Julian Nocke erzählt, warum arbeiten und reisen für ihn zusammengehören, wie er heute arbeitet und was sich in der Hamburger Zeltanhänger-Manufaktur seit der Übernahme durch die Erwin Hymer Group verändert hat.

3DOG camping gibt es jetzt seit zehn Jahren. Erzähl doch mal, was du vorher gemacht hast.

Vor 3DOG camping war ich in den unterschiedlichsten Bereichen tätig. Ich habe viel als Fotoassistent, Grafik-Designer und Webentwickler gearbeitet. In Australien war ich sogar als Schweißer und Cowboy unterwegs. Das Schöne ist, dass sich das bei 3DOG camping heute alles zusammenfügt.

Australien war Teil deiner eineinhalbjährigen Weltreise, oder?

Ja, als Fotoassistent bin ich immer schon viel rumgekommen und habe andere Länder gesehen. Aber dann war der Job fertig und zack musstest du schon wieder weg. Und von dem Land, in dem du warst hast, du gar nix gesehen. Ich hab dann von dem Work-and-Travel-Konzept gehört. Mir war es schon immer unangenehm in fernen Ländern als Tourist rumzureisen. Klar, wenn man nach Griechenland fährt oder so, dann geht das. Aber in deutlich anderen Kulturen bleibt man Fremdkörper und Störfaktor. Ich möchte auf Reisen die Länder richtig kennenlernen und das kannst du nur, wenn du ein Teil der Community wirst. Da gehört Arbeiten für mich auf jeden Fall dazu.

Warst du alleine unterwegs oder bist du mit jemandem zusammen gereist?

Ich bin „linksrum“ über Amerika, Französisch Polynesien, Fidschi-Inseln, Cook-Inseln, Neuseeland nach Australien gekommen. Die meiste Zeit war ich alleine. Wobei alleine bleibt man ja nie. Ich habe während der Zeit unheimlich viele tolle Leute kennengelernt. Zu den meisten habe ich heute noch Kontakt. Nur wenn du alleine reist, kannst du sowas in der Form wirklich erleben. Dann kannst du dich nämlich nicht in deine Zweisamkeit zurückziehen. Wenn du auf andere Leute angewiesen bist, lernst du sie ganz anders kennen.

Wie bist du vor Ort an die Jobs gekommen?

Meistens ergibt sich das von allein. Da ist immer einer, der Hilfe braucht. Wenn du dann fertig mit der Arbeit bist, vermittelt der dich direkt weiter. Das ist nicht so kompliziert wie hier in Deutschland. In Australien war ich viel als Cowboy unterwegs. Wenn ich irgendwo vorbeigekommen bin, habe ich einfach nach Arbeit gefragt. Meistens hieß es dann: „Jo, Arbeit hab ich.“ Einer hat mich dann gefragt: „Hey, kannst du schweißen?“ Das war Ray Grigson von einer Zelt-Manufaktur in Australien. Schweißen konnte ich. Also hab ich da angefangen.

3Dog camping vor Windjana  Gorge

3Dog camping vor Windjana Gorge

Diese Begegnung scheint dann ein spannender Wendepunkt in deinem Leben gewesen zu sein?

Irgendwann hatte ich halt die Nase voll vom Reisen und so in den Tag hinein zu leben. Da stehst du am hundertfünfundachtzigsten geilsten Strand der Welt und denkst dir halt: „Puh, langweilig.“ Klar hatte ich immer meine Jobs, aber ich hatte Lust, mal wieder was Echtes zu starten.

In Australien habe ich immer wieder Zeltanhänger gesehen. Die gibt es da wirklich wie Sand am Meer. Das fand ich einfach spannend. Ich wollte mehr darüber wissen und war aber mehr durch Zufall an Ray geraten, der so etwas konstruiert und gefertigt hat. Während der Zeit, in der ich für ihn gearbeitet habe, sind wir Freunde geworden. Irgendwann war klar, wir machen das zusammen. Er weiter in Australien und ich in Europa.

Wie ging es dann weiter?

Ich bin dann wieder nach Deutschland gegangen. Da hab ich schnell gemerkt, du kannst nicht einfach die australischen Anhänger nach Deutschland importieren und hier verkaufen. Alleine wegen der enormen Frachtkosten und auch zulassungstechnisch ist das gar nicht möglich. Also habe ich in Hamburg eigene Anhänger entwickelt. Das hat gut zwei Jahre gedauert. Natürlich nicht nur die Konstruktion und der Bau von Prototypen, sondern der ganze Aufbau der Firma, Marketing, Messeplanung usw. Das lief alles parallel.

Wie hast du das ganz alleine geschafft?

Ganz alleine war ich natürlich nicht. Ich hatte an vielen Stellen Leute, die mich unterstützt haben. Leute, von denen ich Informationen bekommen habe. Bei sowas bist du auf Netzwerke angewiesen, auf Leute, die sich auskennen in ihrem Fach. Gerade was die Zulassungsgeschichten angeht, da war es mir von Anfang an wichtig, das auf eine sichere Basis zu stellen. Das musste versicherungstechnisch absolut sauber sein. Sparst du da in der Konstruktion an irgendwelchen Details, holt dich das nachher ein, wenn es mal einen Unfall gibt. Da setze ich lieber am Anfang mehr Energie ein und mache das vernünftig. Außerdem gehöre ich zu den Menschen, die relativ wenig Schlaf brauchen. Das hat sicher auch geholfen.

Beschreib doch mal einen typischen Arbeitstag.

Ich bin in sämtlichen Bereichen involviert. Wie meistens bei kleinen Firmen. Wir sind jetzt zehn Leute. Einen Großteil meiner Zeit verbringe ich in der Konstruktion und der Fertigung. Manchmal stehe ich auch selbst an den Maschinen, aber leider nur selten. Aber die Näherei zum Beispiel wird von einem Segelmachermeister geleitet, der kann das natürlich viel besser als ich. Einen klar definierbaren Arbeitstag gibt es bei mir nicht. Das ist auch gut so. Ich habe früher viele unterschiedliche Sachen gemacht und jetzt fügt sich das plötzlich alles zusammen. Das ist toll.

Ich muss nicht alles perfekt können, ich muss auch nicht alles selber machen. Aber ich will genau wissen, wie es geht. Ich weiß aber auch, wo meine Grenzen sind. Da kann ich auch abgeben. Vertrieb zum Beispiel oder Zollabwicklung sind Dinge, die können andere einfach besser als ich. Deshalb bin ich froh, wenn Spezialisten solche Bereiche übernehmen.

3DOG camping Näherei

3DOG camping Näherei

Du hast dein Unternehmen Ende letzten Jahres an die Erwin Hymer Group verkauft. Wie kam es dazu?

Die Zielgruppen verändern sich und das haben vor allem die großen Hersteller in den vergangenen Jahren gemerkt. Hymer hat schon länger etwas zwischen einem normalen Zelt und einem Wohnwagen gesucht. Und über fünf Ecken sind die auf uns gekommen. Das Schöne an der Sache ist, dass die Hymer Group uns als eigenes Segment versteht und nicht als Wohnwagen-Ersatz oder Anhängsel. Deshalb haben wir uns von Anfang an auch gut verstanden. Die Erwin Hymer Group gehört zu 100% der Familie Hymer. Es ist ein Familienbetrieb. Das merkst du auch.

Hast du nicht auch eine Menge aufgeben, als du deine Firma an die Erwin Hymer Group verkauft hast?

Natürlich gibt man eine Menge auf, aber man gewinnt auch eine Menge. Vorher konnte ich theoretisch alles alleine entscheiden. Aber eben auch nur theoretisch. Du hast immer irgendwelche Zwänge: die Liquidität reicht vielleicht nicht oder dein Team ist zu klein. Wir arbeiten hier als eigenständige Einheit und wirtschaften auch allein für uns. Wir profitieren sehr von der Hymer Group, vor allem was die Einkaufspreise angeht. Früher mussten wir unsere Bauteile immer sehr teuer einkaufen, weil unsere Zulieferer uns bei den geringen Mengen einfach keine guten Preise machen konnten. Das ist jetzt anders.

Also werden eure Anhänger jetzt günstiger?

Nein, aber wir können endlich mal wirtschaftlich arbeiten. Wir haben die Preise eingefroren, die sind jetzt seit 2013 stabil. Ich bin da vielleicht etwas altmodisch, aber wenn ich mir was kaufe, dann will ich auch, dass das hält. Wenn ich eine Bohrmaschine kaufe, dann gebe ich lieber etwas mehr aus, dann weiß ich aber auch: An der werde ich 20 Jahre lang Freude haben. So ist das mit unseren Anhängern auch. Aber heute muss ja immer alles billig sein. Natürlich glaubt uns keiner, dass wir bisher kaum etwas daran verdient haben.

Unsere Zeltanhänger werden komplett in Deutschland gefertigt. Lediglich der Zeltstoff kommt aus Australien, weil wir bisher keinen europäischen Hersteller finden konnten, der uns die gleiche Qualität liefern kann. Schließlich haben wir uns die Qualitätsführerschaft auf die Fahnen geschrieben. Und Qualität „Made in Germany“ hat eben ihren Preis. Wir haben Händler, die vermieten schon seit 10 Jahren unsere Zeltanhänger. Außerdem geben wir auf alles zehn Jahre Garantie! Ich finde, das sagt ziemlich viel über die Qualität unserer Produkte aus.

3 Dog Camping auf der Abenteuer & Allrad

3 Dog Camping auf der Abenteuer & Allrad

Werdet ihr dieses Jahr Neuheiten vorstellen? 

Momentan erleben wir einen ziemlichen Wandel im Unternehmen. Deshalb haben wir uns entschieden, dieses Jahr keine Neuheiten zu machen. Die Umstrukturierungen haben vor allem mit dem Kauf durch die Erwin Hymer Group zu tun. Anderseits wollen wir auch wachsen. Deshalb werden wir jetzt unsere Prozesse erstmal optimieren. Wenn du erst wächst und nachher definierst, wie was gemacht werden soll, hast du ein Problem. Wir haben noch eine Menge Ideen in der Schublade, die müssen halt noch ein bisschen warten.

Fotos: © 3DOG camping