Pascal war im August zwei Wochen in Norwegen unterwegs. Mit Wanderungen zu Wasserfällen, Gletschern und Moschusochsen war das für ihn Entschleunigung pur. Eine Reise, die er nur jedem empfehlen kann.

Von Anfang bis Mitte August waren wir in Skandinavien, genauer in Norwegen unterwegs. Unser Reisefahrzeug war natürlich der Defender, wenn es auch die erste Reise dieser Art war.

Bis auf die Hinfahrt mit der Colorline Fähre von Hirtshals in Dänemark nach Kristiansand in Norwegen hatten wir nichts gebucht. Einfach weil wir spontan bleiben wollten. Unsere Unterkunft ist der Landy und einen Stellplatz sollten wir wohl finden.

Ich hatte eine ungefähre Reiseroute ausgearbeitet und markante Punkte wie Sehenswürdigkeiten eingetragen, alles andere kam dann während der Fahrt.

Anreise

Norwegen lässt sich sowohl über den Land- als auch über den Seeweg erreichen. Der Landweg führt durch Dänemark über mehrere Brücken (unter anderem die Öresandbrücke), die mautpflichtig sind. Vom Norwegenkai in Hirtshals (Dänemark) kann man Norwegen mit der Fähre erreichen.

Wir haben uns für letztere Variante entschieden und pro Strecke um die 100 Euro bezahlt. Je nachdem wann man bucht und fahren möchte, kann das auch teurer werden.

Einen Personalausweis oder Reisepass sollten alle Reisenden dabei haben, ansonsten auf jeden Fall die Einfuhrgrenzen, insbesondere was Alkohol und Tabak angeht, beachten. Infos hierzu gibt’s bei www.toll.no Wir wurden zwar nicht kontrolliert, haben aber mehrere Leute gesehen, die ihren Wagen erstmal leer räumen durften.

Offroad in Norwegen?

Kurz und Knapp: Nein. Zumindest kein wirkliches Offroaden. Einfach die Straße oder Piste zu verlassen, ist tunlichst untersagt und kann erhebliche Strafen nach sich ziehen. Es gibt diverse Schotterpisten, diese sind aber teils in sehr gutem Zustand, sodass sie auch von normalen PKW befahren werden können. Das einzige Mal, wo der Allrad-Antrieb wirklich von Vorteil war, war auf einer vom Regen durchweichten Campingplatz-Wiese. Die Wohnmobile hatten hier und da schon ihre Probleme.

Wild campen in Norwegen?

In Norwegen gilt grundsätzlich erstmal das Jedermannsrecht, welches besagt, dass man sich generell frei in Norwegens Natur bewegen kann. Ausnahmen sind beispielsweise Nutz- und Ackerflächen, Flächen nahe an Gebäuden, diese könnten schließlich in Privatbesitz sein.

Achtung: Dies gilt nicht für motorisierte Fahrzeuge. Sich mit seinem Wohnmobil auf eine Wiese abseits der Straße stellen und das komplette Camping Gerödel aufzubauen, fällt also aus. Es gibt zahlreiche kostenlose und schöne Stellplätze, welche auch ausgeschildert sind. Quelle und weitere Infos: www.norwegen.no

Unsere Erfahrung: Wenn wir im Defender geschlafen haben, haben wir nicht all zu viel Aufmerksamkeit auf uns gezogen. So kann man auch mal auf Wanderparkplätzen übernachten, sofern dies nicht durch ein Schild verboten ist.

Kochen, Markise raus und alles andere findet dann erst statt, wenn die allermeisten Wanderer weg sind. Ansonsten einfach nachfragen. Habt ihr einen schönen Stellplatz beispielsweise in der Nähe eines Bauernhofs gefunden, fragt einfach den Landwirt, ob ihr auf seiner Wiese übernachten könnt. Solange ihr freundlich fragt und alles sauber hinterlasst, werden die wenigsten „Nein“ sagen.

Es geht los

Bevor wir jedoch gemütlich durch die Norwegischen Fjorde kurven können, haben wir erstmal 730 Kilometer Autobahn vor uns. Autobahn oder generell schnell fahren im Defender ist nicht wirklich das Angenehmste, aber es hilft ja nichts. Wir sind abends gegen 20:00 Uhr losgefahren und erreichen Hirtshals am nächsten Morgen gegen 10:00 Uhr. Nein, wir haben natürlich keine 14 Stunden für die 700km gebraucht, sondern kurz hinter der dänischen Grenze auf einem Rastplatz genächtigt und sind anschließend gegen 06:00 weitergefahren.

Unsere erste Nacht in Norwegen

Die Sonne scheint, das Einschiffen verläuft ohne Probleme. Der Urlaub kann beginnen. Ich hatte eine Fahrzeughöhe von zweieinhalb Meter angegeben, nach oben hin war so noch ausreichend Platz. Abfahrt sollte gegen 12:15 und Ankunft um 15:30 Uhr sein. Ich finde diese Zeit ideal, so ist es noch nicht zu spät, um nach der Ankunft einen geeigneten Stellplatz zu finden. Außerdem ist man so passend zum Mittag an Bord.

Die erste Nacht verbringen wir auf dem Campingplatz am Reiarsfossen (58.94257°N, 7.69099°O) Es ist nicht viel los und der Platz liegt direkt an einem Wasserfall, der sich auf der anderen Straßenseite befindet und dem der Platz seinen Namen verdankt. Mit Grillfleisch im Bauch und dem Rauschen des Wasserfalls schlafen wir schnell ein und haben eine angenehme, erste Nacht in Norwegen verbracht.

Auf dem Weg zur Felskanzel in Lysefjord

Am nächsten Morgen geht es weiter in Richtung Lysefjord, an dem sich die berühmte Felskanzel Prejkestolen befindet. Wir kommen an zahlreichen „Steinmännchen“, Wasserfällen und Fjorden vorbei und genießen das entschleunigende Fahren durch Norwegens Landschaft.

Am Campingplatz „Prejkestolen Camping“ angekommen gibt es erstmal eine Ernüchterung: In der Einfahrt steht ein Schild „full“. Wir ignorieren dies zunächst gekonnt und fragen mal an der Rezeption nach. Aha, also doch noch nicht „full“. Wer noch ein Plätzchen findet, soll wieder zur Anmeldung zurück kommen und einchecken. Gesagt, getan, ziemlich am Ende des Platzes findet sich ein schöner Platz, etwas abgelegen durch ein paar Bäume, direkt am Fluss.

Die Wanderung zum Prejkestolen

Am nächsten Morgen steht die Wanderung zum „Prejkestolen“ an. In der Hauptsaison sollte man schon recht früh aufbrechen, ansonsten sind einfach zu viele Menschen unterwegs. Die Wanderung ist bei guter Kondition in gut zwei Stunden zu schaffen. Trittsicher sollte man jedoch sein und gutes Schuhwerk besitzen, gerade wenn es nass ist, können die Felsen ziemlich rutschig sein. Ist der Aufstieg geschafft, wird man mit einer wundervollen Aussicht über den Lysefjord belohnt.

Vorbei an vielen Wasserfällen wie dem Langfoss (59.84676°N, 6.34128°O) und Latefoss (59.94801°N, 6.58366°O) geht es weiter nach Odda und dem dazugehörigen Gletscher. Vom Parkplatz des „Buarbreen“ (60.04460°N, 6.47498°O) in wandern wir zwei Stunden über zahlreiche kleine Bäche, große & kleine Felsen, teilweise mit Seilen zur Unterstützung, hinauf zum Gletscher.

Abends finden wir auf dem Campingplatz in Kinsarvik (60.37568°N, 6.72247°O) einen Stellplatz direkt am Wasser. Wir genießen den Sonnenuntergang und freuen uns schon auf den morgigen Tag.

Der Nigardsbreen-Gletscher und der Jotunenheim Nationalpark

Der „Nigardsbreen“ (61.67163°N, 7.23562°O) ist der zweite Gletscher auf unserer Tour. Das Wetter ist auf unserer Seite und so haben wir eine schöne Wanderung, tolle Aussichten und eisige Fotomotive.

Der Jotunenheim Nationalpark ist das nächste Ziel auf unserer Reise. Quer durch das „Land der Riesen“ geht es weiter Richtung Lom. Im Jotunenheim sollen Norwegens höchste Berge zu finden sein, daher der Name. Da ich den Defender auch gerne mal abseits vom Asphalt bewegen wollte, war ich immer auf der Suche nach einer Gelegenheit. Wir machen also einen Abstecher zu einer Wanderhütte, welche über eine Schotterpiste zu erreichen ist. Gut, vermutlich hätte die Strecke auch ein Porsche bewältigen können, dennoch, Spaß hat’s trotzdem gemacht.

Die alte Passstraße Gamle Stryfjellsvegen

Einige Kilometer weiter folgt schon das nächste Highlight, der: „Gamle Stryfjellsvegen“ (61.954471°N, 7.342874°O). Eine alte Passstraße, die mittlerweile durch diverse Tunnel abgelöst wurde. Die Strecke, ebenfalls Schotterpiste, kann ich nur jedem empfehlen. Wir hatten Glück mit dem Wetter. Am Ende der Schotterpiste schlägt das Wetter mit einem Mal um und wir sind in Eis und Schnee unterwegs.

Viel Trubel am Geirangerfjord

Kurz nach der Passstraße kommen wir zu einem weiteren von Norwegens touristischen Anlaufpunkten: Dem Geirangerfjord. Herrlich ist es dort, aber auch herrlich überlaufen, zumindest in der Hauptsaison. Die Menschen werden dort massenweise per Bus angekarrt. Um ein paar Fotos machen zu können, müssen wir bestimmt 10 Minuten anstehen.

Obwohl Geirangerfjord und Trollstigen nicht weit von einander entfernt liegen, war das Wetter in Trollstigen miserabel. Deshalb gibt es hier kein Bild von der Straße mit ihren zahlreichen Serpentinen. Halt, ein Bild gibt es doch, zwar nicht von der Straße, sondern von einem dort ansässigen Troll.

Moschusochsen im Dovrefjell Nationalpark

Unser Weg führt uns weiter in Richtung Dovrefjell Nationalpark. Ich will unbedingt Moschusochsen finden, diese Tiere haben es mir irgendwie angetan. Doch vorher kommen wir noch an Wasserfällen, schönen Aussichten und einer kleinen Schlucht mit türkis farbenem Wasser vorbei.

Der Dovrefjell Nationalpark ist der nördlichste Punkt unserer Reise. Viele Norweger bieten hier geführte Safaris zu den seltenen Tieren an, doch wir beschließen uns selbst auf den Weg zu machen und welche zu finden. Die ersten Tage hat es viel geregnet und wir konnten keine Tiere entdecken.

Am Tag der Weiterfahrt strahlt die Sonne und wir versuchen es noch einmal. Von einem Wanderparkplatz aus, auf dem wir auch übernachtet hatten, gehen wir erstmal zum Aussichtspunkt „Snohetta“ (62.224101°N, 9.489990°O). Dort entdecke ich in weiter Ferne zwei schwarze Punkte und bildete mir ein, diese würden sich bewegen. „Das müssen Moschusochsen sein“, denke ich mir. Ich mache die ungefähre Richtung aus und wir wandern los. Gut eineinhalb Stunden dauert es, bis wir den angepeilten Bereich erreicht hatten.

Die Mühe soll belohnt werden: drei Tiere sind es, ich tippe auf „Papa, Mama und Kind“. Wir nähern uns den Moschusochsen vorsichtig, schleichen und aber nicht(!) an.

Absichtlich machen wir ab und an ein paar lautere Geräusche, sodass der Bulle uns mustern kann. Er schaut uns ein paar mal an, lässt aber keine Bedrohung erkennen, so dass wir ein paar schöne Fotos machen und die Tiere in Ruhe beobachten können. Für mich ist es das Highlight der Reise.

Ursprünglich kommen die Moschusochsen aus dem Norden Kanadas und Nordosten Grönlands. Zwanzig Jahre hat es gedauert bis 1947 eine kleine Herde der Tiere erfolgreich im Dovrefjell angesiedelt werden konnte. Heute leben etwa 300 Tiere im Dovrefjell Nationalpark, ziemlich cool, dass wir drei von Ihnen finden konnten.

Gut vierzehn Tage sind seit unserer Ankunft in Kristiansand vergangen, nun geht es wieder Richtung Süden. Wir fahren über Lillehammer und Oslo nach Larvik, von wo aus wir wieder nach Hirtshals in Dänemark übersetzen. Unterwegs freuen wir uns über den strahlenden Sonnenschein, machen hier und da Halt. In Larvik verbringen wir noch zwei Tage, schauen uns die Stadt und den Hafen an und lassen das Erlebte Revue passieren. Ein schöner Ausklang einer tollen Reise.

Fazit: Zweimal war ich vorher schon in Norwegen unterwegs, trotz vielen Regens waren beide Male klasse. Die Reise mit dem Defender anzutreten, hat die bisherigen Reisen noch einmal getoppt. Nur mit diesem Fahrzeug unterwegs zu sein, löst bei mir schon pures Abenteuer Feeling aus, Norwegens abwechslungsreiche Landschaft trägt natürlich auch viel dazu bei.

Komfortabler ist es mit dem Landy auch, zumindest im Vergleich zum Zelt. Im Regen Zelt auf -und abbauen? Nein danke. Ganz nebenbei spart es auch noch Kosten, so sind Hütten doch um ein vielfaches teurer als ein Stellplatz.

Die Straßen in Norwegen sind zwar oft einspurig, aber super ausgebaut. Mit dem Defender war das Entschleunigung pur. Meist betrug die Geschwindigkeit nur gut 50 Kilometer pro Stunde, auch weil wir möglichst viel von der Landschaft sehen wollten.

Der Landy hat die gut 4000 Kilometer lange Reise problemlos abgespult. Etwas unsicher war ich mir schon, denn er ist bereits siebzehn Jahre alt und ich hatte keinerlei Nachweise über die vorherige Wartung.

Halt, eine Sache gab es da doch: Für gut 150 Kilometer kamen Angst einflößende Geräusche aus Richtung Getriebe. Für kurze Zeit war die Laune auf dem Nullpunkt, die Reise stand kurz vor dem Abbruch. Ich dachte mir dann, schlimmer könne es nicht werden. Zur Not bringt uns der ADAC nach Hause. Wir sind einfach weiter gefahren, nach besagten 150 Kilometern war das Geräusch auf wundersame Weise weg. Bis heute, circa 6000 Kilometer weiter, kam es nicht wieder.

Die Kosten: Norwegen ist wohl eines der teuersten Reiseländer, die man sich aussuchen kann. Diesel, Essen und alles andere ist dort um einiges teurer als in Deutschland. Eine genaue Kostenaufstellung habe ich nicht gemacht, doch dürften es etwa 1500 Euro gewesen sein. Allerdings die drei größten Posten: Fährtickets, Campingplätzen und Dieselkosten eingerechnet. Nicht zu viel, wie ich finde.

Wir schmieden schon Pläne für die nächste Reise nach Skandinavien, so will ich doch unbedingt mal zum nördlichen Ende Europas.

Über den Autor: Pascal Zoyke bloggt über seine Touren mit dem Landy unter https://www.abenteuer-landy.de