieren, ohne Geld verdienen zu müssen. In Skandinavien haben wir unser Budget ein wenig überschritten und hier in Marokko bleiben wir sogar drunter. Wir versuchen einfach so wenig Geld wie möglich auszugeben. Denn je weniger wir ausgeben, umso länger können wir sorglos reisen.

Wie viele Kilometer seid ihr bereits gefahren?

Unser „Fanti“ hatte bei unserer Abfahrt im Mai einen Kilometerstand von 36.000 km. Aktuell liegen wir jetzt bei 61.000 km. Somit haben wir bereits 25.000 km hinter uns gebracht.

Wüste in Marokko

Wüste in Marokko

Habt ihr ein Ziel für eure Reise? Also ist sie irgendwann abgeschlossen? Oder gibt es einen groben Zeitplan?

Unser mittelfristiges Ziel ist erstmal Südafrika. Wie es danach weiter geht, ist noch offen. Es könnte sein, dass wir einfach zurück nach Deutschland fahren. Eine Verschiffung nach Südamerika wäre allerdings auch denkbar. Doch darüber haben wir uns bis jetzt noch keine Gedanken gemacht. Das werden wir relativ spontan entscheiden, wenn es so weit ist.

Wir haben keine festgelegte Dauer für unsere Reise. Es ist für uns nicht nur eine Reise, sondern ein neuer Lebensabschnitt. Wir haben für uns eine andere Art zu leben entdeckt, mit der wir sehr, sehr glücklich sind. Wir können uns allerdings durchaus vorstellen, irgendwann nach Deutschland zurückzukehren, für ein paar Jahre zu arbeiten und dann wieder loszuziehen. Oder alternativ in einem anderen Land zu arbeiten, um uns dann eine Weiterreise finanzieren zu können.

Am Embalsedel Guadalhorce, Spanien

Am Embalsedel Guadalhorce, Spanien

Wie habt ihr euch auf eure Reise vorbereitet? Plant ihr irgendwas? Wenn ja, wie informiert ihr euch?

Wir haben grundsätzlich keine festgelegten Routen, die wir unbedingt einhalten. Wir versuchen uns vor Ort zu informieren, wo es was zu sehen gibt und entscheiden dann, wo wir hin wollen.

Dabei sind uns Bücher genauso behilflich wie das Internet und Tipps von anderen Reisenden. Unser Hauptaugenmerk liegt darauf, in den Ländern zu leben, Kontakt zu den Menschen zu suchen und in andere Welten einzutauchen.

Sehenswürdigkeiten haben für uns daher keinen übermäßig großen Stellenwert.
Das Einzige, was natürlich geplant werden muss, sind Visa oder Impfungen. Das haben wir für unsere Südafrika-Reise zuhause noch erledigt.

Hailuoto, Finnland

Hailuoto, Finnland

Was waren die drei schönsten Dinge, die ihr bisher auf der Reise erlebt habt?

Am schönsten sind die Begegnungen mit Menschen. Dabei ist es ganz egal, ob es Begegnungen mit anderen Reisenden oder Einheimischen sind. So haben wir bei unserer Reise durch Norwegen zum Beispiel unglaublich viele, tolle Menschen kennengelernt. Oftmals auch dadurch, dass sie unser Fahrzeug und unser Blog kannten.

Außerdem waren wir total begeistert, als wir einem Elch in freier Wildbahn relativ nah kommen konnten. Es ist wohl eher eine Glückssache einen Elch in Norwegen zu sehen. Wir hatten dieses Glück gleich fünf Mal.

Die Landschaften, die man zu Gesicht bekommt, sind ein weiterer, schöner Punkt. So waren wir total begeistert von den Fjorden in Norwegen und momentan sind wir mehr als nur begeistert von Erg Chebbi. Die Wüste nicht nur auf Bildern zu sehen, sondern den feinen Sand unter den Füßen zu spüren … das ist wirklich atemberaubend schön.

Wagenburg in Tarifa

Wagenburg in Tarifa

Gab es schon Momente, in denen ihr richtig Angst hattet?

Richtig Angst, nein. Allerdings gab es zwei Momente, in denen wir ein ungutes Gefühl hatten und nicht wussten, was auf uns zu kommt. Das hat sich jedoch im Nachhinein alles als harmlos herausgestellt.

Was vermisst ihr?

Was wir vermissen, sind gemeinsame Momente mit Familie und Freunden. Gerade in Skandinavien saßen wir oft irgendwo im nirgendwo am Lagerfeuer und hätten uns gewünscht, das mit unseren Liebsten teilen zu können. Wir vermissen es, die Menschen, die uns wichtig sind, nicht mal eben besuchen zu können, wenn uns danach ist. Doch das ist auch das Einzige was uns fehlt.

Welche Eigenschaften braucht man, um als Langzeitreisender eine gute Zeit zu haben?

Offenheit ist, denke ich, eine wichtige Eigenschaft, um eine gute Zeit zu haben. Unvoreingenommen in die Welt zu gehen und die Dinge anzunehmen, wie sie sind. Wir denken, man sollte nichts erwarten, sondern alles auf sich zukommen lassen und sich im Klaren darüber sein, dass es nicht wie zuhause sein wird.

Erg Chebbi, Marokko

Erg Chebbi, Marokko

Was habt ihr bisher auf der Reise über euch und das Leben gelernt?

Wir haben gelernt, dass wir als Paar wunderbar funktionieren. Das wir sehr harmonisch miteinander leben, auch auf kleinstem Raum und uns auch bei 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche Zusammensein nicht auf den Zeiger gehen.

Wir lernen gerade, wie wenig es eigentlich zum Leben braucht. Es ist toll zu sehen, wie sich die eigenen Bedürfnisse verändern, wenn man das Hamsterrad einmal verlassen hat. So können wir jetzt schon nicht mehr verstehen, warum wir jemals ein Haus gebraucht haben.

Tarifa, Spanien

Tarifa, Spanien

Was würdet ihr Menschen raten, die davon träumen auf Weltreise zu gehen?

Wir können nur dazu raten, Träume zu verwirklichen, wenn es irgendwie geht. Man gewinnt so viel und das Leben kann von heute auf morgen vorbei sein. Wir bekommen sehr häufig Mails von Leuten, die uns sagen, wir wollten auch immer, aber haben es nicht gemacht weil … und heute bereuen sie es zutiefst. Genau deswegen, sollte man seinen Mut zusammennehmen und einfach machen. Hilfreich ist es auf jeden Fall, vorher mit anderen zu sprechen, die genau das gemacht haben. Denn das macht Mut und zeigt, wie es gehen kann.

Robby und Stefan bloggen unter Campofant.com und waren bei unserer Blog-Aktion unter den Top20-Offroadblogs.

Fotos: © Robby und Stefan, Campofant