Irgendwann kommt ihr im Gelände in die Situation, in der ihr alleine und ohne Einweiser nicht mehr weiterkommt. Sich erst jetzt auf ein Prozedere zu einigen und das Vertrauen aufzubauen, ist etwas spät. Es ist besser, wenn ihr euch mit eurem Beifahrer schon vorher abstimmt und gegenseitiges Vertrauen aufbaut. In jedem Fall benötigt ihr ein eindeutiges System mit Handzeichen zum Einweisen.

Im Geländewagen sitzt ihr hoch und ein waschechter Geländewagen war aus Gründen der Übersichtlichkeit meist eckig gehalten. Dort wo kein Auto zu sehen ist, ist auch keines mehr. Das macht das Fahren im Gelände viel leichter.

Eckige Geländewagen gibt es aber immer weniger und dort wo es eng wird und wo es auf Zentimeter ankommt, kann der Fahrer oft nicht mehr alleine entscheiden. Mag er seine Hinterräder noch entlang der Abbruchkante jonglieren, weil er seine Außenspiegel richtig eingestellt hat, sieht er dennoch nicht die Vorderräder. Wo stehen die jetzt wohl genau? Und was ist mit dem Untergrund? Bewegt er sich unter der Last?

Vom Fahrersitz bekommt ihr im Zweifelsfall nicht mehr mit, was unmittelbar vor, neben und unter den Reifen passiert oder ob das Differenzial wirklich die paar Millimeter Luft übrig hat, um über den Felsen zu kommen.

Wer hilft? Der Einweiser

Mit ein Grund für die Erfindung des Beifahrersitzes, ist der des Einweisers. Den braucht ihr in solchen Situationen. Jemand, der von außerhalb des Fahrzeugs die Situation überblickt, einschätzt und die richtigen Fahranweisungen gibt. Und es braucht ein vereinbartes System an unmissverständlichen Zeichen, denen der Fahrer folgen kann.

Von Außen mag dann der eine oder andere den Kopf schütteln, ist doch klar zu sehen, wie einfach die Passage zu nehmen ist. Aber von innen sieht und vor allem fühlt es sich doch ganz anders an. Und genau deshalb gibt es ja den Einweiser. Ihm kann der Fahrer die Kontrolle überlassen, weil er draußen steht und eben alles genau überblicken kann. Er hat den entspannten Blick und spürt eben nicht das Unwohlsein, weil das Fahrzeug schon 20° geneigt ist. Daher trifft er andere, bessere Entscheidungen. Lasst euch deshalb, gerade vor den Augen von Publikum, nicht aus der Ruhe bringen. Wenn ihr an dem Punkt seid, wo ihr eine Einweisung des Fahrzeugs wollt, solltet ihr das auch so machen.

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Das Vertrauen in den Einweiser ist enorm wichtig.

Vertrauen oder Popo-Sensor?

Wer sich bereits auf einen Einweiser verlassen musste, kennt das Gefühl, plötzlich nicht mehr selbst Herr der Lage zu sein und nicht mehr die Entscheidungen zu treffen. Plötzlich sagt der berühmte Popo-Sensor etwas ganz anderes, als der Einweiser draußen anzeigt. Was nun? Wieder die Führung übernehmen? Oder doch dem Partner vor dem Auto vertrauen?

Die Antwort ist ganz klar: Ihr müsst eurem Einweiser vertrauen. Das funktioniert natürlich nur, wenn der Einweiser auch weiß, was er tut. Er muss die Bewegungen das Fahrzeugs im Gelände abschätzen, das Gewicht einschätzen und die Wank- und Rutschbewegungen interpretieren können. Er muss voraussagen können, was passiert, wenn das eine Rad in das Loch eintaucht, während das andere gerade herauskommt. Selbstverständlich muss er die gesamte Situation überblicken.

Der Einweiser übernimmt die gesamte Verantwortung. Als Fahrer seid ihr nur noch die Fernbedienung für den Einweiser. Erfahrene Offroad-Fahrer können das oft besonders gut, da ihnen die Bewegungen und das Verhalten des Wagens bekannt sind.

Warum Handzeichen zum Einweisen?

Damit ist klar, der Einweiser sollte gut gewählt werden und derjenige sollte bereit sein, die Verantwortung zu übernehmen. Was jetzt noch fehlt ist ein System von Handzeichen, das beide beherrschen. Dabei ist es im Grunde egal, welches System ihr da am Ende benutzt oder ob ihr euch selber eines ausdenkt, es sollte nur beiden unmissverständlich klar sein.

Damit stellt sich die Frage, warum man ausgerechnet mit Handzeichen arbeiten sollte? Einen Zwang gibt es natürlich nicht, aber es hat Vorteile. Zum einen kann der Fahrer seine Hände am Lenkrad behalten und muss nicht den Funk o.ä. bedienen, sofern es überhaupt eine Funkausstattung gibt. Zum anderen funktionieren Handzeichen auch in lauten Umgebungen oder dort wo viele Leute meinen, sich mit Rufen einmischen zu müssen. Viele Stimmen im Ohr machen den Fahrer eher nervös, als dass sie ihn beruhigen. Die Fokussierung auf genau die eine Person vor dem Fahrzeug, hilft dabei Ruhe zu bewahren. Ein weiterer Grund ist ebenfalls psychologischer Natur. So kann ein laut, vielleicht auch dringlich gerufenes Kommando den eh schon aufgeregten Fahrer weiter nervös machen.

Aus dem Fahrzeug gesehen.

Aus dem Fahrzeug gesehen.

Mit den Händen zu arbeiten zwingt auch den Einweiser zu etwas mehr zur Ruhe, ist man verbal doch vielleicht eher bei schnell hintereinander gerufenen Kommandos. Und das gerufene „rechts“ wird nicht immer als das gewollte Rechts aufgenommen. Ein Daumen, der in eine bestimmte Richtung zeigt, ist hingegen eindeutig.

Letztendlich ist es eure Sache, womit ihr die Einweisung durchführt. Es ist jedenfalls keine schlechte Sache, wenn ihr im Falle eines Falles auf ein Handzeichensystem zurückgreifen könnt.

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Unser Beispiel für Einweiser-Handzeichen

Auf unseren Offroad-Trainings schulen wir natürlich die Einweisung per Handzeichen, ihr müsst euren Partner damit durch Geländepassagen führen. Das soll die Problematiken bei diesem Zusammenspiel aufzeigen, aber auch Vertrauen schaffen. Wir stellen euch hier dieses Handzeichen-System vor.

Ein Handzeichensystem muss für die wichtigsten Manöver eindeutige Signale kennen. Signale, die nicht falsch verstanden werden können. Dazu zählen die Richtung und die Geschwindigkeit (langsam, schneller, vor, zurück), die Lenkbewegungen und natürlich der Stopp.

Unser System arbeitet mit beiden Händen. Eine zeigt die Geschwindigkeit und Richtung an, die andere ob gelenkt werden soll oder nicht. Gerade hierbei kommt es oft zu Missverständnissen. Während der eine meint, „drehe etwas nach links“, denkt der andere „Aha, ich muss voll einschlagen“. Unser System verhindert das, wenn ihr euch eisern daran haltet, was der Lenkdaumen anzeigt. Aber dazu im Folgenden mehr.

Rechte Hand

Bei der rechten Hand nutzen wir den Daumen. Der Daumen hochgereckt bedeutet einfach nicht lenken! Also einfach nicht am Lenkrad drehen, egal wie es steht. Er bedeutet nicht „bitte gerade lenken“! Das kann nicht oft genug betont werden, Daumen hoch bedeutet nicht gerade lenken, sondern einfach nicht am Lenkrad drehen, stehenlassen wie es ist.

Ein nach links oder rechts gedrehter Daumen heißt, das in diese Richtung gelenkt werden soll, bis der Daumen wieder aufrecht steht. So kann der Einweiser genau die Stellung der Vorderräder bestimmen, da Anfang und Ende der Lenkbewegung angezeigt wird. Über den Winkel mit der der Daumen seitwärts steht, kann auch noch die Lenkgeschwindigkeit übermittelt werden, aber das ist dann schon für Fortgeschrittene. Ein leicht zu Seite geneigter Daumen heißt dann langsam lenken, ein 90° geneigter Daumen bedeutet schneller einlenken.

Beispiel: Vorwärts und nach links lenken.

Beispiel: Vorwärts und nach links lenken.

Linke Hand

Mit der linken Hand oder auch dem ganzen Unterarm steuert der Einweiser die Bewegung des Fahrzeugs. Langsames Heranwinken bedeutet langsam auf den Einweiser zufahren. Schnelleres Winken, etwas schneller. Wenn die Handfläche nach unten zeigt und der Einweiser die Hand von sich weisend bewegt, zeigt das dem Fahrer an, rückwärts zu fahren. Auch hier bestimmt die Geschwindigkeit, mit der die Hand die Bewegung ausführt, ob schneller oder langsamer gefahren werden soll.

Eine Faust bedeutet Stopp. Stopp aber nicht im Sinne von fertig, Ende, sondern von Anhalten und ggf. Lenkbewegungen ausführen. In jedem Fall in Bereitschaft bleiben. Dieses kurze Anhalten könnt ihr nutzen, wenn nur gelenkt werden soll, oder ihr kurz den Blick oder leicht die Position verändern wollt.

Einweisen mit Handzeichen - Eindeutig: Stopp, aber weiter nach links lenken.

Eindeutig: Stopp, aber weiter nach links lenken.

Beide Hände

Beide Hände mit den Handflächen zum Fahrzeug angehoben, bedeutet Anhalten!, es passiert jetzt gerade nichts weiter. Dieses Handzeichen ist dafür gedacht, das Fahrzeug und den Fahrer komplett in Ruhe zu versetzen, um beispielsweise eure Position zu verändern. Wenn ihr dabei im Gelände marschieren müsst, braucht ihr ggf. beide Arme und Hände, so dass ihr keine Handzeichen abgeben könnt. Das ist gerade dann sinnvoll, wenn ihr in schwierigem oder rutschigem Gelände weiter zurück gehen müsst oder um das Fahrzeug gehen wollt. Eurer eigenen Sicherheit wegen, solltet ihr euch dann nur auf euch und eure Schritte konzentrieren, daher der komplette Stopp für das Fahrzeug. Ihr könnt dann eure Arme zur Hilfe nehmen, falls das Gelände schwierig ist.

Wenn ihr eure neue Position gefunden habt, hebt ihr wieder die Hände zum Stopp-Zeichen an, ihr macht quasi da weiter wo ihr aufgehört habt und nehmt wieder Blickkontakt auf. Tagsüber kann der Fahrer die Bereitschaft mit einem kurzen Aufleuchten des Fernlichts signalisieren, im Dunkeln solltet ihr das vermeiden, da die Augen dann zu stark geblendet werden.

Dann können die nächsten Fahranweisungen erfolgen.

Die einzelnen Gesten beim Einweisen im Überblick

Die rechte Hand gibt an, wie schnell und wie lange in eine bestimmte Richtung gelenkt werden soll oder ob gar nicht gelenkt werden soll (Daumen hoch). Eure linke Hand gibt die Richtung und die Geschwindigkeit an. Ruhige Bewegungen bedeuten langsam fahren, schnellere zeigen an, etwas schneller zu fahren.

Stopp! Es folgen bis auf weiteres keine Anweisungen/Aktionen.

Einweisen mit Handzeichen - Handzeichen Stopp! Es folgt bis auf weiteres keine Aktion.

Handzeichen Stopp! Es folgt bis auf weiteres keine Aktion.

Stopp, nach links lenken

Einweisen mit Handzeichen - Halt, (schnell) nach links lenken.

Halt, (schnell) nach links lenken.

Vorwärts, nicht lenken

Einweisen mit Handzeichen - Vorwärts, nicht lenken.

Vorwärts, nicht lenken.

Vorwärts, nach links lenken

Einweisen mit Handzeichen - Vorwärts, (schnell) nach links lenken.

Vorwärts, (schnell) nach links lenken.

Vorwärts, nach rechts lenken

Einweisen mit Handzeichen - Vorwärts, (schnell) nach rechts lenken.

Vorwärts, (schnell) nach rechts lenken.

Rückwärts, nicht lenken

Einweisen mit Handzeichen - Zurück, nicht lenken.

Zurück, nicht lenken.

Rückwärts, nach links lenken

Einweisen mit Handzeichen - Zurück, (schnell) nach links lenken.

Zurück, (schnell) nach links lenken.

Rückwärts, nach rechts lenken

Einweisen mit Handzeichen - Zurück, (schnell) nach rechts lenken.

Zurück, (schnell) nach rechts lenken.

Stopp, nicht lenken

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Halt nicht lenken.

Wie gesagt, dieses System ist nicht das einzig glücklich machende, aber es funktioniert gut. Letztendlich müsst ihr eines finden, mit dem ihr zurecht kommt und das alle nötigen Manöver eindeutig abdeckt.

Noch ein paar Tipps

Übt! Wenn ihr vorhabt oder es zu erwarten ist, dass ihr schwierige Passagen meistern müsst, übt mit eurem Partner das Handzeichensystem. Und zwar nicht nur die Handzeichen selber, sondern auch den Geländeeinsatz. Sucht euch anfangs einfache Passagen ohne großes Risiko. Der Einweiser erlernt so die Motorik, um die gewünschte Fahranweisung mit beiden Händen auszudrücken. Der Fahrer lernt die Zeichen sicher und schnell umzusetzen.

Ihr bekommt ein Gefühl dafür, wohin ihr schauen müsst, wann ihr eure Position verändern müsst und dass ihr dann nicht vergesst, das Fahrzeug vorher anzuhalten. Erst dann könnt ihr euren Blick abwenden um selbst sicher zur neuen Position zu kommen. Vermeidet es lange rückwärts zu laufen. Haltet das Fahrzeug lieber an, nehmt vorwärts laufend eure neue Position ein und macht dann in Ruhe weiter. Ganz nebenbei lernt ihr auch das Fahrzeug und dessen Verhalten im Gelände besser einzuschätzen. Mit der Zeit könnt ihr euch immer größere Herausforderungen suchen.

Ruhe ist ein gutes Stichwort. Gerade am Anfang, wenn ihr nicht nicht eingespielt seid, wenn vielleicht auch noch das Vertrauen fehlt, kann es schon Mal zu Aufregungen kommen. Vermeidet das. Zur Not kurz unterbrechen, geht zum Fahrzeug und sprecht euch in Ruhe noch einmal ab. Der Fahrer kann auch mal aussteigen, um den Blick von außen zu bekommen, denn das sieht oft viel entspannter aus, als es sich im Auto anfühlt.

Es ist auch hilfreich dem Fahrer vorher über die geplanten Manöver und den Weg in Kenntnis zu setzen. Gerade wenn es eng wird oder ihr an steilen Kanten entlang müsst, vergesst nicht, dass dort jemand im Auto sitzt, der sich vielleicht Sorgen macht oder sich bei der Sache nicht ganz wohl fühlt. Für Angst muss sich niemand rechtfertigen. Durch Erklären und ruhiges Agieren könnt ihr Stress herausnehmen. Vermeidet alles, was den Fahrer unter Druck setzt oder zu etwas treibt, was er nicht will. Damit ist niemandem geholfen.

Partnerschaftlich durch Gelände - Dann macht es viel mehr Spaß.

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© Fotos: Doreen Kühr, Unternehmensfotografie NRW