Die Grand Erg, eine der bekanntesten Amateur-Sahara-Rallyes wurde für 2015 abgesagt. Gründe sind die aktuelle Sicherheitslage in Tunesien sowie fehlende Genehmigungen seitens des Militärs. Detlef Kloster war mit seiner Frau Sabine auf der letztjährigen Rallye im Orga-Team und hat uns von seinen Erlebnissen erzählt.

Bei der Grand Erg kannst du als regulärer Teilnehmer mitfahren, in Challenge-Klasse für Neu-Einsteiger oder eben auch als Teil des Orga-Teams, wie wir das gemacht haben. Inklusive der 30 Rallye-Teilnehmer waren letztes Jahr rund 100 Leute bei dem Wüstenrennen dabei. Eine Rallye ist ein enormer organisatorischer Aufwand und die Grand Erg hat nicht umsonst den Ruf, die bestorganisierteste deutsche Nordafrika-Rallye zu sein.

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Die Organisation des Veranstalters war erste Klasse

Der Aufwand, den der Veranstalter Jörg Russler für die Rallye betreibt, ist schon beeindruckend. Zu den Orga-Fahrzeugen letztes Jahr gehörten: drei Berge-KAT, davon einer mit Kran, ein kompletter Werkstatt-LKW mit Drehbank, Schweißgerät und Ersatzteilkisten der Teilnehmer, der Versorgungs-Truck die „Blaue Gefahr“, und ein LKW mit mehreren tausend Litern Sprit. Außerdem waren mehrere Ärzte dabei und drei Fahrzeuge des tunesischen Militärs.

Während der ganzen Zeit haben wir uns unglaublich sicher gefühlt und wir hatten niemals Angst, dass uns etwas passiert und wir nicht wissen, was wir jetzt tun sollen. Es war jederzeit klar, welche Aufgabe jeder einzelne von uns hatte und wie wir uns im Notfall verhalten sollten. Alle Orga-Teams und Teilnehmerfahrzeuge waren mit Satelliten-Telefonen ausgerüstet und es waren immer zwei bis drei Fahrzeuge pro Orga-Team. Diese bestanden immer aus mindestens einem erfahrenen Wüstenfahrer, oftmals ein Arzt, und einem Newbie.

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Abends gab es die Teambesprechungen, erst die für die Teilnehmer, dann die für die Orga. Dort gab es alle wichtigen Informationen und die Roadbooks für den nächsten Tag. Die Orga-Teams bekamen spezielle Roadbooks, in denen die Koordinaten der Durchfahrtskontrollen eingezeichnet waren. Die Kontrollen werden von den Orga-Teams aufgebaut. Dort bekommen die Teilnehmer die Stempel für die Tages-Etappe.

Und dann denkst du dir: „Diese Düne schaffen wir nie“

Am ersten Abend im Wüsten-Camp sind ein paar Jungs mit ihren Unimogs eine riesige Düne hochgefahren. Da habe ich nur gedacht: „Wow, das könnte ich nicht.“ Am nächsten Morgen sollten wir dann alle über diese Düne fahren. Das haben wir auch geschafft, es war ein irres Gefühl.

Die Kontrollen wurden morgens früh aufgebaut, das heißt wir mussten teilweise schon sehr früh losfahren, um rechtzeitig bei den Koordinaten einzutreffen. Die Durchfahrtskontrolle bestand aus einem Schild und Absperrband, um die Teilnehmer durch die Kontrolle zu leiten. Und natürlich aus einem schattigen Plätzchen für uns.

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Durchfahrtskontrolle aufgebaut, jetzt hieß es: Warten.

Bis zu acht Stunden lang in der Wüste zu stehen, kann schon langweilig sein. Zum Glück waren unsere Orga-Kollegen immer interessante Gesprächspartner. So zum Beispiel ein Arzt, der eineinhalb Jahre lang auf einer deutschen Forschungsstation in der Antarktis gearbeitet hatte. So wurde uns die Zeit nicht zu lang, bis die letzten Teilnehmer durch die Durchfahrtskontrolle gefahren waren und wir einpacken konnten.

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Abends freuten wir uns auf die „Blaue Gefahr“

Während der drei Tage in der Wüste war das Camp das Highlight des Tages. Mitten in der Wüste hatten unsere tunesischen Helfer eine Tuareg-Zeltstadt aufgebaut, wo bereits die „Blaue Gefahr“, beladen mit kühlen Getränken und leckeren Snacks für die Wüstenfahrer, wartete.

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So völlig unbeschwert war die Rallye aber doch nicht. Am dritten Tag ist ein Defender in ein Dünental gebrettert und hat sich die komplette Vorderachse abgerissen. Auf dem letzten Metern zum havarierten Fahrzeug blieb auch einer der Berge-KAT liegen. Dessen Team musste den LKW mitten in der Wüste auseinander bauen, um festzustellen, dass ein Kupplungsteil defekt war.

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Das Ersatzteil war in ganz Tunesien nicht aufzutreiben und musste aus Deutschland bestellt werden. In zwei Tagen sollte es auf Djerba ankommen, also ist einer vom Orga-Team nach Djerba gefahren und hat das Teil geholt. Die Abholung hat insgesamt fünf Tage gedauert. Der KAT und das andere havarierte Fahrzeug standen also erstmal ein paar Tage in der Wüste und wurden vom Camp aus mit Lebensmitteln versorgt. Nach drei Tagen konnten die Havaristen von einem Teilnehmer-LKW endlich ins Camp geholt werden. Der Retter bekam später dafür den Fairness-Pokal.

Aufwachen in der Wüste ist einfach unglaublich

Das Schönste, das wir auf der Grand Erg erlebt haben, war, neben den tollen Menschen und dem großartigen Zusammenhalt der Gruppe, die Wüste. Morgens in der Wüste wach zu werden und dann diese totale Stille zu erleben: keine Vögel, kein Lärm, einfach nichts. Wahnsinn. Und die Farben dort waren schier unglaublich.

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Zwei Wochen lang eine völlig andere Welt

Das war das erste Mal, dass ich mich während der Rallye total entspannt gefühlt habe. Eigentlich hatten wir ja Urlaub. Aber so richtig runterkommen kannst du bei einer Rallye natürlich nicht. Die Tage beginnen spätestens um fünf Uhr und vor elf kommst du nicht ins Dachzelt. Nach der Teambesprechung mussten wir noch die Tracks des morgigen Tages ins Navi und ins Ersatz-Navi laden. Das ist genau die Spannung, die dafür sorgt, dass du deinen Alltag komplett hinter dir lässt. Zwei Wochen, in denen du in eine völlig andere Welt eintauchst, aus der du erst auf der Fähre zurück nach Europa wieder auftauchst.

Trotz der Anstrengung war es eine tolle Erfahrung. Ich persönlich finde es sehr schade, dass die Rallye für dieses Jahr abgesagt wurde. 2015 jährt sich die Grand Erg zum zehnten Mal und es wäre somit eine ganz besondere Veranstaltung gewesen. Aber Jörg Russler verdient für diesen Schritt Respekt und Verständnis, denn die Sicherheit der Teilnehmer steht für ihn stets an erster Stelle.

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Detlef Kloster und seine Frau Sabine kommen aus Weilerswist. Sie fahren seit 2012 einen 90er Defender mit Dachzelt. Ihr Blog findet ihr unter: http://defender448.blogspot.de/

Fotos: © Sabine Kloster und Roger Nies