Schon mal was von Green Laning gehört? Green Laning ist das Fahren auf unbefestigten Wegen. Bei uns fast überall verboten, erfreut es sich bei Offroadern in anderen Ländern großer Beliebtheit. Wer schon einmal in Großbritannien mit dem Auto Urlaub gemacht hat, hat sicher die Feldwege bemerkt, die sich links und rechts der Straße durch die Landschaft ziehen. Auch wenn sie durch ein Gatter verschlossen sind, dürfen viele dieser Wege  zumindest in England, Wales und Nordirland völlig legal befahren werden. Was ihr dabei beachten müsst, haben wir für euch zusammengestellt.

Aber wie erkenne ich, welche Wege verboten und welche erlaubt sind? Wir sprachen mit Martin Sullivan, dem Pressesprecher der Green Lane Association (GLASS). Die GLASS setzt sich für den Erhalt der frei befahrbaren, nicht asphaltierten Wege ein und gibt gleichzeitig Tipps für Geländewagenfahrer heraus, damit diese darauf achten, den Wanderern und Moutainbikern, diese Strecken nicht zu verleiden.

Green Laning heisst das legale Fahren über unbefestigte Wege

Green Laning ist das legale Fahren über unbefestigte Wege

Public Right of Way

In ganz Großbritannien gilt das Public Right of Way, wobei es in Schottland etwas anders ausgelegt wird. (Die im Folgenden genannten Hinweise beziehen sich deshalb nur auf England, Nordirland und Wales. Schottland betrachten wir später noch einmal genauer). Dieses Recht erlaubt jedermann das Benutzen, der dafür ausgewiesenen Wege, auf unterschiedliche Arten. Das Public Right of Way stammt aus einer Zeit, in der sich die Menschen selbst den besten Weg zwischen zwei Punkten suchten und ihn regelmäßig benutzen. So entstanden mit der Zeit Wege, die bis heute erhalten blieben.

Zu Fuß ist durch den Public Right of Way die Nutzung aller Wege erlaubt, für Fahrräder, Pferde und motorisierte Fahrzeuge gibt es Einschränkungen je nach Art des Weges. Um welche Art von Weg es sich handelt, ist auf den auf den offiziellen Ordnance Survey Karten eindeutig gekennzeichnet und sollte auch durch Schilder, meistens Pfeile in verschiedenen Farben, die die Art des Weges angeben, beschildert sein.

Das Public Right of Way erlaubt sogar das Betreten von privatem und frei zugänglichem Land, außerhalb von Wegen, (Right to Roam), allerdings sind Aktivitäten wie Fahren, Reiten, Klettern und Camping ohne explizite Erlaubnis des Besitzers nicht erlaubt. Um den freien Zugang einzudämmen, zäunen viele Landbesitzer ihren Besitz ein, da er dann nicht mehr als frei zugänglich gilt, und somit das Recht nicht gewährt werden muss.

Green Laning - Manchmal geht es auch abenteuerlicher zu

Green Laning – Manchmal geht es auch abenteuerlicher zu

Wer darf in Großbritannien Green Lanes benutzen?

Jeder der ein ordentlich zugelassenes Fahrzeug führt. Es wird nicht unterschieden, ob eine normale, öffentliche Asphaltstraße oder einer der frei befahrbaren Feldwege benutzt wird. Das gilt natürlich auch für Touristen.

Wie finde ich frei befahrbare Green Lanes?

Glücklicherweise besitzt das Vereinigte Königreich eine der besten Kartenanbieter weltweit: Ordnance Survey. Auf deren 1:25 oder 1:50 Karten sind alle freien Wege eindeutig gekennzeichnet. Das gilt nicht für Schottland. Wege in Schottland, die ein Public Right of Way besitzen sind auf den Karten zwar zu finden, sie sind darin aber nicht als solche gekennzeichnet.
Für den Rest des Landes gibt verschiedene Typen, für die das Public Right of Way gilt:

  • Footpath
  • Bridleways
  • BOATs (Byway open to all traffic)
  • RUPPs (Restricted byways)
  • UCRs (Unclassified county roads) oder auch ORPAs (Other Route with Public Access)

Es ist wichtig, die verschiedenen Typen zu kennen. Als Footpath markierte Wege dürfen zwar von jedem genutzt werden, aber nur zu Fuß. Auf Bridleways dürfen zusätzlich noch Reiter und Fahrradfahrer unterwegs sein, wobei Fahrradfahrer den beiden anderen immer Vorrang gewähren müssen. Die Restricted Byways durften bis 2006 befahren werden, jedoch wurde dieses Recht durch den Natural Environment and Rural Communities Act (NERC Act) entzogen. Sie sind für Motorfahrzeuge seitdem tabu.
Für uns interessant, da sie legal mit motorisierten Fahrzeugen befahren werden dürfen, sind vor allem die Byways Open To All Traffic (BOATs) und die Unclassified County Roads (UCRs)/Other Route with Public Access (ORPAs). BOATs sind oft auch nur als Byways gekennzeichnet.

Green Lane Association, ROW-Legend

Green Lane Association, ROW-Legend

Kann das Fahren auch auf BOATs und UCRs/ORPAs eingeschränkt sein?

Für die befahrbaren Wege gibt es gesetzliche Einschränkungen, die dauerhaft sein können, saisonal gebunden sein können oder nur bestimmte Fahrzeugtypen betreffen.

Großbritannien ist in Counties, vergleichbar mit den deutschen Verwaltungsbezirken, eingeteilt. In einigen gibt es TROs (Traffic Restriction Orders) oder TTROs (Temporary Traffic Restriction Orders), die das Befahren bestimmter Wege im Winter untersagen. Solche Einschränkungen sollten sowohl am Anfang als auch am Ende der betroffenen Wege mittels Schildern, z.B. rundes Schild mit rotem Kreis, kenntlich gemacht sein. Oft wird auf dem Schild auch eine alternative Route ausgewiesen.

Das „Voluntary Restraints“-Schild weist auf dieses temporäre Fahrverbot hin, z.B. weil auf dem Weg Reparaturarbeiten ausgeführt werden müssen. Leider werden diese Schilder oftmals unberechtigt entfernt. Eine häufige Missachtung der Schilder kann zu einer dauerhaften Sperrung des Weges führen.

Einschränkungen können auch nur für bestimmte Fahrzeugtypen gelten. Häufig findet sich in dem Zusammenhang die Bezeichnung MPV (Mechanically Propelled Vehicles), welche Geländewagen einschließt, Motorräder jedoch nicht. Viele Wege, für die solche Restriktionen gelten, können auf den jeweiligen Webseiten der Bezirksverwaltungen (County Councils) gefunden werden, wie z.B. die von Suffolk.

Da es immer weniger Menschen gerne sehen, dass unbefestigte Wege durch die Natur mit motorisierten Fahrzeugen genutzt werden, nehmen die dauerhaften Sperrungen zu. Die Green Lane Association hält mit ihrer Arbeit dagegen. Sie argumentiert u.a. damit, dass das gelegentliche Befahren von bereits vorhandenen Wegen, diese als solche dauerhaft erhält und sie vor dem Aufweichen und Zuwachsen schützt. Um Konflikte und weitere Sperrungen zu vermeiden, hat die Organisation einen Kodex herausgegeben, an den sich alle Fahrer vernünftigerweise halten sollen. Er ist hier nachzulesen Code of Conduct.
Daher sollte bei Unklarheit, ob nun ein Weg befahren werden darf oder nicht, zunächst auf das Befahren verzichtet werden. Bei der Green Lane Association oder einem ihrer regionalen Repräsentanten kann dann eine Anfrage zur Klärung eingereicht werden.

Was ist mit den Toren und Viehgittern?

Da die Wege oftmals durch landwirtschaftlich genutztes Gebiet führen, ist es ganz normal, dass auf vielen Strecken Tore zu finden sind. In den meisten Fällen ist dies ein Indiz, dass der Weg genutzt werden darf, aber nicht immer. Im Zweifel müssen Fahrer auf die Beschilderung achten oder die Ordnance Survey Karte zu Rate ziehen. Ist danach immer noch nicht klar, ob die Durchfahrt erlaubt ist, ist es ratsam darauf zu verzichten. Beim Befahren müssen die Tore selbstverständlich nach der Durchfahrt wieder ordentlich geschlossen werden.

Gibt es eine maximale Anzahl an Fahrzeugen?

Ein gesetzliches Limit gibt es nicht. Um aber nicht als rücksichtslos zu gelten und auch die Störungen im Umfeld der Wege für Mensch und Natur gering zu halten, empfiehlt es sich, mit nicht mehr als sechs Fahrzeugen Green Laning zu betreiben. In einigen, sehr sensitiven Gegenden, wie z.B. Derbyshire und Lake District, sollten es sogar nur vier sein.

Green Laning - Ausflüge über Stock und Stein

Green Laning – Ausflüge über Stock und Stein

Kann man neben den Green Lanes gecampt werden?

Legal ist das im Grunde nicht. Ist der Platz leicht einsehbar, sollte auch darauf verzichtet werden. In abgelegeneren Gegenden ist die Chance gestört zu werden gering. Wird im Grünen übernachtet, sollte es selbstverständlich sein, keine Schäden zu hinterlassen, kein Holz zu hacken oder Müll zurückzulassen. Am besten ist es, wenn niemand feststellen kann, dass dort jemand gecampt hat. Andernfalls könnte unangemessenes Verhalten zu einem Verbot für Fahrzeuge oder gar dem Entzug des Public Right of Way führen.

Im Zweifel solltet ihr im Haus oder Bauernhof am Anfang des Weges um Erlaubnis bitten, falls es eines gibt. Wir haben die Bauern dort immer als überaus freundlich erlebt und uns wurde das Übernachten stets erlaubt.

Ist mein Fahrzeug auf den Green Lanes versichert?

Vom Prinzip her ja, da die Wege als öffentliche Straßen gelten und das Befahren legal ist. Jedoch sollten die eigenen Versicherungsbedingungen vorsichtshalber einmal geprüft werden. Unter Umständen gibt es dort Klauseln, die ein Befahren von Offroad-Strecken vom Versicherungsschutz ausschließen. Hier könnten die Versicherungen versuchen, den Schutz auszuhebeln, was mindestens zu Verzögerungen und Ärger bei der Regulierung bedeutet.

Welche Ausnahmen gibt es in Schottland?

Das öffentliche Recht Wege zu benutzen ist auch in Schottland gegeben, aber eine eindeutige Antwort ob die Benutzung erlaubt ist, ist hier schwieriger zu finden. Ordnance Survy kennzeichnet diese Wege jedenfalls nicht. Wenn die Wege bestimmte Bedingungen erfüllen, z.B. dass sie in den letzten 20 Jahren benutzt wurden und zwei Punkte miteinander verbinden, gilt dort in aller Regel das Nutzungsrecht für Fußgänger. Auf vielen Wegen nehmen sich die Menschen auch einfach nur das Recht und benutzen sie einfach, ohne dass eine offizielle Erlaubnis vorliegt.

Wege, auf denen das Befahren mit motorisierten Fahrzeugen erlaubt ist, gibt es in Schottland hingegen nur wenige. Genau genommen sind es derzeit 142 und diese sind zumeist kurze Verbindungsstücke zwischen asphaltierten Straßen. In den meisten Fällen wird ein Green Laning in Schottland nicht gerne gesehen.
Wer sich über diese Region weiter informieren möchte, findet weitere nützliche Informationen bei der ScotsWay Society, die sich um den Erhalt und das Auffinden alter Wege in Schottland kümmert. Dort gibt es auch einen Katalog der bisher bekannten öffentlich nutzbaren Wege.

Lohnt sich eine Mitgliedschaft in der Green Lane Association?

Wer oft und gerne in Großbritannien unterwegs ist, sollte sich überlegen für £41 im Jahr in der Green Lane Association Mitglied zu werden. Eine Mitgliedschaft unterstützt die Organisation dabei zu verhindern, dass weitere Wege geschlossen werden und manchmal auch, dass vormals geschlossene wieder geöffnet werden. Zum anderen erhalten Mitglieder Zugriff auf den Trailwise-Katalog, der landesweit die offenen Wege auflistet. In fast allen Counties gibt es zudem Repräsentanten, die als Mitglied angesprochen werden können und die einem helfen und Tipps geben können.

Fotos: © Martin Sullivan, Green Lane Association, U.K.