Im Spätherbst sind wir mit guten Freunden in die Tuxer-Alpen aufgebrochen. Wir wollten ein paar Tage Alpenluft schnuppern und auf 1.600 Metern Höhe in einem urigen Gasthof übernachten. Eines der Highlights im Tuxertal war sicherlich der Tuxer-Gletscher mit der Gletscherhöhle.

Der Schock am Morgen

Mitte Oktober starten drei gut ausgerüstete Land Rover Defender Richtung Österreich. Bereits die Hinfahrt wurde zum Abenteuer. Um Zeit zu sparen sind wir noch am Abend des letzten Arbeitstages aufgebrochen, denn dank Schlafgelegenheit im Wagen findet sich fast überall ein passender Übernachtungsplatz entlang der Strecke.

Um zwei Uhr morgens sind dann auch alle müde und wir suchen uns ein kleines Plätzchen an der A 8 auf einem mit LKWs völlig überfüllten Rastplatz. Merke: Auch LKW Fahrer machen nachts Pause!

Morgens vor dem Frühstück noch schnell den Wagen aufgeräumt und schon steht Dieter (Name von der Redaktion mit Rücksicht geändert) völlig konsterniert neben mir: „Ich habe aus Versehen meinen Autoschlüssel mit in den Müll geworfen. Was machen wir denn jetzt??“ Schnell stellt sich mit der Taschenlampe heraus, der „Mülleimer“ ist ein Boden-Container, rund 3,50 Meter tief eingelassen und nahezu leer.

Na, super! Nach dem ersten Schock und der Erkenntnis, dass der Deckel zu schmal ist um jemanden herabzulassen (weder Kind noch Pygmäe hätten gepasst) fällt die Wahl auf einen kleinen Magneten in der Werkzeugkiste, der an einem Seil abgelassen wird.

Nach einigen Angelversuchen ist der Schlüssel leicht muffelnd aber wohlbehalten beim Fahrer und wir können endlich frühstücken gehen. Adrenalin haben wir jetzt genug – alle sind wach.

Ein Abstecher auf die Nasse-Tuxer-Alm

Die weitere Anfahrt verläuft verlustfrei und nach unserer Ankunft im Geislerhof genießen wir erst einmal das herrliche Panorama und die Gastlichkeit unserer Wirtsleute. Schnell die Zimmer bezogen und noch einmal raus und einen ersten kleinen Abstecher auf die Nasse-Tuxer-Alm.

Tuxertal im Herbst

Das Milchvieh ist bereits talwärts getrieben und so präsentiert sich die Nasse-Tuxer-Alm auf rund 2.200 Metern ganz nach ihrem Namen: Nass und nebelig und die geplante zweieinahalb Stunden Rundwanderung zum Torsee dauert nur 30 Minuten – dann müssen wir mangels Sicht umdrehen. Merke: Im dichten Nebel keine Wanderungen im Hochgebirge ohne genaue Ortskenntnisse!

Tuxertal im Herbst

Der erste größere Ausflug am nächsten Morgen soll uns an den Schlegeis Speicher-Stausee führen und soweit es das Wetter zulässt entlang der Zillertaler Höhenstraße über Hochschwendberg wieder zurück nach Vorderlanersbach.

Tuxertal im Herbst

Schlegeis Speicher-Stausee

Nach dem ausgedehnten Frühstück führt uns die kleine Bergstraße wieder talwärts und über eine geschickte Abkürzung vor Finkenberg an der Teufelsbrücke vorbei auf der Zillertaler Straße (169) Richtung Kaserleralm.

Tuxertal im Herbst

Schnell schraubt sich die kleine Straße wieder bergauf und schon stehen wir vor einem Schlagbaum zur Auffahrt zum Stausee. Der Obolus für die Straße lohnt und schon geht es im einspurigen Tunnel in diversen Serpentinen hinauf zur Staumauer.

Tuxertal im Herbst

Die schwindelerregende, überhängende Staumauer mit ihren Klettereisen und Übungsgriffen ist im Sommer ein Eldorado für Kletterer, jedoch jetzt im Spätherbst bei nebeligem Wetter und leichtem Nieselregen kommen nicht viele hier herauf.

Tuxertal im Herbst

Während der Straßendienst die Strecke bereits winterfest macht, parken wir auf den originellen Offroader – Parkplätzen, genießen das unwirtliche Seepanorama und bestaunen die alten Baumstümpfe, die wie Kraken ihre Wurzeln am Seegrund langschlängeln.

Zurück ins Tal und die Hauptstraße 169 Richtung Zell am Ziller. In Ramsau verweist bereits ein Schild auf die Höhenstraße nach links und schon führt uns die schmale Straße wieder bergauf.

Rast machen auf der Jausenstation Grünalm

Ab 1.500 Meter weichen langsam die Bäume wieder dem alpinen Panorama und weite Almen erstrecken sich entlang des immer schmaler werdenden Weges. Asphalt und Schotter wechseln sich ab und bevor es weiter geht stoppen wir an der uns empfohlenen „Jausenstation Grünalm“ auf 1.800 Meter Höhe.

Eine urige Wanderhütte mit sehr guter Bewirtung erwartet uns und schnell sind alle kulinarischen Wünsche erfüllt. Die Saison ist fast zu Ende und in wenigen Tagen schließt die Hütte ihre Pforten bis zum nächsten Frühjahr.

Nicht mal 500 Meter hinter der Grünalm wird unsere Weiterfahrt jäh gestoppt. Der Wege-Wart der Höhenstraße hat gerade wegen Glatteis die Weiterfahrt Richtung Hochschwendberg gesperrt. Schade, denn trotz guter Ausrüstung leisten wir dem Verbotsschild Folge, zumal auch der Revierförster im grünen Suzuki hinter uns steht … Achja, der Weg ist doch das Ziel.

Der Winter ist da im Tuxertal

Über Nacht kommt der Winter und am nächsten Morgen ist alles weiß. Wir bestaunen das neue Panorama und befreien unsere Fahrzeuge von ihrer weißen Pracht und starten in Richtung Lämmerbichl.

Harry, unser Wirt hat die Almbauern um Erlaubnis gefragt und so dürfen wir die privaten Wirtschaftswege befahren. Am „Winterkiosk“ vorbei geht es nun den weißen Schotterweg immer weiter steil bergauf Richtung Rastkogel.

Auf Pisten zur Grieralm

Nur wenige Fahrzeuge waren heute schon hier oben und aus dem Frühdunst des Tales steigt der schmale Weg entlang der Liftmasten und Heuhütten bergwärts. Strahlend blauer Himmel und fluffiger Pulverschnee erwarten uns am höchsten Punkt auf 2.390 Meter.

Wir genießen die Aussicht und machen gutgelaunt die erste Schneeballschlacht des Winters. Spontan beschließen wir eine Kaffee & Kuchenpause auf der Grieralm auf der gegenüberliegenden Seite im Tuxer Tal einzulegen.

Also wieder zurück und den anspruchsvollen Weg runter ins Tal Richtung Hintertux. Kurz vor dem Ortsende von Lanersbach geht es dann links ab und wir folgen dem beschilderten Schotterweg rauf auf eine wunderschöne Alm mit grandiosem Panorama und Blick auf den Tuxer Gletscher und die Berge.

Die urige Hütte ist von etlichen Wanderern gut besucht und wir genießen Apfelstrudel mit Vanillesauce und Kaffeespezialitäten bei prasselndem Kaminfeuer.

Nachdem alle mehr als satt sind beschließen unsere Damen den Weg zurück per Pedes anzutreten, um zumindest einen Teil der eingeworfenen Kalorien direkt wieder los zu werden. Wir Männer folgen in gebührenden Abstand. Achja, der Weg ist doch das Ziel!

Tuxertal im Herbst

Der Tuxer-Gletscher

Der folgende Tag steht ganz im Zeichen des Tuxer-Gletschers. Durch den vielen Neu-Schnee fällt die geplante Tour mit Harry zum Tuxer-Ferner-Haus leider aus – zu gefährlich. Und so statten wir dem Eispalast oberhalb des Tuxer-Gletschers mit der Bergbahn einen Besuch ab.

Tuxertal im Herbst Tuxer-Gletscher

2007 hatte ein Skilehrer zufällig auf 3.200 Metern Höhe eine Gletscherspalte gefunden und die dahinter liegende Eishöhle wurde später zur Besichtigung freigegeben. Noch heute wird über einen über 50 Meter tiefen Bohrschacht am Gletscher geforscht. Sogar eine Schlauchbootfahrt auf dem unterirdischen Gletschersee ist möglich.

Die hoch interessante Führung ist für Gletscher und Eis-Fans sehr empfehlenswert, aber nichts für Klaustrophobiker. Wir genießen noch eine Weile den grandiosen Ausblick auf die umliegenden Dreitausender und das Alpenpanorama bevor es mit der Bergbahn wieder talwärts geht.

Auf der Eggalm im Tuxertal

Am fünften Tag wollen wir auf die Eggalm fahren, denn heute ist Kaiserwetter. Der Himmel ist fast wolkenlos. Wieder hat Harry uns eine Erlaubnis vom Almbauern und dem Hüttenwirt eingeholt und nachdem sich der Frühnebel gelichtet hat geht es erst talwärts und dann am 6er Eggalm Nord beim Vogelnest vorbei wieder bergauf.

Der geschotterte Weg hat an einigen Stellen noch Raureif und auch die kleine Furt am Torbach sieht sehr erfrischend aus. Am Vortag haben Gabi und Michael bei ihrer Wanderung ein Gamsbein am Wegesrand gefunden an dem sich wohl schon ein Fuchs zu schaffen gemacht hat.

Wir finden nicht heraus was der Gämse widerfahren ist aber uns zieht es weiter bergauf und schon bald haben wir das ganze Tuxertal im Überblick. Die Skisaison ist noch nicht eröffnet und so ist die Eggalm noch verwaist. Allerdings lassen das große Gasthaus und die Sonnenterrasse erahnen was hier in der Skisaison los ist. Wir fahren weiter bis zum Fuß der Lift-Bergstation und freuen uns über die Ruhe, die noch wärmenden Sonnenstrahlen und die majestätische Ausstrahlung der Berge.

Der Weg lohnt das Ziel

Am nächsten Morgen geht es leider schon wieder heimwärts, aber nicht ohne uns bei Heidi & Harry für die tolle Gastlichkeit und die ortskundige Unterstützung zu bedanken. Die Tour zum Tuxer-Ferner-Haus wird auf nächstes Mal verschoben und „Harrys Bergmedizin“ und ein guter Zillertaler Schinken begleiten uns zusammen mit der Gewissheit dass wir noch lange nicht alles im Tuxertal entdeckt haben und wieder kommen werden. Achja, der Weg lohnt doch das Ziel!

 

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