Fluchtpunkt Afrika oder „muss auch Reisen gelernt sein?“. Über zwei Endzwanziger, die von Hamburg nach Südafrika aufbrechen auf der Suche nach authentischen Erfahrungen und sich selbst. Was 14 Länder, 46.000 Kilometer sowie 2 Jahre Abenteuer mit einem Overlander-Pärchen machen, was dabei auf der Strecke bleibt und unerwartet gefunden wird. „Reiss aus“, ein faszinierender Reisebericht, bei dem nicht nur mechanische Teile an ihre Belastungsgrenzen gebracht wurden.

Es mag wohl so viele unterschiedliche Gründe zum Reisen geben, wie es Reisende selbst gibt. Für viele ist es der Reiz des Unbekannten, neue Länder und Kulturen hautnah erleben zu können oder aus der gewohnten Komfortzone des Alltags auszubrechen. Doch was passiert, wenn die Initialzündung für den großen Trip ein Burn-out ist und beim Aufbrechen nach wie vor die ein oder andere Orientierungslosigkeit mitfährt?

Durch Westafrika mit Zweifel im Gepäck

Auf den ersten Seiten wird bereits klar: Bei „Reiss aus“ handelt es sich um eine durch und durch persönlich gehaltene Reiselektüre. So startet die Erzählung auch gleich mit einer Offenbarung. Nämlich der, dass sich Autorin Lisa Wendt mitten in der Reise verliebt hat. Uff, denkt man sich da erst mal als Leser, was für ein unkonventioneller Buchbeginn. Schließlich handelt es sich bei den zwei Protagonisten ja um ein abenteuerlustiges Pärchen. So ein Beginn schürt erst mal mächtig die Neugierde und der sehr offenherzige Schreibstil lässt die subjektive Verbundenheit mit den zwei Globetrotter schnell sehr hoch werden. 

Sicherlich eines der Kernelemente des Buches ist, dass die beiden Reisenden grundsätzlich eher verschiedene Charaktere sind. Bevorzugt es Lisa frei, gesellig und spontan, ist Ulli eher der planend-vorausschauende Typ, der auch mal Zeit allein zu schätzen weiß. Vor allem auf einer Langzeitreise kann man sich da schon mal gehörig auf die Nerven gehen. Sollten zudem unterschiedliche Reisegründe sowie -vorstellungen dazukommen, ist das zwar nur menschlich, findet aber nur selten in herkömmlichen Reiseberichten so einen Platz. Reiss aus wird hier im wahrsten Sinne des Wortes nicht nur vor der überbordenden, westlichen Leistungskultur (Ulli) genommen, sondern auch von so mach innerlichen Zerrissenheit (Lisa). Gepaart mit den Pannen und Abenteuern einer „regulären“ Afrikareise ergibt das eine mitreißende Mixtur, die man nur schwer aus der Hand legen kann.

Zwei adoptierte Hundewelpen, diverse örtliche Krankenhausaufenthalte, Kurzeitjobs sowie unzählige begeisternde Bekanntschaften sorgen dafür, dass sich aus der ursprünglich halbjährig geplanten Reise eine knapp zweijährige Auszeit entwickelt. Das Ganze bekommt man als Leser kapitelweise nach bereistem Land serviert, inklusive daraus abgeleiteter „Lebensweisheiten des Tages“. Ein toll bebilderter Mittelteil sorgt dafür, dass man zu den bewegenden Schilderungen auch das passende Sehnsuchts-Bildmaterial geliefert bekommt. Jeder der schon selbst den schwarzen Kontinent bereist hat, wird sich anhand der mitreißenden Texte an so manch eigens gemachte Erlebnisse erinnert fühlen.

Fazit über „Reiss aus – 46.000 Kilometer Roadtrip durch Afrika. Oder von einer, die auszog, um leben zu lernen“

Der Titel trägt es schon in sich: Hier handelt es sich um keinen Nullachtfünfzehn-Reisebericht. Als Leser ist man stets ganz nah dabei am Geschehen. Ungeschönt, ehrlich. Bei den positiven wie auch negativen Erlebnissen zweier echter Persönlichkeiten. Ein bisschen Selbstfindungsbuch, ein wenig Abenteuerroman und sehr viel Plädoyer für ein offenherziges Zugehen und miteinander leben. Eine Lektüre, an dessen Ende man vielleicht selbst auch ein klein wenig zu einem besseren Reisenden gemacht wird.

Titel: „Reiss aus – 46.000 Kilometer Roadtrip durch Afrika. Oder von einer, die auszog, um leben zu lernen“
ISBN-13: 978-3-95728-287-3
Verlag: Knesebeck (20. März 2019)
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