Wolltet ihr auch schon immer nach Marokko? Abenteuer in der Wüste erleben oder die Berge des hohen Atlas erkunden? Ossi und Leni von Traumtanz.eu waren gut vier Monate mit ihrem Bulli in Marokko unterwegs. Für euch haben sie einige Reisetipps zusammengestellt.

Ahoi & Hallo, wir sind die Traumtänzer Ossi und Leni und unsere Doggen Olaf & Flókí. Wir freuen uns, heute bei Matsch&Piste einen kleinen Einblick in unsere Marokko-Abenteuer geben zu können.

Wer an Marokko denkt, der denkt häufig an: Sand, Sand und noch mal Sand. Aber Marokko ist unglaublich facettenreich und vielseitig. Selbst der größte Teil der Wüste besteht nicht aus Sand, sondern aus Steinen.

Von Straße zu Straße verändert sich die Vegetation, beeindruckende Bergketten im Atlas-Gebirge, Palmenoasen und Dünen in der Wüste. Jedes Stückchen Land hat seinen eigenen Charme, da wo Wasser fließt, ist es grün und ein Gefühl von Dschungel kommt auf. In den höchsten Regionen des Atlas halten nur noch Steine und Felsbrocken die Stellung. Im Winter liegt dort meterhoch der Schnee.

Die Abwechslung und die Möglichkeiten, genau das zu erleben, wonach einem gerade der Sinn steht, ist es, was Marokko für Offroader und Naturliebhaber so einzigartig macht. Fahren soweit es das eigene Fahrzeug schafft. Dieses Gefühl von Freiheit ist einfach unbeschreiblich.

Allgemeines über Marokko

Seit 2011 herrscht in Marokko die konstitutionelle Monarchie. Das heißt der König hat zwar immer noch viel Macht im Land, dennoch ist diese durch eine Verfassung beschränkt.

Der Islam ist Staatsreligion in Marokko und 99 Prozent der Bevölkerung sind Muslime. Die Landessprache ist Arabisch. Aber oft hört man noch das typische Berber. Mit Französisch kommen Reisende recht weit und in den großen Städten sprechen manche Marokkaner sogar Englisch oder ein paar Brocken Deutsch.

Mit dem Bulli in der Wüste, Marokko

Marokko gehört zu Nordafrika und grenzt im Osten an Algerien und im Süden an die Westsahara. Wobei Marokko selbst die Westsahara, seit dem Abzug der spanischen Kolonialmacht, als Teil seines Territoriums sieht. Mit einer Fläche von knapp 460 Tausend Quadratkilometern (inkl. der Westsahara) ist Marokko ungefähr so groß wie Schweden.

Im Norden Marokkos liegt das Mittelmeer, das sich prima zum Tauchen eignet. Wohingegen die beeindruckende Atlantikküste im Westen ein wahres Surferparadis ist.

Es gibt in Marokko drei Berberstämme, die aus drei verschiedenen Regionen stammen. Dem Riff, dem Atlas und der Sahara. Die Stämme führten früher erbittere Kriege gegeneinander. Heute können Reisende die Höhlen der alten Berber besichtigen zum Beispiel in Bhalil bei Sefrou.

Traditionelle Bergdörfer im Atlas, Marokko

Traditionelle Bergdörfer im Atlas, Marokko

Geld

Die Währung ist der Dirham. 1 Euro sind ca. 11 DH. Geld wechseln wir immer schon am Fährhafen in Spanien. Mit Maestro- oder Kreditkarte könnt ihr aber auch Geld an marokkanischen Bankautomaten holen.

Kreditkarten werden oft in Hotels, großen Geschäften und an einigen internationalen Tankstellen akzeptiert. Verlassen solltet ihr euch darauf allerdings nicht.

Klima

Im Nordwesten des Landes herrscht Mittelmeerklima, die Winter sind mild und es regnet häufig. In der Landesmitte können es im Sommer gut 45 ° Grad Celsius werden. Im Winter liegen die Temperaturen dort auch mal um den Gefrierpunkt. In den Sahara-Randgebieten ist es trocken und sehr heiß.

Im Frühjahr und im Herbst weht der Scirocco von der Sahara Richtung Mittelmeer. Es ist ein heißer Wüstenwind, der zum Teil mit Sturmgeschwindigkeiten über die Wüste fegt.

Zeit

Der Zeitunterschied zu Deutschland beträgt -1 Stunde.

In Marokko gilt von Anfang Mai bis Mitte August die Sommerzeit wie bei uns. Also ist auch hier der Zeitunterschied -1 Stunde. Da wir bereits Ende März mit der Sommerzeit beginnen und sie bei uns länger geht, ist in dieser Zeit der Unterschied -2 Stunden.

Einreise

Als Deutscher ist die Einreise problemlos. Das Touristenvisum ist 90 Tage gültig, das für Fahrzeuge 6 Monate.

Achtung: Der Reisepass muss nach Einreise noch 6 Monate gültig sein.

Wer länger als 90 Tage im Land bleiben möchte, hat zwei Optionen:

  • Erste Option wäre in die spanische Enklave im Norden auszureisen, einen Tag dort zu übernachten und wieder einzureisen. Danach beginnt das Spiel erneut.
  • Eine andere Option ist es, sich an eine Polizeistation zu wenden. Tipp: Zum Bespiel in Essaouira dort kann man leicht eine Verlängerung beantragen. Denkt daran immer im Blick zu haben, wie lange euer Visum und vor allem das des Fahrzeuges läuft!

Anreise mit dem eigenen Fahrzeug

Von Europa fahren mehrere Fährlinien nach Marokko. Von Spanien aus gibt es Fähren von Malaga, Algeciras, Almeria und Barcelona hauptsächlich nach Tanger. Zum Teil legen sie in der spanischen Enklave Melilla an. Die Fähre von Frankreich geht von Sète nach Tanger. Ebenso geht die Fähre vom italienischen Genua nach Tanger. Außerdem gibt es noch eine Fähre von Gibraltar. Eine Übersicht gibt es bei directferries.de

Expeditionsmobiltreffen an der Dades-Schlucht, Marokko

Expeditionsmobiltreffen an der Dades-Schlucht, Marokko

Wir fahren immer ab Algeciras, die Preise richten sich nach den Fahrzeugmaßen und nach der Saison. Wir haben im letzten Jahr 200 Euro für Hin- und Rückfahrt mit unserem Bulli, zwei Personen und zwei Hunden bezahlt. Das Ticket ist ein Jahr gültig, da könnt ihr euch mit der Rückfahrt getrost Zeit lassen :-).

Unser Tipp: Ticket bei Carlos in Algeciras kaufen und auf dem LIDL-Parkplatz um die Ecke die Nacht verbringen. Achtung auf dem Weg zu und von Carlos: Auf der Straße ist eine Innenraumumdekorierung vorprogrammiert :D.

WICHTIG: Bei Carlos erhaltet ihr für die Einreise mit dem Fahrzeug schon die richtig ausgefüllten Papiere, so umgeht ihr den Papierkram bei der Einreise im Hafen von Tanger.

Die Überfahrt dauert ungefähr 30 Minuten, je nach Fährlinie länger oder kürzer. Im Gegensatz dazu braucht die Fähre von Sète fast 30 Stunden.

Fahrzeugeinfuhr

Autos dürfen für 6 Monate ohne Zollgebühren nach Marokko eingeführt werden. Wer ein Fahrzeug nach Marokko eingeführt, muss auch wieder ausführen. Wer ohne sein Fahrzeug ausreisen will, dem wird im schlimmsten Fall die Ausreise verweigert und es drohen hohe Zollstrafen.

Für die Einfuhr werden folgende Dokumente benötigt:

  • Führerschein
  • Fahrzeugschein
  • Grüne Versicherungskarte (Achtung: Nicht bei jeder Versicherung ist Marokko inbegriffen. Also vorher prüfen.)
  • Zollformular (gibt es als Download auf der Seite des marokkanischen Zollamtes. Das Dokument muss bei der Ausreise wieder vorgelegt werden.

Falls eure Versicherung Marokko nicht abdeckt, könnt ihr an der Grenze eine Haftpflichtversicherung abschließen. Ein Carnet de Passages ist für Marokko nicht erforderlich.

Marokko mit Hund

Klaro, könnt ihr eure Hunde mit nach Marokko bringen, hierfür ist nur das ein oder andere zu beachten und zu organisieren.

Lieber erst mal ganz vorsichtig

Lieber erst mal ganz vorsichtig

Ihr solltet im Vorfeld folgende Sachen erledigen und dabei haben:

  • Europäischer Heimtierausweis mit allen nötigen Schutzimpfungen
  • Für die Wiedereinreise nach Europa ist ein Tollwuttiter nötig. Die Titerabnahame kann erst 30 Tage nach der Immunisierung durchgeführt werden und auch die Bestimmung dauert eine Weile, also rechtzeitig anfangen zu planen!
  • Mikrochip

Ratsam ist es auch, für ausreichend Schutz der Hunde gegen die Mücken zu sorgen. Wir benutzen meist das Scalibor-Halsband.

Wichtig: Immer den Hunden immer ausreichend zu trinken geben. Es ist zum Teil sehr heiß in Marokko, unsere europäischen Hunde sind das so nicht gewöhnt und sind darauf angewiesen, dass wir für genügend Flüssigkeit und Schatten sorgen. 

Hundefutter gibt es in den größeren Städten im Supermarkt zu kaufen. Wir kaufen Fleisch, Nudeln und Gemüse auf dem Markt und kochen das gegebenenfalls.

In Marokko gibt es viele wunderschöne Wildhunde, in der Regel halten diese sich aber von unseren fern. Welpen sind manchmal neugieriger, einer hat sich mal in unseren Bulli verirrt  :-))

In den Städten werden Hunde wie ein Familienmitglied betrachtet, in ländlicheren Gegenden dienen sie eher zum Schutz für Haus, Hof und Vieh. Weitere Infos zum Reisen mit Hund findet ihr unter –> Hunde im Ausland

Autofahren in Marokko

Der Verkehr in Marokko ist eine lustige Sache und man braucht wahrscheinlich ein, zwei Kreisverkehre bis man drin ist. Denn hier gilt, anders als bei uns, auch in Kreisverkehren „rechts vor links“. Nach spätestens zwei Tagen fährt man wild hupend und lachend im orientalischen Gewirr aus Pferdekutschen, Bussen, Lastern, Obsthändlern und waghalsigen Rollerfahrern.

Baustelle auf arabisch

Baustelle auf arabisch

Nachts fahren die Marokkaner auch mal gerne ohne Licht. Deshalb im Dunkeln immer vorsichtig fahren oder am besten ganz drauf verzichten.

Alkohol am Steuer ist in Marokko ein absolutes No-Go.

Der Diesel kostet ungefähr 80 Cent pro Liter. Je nach dem, wohin ihr fahren wollt, solltet ihr vorher tanken. In wenig besiedelten Regionen sind Tankstellen nicht unbedingt häufig, ansonsten ist es aber kein Problem.

Achtung: Wenn es nicht unbedingt sein muss, kauft keinen Sprit an der Straße aus Flaschen, der ist hin und wieder gestreckt.

Nach oben gibt es keine Grenzen, Verkehr in Marokko

Nach oben gibt es keine Grenzen, Verkehr in Marokko

Wenn ihr Probleme mit eurem Fahrzeug habt, egal ob LKW, Wohnmobil oder Geländewagen, die marrokanischen Mechaniker sind wahre Improvisationstalente und können oft unkompliziert helfen.

Essen, trinken und einkaufen

Marokko wird eure Geschmacksknospen zum explodieren bringen, egal ob ihr Vegetarier, Veganer oder Fleischesser seid … Auf den typischen marrokanischen Souks (Märkte) bekommt ihr alles, was das Herz begehrt. Die Souks gibt es an 1 bis 2 Tagen die Woche und ihre Größe variiert je nach Größe des Dorfes.

Souk in Marokko

Souk in Marokko

Nahezu jedes Dörfchen hat seinen eigenen Souk. Dort gibt es frisches Gemüse und Obst nach Kilo, dazu Fleischer, Friseure, Garküchen oder Gewürzhändler und vieles mehr.

1 Euro sind ca. 11 DH. Dafür könnt ihr euch auf den Märkten einiges leisten. Wir haben zum Beispiel für ein typisches Brot (eher Fladen) 1 bis 2 DH bezahlt.

Milch, Getränke, Nudeln und Reis bekommt ihr in den Hanuts, den kleinen Lädchen die es auch in nahezu jedem Dorf gibt.

In Marokko kommen die meisten Lebensmittel direkt vom Erzeuger und der Umgang gerade in Bezug auf Fleisch ist sehr respektvoll. Geschlachtet wird immer erst am Tag des Marktes direkt. Hühner könnt ihr oft auch lebendig kaufen oder frisch schlachten lassen.

Wer selbst kocht, kann seine Lebenshaltungskosten in Marokko unglaublich gering halten. Also frisch auf dem Markt kaufen und am oder im Wagen kochen.

Beim Auffüllen der deutschen Flaschen hatten wir immer wieder Probleme, deshalb verwenden wir die marokkanischen Gasflaschen. Kauft euch am besten eine Gasflasche mit Brenner und typischen marrokanischem Tonaufsatz. Damit könnt ihr auch draußen kochen.

Wenn wir nicht gerade eine gute Quelle oder einen Brunnen hatten, haben wir unser Wasser auf Vorrat gekauft. Wer kein Wasser dabei hat, kann sich sicher sein, dass selbst in der letzten Ecke der Wüste jemand einem eine Cola verkauft :D

Telefon und Internet

In Marokko ist das mit dem Internet gar nicht so schwer … Jedes Café, selbst in der letzten Wüstenstadt, hat WLAN, mal besser mal schlechter.

Wir verwenden in Marokko immer eine Prepaidkarte von MarocTelekom, bei denen gibt es gute Angebote und oft die doppelte Aufladesumme.

Um den Laptop mit Internet zu versorgen, packen wir die Sim-Karte in unser Smartphone und benutzen dieses als Hotspot.

Für uns war das immer sehr wichtig, da wir gern allein in der Natur stehen und trotzdem arbeiten oder Kontakt mit Freunden halten wollen.

Zu guter Letzt

Wir haben in Marokko genau das gefunden, wonach wir gesucht haben: Nette Menschen, im Sand festfahren, Wasserdurchfahrten und abenteuerliche Brücken. Dazu skurrile Reparaturen, um weiterfahren zu können und gelegentlich auch mal einen Felsen wegrollen müssen, um den Weg freizumachen. Spaßfaktor garantiert und langweilig wurde es uns nie …

Die Menschen in Marokko sind uns immer herzlich und offen begegnet. Wir sind häufig zum Essen eingeladen worden oder auf einen Tee oder Kaffee.

Aus Respekt vor der Kultur dort, empfinden wir es als höflich und angemessen, sich bezüglich der eigenen Kleidung etwas anzupassen. Damit meinen wir nicht das Tragen von Kopftüchern als Frau. Wir haben auf Kleidung geachtet, die Knie und Ellenbogen bedeckt hält. Wobei in den großen Städten auch die Frauen, gerade die jüngeren, oft einen westlichen Kleidungsstil pflegen: ohne Kopftuch und mit kurzen Kleidern. Aber dies ist jedem selbst überlassen.

Nun möchten wir euch noch drei unserer liebsten Plätze vorstellen:

Tafraoute: Ein wenig abseits des Ortes Tafraoute führt eine abenteuerliche Piste zu den blauen Felsen. Achtet bei der Anfahrt auf genügend Bodenfreiheit eures Fahrzeuges, denn die Strecke hat oft tiefe Spurrillen und Absätze. Nach knapp 15 Minuten Piste tauchen vor einem große Felsformationen auf. In einem hellem blau und mittlerweile auch in pink. Ursprünglich bemalte ein belgischer Künstler in den 80er Jahren die Felsen ausschließlich in blau, mittlerweile ist es aber so, dass die Felsen ungefähr alle 2 Jahre nachgemalt werden, um das schöne Bild für alle zu erhalten.

Die blauen Felsen, Tafraoute, Marokko

Die blauen Felsen, Tafraoute, Marokko

Cascades d’Ouzoud: Wir lieben dieses Fleckchen, Die ganze Gegend ist ein Traum. Wasserfälle, wilde Berberaffen, kleine Flussbecken und Felsen die zum Reinspringen einladen. Unten am Fluss findet ihr viele kleine Cafés, hier heißt es: einfach mal loslassen, genießen und entspannen. Auch urtypische Dörfer mit verzauberten Märkten laden ein, zum Riechen, Essen und Shoppen.

Für alle Allrad- und 4×4-Freunde gibt es einige gute Routen und es ist ein optimaler Stopp vor dem Atlas. Ihr solltet ein wenig Zeit mitbringen und die Gegend genießen :)

Cascades d'Ouzoud

Cascades d’Ouzoud

Imichil: Beliebt und bekannt. Hier ist die optimale Basis, um seine Reserven aufzufüllen. Inmitten des hohen Atlas-Gebirge, umgeben von abenteuerlichen Pisten und wunderschönen Bergketten.

In Imichil gibt es die beiden Seen Isli und Tislit (Bräutigam und Braut). Den Geschichten nach sind sie aus den Tränen zweier unglücklich Verliebten aus verschiedenen Berber-Stämmen entstanden. Im Isli soll es außerdem einen einzigartigen Urzeit-Fisch geben, der nur in diesem See existiert.

Dünenabenteuer bekommt ihr in Richtung Merzouga. Erg Chebbi ist das Stichwort, aber auch rund um Zagora bekommt ihr die Möglichkeit im Sand zu spielen … also Luft raus und viel Spaß im Sahara-Sand ;)

Und jetzt? – Viel Spaß, Abenteuer und tolle Erfahrungen bei eurem eigenen Marokko-Erlebnis!

Die beiden Traumtänzer: Denis und Leni

Die beiden Traumtänzer: Ossi und Leni

Über uns: Da uns der Bulli zu klein wurde, reisen wir jetzt in unserem Mercedes 410 D um die Welt, ständig auf der Suche nach Spaß und neuen Abenteuern. Momentan befinden wir uns auf dem Weg zum Nordkapp und wollen am liebsten die Ostsee umrunden. Zeit haben wir genug, denn unser Reisen hat kein Zeitlimit. Auf www.traumtanz.eu berichten wir von unseren Abenteuern.

© Fotos: Ossi und Leni, traumtanz.eu