Hast du dich schon mal gefragt, warum die Urlaubsbilder von anderen immer so viel toller aussehen, als deine eigenen? Mit diesen einfachen Tricks gelingen dir die schönsten Urlaubsbilder, auch ohne Profi-Ausrüstung.

1. Die beste Kamera ist die, die man dabei hat

Es wird viel geschrieben über „Die beste Kamera“, das „tollste Objektiv für Landschaftsaufnahmen“ oder mit welcher Ausrüstung man unbedingt zum professionellen Reisefotografen wird. Bei mir hat das Gadget-Wettrüsten beinahe zur völligen Fotounlust  geführt. Zu schnell verliert man sich in technischen Features und vergisst darüber, worum es eigentlich geht: mit „Licht zu malen“, einen Moment, eine Stimmung so einzufangen, dass man beim Betrachten der Fotografie den Wind in den Haaren spürt, den Duft der Blumen riecht. Es ist nicht die Kamera, die gute Fotos macht, sondern der Mensch, der den Auslöser drückt und das Bild komponiert.

Dreiköpfiges Zebra, Caprivi, Botswana

Dreiköpfiges Zebra, Caprivi, Botswana

2. In der Ruhe liegt die Kraft

Fester Stand, die Kamera in beiden Händen, nicht geneigt und nicht gekippt, sondern im Lot sollten Objektiv und Motiv sein. Heutzutage ist man hier etwas von den Smartphone-Kameras versaut, die man einfach blind über die Menge schwenkt. Aber besonders Zoom-Objektive neigen zur Verzerrung. Die Folge: stürzende Linien, die sich auch mit Photoshop kaum gerade rücken lassen. Wer auf Safari aus dem Wagen heraus fotografiert: Motor aus. Vibrationen erzeugen Unschärfe. Und in schwachen Lichtsituationen oder für landschaftliche Langzeitbelichtungen: Stativ ist Pflicht, zur Not tut es auch ein Bohnensack oder ein Gorilla-Pod.

3. Einstellungssache

Lasst Euch nicht zu sehr von den Zillionen Einstellmöglichkeiten verführen. Die ISO-Zahl zum Beispiel bleibt bei mir immer auf Automatik. Bei meiner Spiegelreflex wähle ich zu 99% die Programmautomatik und schieße ausschließlich im RAW-Format. Anpassungen mache ich später in meiner digitalen Dunkelkammer (Photoshop und Lightroom) und lasse den Kamerasensor soviel Licht und Bildinformationen einfangen wie möglich.

Gravelroad – Schotterpiste im Namib-Naukluft-Park, Namibia

Gravelroad – Schotterpiste im Namib-Naukluft-Park, Namibia

4. Goldener Schnitt

Ein altbewährtes, stilistisches Mittel für die Bildkomposition ist der berühmte goldene Schnitt. Der Horizont im unteren oder oberen Drittel  des Bildes ist ansprechender als in der Mitte. Mehr Dynamik hat die Aufnahme, wenn wichtige Elemente wie Köpfe oder prominente Landschaftselemente ebenfalls nach dieser Regel im linken oder rechten unteren oder oberen Drittel positioniert werden.

Plattform im St. Lorenz Strom, Tadoussac, Kanada

Plattform im St. Lorenz Strom, Tadoussac, Kanada

5. Der passende Rahmen

Die Weite einer Landschaft lässt sich besser visualisieren, wenn sie in Bezug zu einem Element im Vordergrund, zum Beispiel einem Baum gesetzt wird. Nur im Kontrast zwischen nah und fern, groß und klein, hell und dunkel begreift das menschliche Auge, wie die Dimensionen wirklich sind. Zusätzlich kann man sich überlegen, Bildränder so zu begrenzen, dass die Weite mehr zur Geltung kommt, das Motiv bedrückend wirkt oder Sicherheit vermittelt. Zum Beispiel: Dichtes Gestrüpp am Boden und ein stämmiger Baum links geben dem Bild Halt und ziehen den Blick in die rechte obere Ecke.

Wandern am Lake Louise, Kanada

Wandern am Lake Louise, Kanada

6. Auf Augenhöhe

Vogel- oder Froschperspektive sind kreative Kniffe mit denen man spielen kann. Um beispielsweise Tiere zu portraitieren, solltet Ihr aber versuchen, auf Augenhöhe zu bleiben und nicht vergessen auf die Augen scharf zu stellen. Gerade auf Safaris schießt man gerne aus dem Auto von oben herunter, wodurch dem Portrait häufig Intensität verloren geht. Das ist nicht immer einfach, gerade bei wilden oder großen Tieren. Einer Giraffe in die Augen zu schauen, ist ohne Leiter eine echte Herausforderung.

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7. Der Blick für das Besondere

Ich persönlich kann der Versuchung kaum widerstehen, abfotografierte Postkartenmotive nachzuknipsen, vor allem auf Städtereise. Die Sagrada Familia in Barcelona, den Tafelberg mit Wolkentuch in Kapstadt oder die Golden Gate Bridge in San Francisco. Und dabei ist eines sicher, ich bin immer enttäuscht. Störende Baukräne oder drei Millionen Touri-Hände, die gerade versuchen, das gleiche Bild zu schießen, verschandeln mein Postkartenidyll. Ich suche also nach dem unbeachteten Detail, der besonderen Perspektive oder dem pfiffigen Rahmen.

Verfallene Veranda in Kolmanskop, Südafrika

Verfallene Veranda in Kolmanskop, Südafrika

Was meiner Fotografie neuen Schwung gegeben hat, war Birgits Wunsch nach mehr Diagonalen. Das macht die Komposition dynamischer, da scheinbar Bewegung in die Sache kommt. Der Blick des Betrachters folgt unweigerlich den Führungslinien, so dass man bestimmte Details dadurch in den Fokus rücken kann.

Zu guter Letzt, meine Lieblingsregel, die Ihr in jedem Fotografiebuch wiederfindet: Brecht alle oben genannten Regeln!

Über die Autorin: Stefanie war Journalistin und arbeitet nun als Kommunikations- und Social-Business-Beraterin. Neben dem Schreiben ist die Fotografie ihre große Leidenschaft. Gemeinsam mit Birgit bloggt sie auf Giraffe13. Birgit arbeitet als Ärztin in der Psychiatrie und war damit zunächst vor allem für die medizinischen Artikel des Blogs zuständig, mischt sich aber zunehmend auch in andere Bereiche ein. Zusammen sind sie seit 2009 im südlichen Afrika unterwegs und planen ein Jahr Auszeit. Mehr dazu in ihrem Blog oder auf Facebook.

© Fotos Stefanie Heyduck