Wie bist du zum Offroadfahren gekommen?

Ich habe KFZ-Techniker gelernt, die Meisterprüfung gemacht und dann eine bestehende Toyota-Vertrags-Werkstatt übernommen. Früher bin ich Motorrad und schnelle Autos gefahren. Geschwindigkeit war meine Leidenschaft. Als ich das Motorrad verkauft hatte, suchte ich nach einem neuen Kick. Auf einer Offroad-Veranstaltung bin ich einen Defender gefahren und mir war sofort klar: That‘s it! Es war ein 110er und sein Flair übte eine magische Anziehungskraft auf mich aus. Den musste ich haben.

Von diesem Tag an träumte ich pausenlos von einem 110er und ein halbes Jahr später erfüllte ich mir dann meinen Traum und kaufte mir meinen ersten Land Rover Defender 110. Seitdem haben mich diese einzigartigen Fahrzeuge nicht mehr losgelassen. Es war ein 110er Station Wagon. Aus diesem wurde dann später unser Island-Rover. Mit ihm sind wir in der Szene überhaupt bekannt geworden.

Wie bist du vom ersten Defender zu Offroad Hesch gekommen?

Damals 1998 gab es für den Defender bei Weitem noch nicht so viel Zubehör. Das Meiste kam aus England und die Verarbeitung, Qualität und Langlebigkeit der Teile entsprachen nicht unseren Vorstellungen.

Also haben wir angefangen, selbst Zubehör in unserem Betrieb zu produzieren. Anfangs in ganz kleinem Rahmen. 2002 haben wir unseren ersten Online-Shop eröffnet. Seitdem ist der Offroad-Bereich bei uns jedes Jahr gewachsen. Den PKW-Bereich haben wir im Gegenzug immer weiter zurückgeschraubt. Bis wir diesen Ende 2014 ganz eingestellt und uns voll fokussiert unserer Leidenschaft gewidmet haben: Hochwertiges Zubehör für Land Rover Defender zu produzieren, Expeditionsfahrzeuge auszubauen und ausgewähltes Zubehör zu vertreiben, welches an und in einem Defender Sinn ergibt.

Der Offroad-Hesch-Showroom in Steyr

Der Offroad-Hesch-Showroom in Steyr

Heute konzentrieren wir uns mehr auf unsere Eigenproduktionen. Es ist unser Ziel, unser im Betrieb hergestelltes Sortiment ständig zu erweitern, weil wir so unabhängig sind und die Qualität der Teile selbst in der Hand haben. Wir produzieren ausschließlich alles in Österreich mit Partnerbetrieben in unserer Region.

Überrollkäfig für Hubdach Sky Vision von Offroad Hesch

Offroad-Hesch Defender mit Überrollkäfig mit Hubdach

Heute leite ich den Betrieb gemeinsam mit meiner Frau Evelyn. Mit unserem 6-köpfigen Team produzieren wir Innenausbauten und Hubdächer für den Land Rover Defender, betreiben einen umfangreichen Online-Shop. Dort vertreiben wir nur unsere eigenen Produkte und die von ausgewählten Lieferanten.

Wir reparieren aber auch Getriebe, bauen Differenzialsperren, Tuningmodule und Fahrwerke ein. Das Tolle ist, dass wir unsere Fahrwerke, Leistungssteigerungen und Ähnliches auf dem riesigen Testgelände von Magna ganz in unserer Nähe ausgiebig testen können.

Woher kommen die Inspirationen für eure neuen Produkte?

Auf unseren Reisen kommen uns immer wieder neue Ideen für Produkte oder Verbesserungen. Auch unsere Kunden inspirieren uns dabei und versorgen uns mit Ideen. Man muss nur ein offenes Ohr dafür haben.

Auch haben sich natürlich unsere Wohnausbauten durch unsere Reisen immer wieder verändert. Die ersten Hochschränke hatten noch überall Türen. In der Praxis hat sich aber mittlerweile unsere Lightweight-Version durchgesetzt, bei der die mittleren Türen durch robuste Kunststoffboxen ersetzt wurden. Die Kisten können rausgenommen und das Equipment zur Kochstelle getragen werden. Das ist einfach praktisch und resultiert aus Erkenntnissen, die man nur gewinnt, wenn man selbst unterwegs ist.

Unser Käfig für unser Hubdach Sky Vision ist ein klassisches Beispiel für Kundenideen. Wir haben bisher gut 150 Hubdächer verkauft. Immer häufiger kam die Frage, ob wir nicht auch einen Käfig dazu anbieten können. Bisher hatten wir nie die Zeit dazu. Letztes Jahr haben wir uns dann endlich an die Planung des Käfigs für unser Hubdach gemacht, den wir dieses Jahr auf der Abenteuer & Allrad in Bad Kissingen vorgestellt haben. Der hat sich mittlerweile zum Verkaufsschlager entwickelt.

Kommt ihr denn überhaupt noch zum Reisen?

Leider viel zu wenig im Moment. Wenn es nach meiner Frau und mir gehen würde, wären wir jedes Jahr vier bis sechs Wochen am Stück unterwegs. Die Hauptsaison von Mai bis August wäre für uns die schönste Zeit, um nach Schweden oder nach Island zu fahren.

Für Lappland müsste man sich 6 Wochen Zeit nehmen und das ist in der Hauptsaison nicht machbar. Im Winter bin ich dann mit dem Planen und Konstruieren neuer Produkte beschäftigt. Dann sitze ich am Computer und tüftle und zeichne und meine Evelyn sorgt noch für den letzten Feinschliff unserer Produkte, wenn ich schon eckige Augen habe.

Unterwegs in Lappland

Unterwegs in Lappland

Was war bisher eure schönste Reise?

Alle unsere Reisen waren sehr schön. Island hat seinen ganz eigenen Reiz, da möchten wir bald wieder hin. Natürlich Schweden, um wieder mal Hallo zu unseren Rentieren zu sagen und Kunden zu besuchen, die nach Schweden ausgewandert sind. Genauso haben uns Marokko, Tunesien oder die Ukraine fasziniert. Wenn es einen Favoriten geben würde, dann wäre das eindeutig Schweden. Aber erst der Teil ab Lappland, dort wo es richtig einsam und naturbelassen ist.

Staub aufwirbeln auf Korsika

Staub aufwirbeln auf Korsika

Bietet ihr auch Reisen an?

Früher haben wir das gemacht. Wir sind mit bis zu acht unserer Kunden und Freunde losgefahren. Für die Reisen haben wir nichts verlangt, dafür haben wir nur auserwählte Mitfahrer mitgenommen. Uns war wichtig, dass sie bereits genügend Fahrerfahrung hatten und dass es eine lustige Truppe ist. Die Touren waren auch immer sehr unterhaltsam und wir haben jede Menge erlebt.

Allerdings war ich meist der Einzige dabei, der schrauben konnte. So lag ich jeden zweiten Tag unter einem Auto, habe Kardanwellen ausgebaut und Differenziale zerlegt. Irgendwann haben wir dies in dieser Form nicht mehr angeboten, weil es doch sehr stressig war, aber ich möchte diese Zeit nicht missen. Jetzt fahren Evelyn und ich meistens alleine weg und genießen die grenzenlose Freiheit.

Mit welchem Fahrzeug fahrt ihr?

Wir fahren einen Defender 110, unsere „Deffi“ und einen Hilux mit einer Uro-Camper-Offroadkabine drauf. Der Hilux samt Kabine macht auch viel Spaß und ist ein wenig komfortabler. Der hat unsere Leistungssteigerung drin, die ihn auf 200 PS bringt. Damit kann man sich mit dem ein oder anderen schnelleren Auto anlegen.

Unsere „Deffi“ ist aber durch nichts zu ersetzen. Voll ausgebaut mit unserem Hubdach und Innenausbau und der vollen Expeditionsausstattung, macht sie sowohl im Gelände als auch im Reisebetrieb richtig Spaß und lässt uns stressige Zeiten schnell vergessen. Sie ist praktisch Familienmitglied, denn auch die mittlerweile erwachsenen Kinder fahren mit Leidenschaft mit der „Deffi“ weg in ihrem Urlaub.

Ihr bietet die Innenausbauten modular als Kästen zum Selbsteinbau an. Ist das nicht problematisch, weil jeder Defender ab Werk anders ist?

Nein, nicht wirklich. Mittlerweile haben wir über die Jahre ein goldenes Mittelmaß gefunden, wodurch die Kästen in jedem Defender noch Platz gefunden haben. Die neue Lightweight-Serie ist mit den Montagebohrungen so durchdacht, dass die Kästen in 20 bis 30 Minuten ausgebaut sind und der Defender so auch als Alltagsfahrzeug genutzt werden kann.

Manfred bei der Montage der Kästen

Manfred Hesch bei der Montage der Kästen

Ein kompletter Innenausbau mit Hubdach, Elektrik und Standheizung dauert ungefähr sechs Wochen. Im Schnitt brauchen wir zwei bis vier Wochen für einen kompletten Innenausbau des Fahrzeugs, je nach Ausstattungsvariante. Vom Kocher, Wassertank, Spüle, bis zur Elektrik in allen erdenklichen Varianten ist bei uns alles möglich.

Derzeit setzt ihr mit euren Teilen komplett auf den Defender. Werdet ihr euch umorientieren, jetzt wo der Defender nicht mehr gebaut wird?

Der Defender ist noch lange eine Spielwiese für uns als Ausbauer! Wir sind sicher, dass er uns noch eine Zeitlang erhalten bleibt, da der Reisetrend im Moment extrem boomt. Außerdem müssen wir schauen, wie der neue Defender aussehen wird, da sind wir alle sehr neugierig und gespannt. Dafür wollen wir uns dann auch Kapazitäten freihalten.

Unsere Produktpalette haben wir ja auch schon um Pick-up-Kabinen von Uro-Camper erweitert. Die Kabinen gibt es bei uns leer oder wir bauen sie auf Wunsch natürlich auch aus.

Wir planen, die Produkte, die wir im Moment für den Defender anbieten, auch für ein anderes Fahrzeug zu entwickeln. Der Mercedes G ist unsere Alternative. Für den G planen wir ein Hubdach und einen kompletten Innenausbau.

Zusätzlich zum Defender-Zubehör bietet ihr auch Fernwehartikel in eurem Shop an. Was hat es damit auf sich?

Die Fernwehkollektion hat mein Frau Evelyn entworfen. Hier gibt es Fernwehkissen, Reisepasshüllen, kleine Täschchen Reisebegleiter , Lesezeichen, Tischtücher und vieles mehr im Weltkartendesign. Wir machen immer wieder etwas für einen guten Zweck. Ein Teil der Einnahmen der Fernweh-Produkte geht an das Projekt „Friends for Nepal-Himalayan Development Aid“, das wir sehr sinnvoll finden und so mithilfe unserer Kunden gerne unterstützen. Eine Schule in Nepal wurde mithilfe dieses Projekts wieder aufgebaut. Und Fernwehartikel braucht doch jeder Offroader selbst oder als beliebtes Geschenk.

Die Fernwehkollektion von Offroad-Hesch

Die Fernwehkollektion von Offroad-Hesch

Was liebst du an deiner Arbeit?

Am meisten Spaß macht mir das Fahren und neue Produkte zu entwickeln. Sie zu planen, zu zeichnen und die ersten Prototypen zu konstruieren ist immer sehr spannend.

Evelyn und Manfred Hesch

Evelyn und Manfred Hesch

Bei der Entwicklung ist immer unsere gesamte Mannschaft eingebunden, inklusive des Werkstattmeisters und der Mechanikerin. Neue Produkte sind bei uns immer ein Gemeinschaftswerk. Es macht einfach Spaß, zu sehen, wie aus einer Idee am Ende mit der Hilfe aller ein fertiges Produkt wird. Wenn am Ende alles funktioniert und passt, das gibt der ganzen Mannschaft den richtigen Kick. Das macht einfach Freude.

Mein Motto: Nur wenn Arbeit Spiel ist, sind wir für die Anforderungen unserer Projekte gewappnet.

Zufriedene Kunden, die dann von irgendwo auf der Welt Mails schicken, wie glücklich sie mit unserem Equipment sind, sind doch das Schönste, was einem passieren kann. Da lacht das Offroader- und Unternehmerherz!

Fotos: Offroad-Hesch