Dies war nicht unsere erste Tour durch die italienischen Westalpen, aber eine der schönsten und interessantesten. Und dies nicht zuletzt wegen den tollen Menschen, die uns begleiteten, aber von Anfang an.

Im August 2015 hatten uns sieben begeisterte Offroader aus ganz Deutschland, auf dem schönen Campingplatz „Gran Bosco“ in Salbertrand getroffen. Den ersten Abend verbrachten wir dann bei leckerer Pizza und gutem Bier in der Pizzeria auf dem Campingplatz. So konnten wir uns etwas näher kennenlernen und über die kommenden Tage reden.

Am Sonntagmorgen ging es dann aber endlich los in die Berge und als erstes zur Festung Pramand auf dem selbigen Berg bei 2162 m Höhe. Das besondere an dieser Festung ist, dass man auf das Dach fahren kann und von hier einen tollen Blick in das Tal der Susa hat. Leider kommt man von hier nicht mehr durch den Tunnel zum Monte Jafferau, denn dieser ist seit 2013 wegen Einsturzgefahr geschlossen.

So fuhren wir wieder ins Tal durch die Ortschaft Savoulx und zuerst zur Festung Foens dann weiter zur Festung auf dem Monte Jafferau bei 2801 m. Da das Wetter sehr gut war, entschlossen wir uns dazu an den alten Kasernen, auf ca. 2600 m, zu übernachten.

Unser Lagerplatz unterhalb des Monte Jafferau

Unser Lagerplatz unterhalb des Monte Jafferau

Ein Frühstück in den Bergen mit einem wunderschönen Sonnenaufgang war dann die Belohnung für eine kalte Nacht. Leider hatte mein Defender schon am Vortag damit begonnen laute Geräusche an der hinteren Kardanwelle zu machen, so sind wir ins Tal nach Oulx gefahren um in einer kleinen italienischen Werkstatt nach dem Rechten zu schauen! Und wirklich, das hintere Kreuzgelenk war dabei sich vollkommen aufzulösen. Kurzer Hand baute ich mit dem italienischen Schrauber die Kardanwelle aus, stellten den Defender auf Vorderradantrieb um und weiter ging es zum Col de Sommeiller. Die Werkstatt bestellte in der Zeit das neue Teil und am nächsten Tag waren wir wieder dort verabredet um alles wieder zusammen zu bauen.

An diesem Tag ging es dann nur noch bis zum Stausee Lago Rochemolles, wo wir unser Nachtlager bauten. Bei strahlendem Sonnenschein ging es dann am nächsten Morgen durch das alte Skigebiet auf zum Gipfel des Col de Sommeiller bei 3050 m Höhe. Hier kommt man nicht jedes Jahr rauf, denn oft liegt noch viel Altschnee oder ein Erdrutsch hat die Strecke verschüttet, aber in diesem Jahr können wir die wunderschöne Aussicht vom Gipfel genießen!

Am Nachmittag ging es für unsere Teilnehmer zur Besichtigung von dem Forte di Exilles und ich fahre in der Zeit in die Werkstatt und baue die reparierte Kardanwelle wieder ein, so kann die Reise ohne Sorgen weitergehen.

Ich arbeite in der Werkstatt an meinem Defender

Ich arbeite in einer Werkstatt an meinem Defender

Die nächsten Tage brachten uns dann durch Frankreich über den Col d’Izoard und den Col d’Agnel wieder nach Italien in die Ortschaft Sampeyre. Von hier aus ging es über den Colle di Sampeyre auf die Varaita-Maira-Kammstraße, die wir leider im dichten Nebel befahren mussten. Aber trotzdem eine wirklich schöne Offroad Strecke, die Spaß macht.

Im Nebel auf der Varaita-Maira-Kammstraße

Im Nebel auf der Varaita-Maira-Kammstraße

Wir fuhren noch bis zu der kleinen Ortschaft Preit, wo wir wie so oft am kleinen Fluss unser Lager bauten. Zum Abendbrot gab es dann für alle Pizza to go aus der örtlichen Pizzeria.

Von Preit aus ging es wieder hoch in die Berge, auf die wunderschöne Maira-Stura-Kammstraße. Diese Strecke, mit den vielen Murmeltieren und der tollen Fernsicht, ist und bleibt unsere Lieblings-Offroad-Strecke. Bei strahlendem Sonnenschein fuhren wir dann vorbei an Cuneo und Demonte bis nach Limone. Hier fuhren wir zum Tanken und Einkaufen in den Supermarkt, bevor es über die Nordrampe des Colle di Tenda Passes bis zum Fort Central ging. Leider hatten wir zu wenig Feuerholz um ein ordentliches Lagerfeuer zu machen, so ging es für alle relativ früh zu Bett, bzw. in den Schlafsack.

Offroad auf der Maira-Stura-Kammstraße

Offroad auf der Maira-Stura-Kammstraße

Der Morgen war kalt und feucht, daher gab es nur ein schnelles und einfaches Frühstück. Aber dann ging es empor in die Sonne, auf die Ligurische-Grenzkammstraße. Seit diesem Jahr muss man für die Befahrung dieser Strecke Maut bezahlen, Geländewagen zahlen 15,- Euro und Motorräder zahlen 10,- Euro. Diesen Preis finde ich vollkommen in Ordnung, wenn dafür die Italiener die Strecke für Offroader wie uns erhalten. Wir fuhren bis zum Passo di Tanarello und von dort aus die sehr schmale und aufregende Strecke wieder bergab, durch die französischen Ortschaften La Brigue und Saint Dalmas de Tende und durch den Tunnel weiter bis nach Italien zum Campingplatz in Limone.

Ligurische Grenzkammstraße

Die Mautstelle zur Ligurischen-Grenzkammstraße

Die Ligurische Grenzkammstraße

Auf der Ligurischen Grenzkammstraße

So schnell war eine tolle Woche zu Ende, unseren letzten Abend verbrachten wir dann gemeinsam in einer Pizzeria der Ortschaft Limone und bei toller Livemusik in einer Bar, ach wie schön kann das Leben sein.

Am Morgen verabschiedeten wir uns von den Teilnehmern dieser Reise und es ging gemütlich wieder in Richtung Deutschland.

Über den Autor: Norbert Lehmann ist gelernter KFZ-Schlosser und hat bereits viele Reisen als Scout begleitet. Seit 2013 organisiert er selbst Offroad-Reisen u.a. in die Alpen, nach Rumänien, Tunesien, Korsika und nach Sardinien. Mehr über ihn und seine Reisen findet ihr auf seiner Seite www.nole-adventure.de

Fotos: © Norbert Lehmann