Einen Oldtimer sonntags ein bisschen auszufahren ist keine große Sache. Mit einem Oldtimer auf Schotterpisten durch die Alpen zu fahren, ist schon etwas anderes. Unsere erste Urlaubsreise mit unserer Land Rover Serie 2a von 1971 sollte ganz minimalistisch werden. Nur nicht zu viel Gepäck mitnehmen. Werkzeugkasten? Der musste allerdings mit. Was uns auf der Reise widerfahren ist und ob wir überhaupt in den Alpen ankamen, könnt ihr jetzt lesen.

Aus Spaß wird Ernst

„Komm lass uns mal mit der Serie verreisen“, sagte Andreas, mein Mann, irgendwann eher aus Scherz zu mir. Als er mein „Okay“ hörte, nahm sein Gesicht einen ungläubigen Ausdruck an. Er überlegte kurz und grinste: „In die Alpen?“ „Klar, warum nicht.“ Ganz so wohl war ihm bei dem Gedanken mit der Serie einfach so in die Alpen zu fahren dann doch nicht. Stundenlang schraubte er, bis er genug Vertrauen in den Wagen hatte.

Ein einfacher Urlaub soll es werden. Ohne viel Schnickschnack und nur mit wenig Gepäck. Nicht, dass wir sonst auf unseren Reisen Unmengen von Luxus mitschleppten. Schließlich hat ein 110er Defender auch nur begrenzten Platz. Diesmal sollte es aber auf das Nötigste reduziert sein. Andreas baut für uns ein Brett auf die Ladefläche. Darunter zwei Staufächer für Geschirr, Stühle und Grill.

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Andreas wollte anfangs sogar auf die Kühlbox verzichten. Das Argument, dass wir auf der Reise nur Müsli mit Orangensaft zum Frühstück essen könnten, überzeugt ihn schließlich. Die Kühlbox darf mit. Also schraubt er noch zwei Befestigungsösen in die Bretter, damit wir die Box verankern können.

Das Wichtigste dürfen wir auf keinen Fall vergessen: den Werkzeugkasten. In das Bettbrett baute Andreas eine Klappe ein, damit wir den Werkzeugkasten jederzeit im direkten Zugriff haben. Denn die Erfahrung zeigt, wer mit der Serie unterwegs ist, braucht Werkzeug.

Ein Abenteuer beginnt

Weil wir die alte Dame nicht hetzen wollen, verzichten wir trotz der wenigen Tage gänzlich auf Autobahnen. Gegen 22:00 Uhr fahren wir los. Trotz eingeschalteter Heizung, von deren Existenz Andreas erst vor kurzem Kenntnis bekam, ist es nachts zugig in der Serie. Mit Winterjacke, Schal und Heizung wird mir auch irgendwann warm.

Trotz der Kälte hat das Nachtfahren den unschlagbaren Vorteil, dass alle Straßen in den Dörfern wie leergefegt sind. So kommen wir sehr schnell durch. So schnell, dass wir sogar geblitzt werden. Geht auch mit der Serie, war aber auch eine Dreißigerzone.

Kleines Schläfchen am See

Kleines Schläfchen am See

Am nächsten Vormittag erreichen wir Augsburg, unser Tagesziel. Für den Abend sind wir mit Tobias von Panamericana.de verabredet. Da bis dahin noch reichlich Zeit ist, machen wir an einem lauschigen See eine kleine Pause und holten unseren Nachtschlaf nach.

Die alte Brennerstraße – spektakulär langweilig

In Augsburg werden wir sehr herzlich empfangen und traditionell bayrisch mit Leberkäse und Bier bewirtet. Als nächstes wollen wir über die alte Brennerstraße nach Italien. Alte Brennerstraße klingt mächtig romantisch. Doch so schön wie gedacht ist die alte Brennerstraße leider nicht. Die Autobahn, die auf hohen Stelzen durch das Tal führt, verschandelt den Blick auf das Tal und auf dem ehemaligen Grenzübergang befindet sich neben vielen anderen Geschäften ein riesiges Outletcenter.

Nach der Grenze fahren wir weiter bis nach Brixen. Gegen Nachmittag sind beide Tanks der Serie fast leer. Beim zweiten Tank können wir das nur vermuten,  denn der Umschalter schaltet zwar den Tank um, aber nicht die Anzeige.

Die Tankautomaten wollen unsere Karten nicht

Allerdings ist Tanken in Italien an einem Samstag Nachmittag eine scheinbar unlösbare Aufgabe. Wir kommen an die erste Tankstelle, eine Automatentankstelle. Die Tankstellenbesitzer machen in Italien schon Samstag mittags frei. Wir stecken die Kreditkarte in den Automat, drücken ein paar Tasten, doch die Zapfsäule tut keinen Mucks. Das Gleiche passiert mit der EC-Karte. Offenbar sind die Automaten in Italien sehr wählerisch.

Wir beschließen, zur nächsten Tankstelle zu fahren. Vor uns müht sich bereits ein deutsches Pärchen mit der Zapfsäule ab. Auch sie bekommen kein Benzin. Scheint also nicht an unserer Dummheit zu liegen. Gut, lassen wir das für heute, machen wir uns lieber auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz.

Enge Straßen sind eng und Weinberge wundervoll

Durch das schmale Tal gibt es für uns nicht viele Möglichkeiten auf kleinere Straßen auszuweichen, um einen Stellplatz zu finden. Schließlich finden wir eine Straße, die vielversprechend aussieht. Sie ist recht schmal und wir hoffen, dass wir nicht auf Gegenverkehr treffen. Die Menschen, die vor ihren Häusern stehen und sich unterhalten, beäugen uns kritisch. Nach wenigen hundert Metern endet die Straße spontan ohne Wendemöglichkeit. Mit gefühlt 32 Zügen befreit Andreas die Serie aus ihrer misslichen Lage und wir fahren gesenkten Hauptes wieder an den kritisch guckenden Menschen vorbei.

Übernachtung im Weinberg, Ostalpen

Übernachtung im Weinberg, Ostalpen

Die nächste Straße, an der wir nach einem Übernachtungplatz suchen wollen, ist zum Glück breiter. Auch hier stehen Leute draußen und unterhalten sich. Als die letzten Häuser außer Sichtweite sind, endet die Straße in einem Weinberg. Bingo! Wir fahren zwischen die Reben und übernachten dort mit Blick auf die Ausläufer der Dolomiten. Ein toller Platz.

Überfüllte Pässe und todesmutige Motorradfahrer

Am nächsten Tag fahren wir die Strada Provinciale SP 31 über den Manghenpass. Doch wir hatten nicht mit den Scharen von Motorradfahrern gerechnet, die es wohl darauf angelegt haben, von einem Oldtimer überfahren zu werden. Nicht nur, dass sie uns in den Kurven auf der Mitte der Straße entgegenkommen. Zusätzlich werden wir in jeder Kurve, in der wir zurücksetzen müssen, von den Verrückten rechts überholt.

Passo del Brocon

Passo del Brocon

Wir sind froh, als wir die Strecke endlich hinter uns lassen können. Unser nächstes Ziel ist heute die alte Passstraße des Brocon. Größtenteils eine Schotterpiste mit vielen schönen Ausblicken und völlig ohne Motorradfahrer. Ab und an sehen wir einen Fußgänger, ansonsten sind wir allein auf der Piste. Die Serie quält sich den Berg hinauf und zieht eine Wolke nicht besonders feinen Feinstaubs hinter sich her. Ich meine, die Fußgänger im Rückspiegel schon husten zu sehen.

Oben auf dem Passo del Brocon

Oben auf dem Passo del Brocon

Auf dem Pass treffen sich die alte und die neue Passstraße an zwei völlig überfüllten Restaurants. Nach der schönen einsamen Strecke der Kulturschock pur. Wir essen ein nicht besonders leckeres Essen und kaufen Mini-Wasserflaschen für 5 Euro das Stück.

Zeit uns einen Platz für die Nacht zu suchen. Heute wollen wir nicht wild stehen, sondern suchen uns einen Campingplatz. Was nicht schwer ist in dieser Region. In Castello Tesino werden wir fündig: Casteltesino Camping. Saubere Toiletten, Schwimmbad und grillen durften wir auch. Allerdings nicht am Stellplatz, sondern am Rand des Platzes auf dem Grillplatz. Was auch in Ordnung war.

Endlich – der 360-Grad-Ausblick auf eine Baustelle

Am Montag erwartet uns der Höhepunkt unserer Reise. Der Monte Lisser, der ein herrliches 360-Grad-Panorama bietet. Andreas hat über seinen ersten Besuch auf dem Monte Lisser bereits ausführlich in seinem letzten Ostalpen-Artikel berichtet. Dieses Mal wählen wir allerdings eine andere Route für die Auffahrt, die Strada della Marcesina bei Selva di Grigno auf der südlichen Seite der Brenta (N 46° 00,949′ E 011° 35,675′).

Strada della Marcesina, Ostalpen

Strada della Marcesina, Ostalpen

Wir fahren die Serpentinen hoch und an einer schönen Stelle halten wir an und bewundern die Aussicht. Beim Einsteigen zieht Andreas wie üblich die Tür fest ins Schloss. Manchmal sind die Türen der Serie etwas zickig. Es kommt vor, dass mein Mann nur die Fahrertür öffnen kann, wenn er beidhändig außen und innen am Griff zieht und dabei fest drückt. Auch das Schließen bedarf einiger Übung. Als Andreas jetzt einsteigt und die Tür zuzieht fällt plötzlich die Scheibe aus dem Rahmen direkt in seinen Schoß. Als alter Serie-Fahrer, bringt einen so etwas natürlich nicht aus der Ruhe. Er setzt die Scheibe wieder ein und wir setzen unsere Fahrt zum Monte Lisser fort.

Immer wieder fällt die Scheibe raus, Ostalpen

Immer wieder fällt die Scheibe raus, Ostalpen

Am Ende der Straße biegen wir auf eine Schotterpiste ab, die uns einige Kuhgatter und Schranken später zum Gipfel des Monte Lisser führt. Doch dort wartete eine böse Überraschung auf uns. Statt des beschaulichen Bergpanoramas sehen wir einen Kran, jede Menge Baustellenfahrzeuge und einen neu angelegten Besucherparkplatz. Das Baustellenschild erklärt uns, dass hier seit 2014 ein Museum gebaut wird. Schade, aber der Blick ist trotz der Baustelle sehenswert.

Auf dem Monte Lisser, Ostalpen

Auf dem Monte Lisser, Ostalpen

Eine unerwartete Begegnung

Wir setzen uns auf unsere Stühle neben die Serie und genießen die Aussicht. Das lange Gras biegt sich im Wind, nur wenige kleine Wolken ziehen vorbei. Der Blick reicht kilometerweit. Trotz des Lärms der Baustelle, sitzen wir dort ganz entspannt und genießen die grandiose Aussicht. Plötzlich hören wir noch einen Wagen. Ob die Bauarbeiter noch Verstärkung bekommen? Müssten die nicht langsam Feierabend machen?

Doch es ist kein Baustellenfahrzeug, das den Berg hoch fährt, sondern ein orange farbener Puch mit einem Dachzelt. Der Wagen hat ein deutsches Kennzeichen und hält in unserer Nähe. Ein Pärchen steigt aus und kommt auf uns zu. Es sind Biggi und Frank. Sie erzählen uns, dass sie durch einen Artikel aus dem Internet auf diesen Ort aufmerksam geworden sind. Und tatsächlich hatten die beiden Andreas‘ Artikel auf Matsch&Piste gelesen und waren uns quasi auf den Berg gefolgt. Wie klasse ist das denn?

Wir sitzen noch etwas zusammen und beobachten das Gewitter in der Ferne. Hohe Wolken liegen über dem Tal und wir können immer wieder Blitze sehen, die aus den Wolken herausschießen. Dazu noch der Sonnenuntergang, einfach toll.

Gewitter am Monte Lisser, Ostalpen

Gewitter am Monte Lisser, Ostalpen

Der frühe Vogel braucht keinen Wecker

Für den nächsten Morgen verabreden wir uns, um den Sonnenaufgang zu bewundern. Wir stellen uns einen Wecker für ganz früh und legen uns schlafen. Irgendwann wache ich auf und blinzele schlaftrunken nach draußen. Verdammt Dämmerung, verschlafen! Plötzlich bin ich hellwach und wecke Andreas. Der Wecker hatte nicht geklingelt, weil ich als Weckzeit die Endzeit des Sonnenaufgangs und nicht die Startzeit eingestellt hatte. Puh, noch mal Glück gehabt. Wir springen aus den Schlafsäcken und kochen erstmal Kaffee. Frank und Biggi sind bereits wach. Mit dem dampfenden Kaffee in der Hand sitzen wir auf dem Berg und genießen einen der schönsten Sonnenaufgänge, die ich je gesehen habe.

Noch mehr unerwarteter Besuch

Nach dem Spektakel frühstücken wir. Doch lange bleiben wir nicht alleine. Diesmal sind es nicht die Bauarbeiter, die uns stören, sondern eine Herde Kühe. Linda, so können wir es an ihrem Ohr ablesen, und ihre Freundinnen finden Geländewagen äußerst spannend. Wozu solche Dinge wohl nützlich sind? Für Linda ist klar, schmecken tun die nicht, aber dran reiben kann man sich hervorragend.

Die Herde teilt sich und ein paar Kühe machen sich auf den Weg zu Frank und Biggi. Die beiden können ihren Tisch und die Stühle nicht mehr in Sicherheit bringen, sondern überlassen sie der Meute. Gut eine halbe Stunde werden wir von den Kühen belagert, bis sie sich wieder etwas Interessanterem zuwenden. Nachdem sie weg sind, sehen wir das Ausmaß der Bescherung. Stühle und Tisch von Biggi und Frank sind fast schon ordentlich zusammengefaltet, zum Glück aber ohne Beschädigungen oder größere Verschmutzungen geblieben. Der Boden neben der Serie ist nun allerdings ein Hindernisparcours, denn Schubbern am Auto fördert anscheinend die Verdauung.

Wir sind umzingelt

Wir sind umzingelt

Der Rest der Truppe trifft ein

Biggi und Frank verabschieden sich von uns und ziehen weiter Richtung Passo del Brocon. Wir bleiben noch einen Tag auf dem Berg, um auf den Rest unserer Reisegruppe zu warten. Tobias, Det und Dietmar haben sich für heute angekündigt. Also verbringen wir den Tag mit süßem Nichtstun und ein wenig Schrauben an der Serie.

Wir sind komplett.

Wir sind komplett.

Gegen Abend trudelt die Truppe ein. Aber nicht nur unsere Freunde, sondern auch eine Menge Wolken haben sich zu uns gesellt. Die Sonne ist kaum mehr zu erkennen und die Sicht auf die Berge sehr getrübt. Sterne sehen wir diese Nacht keine. Genauso wie Tobias am nächsten Morgen keinen Sonnenaufgang erblickt, obwohl er extra so früh aufgestanden ist.

Weinprobe zum Frühstück

Unser nächstes Ziel ist der westliche Teil des Friedensweges. Auf dem Weg dorthin machen wir Halt bei einem kleinen Tante-Emma-Laden (N 45°54’16.4″ E 11°38’45.6″) in Lazaretti/Foza, bei dem wir uns mit Lebensmitteln eindecken. Wir kaufen leckeren Speck, Käse und Nudeln.

Als wir bezahlen wollen, lädt uns der Besitzer Guiliano noch zu einer kleinen Weinprobe ein. Dazu gibt es eine kleine Kostprobe des Schinkens, den wir gerade gekauft haben. Der Schinken war auf jeden Fall eine gute Wahl. Auch der Wein, den wir um 10:00 Uhr morgens aus Plastikbechern zu uns nehmen, schmeckt ganz hervorragend. Tobias entscheidet sich, von dem Wein eine Flasche mitzunehmen. Kein Problem Laura, die Tochter von Guiliano, nimmt eine leere Limo-Flasche, geht zur Sperrholzwand mit den Zapfhähnen und füllt den Wein in die Plastikflasche. Zufrieden machen wir uns auf den Weg zum Friedensweg.

Von Gurten und Gerüchen

Der Friedensweg ist eine Schotterpiste, die sich durch Wälder und Wiesen zieht. Es duftet herrlich nach warmen Tannennadeln im Sonnenschein. Wir genießen die Fahrt. Nun, zumindest soweit das der Benzingeruch in der Serie es zulässt. Zwar haben wir das Softtop an den Seiten hochgerollt, trotzdem ist der Geruch von Benzin im Auto fast unerträglich. Aus den randvollen Tanks schwappt auf der ruckeligen Piste immer wieder Benzin heraus und die Tanks befinden sich genau unter unseren Sitzen.

Auf dem Friedensweg, Ostalpen

Auf dem Friedensweg, Ostalpen

Geschüttelt werden wir auf der Strecke ganz schön. Durch die Blattfedern in der Serie spüren wir jeden Stein. Im Gegensatz dazu fühlt sich das Fahren in meinem Defender wie die Fahrt in einer Limousine an. Ich versuche mich am Haltegriff oberhalb der Tür festzuhalten, was allerdings nur dazu führt, dass ich permanent gegen Tür und Scheibe knalle.

Um weiteren Schlägen zu entgehen, halte ich mich krampfhaft am Anschnallgurt fest. Beim Anschnallgurt in der Serie handelt es sich bereits um einen Dreipunktgurt. Jedoch geht der Gurt nicht bei leichtem Zug sanft nach vorne, sondern bleibt fest, wie der Beckengurt im Flugzeug.

Ich habe also nur zwei Möglichkeiten mich anzuschnallen: Entweder der Schultergurt liegt locker auf meiner Schulter und fällt alle zwei Sekunden runter. Oder der Gurt ist festgezogen, so dass ich bewegungsunfähig im Sitz festgezurrt bin. Was das Erreichen des Essens im Korb neben mir fast unmöglich macht. Ich entscheide mich für die lockere Variante, schließlich will ich nicht verhungern. Da ich mich wegen des Ruckelns ohnehin am Gurt festhalten muss, fällt mir dieser auch nicht von der Schulter. Zwei Fliegen mit einer Klappe oder so.

Achtung – wir haben ein Problem

Als wir den Friedensweg entlang holpern, kommt eine Durchsage per Funk. Det hat ein Problem und wir halten an. Im Disco leuchtet eine Warnleuchte und der Wagen verliert Flüssigkeit. Sofort liegen drei der vier Männer unter dem Auto und versuchen das Leck zu orten. Tobias, holt sich stattdessen einen Stuhl und schreibt auf dem Laptop seine ersten Reiseerlebnisse.

Sofort kümmern sich drei von vier Männern um das defekte Fahrzeug

Sofort kümmern sich drei von vier Männern um das defekte Fahrzeug

Eine gute halbe Stunde später ist klar, der Disco verliert Hydraulikflüssigkeit, die für die Anti-Wank-Automatik benötigt wird. Die drei haben das Leck lokalisiert, im Werkzeugkasten entsprechendes Material gefunden und den Schlauch notdürftig repariert. So sollte Det erst einmal weiterfahren können.

Nur einer schreibt

Nur einer schreibt

Zwischen Durchfahrt-Verboten-Schildern und Schranken

Wir fahren weiter den Weg entlang, der zum Fort Campolongo führt. Doch die Straße zum Fort ist wegen Baumfällarbeiten gesperrt. Schade, also nehmen wir eine andere Abzweigung und fahren Richtung Fort Lusern. Doch auch dort stoppt uns eine Schranke und ein Durchfahrt-Verboten-Schild. (N 45° 56,401′ E 011° 21,605′)

Andreas sucht einen anderen Weg zum Fort, der uns über Asphalt zu einem großen Parkplatz neben einem Wellness-Hotel bringt. Zum Fort kommen wir von dort aus nur zu Fuß. Auf eine Wanderung haben wir bei der Hitze keine Lust und ändern unsere Pläne erneut. Nächster Halt ist ein Camping-Platz beim Werk Gschwent.

Die Italiener und wir

Als wir auf die Zufahrt vom Campingplatz fahren, wirkt der Platz nicht einladend. Aus den festinstallierten Wohnwagen werden wir wieder kritisch beäugt. Ob wir hier überhaupt stehen dürfen, als Nicht-Dauercamper? Immerhin rufen die Anwesenden die Platzwartin für uns. Sie zeigt uns einen etwas größeren Platz oberhalb des Campingplatzes, den wir für uns alleine haben können. Perfekt, so lässt sich das mit den Dauercampern auch gut aushalten.

Als die Kohlen im Grill bereits weiß glühen und wir kurz davor sind, das Fleisch drauf zu legen, bekommen wir Besuch von einem älteren Herrn mit nacktem Oberkörper. Ein starker Geruch von altem Schweiß steigt mir in die Nase. Der Mann schreitet über den Platz und sieht sich um. Dann deutet er auf ein Loch im Zaun. Wilde Gesten und ein Regen aus italienischen Wörtern prasselt auf uns ein. Det, der eigentlich gar kein Italienisch kann, glaubt zu verstehen, was der Mann uns sagen möchte. Jemand sei gestern durch den Zaun gestürzt ist und wir sollen ihm nun helfen, den Zaun zu reparieren. Das würde nur 30 Minuten dauern. Wir sagen zu und warten. Doch der Mann wart nicht mehr gesehen. Vielleicht hatte Dets Übersetzung doch den ein oder anderen Fehler?

Wieder nähert sich jemand unserem Platz. Ein Mann in kurzer Hose und Unterhemd kommt mit einer Flasche Wein zu uns. Er marschiert direkt auf Andreas zu und bedeutet ihm, die Flasche zu öffnen und Becher bereitzustellen. Andreas tut wie ihm geheißen, der Mann gießt Wein in die Becher und stößt mit Andreas an. Dann erzählt er noch einiges auf italienisch und trinkt hastig seinen Wein. Dann geht er wieder und lässt uns verstört mit der Flasche Wein zurück.

Der Tag der Stauseen

Am nächsten Morgen gehen wir den kurzen Fußweg zum Werk Gschwent und sehen uns draußen ein wenig um. Wir haben keine Lust auf die erste Führung zu warten. Selbst draussen merken wir, wie nasskalt es im Inneren zieht. Welche Dramen sich hier wohl abgespielt haben? Selbst in Friedenszeiten kann ein Aufenthalt nicht gesund gewesen sein. Es waren schlimme Zeiten, für die diese Festungen gebaut wurden, aber irgendwie faszinieren diese alten Zeitzeugen. Ein Schild gibt uns Auskunft über die bewegte Geschichte des Bauwerks.

Am Werk Gschwendt, Ostalpen

Am Werk Gschwent, Ostalpen

Zurück auf dem Campingplatz fahren weiter zum Staudamm bei Longarone im Vajont-Tal. An diesem Staudamm hatte sich 1963 ein Katastrophe ereignet, bei der fast alle Einwohner durch eine Flutwelle getötet wurden. Auf dem Parkplatz (N 46° 16′2″ E 12° 19′45″) machen eine kleine Rast und ich wandere im leeren Staubecken umher, in das damals ein Teil des Berges gerutscht war, was das Unglück auslöste. Es ist bedrückend still und die bunten Fähnchen mit den Namen der Toten flattern einsam im Wind.

Zurück am Auto machen wir uns auf dem Weg zum Stausee Cà Selva (N 46° 15′42.48″ E 12°41′35.16″). Andreas war vor 5 Jahren bereits am Ufer des Sees entlang gefahren und hatte uns von den Ruinen im Wasser erzählt. Unser Plan ist, direkt am See zu übernachten. Doch kurz vor dem interessanten Teil der Strecke kommt die Enttäuschung: Baumfällarbeiten. Auf einem Parkplatz bevor die Strecke einspurig wird, stehen große Maschinen. Wenn die am nächsten Morgen wieder auf der Straße stehen, kommen wir dort auf keinen Fall vorbei. Auch wenn klar ist, dass wir wegen der Arbeiter, die vermutlich um 6:00 Uhr anfangen, keinesfalls am See übernachten können, fahren wir die Straße weiter.

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Das Wasser im See liegt wie erstarrt und wir begegnen niemandem. Eine tolle Strecke und eine verzauberte Landschaft. Am Ufer sehen wir hin und wieder Ruinen des alten Dorfes. Doch dieses Jahr führt der See viel Wasser. Ruinen im See können wir deshalb keine sehen.

 

Ruinen am Lago di Cà Selva

Ruinen am Lago di Cà Selva

Irgendwann endet der Weg in einer Sackgasse. Neben der Straße stehen noch einige Ruinen, die völlig überwuchert sind. Wir machen noch eine kurze Pause am Ufer und fahren dann den Weg zurück. In den Serpentinen vor dem Stausee hatten wir einen guten Platz zum Übernachten gefunden, zu dem wir nun fahren.

Strecke am Lago di Cà Selva

Strecke am Lago di Cà Selva

Ein Berliner in Italien

Die Übernachtungsstelle ist ideal. Mitten in den Bergen mit Platz für mehrere Defender. In der Ferne hören wir einen großen Gebirgsfluss rauschen und die Mückendichte hält sich in Grenzen. Wir bauen den Grill auf und sehen auf der Straße einen roten Volvo mit Dachgepäckträger und deutschem Kennzeichen vorbeifahren.

Nach kurzer Zeit kommt der Volvo zurück und stellt sich neben uns. Michael aus Berlin und sein Hund Jimmy steigen aus. Ob sie die Nacht bei uns verbringen können, möchte Michael wissen. Klar, warum nicht. Es ist Platz genug ist und Fleisch ist auch noch da. Wir genießen den gemeinsamen Abend am Lagerfeuer.

Unser Übernachtungsplatz in den Bergen, Ostalpen

Unser Übernachtungsplatz in den Bergen, Ostalpen

Dann beginnt es zu regnen. In den Bergen hören wir Donner grollen und von weit entfernt sehen wir Blitze. Ich habe den Eindruck, dass das Unwetter auf uns zukommt und finde den Gedanken bei Gewitter in der Serie zu übernachten nicht einladend. Ich tröste mich aber mit dem Gedanken, dass Dietmars und Tobias‘ Defender höher sind als die Serie und somit ein Blitzeinschlag in unseren Wagen eher unwahrscheinlich wäre. Soweit kommt es dann zum Glück nicht, denn das Gewitter zieht an uns vorbei.

Wenn es im Motorraum qualmt …

Am nächsten Tag fahren wir die SR552 zum Passo Rest. Eine schmale Straße mit unzähligen Spitzkehren und einer tollen Aussicht. Immer wieder muss Andreas mit der Serie in den Kurven zurücksetzen. Doch irgendwann hat er die Technik raus, wie er mit der Serie in einem Rutsch um die Kurven kommt. Das funktioniert aber nur, wenn es keinen Gegenverkehr gibt. Zum Glück hielt sich der aber in Grenzen.

Irgendwann verlieren wir den Sichtkontakt zu den anderen. Tobias, der hinter uns fährt, hält ohnehin einen weiten Abstand, da es nicht nur in der Serie nach Benzin riecht, sondern auch dahinter. Über Funk hören wir nur noch ein Knarzen und irgendwas von Problem. Wir kehren um und sehen Det mit offener Motorhaube am Straßenrand stehen.

Im Motorraum des Disco riecht es verbrannt. Wir sehen mehrere verschmorte Schläuche. Die Pumpe für die Hydraulikflüssigkeit hatte sich nicht – wie erhofft – ausgeschaltet, sondern war ohne die Flüssigkeit heißgelaufen. Det ruft den ADAC, Dietmar bleibt bei ihm. Wir fahren mit Tobias alleine weiter.

Kleine kalte Gletscherflüsse

Die letzte Etappe unserer Reise beginnt. Wir fahren die Strada Panoramica delle Dolomiti, die wie der Name schon vermuten lässt, eine großartige Aussicht bietet. Wir sehen einen See, dessen Wasser so türkis ist, wie ich sie noch nie zuvor gesehen habe. Auch der Blick auf die drei Zinnen der Dolomiten, den wir immer mal wieder erhaschen können, ist spektakulär.

Neben der Straße schlängelt sich ein zur Zeit kleiner Gletscherfluss, an dessen Ufer wir spontan ein Picknick machen. Ein paar dicke Scheiben Speck sind schnell abgeschnitten und dazu gibt es Brot. Andreas zieht seine Schuhe und Socken aus und hält seine Füße in den Fluss. Sekunden später hüpft er allerdings schon wieder raus. Denn Gletscherflüsse sind, auch wenn sie so klein sind, mächtig kalt.

Ein kleines Abenteuer geht zu Ende

Unsere letzte Übernachtung haben wir auf einem Campingplatz im Stubaital. Wir beobachten die beiden Nachbarinnen aus Luxemburg beim Aufbau ihres Zeltes und bewundern dabei nicht nur den Ausblick auf die Berge. Am nächsten Tag trennen wir uns vor Weilheim von Tobias und treten den letzten Teil der Reise alleine an. Nach 10 Tagen kommen wir wohlbehalten zu Hause an. Die Serie hat tapfer durchgehalten, wie auch wir. Und wir können sagen, dass diese Reise für uns wirklich ein kleines Abenteuer war.